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"Ahnen"
- Gedanken und Überlegungen
Ich lebe im mütterlichen Familienhaus.
In meiner Wohnung gibt es einen Hausaltar für meine persönlichen und
spirituellen Ahnen, mit Fotos meiner Vorfahren, Räucherwerk und Kerze
und vielen anderen Dingen. Im Stiegenhaus gibt es eine "Ahnenecke" für
meine mütterliche Großmutter, mit Foto, Blumen und Kerze. In den
Wohnungen meiner Mutter und meiner Tochter gibt es zumindest einen
kleinen "Ahnenplatz" mit Foto und Kerze.
In meiner schamanischen Welt gibt es die Halle der Ahnen und
schamanisch arbeite ich auch als Seelenbegleiter für Gestorbene.
Ahnen sind für mich sowohl in der Realität als auch bei der
schamanischen Arbeit allgegenwärtig und der Umgang mit ihnen so
vertraut, dass mir anfangs nicht klar war, warum ich 2003 erstmals (im
Auftrag meiner Geistwelt) ein Fest zu Ehren der Ahnen gestalten sollte,
bei dem es u. a. darum geht Menschen einen ersten Kontakt mit ihren
persönlichen Ahnen zu ermöglichen.
Die Erfahrung bei den Ahnenfesten hat mich gelehrt, dass die Achtung
der Ahnen für Menschen im 21.Jahrhundert eine wohltuende Bereicherung
ihres Alltags und lehrreich sein kann, darüber hinaus aber auch immer
Seelen heilend ist.
Warum sagen wir Ahnen? Was
bedeutet das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch?
KLUGE 1989 Etymologisches Wörterbuch
Ahn m.
Mhd.
an(e), ahd. ano. In dieser Bedeutung
('Vorfahr') auf das Deutsche beschränkt. Weiter verbreitet ist das ig. *han-
mit der Bedeutung 'alte Frau'. ... In
der Bedeutung "Großvater', Großmutter fehlt dem Wort zunächst eine
Unterscheidungsmöglichkeit zwischen maskulinum und femininum. Diese
wird nachträglich eingeführt (Ähni/ Ahne, Ahnherr/ Ahnfrau usw.),
aber ab 1400 weicht das Wort vor dem klareren Großvater/Großmutter
zurück. |
DUDEN
1989
Herkunftswörterbuch
Ahn "Vorfahre":
Das im germ. Sprachbereich nur im Dt.
gebräuchliche Wort ist ein Lallwort der Kindersprache für ältere
Personen aus der Umgebung des Kindes. Mit mhd. an(e),
ahd.
ano "Vorfahre"; Großvater" sind z.B. [elementar]verwandt griech.
annis Großmutter und lat. anus "altes Weib"
{Stowasser 1910: anus, us, f. Greisin, Alte, alte Frau}. - Eine
Verkleinerungsbildung zu 'Ahn' ist das unter Enkel behandelte Wort.
... Der Enkel
galt vielen Völkern als der wiedergeborene Großvater, wie es auch
germ. Sitte war, ihm den Namen und damit
Kraft und Glück des [verstorbenen] Großvaters zu geben (z.B. wechselten
so bei den Karolingern die Namen Pipin und Karl).
*** Wie schaffte es der Adel das Verbot der Wiedergeburt zu
umgehen? |
DUDEN 1892 + DUDEN 1910
Ahnen
Vorfahren, Voreltern, besonders
die vom Adel. Seit dem 13. Jh. war vielfach (für Lehnsfähigkeit,
Teilnahme an Turnieren, Eintritt in einen Ritterorden, Domkapitel,
adliges Stift....) Ritterbürtigkeit erforderlich, d.h. nachweisbare
Abstammung nicht bloß von adligen Vätern und Großvätern, sondern auch
von adligen Müttern und Großmüttern ohne Dazwischenkunst bürgerlicher
Mütter....Gegenwärtig interessiert die Ahnenprobe nur noch für den
hohen Adel sowie bei Bewerbungen um adlige Stiftsstellen, beim
Johanniterorden, Georgsritterorden etc. |
BROCKHAUS
1997
Ahnen (lat. Aszendenten), Vorfahren, Verwandte in
aufsteigender Linie, z. B. Eltern im Verhältnis zu Kindern
BROCKHAUS 2001
(Ergänzungsband)
Ahnl Großmutter |
Ahnen
- ein Wort mit unterschiedlichen Bedeutungen!
...
Von geschlechtsunabhängig zu eher nur weiblich, über die Bedeutsamkeit
für Privilegierte (Ritter, Adel, und Klerus), bis zur Unbedeutsamkeit
für "nur" Angehörige einer Gesellschaft !
... Der (soziale) Wandel einer Gesellschaft bewirkt einen Wertewandel
in dieser Gesellschaft und das führt zum Bedeutungswandel eines
Wortes! ... Wie doch Sprache und Denken von
gesellschaftlichen Änderungen beeinflusst wird! Oder ist es umgekehrt?
Für mich ist Ahnl eher die
liebevolle Bezeichnung für die Älteste, die mit einer Großfamilie lebt.
.... Glücklich jede Familie, die noch so ein Ahnl im
Haus hat. Sie ist nicht nur die beste Kinderfrau, sondern - aufgrund
ihrer Lebenserfahrung - eine große Hilfe in Krisen- und Notzeiten.
S'Ahnl ist immer da, weiß immer einen Rat, hat immer ein offenes Ohr
für die kleinen und großen Nöte und weiß immer wie es weiter geht, oder
was zu tun ist. Sie ist die Hüterin der Familientraditionen und Garant
für den Zusammenhalt der Großfamilie.
Ahnen
sind für mich mehr als nur ein anderes Wort für Vorfahren!
Warum
eigentlich? Was sind Ahnen für mich? Welche Bedeutung haben sie in
meinem Alltag? Welche Bedeutung haben sie in meiner schamanischen Welt
und für meine schamanische Arbeit?
Die Kraft des Wortes
Am Anfang war das Wort! ... Aber vor dem Wort ist das Bild des Geistes.
Jedes geschriebene Wort ist ein mit Buchstaben gezeichnetes Bild, das
ausgesprochen und in den Raum gestellt ein Klangbild erzeugt!
Das Klangbild des Wortes Ahnen ist anders als das Klangbild des Wortes
Vorfahren!
Ahnen klingt leicht, fließend und beinhaltet Freisein,
während das Wort
Vorfahren zwar eine Art von Bewegung beinhaltet,
aber doch auch viel Gebundensein.
Ahnen verbinde ich mit Geist, Selbstlosigkeit,
Ruhe, Harmonie, Wärme und Geborgenheit, aber auch Schutz, Kraft und
innerer Stärke, Vorfahren vor allem mit Vererbung
(Übernommenem, Übertragenem, Unerlöstem), aber auch mit Würde
und Bürde.
Ahnen sind die
Energie bzw. der Geist von Vorfahren, die ihr Leben
erfüllt und vollendet haben!
Die Einheit von Körper, Seele und Geist wird durch den
Tod zur Dreiheit!
*
Der Körper bleibt in der irdischen Welt und wird zur Asche, zu Staub
oder hilft anderen Lebewesen zu überleben.
*
Die Seele (Seelenkörper und Ich-Bewusstsein) geht den Weg über die
Grenze ins Jenseits und weiter durch die
Zwischenwelt des
weißen Lichts.
*
Der Geist wird nach dem Eingehen in die Einheit wieder frei und reine
Energie. .... Ist das der göttliche Funke im
Menschen? Ist das ein Teil der Energie, die den Urknall zum Knallen
brachte und daher in jeder Materie enthalten ist? Ist die Achtung der
Ahnen und die Kommunikation mit ihnen dem Gebet vergleichbar?
"Die Ahnen, ohne
die es uns nicht gäbe"
... sind die persönlichen Ahnen unserer
Herkunftsfamilie.
Wir tragen das körperlich-seelisch-geistige Potential unserer
Herkunftsfamilie als Anlage in uns und geben es an unsere Nachkommen
weiter!
Daher ist es wichtig mit lebenden und/oder gestorbenen, aber auch
unbekannten Mitgliedern unserer Herkunftsfamilie im Reinen zu sein!
Vor allem die Achtung und der Respekt, den wir auch Vorfahren und/oder
lebenden Mitgliedern der Herkunftsfamilie entgegenbringen, die wir nie
kennen gelernt haben (Findelkinder, Kriegswirren, fehlende
Überlieferung etc.), oder bei denen wir dazu neigen sie aus
unterschiedlichen Gründen abzulehnen oder ihnen gar Wut entgegen zu
bringen (abwesender und/oder "psychisch kranker" Elternteil, andere
politische Gesinnung, Adoptivkinder etc.) schenkt uns - durch den Akt
der Aussöhnung und des Loslassens - die notwendige Kraft unsere innere
Stärke, unseren Selbstwert und unser Selbstbewusstsein zu ent-wickeln.
Außerdem erhalten diese Mitglieder der Herkunftsfamilie
dadurch die Möglichkeit ihr diesseitiges Leben zu erfüllen und/oder ihr
jenseitiges Leben zu vollenden.
Diese Ahnen können wir als Schutzgeister für uns und
unsere Familie, aber auch als Ratgeber und Helfer für Weltliches
erbitten.
"Die Ahnen, deren Kultur und Tradition uns vertraut sind"
... sind die spirituellen Ahnen.
Es sind meist Ahnen aus früheren Leben, die wir kennen lernen, wenn wir
bewusst oder unbewusst auf der Suche nach unserem ureigenen Selbst
sind, und/oder uns spirituell ent-wickeln wollen. Ihrer Kultur und
ihren Traditionen fühlen wir uns im Herzen zugehörig und verbunden.
Es kann der Geist unserer Vorfahren aus unserer derzeitigen Heimat
(Kelten, Germanen) sein, aber auch der Geist von Vorfahren aus einem
anderen Kontinent. Diese Ahnen schenken uns ihre Mythen, Rituale und
ihr "altes" Wissen. Sie unterstützen uns dabei zu uns zu stehen, damit
wir unabhängig werden von vorgegebenen und vorgeschriebenen Meinungen
der Gesellschaft in der wir leben.
Diese Ahnen können wir als spirituelle Lehrer und
Ratgeber erbitten.
"Die Ahnen, die einen Ort geprägt haben"
... sind die Ahnen eines Ortes.
Diese Ahnen sind der Geist von Vorfahren, die vor uns den Ort an dem
wir leben und/oder uns gerade aufhalten - wann auch immer - geprägt und
verändert haben.
Diese Ahnen können persönliche, unpersönliche und spirituelle Ahnen
sein.
Diese Ahnen können wir als Helfer und Ratgeber erbitten,
wenn wir unser Heim zu einer Oase des Friedens und einem Ort der Kraft
und Geborgenheit machen wollen.
Der Geist eines Ortes ist
unabhängig von den Ahnen eines Ortes!
Heimat, Ahnen und
Wurzeln sind für mich drei Begriffe, die zusammen gehören.
Durch den Respekt den wir persönlichen, spirituellen
und Ahnen eines Ortes entgegen bringen erschaffen wir die Einheit der
Ahnen, die uns in Krisenzeiten Halt gibt, vergleichbar der starken
Stammwurzel eines Baumes.
... Ist die Einheit
der Ahnen eine Art "Dreieinigkeit"?
Wiederbelebung
der Achtung der Ahnen
Die Ahnenkultur unserer keltisch/germanischen Vorfahren wurde durch die
Christianisierung von Samhain (Allerheiligen/Allerseelen/Halloween)
verdrängt und der Hausaltar vom Herrgottswinkel
abgelöst.
Die persönlichen Ahnen können
wir achten und ehren, wenn wir ihrer gedenken
(Erinnerungsstücke, die in Ehren gehalten werden; Erzählungen über und
aus ihrem Leben; Erinnerungen an ihr Leben; kleiner Hausaltar mit Fotos
etc.) sie zu Familienfesten einladen (Taufe, Hochzeit, Ahnenfest etc.)
und/oder sie als Schutzgeist (Hilfe in einer schwierigen
Lebenssituation) erbitten.
Die spirituellen Ahnen achten und
ehren wir, wenn wir ihre Rituale, Mythen, Denkweisen und Tradition so
übernehmen und unserem derzeitigen Leben entsprechend anpassen, dass
wir sie an unsere Nachkommen weitergeben können.
Die
Ahnen eines Ortes achten und ehren wir, wenn wir mit dem Überlieferten, der Umwelt und Natur
dieses Ortes sorgsam umgehen, und das erhalten, was uns gegeben ist,
damit wir es heil an die weiter geben können, die nach uns kommen.
Mit den Ahnen eines Ortes, an dem wir uns besonders wohl oder geborgen
fühlten, können wir jederzeit und überall durch Erinnerungsstücke an
diesen besonderen Ort (Stein, Pflanze, etwas Erde etc.) Kontakt
aufnehmen.
Ihr
Dasein kann
erahnt, erspürt und erfühlt werden. Ihre Anwesenheit
als Geistwesen kann in bestimmten Situationen (z.B. beim Ahnenfest), an
bestimmten Orten (z.B. Kraftplatz) und zu bestimmten Zeiten (z.B.
Rauhnächte) wahrgenommen und erlebt werden.
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Was ist
Tradition?
... Quelle
http://www.zitate-online.de/literaturzitate/allgemein/18639/tradition-ist-nicht-das-halten-der-asche.html
Thomas Morus (1478-1535): "Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern
das Weitergeben der Flamme."
Benjamin Franklin (1706-1790): "Tradition heißt nicht, Asche zu
bewachen, sondern die Glut anzufachen".
Jean Jaurès (1859-1914): "Tradition ist nicht das Bewahren der Asche,
sondern das Schüren der Flamme."
Gustav Mahler (1860-1911): "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und
nicht die Anbetung der Asche."
Ricarda Huch (1964-1947): "Tradition ist Weiterreichen der Glut, nicht
der kalten Asche."
Johannes XXIII. (1881-1963): "Tradition heißt: Das Feuer hüten und
nicht die Asche aufbewahren"
Schön ist aber auch die Version von Tatort-Prof. Boerne: "Tradition ist
nicht das Aufbewahren der Asche, sondern die Weitergabe der
Streichhölzer."
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Die Antwort meiner Geistwelt
... Als
Ahnen brauchen sie uns nicht mehr!
... Alles, was wir glauben für die Ahnen zu tun, tun wir im Grunde für
uns selbst.
... Mit Räucherwerk oder einer entzündeten Kerze können wir die Kraft
und Hilfe der Ahnen erbitten.
... Die Ahnen eines Ortes können uns bei der Kontaktaufnahme mit
heimatlichen und spirituellen Ahnen unterstützen.
... Mit der Achtung, die wir den Ahnen entgegen bringen, ehren wir die
Vorfahren.
... Bestimmte Vorfahren abzulehnen behindert die Vorfahren ihr Leben zu
erfüllen und schwächt unsere seelische Kraft!
Heimsuchungen
Nach
meiner Erfahrung suchen immer die Lebenden den Kontakt mit den Ahnen
und NIE umgekehrt!
Die Ahnen sind bei den Menschen, wenn ihrer gedacht wird, wenn sie
eingeladen und/oder um Hilfe und Unterstützung gebeten werden.
Wenn es zu "Heimsuchungen" kommt, dann sind das Gestorbene, die ihr
Leben - aus unterschiedlichen Gründen - noch nicht vollenden konnten
und dabei Hilfe benötigen. Das können persönliche Vorfahren sein, aber
auch unpersönliche, d.h. unbekannte Vorfahren.
Ahnen ist für mich ein Wort für die Kraft des
Geistes!
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