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Sterben,
Tod und das "Danach"
Als Kind konnte ich mir zwar nicht vorstellen
was "tot sein" ist, aber das "Danach" gehörte zum "Ort meiner Sehnsucht".
Vor meiner schamanischen Arbeit hatte ich
eine sehr einfache Erklärung für Sterben,
Tod und "danach":
Sterben kann ein Mensch erst dann, wenn er mit sich und/oder "seinem Gott" im Reinen
ist und sich von seinem diesseitigen Leben
lösen kann. Tot ist der Mensch, wenn "seine" Uhr abgelaufen ist. "Danach" ist alles gut.
Später schob ich meine
persönlichen Erlebnisse rund
ums Sterben auf Einbildung, Wunschdenken und überreizte Nerven.
Aus der schamanischen Begleitung Sterbender, Gestorbener und Hinterbliebener
weiß ich, dass manchen Sterbenden und Hinterbliebenen das Aussöhnen und Loslassen
sehr schwer fällt, aber auch, dass
es nach dem Tod individuelle Landschaften
gibt, bevor die Gestorbenen
hinüber
gehen und ins "Danach" eingehen können.
Tod und Sterben sind immer mit Schmerz und
Trauer verbunden!
Wie Menschen damit umgehen ist abhängig von
Religionszugehörigkeit, kulturellem Hintergrund, herrschendem Zeitgeist und, ob Menschen in der Anonymität einer Stadt, in einer Dorfgemeinschaft, allein oder in der Geborgenheit einer Familie leben.
Noch vor 20 Jahren wurden im Krankenhaus die Betten mit Sterbenden in eigene "Sterbezimmer", ins Schwesternzimmer
oder gar in eine Besenkammer geschoben, um dort ihr Leben aushauchen zu können.
Im 21. Jahrhundert gibt es Palliativmedizin, Ärzte, Priester, die Hospizbewegung,
Sterbebegleiter, bis hin zur Psychotherapie für Hinterbliebene und vieles
mehr. Trotzdem gehört die Auseinandersetzung mit Tod und Sterben zu den
Tabuthemen, mit dem sich die "Westler" meist erst dann auseinander setzen, wenn
sich "Gevatter Tod" anmeldet.
Vielleicht denken die Menschen der westlich orientierten Zivilisation, dass dieser Bereich nicht zur "Konsum- und Fungesellschaft"
des 21. Jahrhunderts passt, weil ihnen die lebensverlängernde Apparate- und Pharmamedizin
den Blick auf die Endlichkeit verschleiert?
Vielleicht wird dieser Bereich des Lebens auch deshalb gern auf später
verschoben oder gar verdrängt, weil das
"Himmel-Fegefeuer-Hölle-Denken" mit Ängsten
verbunden ist?
Sicher ist, dass jede Art von Verdrängung und/oder Ängste wertvolle
Lebensenergie kostet!
Sicher ist, dass die Auseinandersetzung mit Tod und Sterben zu Lebzeiten frei macht
fürs Leben!
Diesseits und Jenseits sind zwei Seiten des Seins! Gleichwohl ein Anfang
und ein Ende, doch jeweils nur der einen Seite, nie sind sie Anfang und Ende des
Seins.
Der Kreislauf des Lebens beginnt mit dem Sein ("der Funke, der den
Urknall zum Knallen brachte") und endet wieder im Sein.
Dazwischen liegen Geburt; das irdische, raum- und zeitgebundene Diesseits; das
Sterben; der Tod; und das immaterielle, raum- und zeitfreie Jenseits.
Die Geburt ist die Vorbereitung auf das selbständige, körperliche Leben.
Das Sterben ist die Vorbereitung auf das jenseitige, immaterielle Leben.
Der Tod ist der Abschluss des körperlichen Lebens und der Eintritt als
Seele-Geist-Wesen ins immaterielle Leben im Jenseits.
Das Jenseits ist die Vorbereitung auf das Eingehen in die Einheit des Geistes
(das Sein) oder die Vorbereitung auf eine Wiedergeburt.
Sterben und Tod - das ganz große und letzte Aussöhnen und Loslassen
Die
Sterbenden müssen ihren Körper, ihr irdisches Leben, Freunde, Familie,
Liebgewonnenes etc. loslassen, um für das jenseitige Leben frei zu sein.
Die Gestorbenen müssen
irgendwann
Hinübergehen, denn es gibt auch im Jenseits viele Landschaften am diesseitigen
Ufer.
Die Hinterbliebenen müssen vielfach loslassen:
a) um den Sterbenden das
Loslassen zu erleichtern
b) damit die Gestorbenen ihren Weg im Jenseits in Frieden
gehen können
c) damit sie selbst frei sind für ihr irdisch-diesseitiges Leben.
Was bedeutet der Tod für die
Hinterbliebenen?
- Das endgültige Ende des gemeinsamen Lebens.
- Ein Vakuum, das der „Vorangegangene“ hinterlassen hat.
- Trauer, Schmerz, ein Gefühl von Ohnmacht,
manchmal soziale Einbrüche etc.
- Oft ein schlechtes Gewissen, weil
Unerledigtes, Ungesagtes hängen geblieben ist etc.
- Das Bett daneben ist leer und er/sie
greift ins Leere.
- Der Platz des Gestorbenen am Tisch ist unbesetzt.
- Das Kinderbettchen ist leer; fehlendes Kinderlachen etc.
- Sinn- und Warum-Fragen
- Das Leben muss neu geordnet werden.
Was bedeutet der Tod für die Gestorbenen?
Das Verlassen des Körpers und der irdischen Welt und der Eintritt in die
immaterielle Welt, in der
Raum und Zeit aufgehoben sind.
Sie findet sich
in einer der jenseitigen Landschaften wieder und sind zufrieden, wenn
sie darauf vorbereitet sind.
Sie finden sich in einer
der jenseitigen Landschaften wieder und sind
verwirrt, wenn sie ein "Sekundentod" aus dem irdischen Leben und ihrem Körper
gerissen hat.
Sie können in Frieden ihren Weg durchs Jenseits ihrer Vorstellung gehen.
Sie werden von Hinterbliebenen immer wieder zurück gerufen und/oder aufgehalten
und finden dann den eingeschlagenen Weg nicht mehr.
Sie irren herum, finden sich nicht zurecht und bleiben am Irdischen "hängen".
Sie suchen Hilfe bei Lebenden (nicht
nur Hinterbliebene) und "suchen sie heim".
Was können schamanisch Tätige tun?
Schamanisch Tätige haben die
Fähigkeit erworben auf mentaler Ebene zu kommunizieren. Sie kennen
Parallelwelten und haben auf ihren "Reisen" auch verschiedene Landschaften im
Jenseits kennen gelernt.
Schamanisch
Tätige „schicken“ Gestorbene nicht nur ins Licht!
Sie führen und begleiten sie im Jenseits, bis sie der Hilfe nicht mehr bedürfen. … Ob, wie, wann, wohin und
wie weit im Jenseits begleitet wird, bestimmt der Gestorbene, ist
unterschiedlich und unterliegt keinen Dogmen oder kulturellen Vorgaben.
Sie können bei sog. "Heimsuchungen" Menschen und Orte von
"geisternden Gestorbenen" befreien. Sie suchen die Gestobenen in
der jenseitigen Landschaft diesseits des Wassers, helfen ihnen dabei, wenn noch
Unerledigtes mit Lebenden geklärt werden soll und bringen sie "hinüber", damit
sie ihren Weg in der immateriell-jenseitigen Welt in Frieden gehen können.
Sie unterstützen
Hinterbliebene dabei den Gestorbenen in Frieden ziehen zu lassen.
Sie helfen
Hinterbliebenen dabei eine "letzte Verbindung" herzustellen.
Sie
können als Mittler (letzte Botschaften, Wünsche, Bitten etc.) dabei unterstützen, dass "alle Beteiligten" (Sterbende, Gestorbene und
Hinterbliebene) frei werden für ihr immateriell-jenseitiges Leben und/oder ihr
irdisch-diesseitiges Leben.
Sie können ein Trennungsritual machen, wenn es - aufgrund von familiären
Verstrickungen - über Generationen zu
Schwierigkeiten beim Loslassen gekommen ist. ...
Persönliche Erlebnisse rund ums Sterben
Alles nur Einbildung?
Großmutter lag im Krankenhaus - der Krebs
hatte sie nach über 40 Jahren eingeholt und sich unbemerkt in ihrem Körper
ausgebreitet. Jetzt wollte er sie - trotz intensiver ärztlicher Bemühungen und
unserer Gebete - nicht mehr verlassen. Nach einer Woche bekam sie ein kleines
Einzelzimmer, gerade groß genug für das Bett, ein kleines Tischchen und einen
Sessel. Ich besuchte sie jeden Abend auf dem Heimweg vom Büro. Aber sie, die
Sippenmutter, die immer offen war für meine kleinen und großen Sorgen, reagierte
nicht mehr auf mich! Sie wollte mir einfach nicht mehr "zuhören"!
Nach einer Woche gab ich meine Bemühungen auf sie mit meinem Wollen zu
drangsalieren und richtete an diesem Abend meine Aufmerksamkeit nur auf sie. Sie
lag so friedlich in diesem Bett und wirkte so "durchscheinend". Nach einer Weile
hörte ich ihre Stimme aus weiter "Ferne". 'Deine Kinder sind aus dem Gröbsten
raus und für die nächste Generation fehlt mir die Kraft. ... Bitte lass mich
gehen! ... Sei nicht traurig!' Dann war es still. Nachdenklich und den Tränen
nahe verabschiedete ich mich. Ich war nicht sicher, ob sie mein Danke für Alles
und mein Abschiedskuss noch erreichte. Auf der Heimfahrt dachte über das nach,
was sie mir gesagt hat und fuhr zu "ihrer" Kirche. Ich entzündete eine Kerze und
bat den "lieben Gott" sie gut aufzunehmen. ... In der Nacht ist sie gestorben.
Beim Begräbnis, als der Sarg in der Grube verschwand, hörte ich ihre Stimme noch
einmal. 'Sag ihnen sie sollen aufhören zu weinen! Mir geht es jetzt gut und das
Weinen macht mich traurig! Sag ihnen das!'
Nur überreizte Nerven?
Mein Mann war schon einige Jahre todkrank, als sein Segelkamerad - ohne
irgendeine Vorwarnung - einem "Sekundentod" (Herzinfarkt) erlag. Es war ein
pompöses, d.h. langes Begräbnis mit Blasmusik und vielen Menschen, und der Weg
bis zum Grab erschien mir endlos zu sein. Die Sorge, wie mein Mann das Begräbnis
verkraftet zerrte genauso an meinen Nerven wie mein Bemühen die Witwe und ihre
Kinder zu trösten. Der Sarg wurde in die Grube gelassen und plötzlich war ich
ort- und zeitversetzt. ... Ich stehe an einem schönen warmen Sommertag vor
unserem Wochenendhaus und erlebe den Gestorbenen gleichzeitig mit all meinen
Sinnen. Ich höre ihn meinen Namen rufen, sehe ihn winken und den Hügel herauf
gehen, rieche sein Rasierwasser und spüre seine gewohnte Umarmung bei der
Begrüßung. ... Im nächsten Moment war ich wieder in der Realität dieses
Begräbnisses.
Durchgeknallt?
Der Trauerzug setzt sich in Bewegung. Wie im
Traum der vergangenen Nacht kommt mein gestorbener Mann auf mich zu und hängt
sich bei mir ein. Ich kann den leicht kratzigen Stoff seines Anzugs deutlich
spüren. Leicht verwirrt konzentriere ich mich auf den Sarg vor mir. Ich kann
trotz aller Konzentration niemanden in dem Sarg sehen oder wahrnehmen und bin
jetzt völlig verwirrt, denn am Tag davor lag die Leiche noch in diesem Sarg. Ich
blicke zur Seite und frage meinen Mann, was das zu bedeuten hat. Statt einer
Antwort verstärkt sich der Druck seines Armes.
'Erklär mir bitte, warum ich hinter einem leeren Sarg
hertrotten soll?' Ich will stehen bleiben und seinen Arm abschütteln, doch der
Druck seines Armes wird stärker.
'Komm, geh weiter und mach kein Theater.' Der Druck
seines Armes und der Tonfall seiner Stimme dulden keinen Widerspruch.
Folgsam gehe ich weiter, setze einen Fuß vor den anderen. Alles ist so irreal,
dass ich nochmals probiere die Groteske zu beenden.
'Was soll ich denn hier? Ich bin müde! Mir tun die Füße
weh! Warum kann ich nicht einfach umdrehen und heimgehen?'
'Du musst ja nicht die trauernde Witwe spielen und
weinen, aber du musst hinter dem Sarg hergehen! Das wird von dir erwartet und
darum bitte ich dich!' Seine Stimme klingt jetzt sanft beruhigend.
Der Sarg verschwindet im offenen Grab und ich steh
allein davor. Ein Hubschrauber kreist über dem Grab und mein gestorbener Mann
sitzt neben dem Piloten.
Einige Wochen später erzählte mir ein Bekannter, dass er
den Gestorbenen neben dem Piloten im kreisenden Hubschrauber gesehen hat.
Einige Monate später hörte ich von meinem gestorbenen
Ehemann: 'Mach dir keine Sorgen. Da, wo ich bin, ist alles Menschliche
bedeutungslos. Es ist alles ganz anders.'
Weiter erfuhr ich nichts!
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