Griechische Landschildkröte


(Testudo hermanni)


 



Wichtiger Hinweis: Alle Angaben und Empfehlungen sind nach der praktischen Erfahrung des Autors unter möglichster Sorgfalt zusammengestellt. Jegliche Haftung bzw. Rechtsansprüche aus der Befolgung der obigen Hinweise sind ausgeschlossen.

 


Haltungsempfehlungen


In den Sommermonaten (Mai bis September) ist die Haltung im Freien für die Gesundheit der Tiere unbedingt notwendig, da zum gesunden Wachstum möglichst viel Sonnenlicht (UV) benötigt wird. Solange die Lufttemperaturen in der Nacht nicht unter 10º C fallen und tagsüber zumindest zeitweise die Sonne scheint können die Tiere (auch Jungtiere) Tag und Nacht im Freien bleiben.


Das Freigehege muß nach den gesetzlichen Vorgaben für Jungtiere mindestens 1 m², für erwachsene Tiere mindestens 3 m² groß sein. Wenn Sie Ihre Tiere wirklich artgerecht halten wollen, können Sie diese Werte ruhig verzehnfachen. Das Gehege soll einen nach Süden gerichteten Sonnen- und Eiablagehügel aus lockerer, sandiger Erde sowie ein seichtes Wasserbecken (2) aufweisen und reichlich strukturiert sein (große Steine, Wurzeln, niedriges Buschwerk), damit die Tiere ihren Forschungsdrang ausleben können und einander aus dem Weg gehen können. Ein Grundstock an Futterpflanzen wie Löwenzahn, Klee, Wegerich oder Disteln kann im Gehege angepflanzt werden. Noch besser ist die Ansaat einer heimischen Wildpflanzen-Mischung (Saat im Herbst, am besten 1 Jahr vor Besatz des Geheges damit die Pflanzen anwachsen können!). Eine speziell zusammengestellte heimische Saatgutmischung für Schildkröten gibt es auf Anfrage bei Karin Böhmer (www.wildblumensaatgut.at). Für Jungtiere das Gehege unbedingt oben vergittert (Maschen ca. 2 x 2 cm) gegen Marder, Dachs, Katzen! Jungtiere brauchen auch Schattenpflanzen, unter denen sie sich bei Hitze verkriechen können (Thymian, Lavendel, Salbei etc.). Wenn geschlechtsreife Männchen und Weibchen gemeinsam gehalten werden, kann es vorkommen, daß die Männchen auch außerhalb der Paarungszeit die Weibchen verfolgen, rammen, beißen oder verletzen. In diesem Fall wäre das Gehege zu teilen und die Tiere getrennt zu halten, um Streß zu vermeiden.

Sehr empfehlenswert für kühlere Tage und Wochen ist auch ein "Glashaus" (1) aus Plexiglas oder Polycarbonatglas (Baumarkt; kein echtes Glas, da dieses UV-Licht nicht durchläßt !), dessen Eingang gerade etwas größer sein soll als die Schildkröten. In einer Ecke dieses Glashauses können die Tiere in Heu und lockerer Erde auch graben und übernachten. Achtung: Vor allem Jungtiere graben gerne und können dabei auch versehentlich entwischen. Daher die Wände des Geheges mindestens 10 cm tief in den Boden einlassen.


Für eine dauernde Haltung im Zimmer sind Griechische Landschildkröten nicht geeignet, da sie direktes Sonnenlicht, den Temperaturwechsel Nacht/Tag und Luftfeuchtigkeit zur Gesundheit unbedingt benötigen. Sollte es dennoch nötig sein, Tiere etwa während Schlechtwetterphasen, in der Übergangszeit oder bei Krankheit im Zimmer zu halten, ist folgendes zu beachten:


Wenn zugluftfreie Fenster ohne Zentralheizung darunter vorhanden sind, ist es am besten, das natürliche Licht zu nützen und die Tiere am Fenster (oder im Wintergarten) aufzustellen. Vorsicht vor Überhitzung bei Südfenstern bzw. Kälte durch nächtliche Abstrahlung! Insbesondere in den dunklen Monaten vor und nach dem Winterschlaf muß zusätzliches Licht angeboten werden, am preisgünstigsten sind für kleine Terrarien mit Jungtieren 20 W - Halogen-Schreibtischlampen (ab 10.- erhältlich) Abstand von den Tieren ca. 20-30 cm. Achtung wegen Brandgefahr von Heu etc. durch die Erwärmung!


Wer große Tiere bzw. mehr Platz hat, kann sich mit 100 W Halogenstrahlern oder Quecksilberdampflampen (HQL) eine optimale Beleuchtung einrichten. Die Lampen sollten so angebracht werden, daß nicht das ganze Terrarium beleuchtet und erwärmt wird, damit die Tiere selbst die optimale Temperatur wählen können. Achtung: Diese Lampen werden sehr heiß – genügend Abstand zum Terrarium und brennbaren Materialien lassen und vor Berührung durch Kinder ... sichern !!! 


Das Bodensubstrat soll nicht stauben und sich beim Verschlucken zersetzen, am besten hat sich ein Sand-Erde-Gemisch bewährt. (Rindenmulch ist oft mit Spritzmitteln behandelt und schimmelt auch, sollte daher nicht verwendet werden.) Bei Zentralheizung muß das Substrat täglich am Abend mit Wasser leicht besprüht werden, da die Tiere sonst unschöne "Höcker" am Panzer bekommen.


Weiters ist ein Versteckplatz mit Moos (kein Heu - schimmelt beim Besprühen) nötig, und für Jungtiere bis ca. 4 Jahre auch eine Wasserschüssel zum Trinken/ Baden.


   Fütterung


Fast ausschließlich vegetarisch, Schildkröten sind seit vielen Millionen Jahren an karge, rohfaserreiche Nahrung gewöhnt und werden durch zu üppige Kost und größere Mengen tierischem Eiweiß geschädigt. Empfehlenswert sind Wiesenkräuter (Klee, Löwenzahn, Wegerich, Glockenblumen, Gänseblümchen, Disteln etc.) und besonders im Winter, wenn nichts anderes verfügbar ist Salat (mit Kalk angereichert). Gemüse (kein Kohl, Kraut, Kohlrabi etc.) und Obst nicht zu oft, da zuckerreich und ballaststoffarm. Besonders schlecht sind Tomaten, da sie sehr säurehaltig sind und dadurch kein Kalk aufgenommen werden kann.


Zur Deckung des Eiweißbedarfes können Jungtiere 1x monatlich mit WENIG Landschildkrötenfutter (z.B. DORSWAL oder VITAKRAFT, in Wasser aufgeweicht) gefüttert werden (nicht öfter, auch wenn die Tierhändler es oft empfehlen, da es sonst zu Panzer- und Leberschäden kommt !!!). Kein Hundefutter, Katzenfutter, rohes Rindfleisch, Reis, Käse, Joghurt, Brot, Bohnen, Erbsen und was sonst so alles von "Tierfreunden" oder schlechten Büchern empfohlen wird !!!!


Bei der Fütterung außerdem immer auf reichliche Calciumzufuhr achten (Kalkpulver, zerriebene Eischalen, Tintenfisch-Schulp, Kalksteinmehl). Bei sommerlicher Freilandhaltung mit ausreichend Sonne und abwechslungsreichem Futter sind Vitaminpräparate nach meiner Erfahrung nicht nötig.

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aktualisiert 30.01.2017