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Nr. 123 / 3. Juni 2002 SC

Bremer Studie: Männer suchen Hilfen in Scheidungsphasen

Sozialwissenschaftler Prof. Gerhard Amendt betont Bedeutung der Vätervereine

Scheiden tut weh - manchmal im wortwörtlichen Sinne. Bei Scheidungen und Trennungen von Paaren kommt es auf dem Höhepunkt der Zerrüttungsphase sehr häufig zu Handgreiflichkeiten. Diese Gewalttätigkeiten gehen keineswegs vorrangig von den Männern aus, beide Partner sind zu gleichen Teilen daran beteiligt. Dies ist ein weiteres Ergebnis der Studie über Scheidungsväter, die Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler unter der Leitung von Professor Gerhard Amendt vom Institut für Geschlechter- und Generationenforschung im Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen durchführen. Neu auch die Erkenntnis: Scheidungsväter suchen im Verlauf der Scheidung oder Trennung in überraschend großer Zahl Hilfe. Die Erfahrungen, die Väter im Verlauf einer Trennung oder Scheidung machen, werden von 71% der Befragten als so überwältigend empfunden, dass sie sich sowohl im privaten als auch im professionellen Bereich nach Hilfsangeboten umsehen.

Dies ist ein weiteres Ergebnis der explorativen Internetbefragung über Scheidungsväter: Während der Trennungsphase suchen 90,4% der insgesamt 2100 befragten Männer Gespräche im Freundes und Bekanntenkreis, um die Probleme ihrer Trennungskrise zu besprechen. Zwei Drittel der Befragten suchen während der Trennungsphase professionelle Hilfe auf. Es ist anzunehmen, dass viele Männer wegen der Trennungskrise zum ersten Mal in ihrem Leben Erfahrungen mit Hilfeangeboten im psychosozialen Bereich machen. Bei der Wahl der Hilfeform sticht ins Auge, dass 29,3% einen Psychotherapeuten oder Psychologen aufsuchen. Damit rangiert die psychologische Unterstützung sogar noch vor der juristischen durch Rechtsanwälte mit 25,9%. Daneben gehören Familienberatungsstellen (16,6%), Jugendämter (12,4%) und Vätervereine (8,1%) zu den am häufigsten genutzten Formen professioneller Hilfe.

Ein interessantes Detailergebnis der Bremer Studie: Die Frage nach einer Mitgliedschaft in einem Väterverein bejahten 18% der Befragten. Dies weist darauf hin, dass der Väterverein erst im weiteren Verlauf der Trennung als Hilfeform gewählt wurde. Es scheint so zu sein, dass unbefriedigende Erfahrungen mit anderen Hilfsangeboten wie dem Jugendamt aber auch mit schwierigen Sorgerechtsverfahren bei einem nicht unerheblichen Teil der Männer in einer Mitgliedschaft eines Vätervereins münden. Die Vätervereine sind eine neue Form von Selbsthilfeorganisation. Sie etablieren sich damit zunehmend als hoch relevante Hilfeform besonders für Männer. Allerdings erfahren die Vätervereine bisher so gut wie keine öffentliche Unterstützung, obwohl man von einer bundesweiten Gründungswelle sprechen kann.

Wofür suchen die Männer nach Hilfe? Die Lebenssituation nach Trennung und Scheidung bestimmt ihre Suche. Mündet die Trennung oder Scheidung nicht nur in einer psychischen, sondern auch in einer materiellen Krise, dann wenden sich die Männer eher an staatliche Einrichtungen oder an Juristen. Dabei zeigt sich, dass Männer mit gehobenerem Bildungsniveau und höherem Einkommen es offensichtlich leichter haben, sich individuell therapeutisch unterstützen zu lassen. Je erdrückender die materielle und soziale Lage allerdings nach einer Scheidung gesehen wird, desto weniger wird eine Unterstützung gewählt, die hilft, die Erfahrungen als Teil der gesamten Lebensgeschichte zu integrieren. Die existenzielle Krise lässt die Männer eher nach pragmatischen und lebensbegleitenden Hilfen suchen. Sie erhoffen sich dabei Unterstützung bei der Bewältigung ihrer praktischen Probleme in einer plötzlich veränderten Vaterrolle und bei der Auseinandersetzung mit Jugendämtern Rechtsanwälten und Familiengerichten. Die Vätervereine stellen gerade für diese Männer eine attraktive Form der Hilfe dar, die an alte Traditionen der Solidarität anschließt.

Professor Gerhardt Amendt vom Institut für Geschlechter- und Generationenforschung empfiehlt, "Vätervereine zu fördern und daß Familienpolitik Männer nicht nur als Leistungsträger sehen sollte, sondern sie auch mit ihren Problemen wahrnimmt und für qualifizierte Unterstützung sorgt."


Weitere Informationen:
Universität Bremen
Institut für Geschlechter- und Generationenforschung
Prof. Dr. Gerhard Amendt
Tel: 0421 / 218-8298 oder -2131 oder 00 43 17 130792
eMail: amendt@uni-bremen.de

 

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