Die weltberühmte Linzer Torte
Was für Prag der Schinken und für Wien der Wein ist, das bedeutet für Linz die Linzer Torte. Studenten der Hochschule für Welthandel in Wien haben es in einer Umfrage wissenschaftlich bestätigt:
Die Linzer Torte ist das meistgekaufte Souvenir von Linz. Der Komponist Ludwig Schmidseder widmete ihr sogar eine Operette "Linzer Torte", die am 26. Mai 1944 in Linz uraufgeführt wurde. Wer diesem "Österreichischen Gebäck aus hartem Mandelteig" - so die recht knappe und lieblose Definition in einem Lexikon der Jahrhundertwende - den Namen gegeben hat, wird wohl ebensowenig zu klären sein wie die Frage, warum die Frankfurter Würstel in Frankfurt Wiener Würstchen heißen. Historiker haben herausgefunden, daß man schon im 17. Jahrhundert Kochrezepte für eine der Linzer Torte ähnliche Mehlspeise findet, erstmals scheint "Der geflochtene Lintzer Dorten" im "Neuen salzburgischen Kochbuch" des fürsterzbischöflichen Stadt- und Landschaftskochs Conrad Hager auf, das 1718 in Augsburg gedruckt wurde. Hier nennt Hager als Zutaten: Butter, Mandeln, Zucker, Mehl, Eier und Limonischalen, sie wird mit Eingesottenem gefüllt und oben mit einem Gitter aus Teigstangen verziert.
Fast zur gleichen Zeit, da die galanten Reiseschriftsteller um 1780 herum die schönen Linzerinnen entdeckten und in ihren Büchern anhimmelten, lockte auch die "Linzer Torte". Fürst Pückler-Muskau war 1807 eigens wegen der Torte - und wegen der Linzerinnen - herbeigeeilt; als berühmter Feinschmecker zog er allerdings die Linzer Torte den schönen Linzerinnen vor.
Ein Bayer war es schließlich, der die "Original Linzer Torte" souvenirreif machte: der Zuckerbäcker Johann Konrad Vogel, der 1822 aus Ansbach nach Linz kam und in seiner Konditorei die gewerbsmäßige Erzeugung der Linzer Torte aufnahm. Seine Anweisung lautet:
"30 dkg Butter, sehr schaumig gerührt; 15 dkg Zucker, zwei ganze Eier, von einer halben Limone die geriebenen Schalen, ein Messerspitz voll Ammoniam (Backpulver)' mit 45 dkg Mehl vermengen, das Ganze eine halbe Stunde lang abtreiben bis es bröselig wird wie ein Sterz. Dann die Hälfte der Tortenmasse mit der Hand im Tortenreif niederdrücken, darauf dicke Ribiselmarmelade füllen, die zweite Hälfte der Masse daraufgeben und die Torte heiß backen."
Sie war damals wohl ein gutes Geschäft, diese obenauf verzierte und hübsch verpackte Linzer Torte, denn Johann Konrad Vogel konnte sich als Wohltäter in Linz beliebt machen und wurde zum Ehrenbürger ernannt. Nach ihm bekam eine Linzer Straße den Namen.
Es gibt natürlich verschiedene Variationen der Linzer Torte. Manche schwören auf Mandelteig, andere wieder füllen sie mit Schokolade- oder Kaffeecreme, es gibt Rezepte ohne Eizutat und andere, die "gehackte Dotter" vorschreiben. Ihr großer Vorzug ist die lange Haltbarkeit, ja sie wird sogar nur besser, wenn sie länger liegt, behaupten Kenner.
Als Spezialität nahm sie stets Erzherzog Franz Karl, der Vater Kaiser Franz Josefs, wenn er in Linz weilte, auf seiner Weiterreise mit. Die Linzer Torte wurde sdion vielen berühmten Weltpolitikern und Staatsoberhäuptern überreicht, wenn sie in den letzten Jahren Linz besuchten.
Sie wird von den Linzer Konditoreien in effektvoller Aufmachung in alle Welt verschickt, und sie begeisterte auch Dichter, wie Ernst von Wildenbruch , der in einem Huldigungsgedicht auf Linz in Versen aufseufzte:
"Was sind aller Dichter Worte gegen eine Linzer Torte!" Übrigens: Solltest Du noch Interesse an anderen Linzer Spezialitäten als Souvenirs haben, dann seien hier neben der Linzer Torte und einem Likör, "Linzer Dom", auch die als Erinnerung an die Linzer Münztradition neu angefertigten Silbermünzen "Linzer Pfundner" genannt.

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