Inhaltsverzeichnis

Christine Nöstlinger 1. Kurzer Lebenslauf Christine Nöstlingers
2. Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur
2.1. Die moderne Kinderliteratur
2.2. Die Veränderungen in der realistischen Kinder- und Jugendliteratur
2.3. Die "neue Kinderliteratur"
2.4. Die "jüngere" Generation von Jugendbuchautoren
3. Kinder- und Jugendliteratur bei Christine Nöstlinger
3.1. Themen und Probleme, die Christine Nöstlinger in ihren Romanen anspricht
3.2. Christine Nöstlingers Stil
3.3. Die Sprache in ihren Texten
4. Einige Bücher Christine Nöstlingers
4.1. Die "Gretchen Sackmeier" Bücher
4.2. "Man nennt mich Ameisenbär"
4.3. "ABC für Großmütter"
4.4. "Haushaltsschnecken leben länger"
5. Auszeichnungen
Literaturverzeichnis









1. Kurzer Lebenslauf Christine Nöstlingers

Christine Nöstlinger wird am 13. Oktober 1936, als Tochter eines Uhrmachers und einer Kindergärtnerin, in Wien geboren.
Ihre Kindheit verbringt sie im Arbeitermilieu der Wiener Vorstadt. Das Gymnasium schließt sie erfolgreich mit der Matura ab. Nachdem sie den Plan Malerin zu werden wieder verwirft, entschließt sie sich Gebrauchsgrafik an der "Akademie für Angewandte Kunst" in Wien zu studieren. Danach arbeitet sie ein paar Jahre und heiratet schließlich den Journalisten Heinz Nöstlinger. Mit ihm bekommt sie zwei Töchter. Doch die Mutterrolle füllt Christine Nöstlinger nicht vollends aus und so beschließt sie zum Zeitvertreib ein Kinderbuch zu malen. Zwangsläufig braucht sie auch eine Geschichte dazu. Doch als 1970 ihr erstes Kinderbuch "Die feuerrote Frederike" erscheint, stellt sich heraus, dass den Lesern die Geschichte um einiges besser gefällt als die Bilder. So beschließt Christine Nöstlinger von nun an Kinder- und Jugendbücher zu schreiben. Aber auch in Radio, Fernsehen und Zeitungen sind immer wieder Beiträge von ihr zu finden. Neben ihrer Arbeit an Kinder- und Jugendbüchern widmet sie sich auch dem Verfassen von Dialektgedichten.
Seit 1970 erschienen von Christine Nöstlinger über hundert Kinder- und Jugendbücher, die zum Teil in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurden. Obwohl Christine Nöstlinger vornehmlich als Kinder- und Jugendbuchautorin bekannt sein dürfte, zeigt ihr Werk eine enorme Bandbreite von Bilder- und Erstlesebüchern über Jugendromane bis hin zu Literatur für Erwachsene.

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2. Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur

2.1. Die moderne Kinderliteratur

Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich die Gattungsform der Jugendliteratur stark verändert. Im späten 18. Jahrhundert, zur Zeit der Aufklärung, wurde die Forderung nach Kinderliteratur gestellt, die von Kindern und deren Erlebnissen handeln sollte. Demnach sollten also Kinder die Hauptfiguren dieser Geschichten sein. Die moderne Kinder- und Jugendliteratur war geboren.
Der Sensualismus (Empirismus), der besagt, dass Kinder nur das erfahren können was innerhalb ihres Anschauungs- und Erlebnishorizontes liegt, brachte mit dieser Einstellung eine breite Kinderliteraturströmung hervor. Diese Strömung ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Geschichten im Milieu der Kinder spielen, in der Familie, der Schule, dem Internat und dem Freundeskreis. Anfangs jedoch stellte sich diese Literaturform nicht sozialkritisch dar. Die Autoren schrieben von Kindern und deren Erlebnissen, die recht wenig mit der wirklichen damaligen gesellschaftlichen Situation gemein hatten. Im Mittelpunkt der realistischen Jugendliteratur stand das Idealbild des gehorsamen, angenehmen und pflichtbewussten Kindes. Die Handlung spielte sich meist in der Natur oder dem Dorf ab, weniger aber in der Stadt. So hatte der Großteil der Leser, der aus dem städtischen Raum kam, wenig mit den Figuren dieser Geschichten gemein. Aus der Kinder- und Jugendliteratur dieser Zeit kann man vor allem etwas über die zur damaligen Zeit vorherrschenden Kindheitsbilder und Klischees erfahren.

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2.2. Die Veränderungen in der realistischen Kinder- und Jugendliteratur

Um die Jahrhundertwende entstand eine neue Richtung, die sich mit den realen Lebensbedingungen der Kinder auseinander zusetzen versuchte. Die Reformpädagogik nach dem ersten Weltkrieg brachte gleichzeitig mit den damaligen gesellschaftlichen Veränderungen auch eine Veränderung in der realistischen Jugendliteratur. Von nun an versuchte man die Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen. Zu dieser Richtung zählen u.a. Bücher von Heinrich Scharrelmann und Peter Stoll. Kinder sollten mit Hilfe der Bücher beginnen sich mit ihrem eigenen Leben auseinander zusetzen.
Nun kam aber noch hinzu, dass die Autoren meist ihre eigene Kindheit in ihren Werken verarbeiteten. In den Romanen wurden nun Ereignisse aus vergangener und augenblicklicher Kindheit vermischt. Die Erinnerungen an die vergangene Kindheit wurde dann zu einer Art "persönlichem Kindheitsmythos". Autoren wie Michael Ende und Astrid Lindgren sind Beispiele dafür, in ihren Büchern Lebenswelten zu erschaffen, die mit der Realität wenig gemein haben. In dieser Phase, den Fünfziger und Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, waren die Autoren der Ansicht, dass die Kindheit ein "aus dem Alltagsleben ausgegliederter Frei- und Spielraum" sei.

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2.3. Die "neue Kinderliteratur"

Mit dem Ende der Sechziger Jahre entstand eine "neue Kinderliteratur". Die Tradition der Kinderliteratur des frühen 20. Jahrhunderts wurde nun fortgesetzt. Der antiautoritäre Stil wandelte sich zu einem emanzipatorischen. Die Autoren wollten nun wieder als Beobachter fungieren, die die realen Lebensumstände der Kinder in Buchform umsetzen. Außerdem waren sie der Auffassung, das Kinder den Erwachsenen als gleichberechtigt anzusehen sind, und sie demnach auch dieselben Rechte haben wie Erwachsene. Deshalb sollten die Kinder in ihren Büchern auch auf keine bereits vorgefassten Meinungen stoßen, wie es in der etwas realitätsfremden Literatur Mitte des 20. Jahrhunderts der Fall war. Die Autoren wehrten sich gegen Kindheitsstereotypen und Klischees, sie versuchten den jungen Lesern möglichst unvoreingenommen entgegenzutreten und sie ernst zu nehmen.
Die meisten Autoren dieser Phase wurden in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts geboren. Sie verlebten ihre Kindheit in den letzten Kriegsjahren bzw. in den Nachkriegsjahren. Aufgrund der damaligen Umstände gab es für keine Kinder keine "Sonderbehandlung". In gewisser Weise waren sie den Erwachsenen gleichberechtigt, was Not und Leid anbelangte. So erlangten diese Kinder schon recht früh eine gewisse Selbstständigkeit. Die Erinnerungen an ihre Kindheit fielen dementsprechend unsentimental und so gar nicht idyllisch aus. In den Romanen durfte es nun keine Geheimnisse mehr vor den Kindern geben. Die Kinder sollten als Gleichberechtigte auch Zugang zu Wissen und Erkenntnis bekommen. Sie sollten die Widersprüchlichkeiten in Aussagen und Verhalten der Erwachsenen erkennen und sie darauf auch aufmerksam machen. Die Texte handelten nun von Kapitalisten, Lohnarbeitern, Spekulanten, dem Staat und dessen Bürgern.
Anfang der Siebziger Jahre begannen sich die Leitmotive der Jugendliteratur erneut zu wandeln. Den Autoren wurde klar, dass sie sich auf die Probleme und Strukturen der Welt der Kinder beziehen mussten. Die Autoren zeichneten sich durch Unvoreingenommenheit und Gewissenhaftigkeit aus. Sie versuchten die Rahmenbedingungen des Lebens von Kindern und Jugendlichen mit einzubeziehen. Die Erwachsenen sind für die äußeren Umstände der Kinder verantwortlich und sind zum Teil diejenigen, die die Kinder in ihren Rechten und Entfaltungsmöglichkeiten einschränken. Die Hauptperson Kind war in dieser Form der Jugendliteratur oft nur eine Art Wunschfigur, die sich tapfer und voller Selbstbewusstsein gegen die Bevormundung auflehnt.
Konflikte um Erziehung, Autorität, Familie, Freunde, Nachbarschaft und Schule traten in den Mittelpunkt. Damit wurde natürlich das Interesse am Lesen geweckt, da dies genau die Probleme waren, die auch die jungen Leser selbst beschäftigten. Viele Tabuthemen wie Tod, Krankheit, Scheidung und Sexualität wurden jetzt offen angesprochen. Einerseits konnten sich die jungen Leser nun mit dem Helden der Geschichten identifizieren, andererseits konnte die Beschäftigung mit einem solchen Thema vielleicht dazu beitragen, die eigenen Probleme aufzuarbeiten. Nun handelten die Geschichten auch von Kindern, die versuchten ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und eigene Entscheidungen zu treffen.
An die Stelle des Helden trat nun der Anti-Held. Die Hauptpersonen der Geschichten waren nun Außenseiter, Scheidungskinder und Versager. Diese Kinder sind jedoch selbst so stark, dass sie es schaffen ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, um Lösungen für ihre Probleme zu finden. Einige Beispiele für solche Anti-Helden findet man auch bei Christine Nöstlinger:
Scheidungskind: Su Kratochwil in "Ein Mann für Mama", Jasper in "Das Austauschkind"
Probleme in der Familie: Ilse in "Ilse Janda, 14 oder Die Ilse ist weg", Desiree in "Anatol und die Wurschtelfrau"
Außenseiter: Thesi in "Man nennt mich Ameisenbär", ist nicht besonders hübsch; Bonsai in "Bonsai", da er ziemlich klein ist
Doch auf der anderen Seite sind Kinder auch in Sachen Vereinsamung, Wirklichkeitsverlust und Zerrissenheit den Erwachsenen "gleichberechtigt". Nun wurden auch Kinder erwähnt, die an den diesen Problemen leiden. Neben dem realistischen Aspekt gewann die Kinder- und Jugendliteratur nun auch einen psychologischen dazu.

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2.4. Die "jüngere" Generation von Jugendbuchautoren

Die Generation von Autoren, die in den Fünfziger und Sechziger Jahren das Licht der Welt erblickte, strebte wieder in eine andere Richtung. In ihrer Kindheit hatten sie im Gegensatz zur vorherigen Generation Spielzeug und waren mit Kinderbüchern im antiautoritären Stil versorgt (z.B. Astrid Lindgren). Sie wuchsen mit phantasievoller Kinderliteratur auf, die sie in guter Erinnerung zu haben scheinen, was sich in ihren eigenen Werken wiederspiegelt. Unrealistische Motive und effektvolle Handlungen wie in den Kinderbüchern vor den Neuerungen der Siebziger Jahre wurden wieder in die Texte aufgenommen.
Seit der Mitte der Achtziger Jahre wandelten sich die Themen der Romane wieder. Im Gegensatz zu der von Generationskonflikten geprägten Zeit der Sechziger und Siebziger Jahre beruhigte sich die Situation nun wieder. Die ältere und die jüngere Generation stehen sich wieder etwas partnerschaftlicher gegenüber. So zog auch in die Kinder- und Jugendliteratur wieder ein freundlicherer humorvollerer Grundton ein. Der komische Familienroman feierte ein Comeback. Vertreter dieser Richtung sind u.a. Christine Nöstlinger, Kirsten Boje und Anne Fine. Diesen tragikkomischen Familienkomödien liegt jedoch neben allem vordergründigen Humor ein tiefer Ernst zugrunde.

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3. Kinder- und Jugendliteratur bei Christine Nöstlinger

3.1. Themen und Probleme, die Christine Nöstlinger in ihren Romanen anspricht

Neben dem "Anti-Held"-Motiv sind für Christine Nöstlinger noch andere Aspekte entscheidend. Da sie versucht die soziale und psychische Situation von Kindern und Jugendlichen unserer Zeit mit einzubeziehen, gelingen ihr treffende Milieuschilderungen. Unverkennbar ist dabei auch ihr eigenständiger sprachlicher Stil, der wienerischen Dialekt mit Versatzstücken der heutigen Jugendsprache verbindet.
In ihren Romanen ergreift Christine Nöstlinger immer für die Schwächeren Partei und betont stark die Rechte der Kinder und Jugendlichen. Oft kommt es daher auch vor, dass sie sich gegen althergebrachte und teilweise schon traditionell verankerte Familien- und Schulstrukturen wendet. Sie spornt die Kinder an, den Sinn ihrer eigenen Handlungen und denen, die ihnen von ihren Eltern aufgetragen werden, zu hinterfragen. Christine Nöstlinger wehrt sich gegen angemaßte Macht, die sich in der Unterdrückung der Kleinen und der Außenseiter äußert, dagegen, dass manche Kinder und Jugendliche in den Familien der bedingungslosen und strikten Erziehung ihrer Eltern unterworfen sind, ohne eine Chance auf eine eigene Meinung.
Die Autorin tritt in ihren Texten auch gegen Vorurteile und Aberglauben auf. Sie will den Kindern zeigen, dass es keinen "schwarzen Mann" gibt, dass man ein anderes Kind nicht wegen seinem Aussehen verspotten soll und, dass die Erwachsenen sie mit all ihren Fehlern und Schwächen akzeptieren sollten.
"Das Einzige, was ich habe, ist ein unerschütterlich fester Glaube an Aufklärung und Humanität"
Christine Nöstlinger ist sich dessen bewusst, dass sie sich als Erwachsene nicht wirklich in die Situation von Kindern hineinversetzen kann. Gerade deswegen ist es erstaunlich, dass sie die Probleme der Kinder und Jugendlichen oft so genau trifft. Die Autorin ist der Meinung, dass Kinder lieber Geschichten lesen, in denen "etwas passiert", anstatt sich mit belehrenden Aussagen von Autoren voll zu stopfen, die versuchen die Kinder mit ihren Texten zu erziehen. Die Faszination, die Christine Nöstlingers Bücher auf manche Kinder ausübt, könnte darin liegen, dass sie in der Lage ist, die Dinge, die den Kindern am Herzen liegen, auszuformulieren. Ein Kind ist oft noch nicht in der Lage seine Wut, seine Ängste und Wünsche in klare Worte zu fassen.

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3.2. Christine Nöstlingers Stil

In ihren ersten Kinderbüchern "Die feuerrote Frederike" und "Die drei Posträuber" stammten sowohl der Text als auch die Illustrationen von Christine Nöstlinger selbst. Ihre Arbeit wurde mit äußerst positiver Kritik an ihren sozialkritischen aber auch phantasievollen Texten belohnt. Christine Nöstlinger hatte die Geschichten eigentlich nur geschrieben um Bücher illustrieren zu können, den Lesern aber gefielen ihre Text weitaus besser als ihre Illustrationen. So entschloss sich Christine Nöstlinger weitere Kinderbücher zu verfassen. In den ersten sechs Jahren ihrer neuen Tätigkeit zeichnete sich Christine Nöstlinger durch eine enorm hohe Produktivität aus und schrieb über zwanzig neue Werke.
Einerseits verfasste die frischgebackene Autorin weitere phantastische Erzählungen, deren Hauptfiguren surreale Gestalten darstellten, die sich gegen Ausbeutung wehrten ("Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" 1972, "Der schwarze Mann und der große Hund" 1973, "Pelinka und Satlasch" 1976).
Andererseits begann sie realistische Romane für Jugendliche zu schreiben. Einfühlsam aber auch direkt beschreibt sie in diesen Geschichten die verschiedenen Sorgen und Nöte von Jugendlichen ("Ilse Janda, 14 oder Die Ilse ist weg" 1974, "Stundenplan" 1975).
"Ich kann nur über Dinge schreiben, die ich kenne, Indianer, Filmstars und Söhne von Atomphysikern mit Nobelpreis fallen also weg"
1973 schrieb Christine Nöstlinger den Roman "Maikäfer flieg", der einen autobiografischen Bericht über den 2. Weltkrieg und die Nachkriegsjahre, aus der Sicht eines achtjährigen Mädchens darstellt. In diesem Buch in dem von den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen dieser Zeit aus der Sicht der Icherzählerin berichtet wird, kann man die Tendenz zu einer humanen und pazifistischen Weltsicht erkennen. Die Autorin hat in diesem Buch zum Teil ihre eigenen Kindheitserinnerungen verarbeitet. Vor allem die liebe Vaterfigur entsprach der Realität, da Christine Nöstlinger sowohl mit ihrem Vater als auch mit ihrem Großvater nur Positives verbindet. Doch auch von Christine Nöstlinger gibt es eine reine Fantasiegeschichte. Schon viele Buchkritiker haben meist ohne Erfolg versucht, das Buch "Hugo, ein Kind in den besten Jahren" zu interpretieren. Dieser Umstand lässt sich wahrscheinlich darauf zurückführen, dass Christine Nöstlinger mit diesem Roman eigentlich gar nichts Bestimmtes aussagen wollte! Zu diesem Buch wurde Christine Nöstlinger nämlich durch einige schwarzweiße Bilder inspiriert. Doch da der Verlag die Bilder ohne dazupassenden Text nicht veröffentlichen wollte, dachte sich die Autorin eben einen aus. Sie ließ ihrer "engagierten Fantasie" freien Lauf, und die Geschichte von Hugo, dem Kind in den besten Jahren, das eigentlich auf keinem der Bilder zu sehen ist, war geboren. Weniger war es ihr bei diesem Werk daran gelegen, auf das Kind, das in jedem Erwachsenen steckt, hinzuweisen, als gegen die damalige Fantasie-Welle zu protestieren. Unter engagierter Fantasie versteht Christine Nöstlinger nämlich nicht das Erfinden von Kobolden, Zauberern und Feen, sondern sich eine Welt auszudenken, die sehr wohl soziale Zusammenhänge beinhaltet und in Richtung einer Utopie gehen kann.

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3.3. Die Sprache in ihren Texten

Die Sprache in Christine Nöstlingers Büchern wurde im Laufe der Zeit etwas ruhiger. Anfangs war in einigen Texten ihre pazifistische (Frieden um jeden Preis) und humane Lebenseinstellung deutlich zu merken, mit der Zeit aber stellte sich ein etwas versöhnlicherer Grundton ein. Ihr Humor und Sprachwitz zieht sich jedoch durch alle ihre Bücher und stellt ein zentrales Element dar. Das Lesen soll ja weniger erziehen, sondern vor allem Freude bereiten.
"Ich will den Lesern und Hörern Spaß machen.
Den jungen und den alten."
Christine Nöstlinger schreibt am liebsten im Wiener Dialekt: "Das ist meine Sprache. Da wird alles beim Schreiben leichter. Und alles stimmt mehr." Dadurch wird auch deutlich, dass sie die Autorin vor allem an die jungen "nicht fein sprechenden" Leute wendet. Neben Glossen und Gedichten, die sie in Mundart verfasste ("Iba de Gaunz Oaman Kinder"), finden sich auch in ihren Romanen immer wieder viele umgangssprachliche Ausdrücke. Schon auf den ersten Seiten eines Buches findet man zumeist den Verweis auf einen Index mit Wörtern, "die in Wien und in Österreich üblich sind, aber in anderen Gebieten des deutschen Sprachraums nicht".
Die Geschichten ihrer Romane basieren oft auf eigenen Kindheitserinnerungen. Der Mutter-Tochter-Konflikt wird in vielen ihrer Bücher zur Sprache gebracht, da das Verhältnis zu ihrer Mutter in ihrer Kindheit ziemlich gespannt war.
Die Probleme in ihren Büchern werden so dargestellt wie sie sind. Christine Nöstlinger ist der Meinung, dass Kinder ein Recht darauf haben, in ihren Büchern die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. So beginnen die Kinder selbst über ihre eigene Wirklichkeit nachzudenken, und gehen so einen ersten Schritt um vielleicht selbst ihr Leben etwas zu verändern. Da ihre Bücher keine Märchen sind, enden sie auch selten mit "... und sie lebten glücklich und zufrieden". Oft gibt es kein Happyend sondern eher eine Art Kompromiss.
In dem Buch "Anatol und die Wurschtelfrau", bringt die dreizehnjährige Desiree einen kleinen Kater, Anatol, mit nach Hause ohne ihre Eltern um Erlaubnis zu fragen. Natürlich entdeckt die Familie das maunzende Geheimnis, findet sich aber bald mit der Katze ab und nimmt sie in die Familie auf. Als sich aber herausstellt, dass die Putzfrau allergisch gegen Katzenhaare ist, stellt Desirees Mutter sie vor die Tatsache, dass ihr die Putzfrau wichtiger ist und, dass sich der Großvater in Zukunft um die Katze kümmern wird. Da fasst Desiree den Beschluss, zu ihrem Großvater zu ziehen, den sie nur von den jährlichen Besuchen kennt. Am Ende der Geschichte versprechen Desirees Eltern hoch und heilig, dass sich alles ändern wird und, dass man auch die Putzfrau entlassen kann, damit Desiree sich nicht von Anatol zu trennen braucht. Ein Happyend im eigentlichen Sinne wäre nun wohl, wenn Desiree nun zu ihren Eltern zurückkehren würde und die heile Familie wieder beisammen wäre. Doch Desiree entschließt sich bei ihrem Großvater und ihren neuen Freunden wohnen zu bleiben.

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4. Einige Bücher Christine Nöstlingers

Bücher von Christine Nöstlinger, die ich selbst gelesen habe

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4.1. Die "Gretchen Sackmeier" Bücher

  1. Gretchen Sackmeier
  2. Gretchen hat Hänschenkummer
  3. Gretchen mein Mädchen

"Gretchen Sackmeier" ist ein Familiengeschichte Christine Nöstlingers in drei Bänden. Sie zeigt die Entwicklung der einzelnen Familienmitglieder und des Familienverbandes im Laufe von drei, vier Jahren.

Gretchen Sackmeier
Gretchen Sackmeier ist vierzehn Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und ihren beiden jüngeren Geschwistern in Wien. Die gesamte Familie wird von manchen Nachbarn verspottet, weil sie alle etwas dicker sind. Jedes Wochenende fährt die Familie zur Großmutter nach Zwettl um sich an Waldviertler Knödeln und anderen Köstlichkeiten zu laben. Von außen scheint die Familienidylle perfekt.
Nach einem Klassentreffen beginnt Gretchens Mutter eine Diät. Anfangs wird sie vom Rest der Familie nur belächelt, da schon oft Abmagerungskuren begonnen wurden um nach ein paar Tagen wieder erfolglos zu enden. Dieses mal ist die Sache aber tiefgreifender. Gretchens Mutter, die vor ihrer Heirat in die Sackmeierfamilie, eine hübsche und schlanke Frau war, hat sich vorgenommen das wieder zu werden. Außerdem will sie jetzt ihr eigenes Geld verdienen und sich weiterbilden. Diese Botschaft wird vor allem von Vater Sackmeier und Sohn Hänschen mit Grauen aufgenommen. Beide können sich ein Leben ohne sorgende und kochende Ehefrau bzw. Mutter kaum vorstellen.
Gretchen fühlt sich mit ihrer Leibesfülle so wie ihre Mutter auch nicht gerade wohl. Außerdem beginnt sie erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht zu machen. Der "Schönling" Florian Kalb buhlt um Gretchens Gunst. Als er sie dann einmal zu sich nach Hause einlädt um Diverses für die Schule nachzuschreiben, küsst er Gretchen. In der Schule bauscht Florian diese Geschichte zu einer heißen Lovestory auf. Obwohl Gretchen von Florian zutiefst enttäuscht ist, fühlt sie sich trotzdem zu ihm hingezogen. Doch auf einer Party einer Schulfreundin lernt Gretchen Hinzel kennen, der zu ihrem zweiten Verehrer wird. Hinzel ist selbst auf keinerlei körperliche Nähe aus, sondern will einfach nur mit Gretchen zusammen sein. Doch Gretchen kann sich zwischen Florian und Hinzel einfach nicht entscheiden.
Doch auch Gretchens Eltern haben so ihre Probleme. Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass im Hause Sackmeier doch nicht alles eitel Sonnenschein war. Vater Sackmeier ist mit dem Plan seiner Frau sich weiterzubilden und wieder ins Berufsleben einzusteigen nicht so recht einverstanden. Die Situation spitzt sich soweit zu bis Gretchens Mutter zusammen mit der jüngeren Tochter Mädi zu einer Freundin zieht. Gretchens Vater und Hänschen, die nun von Hausfrau und Mutter verlassen, nicht viel mit dem Haushalt anzufangen wissen, holen sich Großmutter Sackmeier als Verstärkung. Bald folgt Gretchen dem Beispiel von Mutter und Schwester und zieht ebenfalls aus.
Sohn Hänschen wird am Schlechtesten mit der neuen häuslichen Situation fertig. In der Schule lässt er seine Wut und Aggressionen an den anderen Mitschülern aus, was in einer Schlägerei endet. Gretchen unterstützt ihren Bruder in der Rauferei. Doch die Eltern der anderen Knaben wollen die Angelegenheit vor dem Direktor regeln. Vater und Mutter Sackmeier treten jedoch zusammen für ihre Kinder ein. Nach diesem Ereignis versuchen die Eltern mehr auf die Probleme ihres Sohnes einzugehen, und sich mehr um sein seelisches Wohl zu kümmern.

Gretchen hat Hänschenkummer
In der Fortsetzung von "Gretchen Sackmeier" geht es vor allem darum, dass Hänschen stark unter der Trennung seiner Eltern leidet. Er nimmt immer mehr zu, vernachlässigt die Schule und trifft sich nachmittags mit Freuden um andere Leute zu "observieren". Gretchen hat Angst, dass ihr Bruder in kriminelle Handlungen verwickelt sein könnte und versucht herauszufinden, welche eigenartigen Dinge ihr Bruder mit seinen Freunden unternimmt.
Gretchen hat aber selbst noch andere Probleme. Während der ganzen Aufregungen um ihre Familie hat Gretchen enorm an Gewicht verloren und präsentiert sich nun rank und schlank. Florian Kalb, der seine Beziehung zu Gretchen bis dahin eher geheimgehalten hat, beginnt Gretchen nun regelrecht hinterher zulaufen. Andererseits trifft sich Gretchen auch sehr gern mit Hinzel im Cafe Waxlberger. Die beiden Verehrer, Florian und Hinzel, sind nun nicht gerade gut auf einander zu sprechen und drängen Gretchen sich nun endlich zwischen ihnen zu entscheiden.
Gretchens Eltern versuchen nun die Familienidylle für Sohn Hänschen zu kitten, und Gretchens Mutter zieht wieder zu Hause ein. Die Probleme der Eltern sind jedoch noch lange nicht bereinigt. Gretchens Mutter hat sich eher wegen dem häuslichen Frieden und der Sorge um Hänschens Wohl zu diesem Schritt entschlossen.

Gretchen mein Mädchen
"Gretchen mein Mädchen" schließt nun den Einblick in das Familienleben der Sackmeiers ab. Das mittlerweile siebzehnjährige Gretchen steht nun vor der Entscheidung mit welchem ihrer beiden Verehrer sie ihren Urlaub verbringen soll. Sie kann sich einfach nicht zwischen dem feschen Florian und dem sensiblen Hinzel entscheiden. Ihrer Meinung nach wäre es für sie kein Problem zu beiden gleichzeitig eine Beziehung aufrecht zu erhalten. Doch dagegen wehren sich beide vehement und drängen Gretchen zu einer Entscheidung. Beide haben schon Urlaubspläne, die Gretchens Person mit einschließen. Doch Gretchen will sich zu keiner Entscheidung zwingen lassen und entschließt dem Angebot des Nachbarsknaben Konni zu folgen und mit ihm auf Urlaub zu fahren. Als Hinzel erfährt, dass Gretchen andere Pläne hat, als mit ihm zu verreisen, verschwindet er. Gretchen macht sich unheimliche Sorgen und versucht Hinzel zu finden. In seiner Wohnung entdeckt sie nicht viel, außer einigen unvollendeten Briefen. Diese zeugen zwar alle davon, wie sehr Hinzel von Gretchen enttäuscht ist und wie sehr er sie liebt, aber einen Hinweis auf Hinzels Aufenthaltsort können sie nicht geben. Als Gretchen keine Nachricht von ihm erhält, reist sie zusammen mit Konni gegen Süden. Doch auf der griechischen Insel angelangt, sitzt auch schon einer vor der Haustür des Ferienhauses: Hinzel!
Christine Nöstlinger zeigt in diesen drei Bänden die Probleme einer Familie. Das Geschehen wird zwar nicht von Gretchen erzählt, beschäftigt sich aber jedoch so mit den Dingen, wie sie sie sieht. Die Autorin präsentiert mit Gretchen ein junges Mädchen, dass versucht mit der familiären Situation fertig zu werden und sich aber auch gleichzeitig mit anderen Problemen, die das Leben so bringt, auseinandersetzen muss. Sie versucht ihrem von der Situation verstörten Bruder zu helfen und gleichzeitig auch die Beziehung zu ihren beiden Freunden aufrechtzuerhalten.

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4.2. "Man nennt mich Ameisenbär"

Maria-Theresia, kurz Thesi genannt, ist zwölf Jahre alt, lebt mit ihrer älteren Schwester Sophie und ihren Eltern in einer relativ harmonischen Familie und hat gute Schulnoten. Trotzdem ist ihr Leben nicht ganz so einfach wie es auf den ersten Blick scheint. Als Thesi noch ein kleines Mädchen war, wusste sie nicht, dass sie Mausaugen, eine Nase wie ein Zinken und Unterbiss hat. Sie bemerkte nur, dass die meisten Leute zu ihrer hübschen, zwei Jahre älteren Schwester, um einiges freundlicher waren.
Fast täglich muss Thesi gegen "Verschönerungsversuche" ihrer Mutter ankämpfen, die es ja nur gut mit Thesi meint. Oft hat Thesi Tagträume, die immer damit beginnen, dass sie einen schweren Autounfall hat, in einem Krankenhaus wieder aufwacht, ihr ein Chirurg mitteilt, dass sie versucht haben ihr Gesicht wieder halbwegs zu flicken, und ihr ein strahlend schönes Mädchen aus dem Spiegel entgegenblickt.
Thesi ist mit dem Nachbarsbuben Friedrich befreundet, obwohl sie manchmal den unbegründeten Verdacht hegt, dass er sie nur besucht um ihre Schwester zu sehen. Thesi hat auch einen Brieffreund, den gleichaltrigen Axel. Da man bei Brieffreundschaften aber meistens ein Foto mitschickt, hat Thesi sich einfach ein hübsches Foto ihrer Schwester ausgesucht. Ihre Mitschüler mögen Thesi nicht besonders, da sie sie für eine Streberin halten. Dass Thesi soviel lernt und dadurch gute Noten hat, kommt jedoch daher, dass sie am Nachmittag wo sich die anderen Kinder mit ihren Freunden treffen, massenhaft Zeit hat um sich um alle Hausübungen und anderen Arbeiten zu kümmern.
In Thesis Klasse unterrichtet eine Lehrerin, die von den Schülern "Karpfen" genannt wird. Diese Lehrerin hat ein Problem mit ihren Zähnen und spuckt deshalb ziemlich stark, was den Schülern der ersten beiden Bankreihen gar nicht behagt. Die Klasse entschließt sich zu einer Aktion gegen das "bespuckt werden". Doch Thesi widerstrebt es bei einer solchen Aktion mitzumachen, da sie aus eigener Erfahrung weiß, wie unangenehm es ist aufgrund von Äußerlichkeiten ausgeschlossen und verspottet zu werden. Thesi gerät in eine Zwickmühle. Einerseits will sie ihrer Klasse beweisen, dass sie kein Spielverderber ist und sich nicht auf die Seite der Lehrer stellt, andererseits widerstrebt es ihr einen "Spuckeschild" zu basteln, und so gegen die Lehrerin, die ja auch nur ein Mensch ist, vorzugehen.
Die Familie ist sich zwar im Klaren, dass Thesi kein hübsches Kind ist, aber, dass Thesi unter ihrem Aussehen zu leiden hat, scheinen sie oft nicht mehr wahrzunehmen. Der Mutter, die selbst eine Schönheit ist, scheint nicht aufzufallen, dass sie Thesi mit ihren Verschönerungsversuchen nur nervt und sie damit sicherlich auch verletzt. Der Vater scheint im Aussehen seiner Tochter kein Problem zu sehen, was wohl daran liegt, dass er als Junge unter seinem Aussehen nicht so stark litt wie Thesi. Ihre Schwester Sophie bemerkt Thesis Probleme anfangs auch nicht. Ihr fallen nur die verschiedensten eigenartigen Dinge auf. Dass ein hübsches Foto von ihr fehlt (Thesi schickte es ihrem Brieffreund) und eines Tages ein fremder Junger vor ihrer Wohnungstür steht, der sie für Thesi hält (natürlich aufgrund des mitgeschickten Fotos). Der Nachbarsjunge Friedrich, der alles gerne von der psychologischen Seite beleuchtet, lässt bei Sophie ein Licht aufgehen. Friedrich spricht ihr gegenüber offen aus, dass Thesi nicht hübsch ist, von den anderen für eine Streberin gehalten wird, aber trotz allem ein wahnsinnig lieber Mensch ist. Langsam leuchtet dann auch dem Rest der Familie ein, dass Thesi mit ihrem Aussehen ein Problem haben und mit sich selbst nicht im Reinen sein könnte.
Doch Thesi findet Hilfe und Anteilnahme bei ihrer Großmutter. Die Mutter ihres Vaters, von dem Thesi ihr Gesicht geerbt hat, hatte in ihrem Leben auch schon unter ihrem Aussehen zu leiden. Mit Hilfe ihrer Großmutter schafft es Thesi sich einigermaßen mit ihrem Äußeren abzufinden. Außerdem gelingt es Thesi in einem Nachbarsjungen ihrer Großmutter, Josef-Maria, einen Freund zu finden, der sie so mag und akzeptiert wie sie ist. Christine Nöstlinger zeigt mit diesem Buch sehr deutlich und offen, wie schwierig es für ein Kind ist, mit Vorurteilen fertig zu werden. Es wird auch deutlich, dass man mit einer etwas anderen Lebenseinstellung und Freunden, die einen verstehen, sein Leben in den Griff bekommen kann, ohne auf ein Wunder, in diesem Fall eine Schönheitsoperation, hoffen zu müssen.

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4.3. "ABC für Großmütter"

"ABC für Großmütter" ist eine Art lexikalisch aufgebauter "Ratgeber". Für Großmütter, die die es noch werden wollen, und auch für alle anderen Leser.
Zu jedem Buchstaben im Alphabet bringt Christine Nöstlinger ein oder mehrere passende Schlagwörter, die meist anhand einer kleinen Episode humorvoll erläutert werden. Diese Episoden beruhen einerseits auf eigenen Erfahrungen mit ihren Enkeln, andererseits auf Eindrücken anderer Großmütter bzw. auch Großväter. Die Themen reichen von A wie "Annerl, Agnes, Andrea und Alice" über E wie "Eifersucht", Q wie "Quengeln" bis zu Z wie "Zärtlichkeit", immer auf die Beziehung Großmutter - Enkelkind bezogen.
Dieses Buch ist äußerst humorvoll und mit einem Schmunzeln geschrieben. Wahrscheinlich hilft es auch einmal selbst über die kleinen Problemen mit den lieben Enkeln und Kindern zu lachen.

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4.4. "Haushaltsschnecken leben länger"

In "Haushaltsschnecken leben länger" umschreibt Christine Nöstlinger in mehreren kleinen Episoden das Leben einer Hausfrau. Wie der Titel schon verrät handelt dieses Buch von Hausfrauen, aber auch von allem anderen, was ein Haushalt, eine Familie, die Ehe und Kinder so mit sich bringen. Humorvoll wird von Frauen berichtet, die "nicht nur mit Waschmaschinen, Saftpressen, Bügelautomaten und Geschirrspülern hantieren, sondern auch Bohrmaschinen benutzen und Hobby-Lötkolben... Es gibt aber auch Frauen (und das sind die verwegensten), die sich vehement weigern, die Funktionsweise moderner Haushaltsgeräte zur Kenntnis zu nehmen, und sie trotzdem in Betrieb setzen...". Jeder wird beim Lesen dieses Buches wohl irgendetwas finden, wobei er sich denken könnte "so geht's mir auch", egal ob man nun in der Familie die Position des Kindes, der Mutter, des Vaters oder einer anderen Person vertritt.

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5. Auszeichnungen

Insgesamt wurden Christine Nöstlinger bisher rund 30 Auszeichnungen verliehen. Ihre erste Auszeichnung erhielt Christine Nöstlinger 1972 mit dem "Friedrich Bödecker Preis" für ihr Buch "Die Kinder aus dem Kinderkeller". Schon ein Jahr später wurde ihr der "Deutsche Jugendliteraturpreis" für "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" verliehen. Innerhalb von vier Jahren erhielt sie zweimal den "Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis", 1975 für "Achtung! Vranek sieht ganz harmlos aus" und 1979 für "Rosa Riedl Schutzgespenst".
Für ihr autobiographisch angehauchtes Werk über das Leben eines achtjährigen Mädchens während der Nachkriegszeit "Maikäfer flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich" wurde Christine Nöstlinger mehrfach ausgezeichnet. 1974 erhielt sie den "Buxtehuder Bullen" und wurde auf die Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis gesetzt. 1982 wurde dieses Buch auch mit dem Holländischen Jugendbuchpreis, "dem goldenen Griffel", ausgezeichnet. Zwei Jahre danach wurde Christine Nöstlinger der "Hans-Christian-Andersen-Preis" für ihr Gesamtwerk verliehen, die international wohl angesehenste Auszeichnung für Kinder- und Jugendbuchautoren.
Für ihr Buch "Der geheime Großvater" erhielt sie 1987 sowohl den "Österreichischen Kinder- und Jugendliteraturpreis" als auch den "Kinderliteraturpreis der Stadt Wien". Im selben Jahr wurde Christine Nöstlinger der "Österreichische Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur" für "Der Hund kommt" verliehen.
1989 erhielt Christine Nöstlinger den "Österreichischen Würdigungspreis" für ihr Gesamtwerk.
In den Jahren 1991 und 1992 wurde ihr zweimal der "Kinderbuchpreis der Stadt Wien", für "Sowieso und überhaupt" bzw. für "Mini muss in die Schule", verliehen. 1995 wurde Christine Nöstlinger auch mit dem "Illustrationspreis der Stadt Wien" für "Madisou" ausgezeichnet.
Außer den hier angeführten erhielt Christine Nöstlinger noch eine Reihe weiterer Preise und Auszeichnungen, vor allem wurden ihre Bücher sehr oft in diverse Auswahl- bzw. Ehrenlisten der verschiedenen Buchpreise aufgenommen. Christine Nöstlinger persönlich bedeuten diese Auszeichnungen nicht besonders viel. Zwar war sie sehr beeindruckt, als sie ihre erste Auszeichnung, den "Friedrich Bödecker"-Preis, in Empfang nehmen durfte, doch dieses Gefühl legte sich bald wieder. Den "Deutschen Jugendbuchpreis" verliehen zu bekommen war für sie schon von eher Bedeutung, da dies das erste Mal war, dass er einem Österreicher verliehen wurde. In Bezug auf die Verleihung des "Hans-Christian- Andersen-Preises" meinte sie nur leicht sarkastisch:
"Ich hab' mich zwar nicht gefreut, dass ich ihn gekriegt habe,
aber es hätte mich sehr geärgert, wenn ich ihn nicht gekriegt hätte."

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Literaturverzeichnis

  • Doderer, Klaus, Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, 1984
  • Ewers, Hans-Heino, Die Kinderliteratur der Gegenwart als Spiegel veränderter kindlicher Lebenswelten. Online in Internet: URL: http://www.goethe.de/os/hon/kiju/ewekin.htm
  • Feurle, Barbara; Resch, Simone, Realistische Kinder- und Jugendliteratur (am Beispiel von Christine Nöstlinger). Online in Internet: URL: http://members.eunet.at/moritz/kiju41.htm
  • Internationales Institut für Jugendliteratur und Leseforschung, Lexikon der österreichischen Kinder- und Jugendliteratur. Wien: Buchkultur, 1994
  • Nöstlinger, Christine, Geplant habe ich gar nichts. Wien: Dachs Verlag, 1996
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