Die Marienkirche im Markte Struden.


Die Sage berichtet, dass Kaiser Maximilian I., als er im Jahre 1502 auf seinem Schlosse zu Werfenstein übernachtete, dem sicheren Tode durch einen Deckeneisturz nur dadurch entging, dass das graue Männlein ihn rechzeitig warnte und dadurch vor dem Tode rettete. Die Sage weiß weiter zu melden, dass Maximilian zum Dank für diese seine Lebensrettung im Markte Struden eine gotische Marienkirche erbaute.
Wie eine Urkunde des ehemaligen Freigerichtes Struden vom 16. November 1790 bezeugt, ist tatsächlich Maximilian der Stifter der Marienkirche in Struden. Er wollte nämlich den auf – und abwärts fahrenden Schiffleuten und Salzführern dadurch Gelegenheit geben, an Sonn – und Feiertagen hier eine heilige Messe hören zu können, ja, er hat selbst hier anno 1502 eine heilige Messe gestiftet, welche daselbst alljährlich an dem Rettungstagen gelesen, vom k.k. Mauteinnehmer bezahlt und in der Mautrechnung in Ausgaben gestellt werden sollte. Den Hochaltar diefer Kapelle haben die Schiffsmeister von Struden und verschiedene Wohltäter angeschafft, den Gottesdienst hielt ein Pfarrherr von St.Nikola oder in dessen Verhinderung in späteren Jahrhunderten ein Franziskaner von Grein. In den Herbstmonaten wurden stiftungsgemäß 52 heilige Messen in dieser Marienkirche gelesen.
Im Jahre 1784 wurde auf Befehl Kaiser Josefs II. diese Kirche gesperrt und zugunsten des Religionsfonds veräußert. Der Ersteher richtete daraus Wohnungen her, wozu sie auch heute noch dient. Der Hochaltar mit dem Tabernakel kam in die Pfarrkirche St.Nikola, desgleichen die Marienstatue, die Messkleider, Messkelch, Leuchter und Kirchenwäsche, wogegen die kleine Orgel die Kirche zu Klamm erhielt; die beiden Glocken wurden nach Kreuzen gebracht.
Diese alte gotische Schifferkirche ist heute noch im polygonen Abschluss im Türmchen und in den vermauerten Spitzbogenfenstern zu erkennen. Vor der ehemaligen Kirche ist ein kleiner Platz, auf dem einst das Zeichen der Marktgerechtigkeit und des Freigerichtes, der Pranger, stand, der heute zu Unrecht sich auf der Burg Werfenstein befindet, wohin er nicht gehört und wo er niemals stand.

(J. Petschan.) 1929