Univ. Prof. Dr. Gerhard Amendt
 

Aktuelles

Der Abschlussbericht (pdf) zum Forschungsprojekt Scheidungsväter zum Download

gerhard-amendt.at

 

  Home

  Veröffentlichungen
 
Newsletterarchiv
 
Links

  Kontakt


 

 

Newsletter 2

Lebenskrise - Väter nach Trennung oder Scheidung

Bremer Sozialwissenschaftler stellt Untersuchungsergebnisse vor

Scheidungsväter leiden. Eine Trennung oder Scheidung stellt für viele Männer eine weitreichende Lebenskrise dar, die sich in gesundheitlichen und beruflichen Problemen bemerkbar macht. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler unter der Leitung von Professor Gerhard Amendt vom Institut für Geschlechter- und Generationenforschung im Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen durchgeführt haben: In den vergangenen zwei Jahren wurden 2100 Väter über das Internet zu ihrer beruflichen und privaten Situation nach einer Trennung oder Scheidung befragt. Zahlreiche Untersuchungsergebnisse widersprechen dem Klischee vom emotional unabhängigen Mann oder vom Vater, der sich jedweder Verantwortung entledigt.

Eine Trennung oder Scheidung kann sich nachteilig auf die gesamte Lebenssituation des Betroffenen auswirken. So berichten fast drei Viertel (71 Prozent) der befragten Männer von Beeinträchtigungen in ihrem Berufsleben - also dem Lebensbereich, der unverändert im Mittelpunkt von männlicher Sinnstiftung und Selbstwertgefühl steht. Viele der Männer sind an ihrer Arbeit nicht mehr interessiert (37 Prozent), andere stürzen sich dagegen ins Berufsleben (33 Prozent). Auch ein Wechsel des Arbeitsplatzes (20 Prozent) oder die Kündigung durch den Arbeitgeber (11 Prozent) werden als häufige Konsequenzen der veränderten privaten Situation genannt. Dabei hat die Studie ergeben, dass Väter mit niedrigem Bildungsabschluss zu der Gruppe zählen, die von Kündigung am meisten bedroht ist. "Oder anders ausgedrückt: Je höher das Bildungsniveau, um so eher sind die Männer in der Lage, die Nachscheidungsprobleme in den Griff zu bekommen", so Professor Gerhard Amendt.

Noch mehr, nämlich 76 Prozent der Männer, geben Auswirkungen auf ihre Gesundheit an, darunter vorübergehende psychische (41 Prozent) und körperliche (12 Prozent) Beschwerden. Es können jedoch auch andauernde seelische (34 Prozent) oder physische Leiden (9 Prozent) auftreten. Dabei hat sich gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen der beruflichen Leistungsfähigkeit der erwerbstätigen Väter und ihrer privat erlebten psychischen Belastung besteht: Männer, die von ständigen emotionalen Belastungen berichten, neigen zu Desinteresse am Beruf. Solche Vertreter des "starken Geschlechts" hingegen, die von der Scheidung bzw. Trennung vorübergehend seelisch und körperlich beeinträchtigt werden, stürzen sich meistens in die Arbeit.

Die gesundheitlichen Beschwerden, so ein weiteres Untersuchungsergebnis, sind eher von vorübergehender Art, wenn "Scheidungsväter" ein häufiges Umgangsrecht mit ihren Kindern haben. Andererseits kann eine Vaterschaft nach der Trennung auch eine besondere Belastung darstellen. "Bei vielen Männern", berichtet Amendt, "wird das Gefühl zerstört, in einem Familiengefüge emotional eingebettet und als Vater anerkannt zu sein." Immer mehr Männer kämpfen darum, dass ihnen nach Trennung oder Scheidung die Vaterschaft nicht abhanden kommt. Doch diese Bemühungen sind nicht immer erfolgreich, und ihre Anstrengungen überfordern viele der Betroffenen.

Die Resultate der Studie veranlassen den Sozialwissenschaftler Amendt auch dazu, notwendige Perspektiven für eine moderne Familienpolitik zu skizzieren: "Familienpolitik darf Männer nicht nur als Leistungsträger sehen. Sie muss Männer auch mit ihren Problemen wahrnehmen und für qualifizierte Unterstützung sorgen."

Meike Brenner

Weitere Informationen:
Universität Bremen, Institut für Geschlechter- und Generationenforschung
Prof. Dr. Gerhard Amendt
Tel: 0421 / 218-8298 oder -2131 oder 004317130792
eMail: amendt@uni-bremen.de

 

Zurück zur Newsletterübersicht.

 

 

 
amendt@uni-bremen.de