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© Dina Edelstein-Langer
Stand: 13. Jänner 2011

 Sterben, Tod und das "Danach"  
 


Als Kind konnte ich mir zwar nicht vorstellen was "tot sein" ist, aber das "Danach" gehörte zum "Ort meiner Sehnsucht".

Vor meiner schamanischen Arbeit hatte ich eine sehr einfache Erklärung für Sterben, Tod und "danach":
Sterben kann ein Mensch erst dann, wenn er mit sich und/oder "seinem Gott" im Reinen ist und sich von seinem diesseitigen Leben lösen kann. Tot ist der Mensch,  wenn "seine" Uhr abgelaufen ist. "Danach" ist alles gut. Später schob ich meine
persönlichen Erlebnisse rund ums Sterben auf Einbildung, Wunschdenken und überreizte Nerven.

Aus der schamanischen Begleitung Sterbender, Gestorbener und Hinterbliebener weiß ich, dass manchen Sterbenden und Hinterbliebenen das Aussöhnen und Loslassen sehr schwer fällt, aber auch, dass es nach dem Tod individuelle Landschaften gibt, bevor die Gestorbenen hinüber gehen und ins "Danach" eingehen können.

 

Tod und Sterben sind immer mit Schmerz und Trauer verbunden!
Wie Menschen damit umgehen ist abhängig von Religionszugehörigkeit, kulturellem Hintergrund, herrschendem Zeitgeist und, ob Menschen in der Anonymität einer Stadt, in einer Dorfgemeinschaft, allein oder in der Geborgenheit einer Familie leben.


Noch vor 20 Jahren wurden im Krankenhaus die Betten mit Sterbenden in eigene "Sterbezimmer", ins Schwesternzimmer oder gar in eine Besenkammer geschoben, um dort ihr Leben aushauchen zu können.
Im 21. Jahrhundert gibt es Palliativmedizin, Ärzte, Priester, die Hospizbewegung, Sterbebegleiter, bis hin zur Psychotherapie für Hinterbliebene und vieles mehr. Trotzdem gehört die Auseinandersetzung mit Tod und Sterben zu den Tabuthemen, mit dem sich die "Westler" meist erst dann auseinander setzen, wenn sich "Gevatter Tod" anmeldet.

Vielleicht denken die Menschen der westlich orientierten Zivilisation, dass dieser Bereich nicht zur "Konsum- und Fungesellschaft" des 21. Jahrhunderts passt, weil ihnen die lebensverlängernde Apparate- und Pharmamedizin den Blick auf die Endlichkeit verschleiert?
Vielleicht wird dieser Bereich des Lebens auch deshalb gern auf später verschoben oder gar verdrängt, weil das
"Himmel-Fegefeuer-Hölle-Denken" mit Ängsten verbunden ist?

Sicher ist, dass jede Art von Verdrängung und/oder Ängste wertvolle Lebensenergie kostet!
Sicher ist, dass die Auseinandersetzung mit Tod und Sterben zu Lebzeiten frei macht fürs Leben!



Diesseits und Jenseits sind zwei Seiten des Seins! Gleichwohl ein Anfang und ein Ende, doch jeweils nur der einen Seite, nie sind sie Anfang und Ende des Seins.

Der Kreislauf des Lebens beginnt mit dem Sein ("der Funke, der den Urknall zum Knallen brachte") und endet wieder im Sein.
Dazwischen liegen Geburt; das irdische, raum- und zeitgebundene Diesseits; das Sterben; der Tod; und das immaterielle, raum- und zeitfreie Jenseits.

Die Geburt ist die Vorbereitung auf das selbständige, körperliche Leben.
Das Sterben ist die Vorbereitung auf das jenseitige, immaterielle Leben.
Der Tod ist der Abschluss des körperlichen Lebens und der Eintritt als Seele-Geist-Wesen ins immaterielle Leben  im Jenseits.
Das Jenseits ist die Vorbereitung auf das Eingehen in die Einheit des Geistes (das Sein) oder die Vorbereitung auf eine Wiedergeburt.



Sterben und Tod - das ganz große und letzte Aussöhnen und Loslassen

Die Sterbenden müssen ihren Körper, ihr irdisches Leben, Freunde, Familie, Liebgewonnenes etc. loslassen, um für das jenseitige Leben frei zu sein.

Die Gestorbenen müssen
 irgendwann Hinübergehen, denn es gibt auch im Jenseits viele Landschaften am diesseitigen Ufer.

Die Hinterbliebenen müssen vielfach loslassen:
a) um den Sterbenden das Loslassen zu erleichtern
b) damit die Gestorbenen ihren Weg im Jenseits in Frieden gehen können
c) damit sie selbst frei sind für ihr irdisch-diesseitiges Leben.


Was bedeutet der Tod für die Hinterbliebenen?

- Das endgültige Ende des gemeinsamen Lebens.
- Ein Vakuum, das der „Vorangegangene“ hinterlassen hat.
- Trauer, Schmerz, ein Gefühl von Ohnmacht, manchmal soziale Einbrüche etc.
- Oft ein schlechtes Gewissen, weil Unerledigtes, Ungesagtes hängen geblieben ist etc.
- Das Bett daneben ist leer und er/sie greift ins Leere.
- Der Platz des Gestorbenen am Tisch ist unbesetzt.
- Das Kinderbettchen ist leer; fehlendes Kinderlachen etc.
- Sinn- und Warum-Fragen
- Das Leben muss neu geordnet werden.


Was bedeutet der Tod für die Gestorbenen?

Das Verlassen des Körpers und der irdischen Welt und der Eintritt in die immaterielle Welt, in der Raum und Zeit aufgehoben sind.

Sie findet sich in einer der jenseitigen Landschaften wieder und sind zufrieden, wenn sie darauf vorbereitet sind.

Sie finden sich in einer der jenseitigen Landschaften wieder und sind verwirrt, wenn sie ein "Sekundentod" aus dem irdischen Leben und ihrem Körper gerissen hat.

Sie können in Frieden ihren Weg durchs Jenseits ihrer Vorstellung gehen.

Sie werden von Hinterbliebenen immer wieder zurück gerufen und/oder aufgehalten und finden dann den eingeschlagenen Weg nicht mehr.

Sie irren herum, finden sich nicht zurecht und bleiben am Irdischen "hängen".

Sie suchen Hilfe bei Lebenden (nicht nur Hinterbliebene) und "suchen sie heim".
 


Was können schamanisch Tätige tun?

Schamanisch Tätige haben die Fähigkeit erworben auf mentaler Ebene zu kommunizieren. Sie kennen Parallelwelten und haben auf ihren "Reisen" auch verschiedene Landschaften im Jenseits kennen gelernt.

Schamanisch Tätige „schicken“ Gestorbene nicht nur ins Licht!

Sie führen und begleiten sie im Jenseits, bis sie der Hilfe nicht mehr bedürfen. … Ob, wie, wann, wohin und wie weit im Jenseits begleitet wird, bestimmt der Gestorbene, ist unterschiedlich und unterliegt keinen Dogmen oder kulturellen Vorgaben.

Sie können bei sog. "Heimsuchungen" Menschen und Orte von "geisternden Gestorbenen" befreien. Sie suchen die Gestobenen in der jenseitigen Landschaft diesseits des Wassers, helfen ihnen dabei, wenn noch Unerledigtes mit Lebenden geklärt werden soll und bringen sie "hinüber", damit sie ihren Weg in der immateriell-jenseitigen Welt in Frieden gehen können.

Sie unterstützen Hinterbliebene dabei den Gestorbenen in Frieden ziehen zu lassen.

Sie helfen Hinterbliebenen dabei eine "letzte Verbindung" herzustellen.

Sie können als Mittler (letzte Botschaften, Wünsche, Bitten etc.) dabei unterstützen, dass "alle Beteiligten" (Sterbende, Gestorbene und Hinterbliebene) frei werden für ihr immateriell-jenseitiges Leben und/oder ihr irdisch-diesseitiges Leben.

Sie können ein Trennungsritual machen, wenn es - aufgrund von familiären Verstrickungen - über Generationen zu Schwierigkeiten beim Loslassen gekommen ist. ...

 

Persönliche Erlebnisse rund ums Sterben

Alles nur Einbildung?
Großmutter lag im Krankenhaus - der Krebs hatte sie nach über 40 Jahren eingeholt und sich unbemerkt in ihrem Körper ausgebreitet. Jetzt wollte er sie - trotz intensiver ärztlicher Bemühungen und unserer Gebete - nicht mehr verlassen. Nach einer Woche bekam sie ein kleines Einzelzimmer, gerade groß genug für das Bett, ein kleines Tischchen und einen Sessel. Ich besuchte sie jeden Abend auf dem Heimweg vom Büro. Aber sie, die Sippenmutter, die immer offen war für meine kleinen und großen Sorgen, reagierte nicht mehr auf mich! Sie wollte mir einfach nicht mehr "zuhören"!
Nach einer Woche gab ich meine Bemühungen auf sie mit meinem Wollen zu drangsalieren und richtete an diesem Abend meine Aufmerksamkeit nur auf sie. Sie lag so friedlich in diesem Bett und wirkte so "durchscheinend". Nach einer Weile hörte ich ihre Stimme aus weiter "Ferne". 'Deine Kinder sind aus dem Gröbsten raus und für die nächste Generation fehlt mir die Kraft. ...  Bitte lass mich gehen! ... Sei nicht traurig!' Dann war es still. Nachdenklich und den Tränen nahe verabschiedete ich mich. Ich war nicht sicher, ob sie mein Danke für Alles und mein Abschiedskuss noch erreichte. Auf der Heimfahrt dachte über das nach, was sie mir gesagt hat und fuhr zu "ihrer" Kirche. Ich entzündete eine Kerze und bat den "lieben Gott" sie gut aufzunehmen. ... In der Nacht ist sie gestorben.
Beim Begräbnis, als der Sarg in der Grube verschwand, hörte ich ihre Stimme noch einmal. 'Sag ihnen sie sollen aufhören zu weinen! Mir geht es jetzt gut und das Weinen macht mich traurig! Sag ihnen das!'

Nur überreizte Nerven?
Mein Mann war schon einige Jahre todkrank, als sein Segelkamerad - ohne irgendeine Vorwarnung - einem "Sekundentod" (Herzinfarkt) erlag. Es war ein pompöses, d.h. langes Begräbnis mit Blasmusik und vielen Menschen, und der Weg bis zum Grab erschien mir endlos zu sein. Die Sorge, wie mein Mann das Begräbnis verkraftet zerrte genauso an meinen Nerven wie mein Bemühen die Witwe und ihre Kinder zu trösten. Der Sarg wurde in die Grube gelassen und plötzlich war ich ort- und zeitversetzt. ... Ich stehe an einem schönen warmen Sommertag vor unserem Wochenendhaus und erlebe den Gestorbenen gleichzeitig mit all meinen Sinnen. Ich höre ihn meinen Namen rufen, sehe ihn winken und den Hügel herauf gehen, rieche sein Rasierwasser und spüre seine gewohnte Umarmung bei der Begrüßung. ... Im nächsten Moment war ich wieder in der Realität dieses Begräbnisses.

Durchgeknallt?
Der Trauerzug setzt sich in Bewegung. Wie im Traum der vergangenen Nacht kommt mein gestorbener Mann auf mich zu und hängt sich bei mir ein. Ich kann den leicht kratzigen Stoff seines Anzugs deutlich spüren. Leicht verwirrt konzentriere ich mich auf den Sarg vor mir. Ich kann trotz aller Konzentration niemanden in dem Sarg sehen oder wahrnehmen und bin jetzt völlig verwirrt, denn am Tag davor lag die Leiche noch in diesem Sarg. Ich blicke zur Seite und frage meinen Mann, was das zu bedeuten hat. Statt einer Antwort verstärkt sich der Druck seines Armes.
'Erklär mir bitte, warum ich hinter einem leeren Sarg hertrotten soll?' Ich will stehen bleiben und seinen Arm abschütteln, doch der Druck seines Armes wird stärker.
'Komm, geh weiter und mach kein Theater.' Der Druck seines Armes und der Tonfall seiner Stimme dulden keinen Widerspruch. Folgsam gehe ich weiter, setze einen Fuß vor den anderen. Alles ist so irreal, dass ich nochmals probiere die Groteske zu beenden.
'Was soll ich denn hier? Ich bin müde! Mir tun die Füße weh! Warum kann ich nicht einfach umdrehen und heimgehen?'
'Du musst ja nicht die trauernde Witwe spielen und weinen, aber du musst hinter dem Sarg hergehen! Das wird von dir erwartet und darum bitte ich dich!' Seine Stimme klingt jetzt sanft beruhigend.

Der Sarg verschwindet im offenen Grab und ich steh allein davor. Ein Hubschrauber kreist über dem Grab und mein gestorbener Mann sitzt neben dem Piloten.
Einige Wochen später erzählte mir ein Bekannter, dass er den Gestorbenen neben dem Piloten im kreisenden Hubschrauber gesehen hat.
Einige Monate später hörte ich von meinem gestorbenen Ehemann: 'Mach dir keine Sorgen. Da, wo ich bin, ist alles Menschliche bedeutungslos. Es ist alles ganz anders.'
Weiter erfuhr ich nichts!

 

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