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© Dina Edelstein-Langer
Stand: 13. Jänner 2011

"Ahnen" - Gedanken und Überlegungen


Ich lebe im mütterlichen Familienhaus. In meiner Wohnung gibt es einen Hausaltar für meine persönlichen und spirituellen Ahnen, mit Fotos meiner Vorfahren, Räucherwerk und Kerze und vielen anderen Dingen. Im Stiegenhaus gibt es eine "Ahnenecke" für meine mütterliche Großmutter, mit Foto, Blumen und Kerze. In den Wohnungen meiner Mutter und meiner Tochter gibt es zumindest einen kleinen "Ahnenplatz" mit Foto und Kerze.
In meiner schamanischen Welt gibt es die Halle der Ahnen und schamanisch arbeite ich auch als Seelenbegleiter für Gestorbene.

Ahnen sind für mich sowohl in der Realität als auch bei der schamanischen Arbeit allgegenwärtig und der Umgang mit ihnen so vertraut, dass mir anfangs nicht klar war, warum ich 2003 erstmals (im Auftrag meiner Geistwelt) ein Fest zu Ehren der Ahnen gestalten sollte, bei dem es u. a. darum geht Menschen einen ersten Kontakt mit ihren persönlichen Ahnen zu ermöglichen.

Die Erfahrung bei den Ahnenfesten hat mich gelehrt, dass die Achtung der Ahnen für Menschen im 21.Jahrhundert eine wohltuende Bereicherung ihres Alltags und lehrreich sein kann, darüber hinaus aber auch immer Seelen heilend ist.



Warum sagen wir Ahnen? Was bedeutet das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch?

KLUGE 1989 Etymologisches Wörterbuch
Ahn m. Mhd. an(e), ahd. ano. In dieser Bedeutung ('Vorfahr') auf das Deutsche beschränkt. Weiter verbreitet ist das ig. *han-  mit der Bedeutung 'alte Frau'. ... In der Bedeutung "Großvater', Großmutter fehlt dem Wort zunächst eine Unterscheidungsmöglichkeit zwischen maskulinum und femininum. Diese wird nachträglich eingeführt (Ähni/ Ahne, Ahnherr/ Ahnfrau usw.), aber ab 1400 weicht das Wort vor dem klareren Großvater/Großmutter zurück.
DUDEN 1989 Herkunftswörterbuch
Ahn "Vorfahre": Das im germ. Sprachbereich nur im Dt. gebräuchliche Wort ist ein Lallwort der Kindersprache für ältere Personen aus der Umgebung des Kindes. Mit mhd. an(e), ahd. ano "Vorfahre"; Großvater" sind z.B. [elementar]verwandt griech. annis Großmutter und lat. anus "altes Weib" {Stowasser 1910: anus, us, f. Greisin, Alte, alte Frau}. - Eine Verkleinerungsbildung zu 'Ahn' ist das unter Enkel behandelte Wort.
... Der
Enkel galt vielen Völkern als der wiedergeborene Großvater, wie es auch germ. Sitte war, ihm den Namen und damit Kraft und Glück des [verstorbenen] Großvaters zu geben (z.B. wechselten so bei den Karolingern die Namen Pipin und Karl).
*** Wie schaffte es der Adel das Verbot der Wiedergeburt zu umgehen?
DUDEN 1892 + DUDEN 1910
Ahnen Vorfahren, Voreltern, besonders die vom Adel. Seit dem 13. Jh. war vielfach (für Lehnsfähigkeit, Teilnahme an Turnieren, Eintritt in einen Ritterorden, Domkapitel, adliges Stift....) Ritterbürtigkeit erforderlich, d.h. nachweisbare Abstammung nicht bloß von adligen Vätern und Großvätern, sondern auch von adligen Müttern und Großmüttern ohne Dazwischenkunst bürgerlicher Mütter....Gegenwärtig interessiert die Ahnenprobe nur noch für den hohen Adel sowie bei Bewerbungen um adlige Stiftsstellen, beim Johanniterorden, Georgsritterorden etc.
BROCKHAUS 1997
Ahnen (lat. Aszendenten), Vorfahren, Verwandte in aufsteigender Linie, z. B. Eltern im Verhältnis zu Kindern

BROCKHAUS 2001 (Ergänzungsband)

Ahnl Großmutter

Ahnen - ein Wort mit unterschiedlichen Bedeutungen! ... Von geschlechtsunabhängig zu eher nur weiblich, über die Bedeutsamkeit für Privilegierte (Ritter, Adel, und Klerus), bis zur Unbedeutsamkeit für "nur" Angehörige einer Gesellschaft ! ... Der (soziale) Wandel einer Gesellschaft bewirkt einen Wertewandel in dieser Gesellschaft und das führt zum Bedeutungswandel eines Wortes!  ... Wie doch Sprache und Denken von gesellschaftlichen Änderungen beeinflusst wird! Oder ist es umgekehrt?

Für mich ist Ahnl eher die liebevolle Bezeichnung für die Älteste, die mit einer Großfamilie lebt. .... Glücklich jede Familie, die noch so ein Ahnl im Haus hat. Sie ist nicht nur die beste Kinderfrau, sondern - aufgrund ihrer Lebenserfahrung - eine große Hilfe in Krisen- und Notzeiten. S'Ahnl ist immer da, weiß immer einen Rat, hat immer ein offenes Ohr für die kleinen und großen Nöte und weiß immer wie es weiter geht, oder was zu tun ist. Sie ist die Hüterin der Familientraditionen und Garant für den Zusammenhalt der Großfamilie.

 

Ahnen sind für mich mehr als nur ein anderes Wort für Vorfahren!

Warum eigentlich? Was sind Ahnen für mich? Welche Bedeutung haben sie in meinem Alltag? Welche Bedeutung haben sie in meiner schamanischen Welt und für meine schamanische Arbeit?
 

Die Kraft des Wortes
Am Anfang war das Wort! ... Aber vor dem Wort ist das Bild des Geistes.
Jedes geschriebene Wort ist ein mit Buchstaben gezeichnetes Bild, das ausgesprochen und in den Raum gestellt ein Klangbild erzeugt!

Das Klangbild des Wortes Ahnen ist anders als das Klangbild des Wortes Vorfahren!
Ahnen klingt leicht, fließend und beinhaltet Freisein, während das Wort Vorfahren zwar eine Art von Bewegung beinhaltet,  aber doch auch viel Gebundensein.
Ahnen verbinde ich mit Geist, Selbstlosigkeit, Ruhe, Harmonie, Wärme und Geborgenheit, aber auch Schutz, Kraft und innerer Stärke, Vorfahren vor allem mit Vererbung (Übernommenem, Übertragenem, Unerlöstem), aber auch mit Würde und Bürde.


Ahnen sind die
Energie bzw. der Geist von Vorfahren, die ihr Leben erfüllt und vollendet haben!
Die Einheit von Körper, Seele und Geist wird durch den Tod zur Dreiheit!
* Der Körper bleibt in der irdischen Welt und wird zur Asche, zu Staub oder hilft anderen Lebewesen zu überleben.
* Die Seele (Seelenkörper und Ich-Bewusstsein) geht den Weg über die Grenze ins Jenseits und weiter durch die
Zwischenwelt des weißen  Lichts.
* Der Geist wird nach dem Eingehen in die Einheit wieder frei und reine Energie. .... Ist das der göttliche Funke im Menschen? Ist das ein Teil der Energie, die den Urknall zum Knallen brachte und daher in jeder Materie enthalten ist? Ist die Achtung der Ahnen und die Kommunikation mit ihnen dem Gebet vergleichbar?


"Die Ahnen, ohne die es uns nicht gäbe"
... sind die persönlichen Ahnen unserer Herkunftsfamilie. 
Wir tragen das körperlich-seelisch-geistige Potential unserer Herkunftsfamilie als Anlage in uns und geben es an unsere Nachkommen weiter!
Daher ist es wichtig mit lebenden und/oder gestorbenen, aber auch unbekannten Mitgliedern unserer Herkunftsfamilie im Reinen zu sein!
Vor allem die Achtung und der Respekt, den wir auch Vorfahren und/oder lebenden Mitgliedern der Herkunftsfamilie entgegenbringen, die wir nie kennen gelernt haben (Findelkinder, Kriegswirren, fehlende Überlieferung etc.), oder bei denen wir dazu neigen sie aus unterschiedlichen Gründen abzulehnen oder ihnen gar Wut entgegen zu bringen (abwesender und/oder "psychisch kranker" Elternteil, andere politische Gesinnung, Adoptivkinder etc.) schenkt uns - durch den Akt der Aussöhnung und des Loslassens - die notwendige Kraft unsere innere Stärke, unseren Selbstwert und unser Selbstbewusstsein zu ent-wickeln. Außerdem erhalten diese Mitglieder der Herkunftsfamilie  dadurch die Möglichkeit ihr diesseitiges Leben zu erfüllen und/oder ihr jenseitiges Leben zu vollenden. 
Diese Ahnen können wir als Schutzgeister für uns und unsere Familie, aber auch als Ratgeber und Helfer für Weltliches erbitten.


"Die Ahnen, deren Kultur und Tradition uns vertraut sind"
... sind die spirituellen Ahnen.
Es sind meist Ahnen aus früheren Leben, die wir kennen lernen, wenn wir bewusst oder unbewusst auf der Suche nach unserem ureigenen Selbst sind, und/oder uns spirituell ent-wickeln wollen. Ihrer Kultur und ihren Traditionen fühlen wir uns im Herzen zugehörig und verbunden.
Es kann der Geist unserer Vorfahren aus unserer derzeitigen Heimat (Kelten, Germanen) sein, aber auch der Geist von Vorfahren aus einem anderen Kontinent. Diese Ahnen schenken uns ihre Mythen, Rituale und ihr "altes" Wissen. Sie unterstützen uns dabei zu uns zu stehen, damit wir unabhängig werden von vorgegebenen und vorgeschriebenen Meinungen der Gesellschaft in der wir leben.
Diese Ahnen können wir als spirituelle Lehrer und Ratgeber erbitten.


"Die Ahnen, die einen Ort geprägt haben"
... sind die Ahnen eines Ortes.
Diese Ahnen sind der Geist von Vorfahren, die vor uns den Ort an dem wir leben und/oder uns gerade aufhalten - wann auch immer - geprägt und verändert haben.
Diese Ahnen können persönliche, unpersönliche und spirituelle Ahnen sein.
Diese Ahnen können wir als Helfer und Ratgeber erbitten, wenn wir unser Heim zu einer Oase des Friedens und einem Ort der Kraft und Geborgenheit machen wollen.

Der Geist eines Ortes ist unabhängig von den Ahnen eines Ortes!
 

Heimat, Ahnen und Wurzeln sind für mich drei Begriffe, die zusammen gehören.
Durch den Respekt den wir persönlichen, spirituellen und Ahnen eines Ortes entgegen bringen erschaffen wir die Einheit der Ahnen, die uns in Krisenzeiten Halt gibt, vergleichbar der starken Stammwurzel eines Baumes.
... Ist die Einheit der Ahnen eine Art "Dreieinigkeit"?



Wiederbelebung der Achtung der Ahnen
Die Ahnenkultur unserer keltisch/germanischen Vorfahren wurde durch die Christianisierung von Samhain (Allerheiligen/Allerseelen/Halloween) verdrängt und der Hausaltar vom Herrgottswinkel abgelöst.


Die persönlichen Ahnen können wir achten und ehren, wenn wir ihrer gedenken
(Erinnerungsstücke, die in Ehren gehalten werden; Erzählungen über und aus ihrem Leben; Erinnerungen an ihr Leben; kleiner Hausaltar mit Fotos etc.) sie zu Familienfesten einladen (Taufe, Hochzeit, Ahnenfest etc.) und/oder sie als Schutzgeist (Hilfe in einer schwierigen Lebenssituation) erbitten.

Die spirituellen Ahnen achten und ehren wir, wenn wir ihre Rituale, Mythen, Denkweisen und Tradition so übernehmen und unserem derzeitigen Leben entsprechend anpassen, dass wir sie an unsere Nachkommen weitergeben können.

Die Ahnen eines Ortes achten und ehren wir, wenn wir mit dem Überlieferten, der Umwelt und Natur dieses Ortes sorgsam umgehen, und das erhalten, was uns gegeben ist, damit wir es heil an die weiter geben können, die nach uns kommen.
Mit den Ahnen eines Ortes, an dem wir uns besonders wohl oder geborgen fühlten, können wir jederzeit und überall durch Erinnerungsstücke an diesen besonderen Ort (Stein, Pflanze, etwas Erde etc.) Kontakt aufnehmen.

Ihr Dasein kann erahnt, erspürt und erfühlt werden. Ihre Anwesenheit  als Geistwesen kann in bestimmten Situationen (z.B. beim Ahnenfest), an bestimmten Orten (z.B. Kraftplatz) und zu bestimmten Zeiten (z.B. Rauhnächte) wahrgenommen und erlebt werden.
 

Was ist Tradition?  ... Quelle  http://www.zitate-online.de/literaturzitate/allgemein/18639/tradition-ist-nicht-das-halten-der-asche.html

Thomas Morus (1478-1535): "
Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme."
Benjamin Franklin (1706-1790): "Tradition heißt nicht, Asche zu bewachen, sondern die Glut anzufachen".
Jean Jaurès (1859-1914): "Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Schüren der Flamme."
Gustav Mahler (1860-1911): "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
Ricarda Huch (1964-1947): "Tradition ist Weiterreichen der Glut, nicht der kalten Asche."
Johannes XXIII. (1881-1963): "Tradition heißt: Das Feuer hüten und nicht die Asche aufbewahren"
Schön ist aber auch die Version von Tatort-Prof. Boerne: "Tradition ist nicht das Aufbewahren der Asche, sondern die Weitergabe der Streichhölzer."

 


Die Antwort meiner Geistwelt

... Als Ahnen brauchen sie uns nicht mehr!
... Alles, was wir glauben für die Ahnen zu tun, tun wir im Grunde für uns selbst.
... Mit Räucherwerk oder einer entzündeten Kerze können wir die Kraft und Hilfe der Ahnen erbitten.
... Die Ahnen eines Ortes können uns bei der Kontaktaufnahme mit heimatlichen und spirituellen Ahnen unterstützen.
... Mit der Achtung, die wir den Ahnen entgegen bringen, ehren wir die Vorfahren.
... Bestimmte Vorfahren abzulehnen behindert die Vorfahren ihr Leben zu erfüllen und schwächt unsere seelische Kraft!
 

 

Heimsuchungen
Nach meiner Erfahrung suchen immer die Lebenden den Kontakt mit den Ahnen und NIE umgekehrt!
Die Ahnen sind bei den Menschen, wenn ihrer gedacht wird, wenn sie eingeladen und/oder um Hilfe und Unterstützung gebeten werden.

Wenn es zu "Heimsuchungen" kommt, dann sind das Gestorbene, die ihr Leben - aus unterschiedlichen Gründen - noch nicht vollenden konnten und dabei Hilfe benötigen. Das können persönliche Vorfahren sein, aber auch unpersönliche, d.h. unbekannte Vorfahren.

 

 Ahnen ist für mich ein Wort für die Kraft des Geistes!

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