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Der Verlauf der Trennungsphase bestimmt die Zukunft der Vater-Kind-Beziehung

Das Institut für Geschlechter- und Generationenforschung (IGG) unter der Leitung von Professor Dr. Gerhard Amendt, führt derzeit eine großangelegte Studie über Väterlichkeitserfahrungen nach Trennung oder Scheidung durch. Während in der Forschung bisher hauptsächlich die Erfahrungen von Müttern und Kindern im Mittelpunkt standen, möchte das Team um Professor Amendt etwas über die Situation von Vätern nach der Trennungskrise erfahren. Und Männer möchten, dass die Öffentlichkeit von ihren Erfahrungen endlich Kenntnis nimmt. Allein das erklärt, dass 3800 Männern sich über das Internet an unserer Befragung beteiligten.

Eine wichtige Frage ist, welche Sorgerechtsregelung die Männern ursprünglich wollten und wie der Vater-Kind-Kontakt sich dann tatsächlich nach der Trennung entwickelt hat. Zu 85% gaben die Männer an, dass sie ursprünglich das gemeinsame Sorgerecht für ihre Kinder anstrebten.

Nach der Trennungsphase haben allerdings nur noch 52,0% der Väter häufigen, 17,8% weniger häufigen bis selten Kontakt.
30,2% haben gar keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern. Aber auch die Väter, die noch Kontakt zu ihren Kindern haben, fühlen sich zu etwa zwei Dritteln von wichtigen Entscheidungen im Leben ihrer Kinder ausgeschlossen. So muss letztlich eine hohe Anzahl von Männern sich nur noch unzureichend an der Lebensgestaltung ihrer Kinder beteiligt fühlen

Die familien – und gesellschaftspolitisch so wichtige Frage, woran es liegen könnte, dass die gemeinsame elterliche Sorge für die Lebensgestaltung der Kinder nach Trennung/ Scheidung so schwer aufrecht zu erhalten ist, deutet auf zweierlei hin.
• Zum einen spielt die soziale Lebenslage der Männer nach der Trennung eine gewichtige Rolle
• zum anderen hängt vieles davon ab, ob die Getrennten fähig und willens sind, auch nach Trennung oder Scheidung noch miteinander im Gespräch zu bleiben.

Betrachtet man die sozialen Lebensbedingungen der Männer, so fällt auf, dass gerade Männer in niedrigen Einkommens- und Bildungsverhältnissen am ehesten Gefahr laufen, den Kontakt zu ihren Kindern zu verlieren. Männer, die über ein relativ hohes Einkommen und eine höhere Bildung verfügen, berichten eher über häufige Kontakte zu ihren Kindern.

Man wird davon ausgehen müssen, dass stark eingeschränkte soziale und finanzielle Möglichkeiten zu der noch die psychische Ausnahmesituation der Trennung dazu kommt, obendrein die Lebenslage dieser Männer verschärft. Insbesondere dann, wenn hilfreiche Wege wie zum Beispiel ein erreichbares und erschwingliches Beratungsangebot nicht leicht zur Hand sind.
Für diese Gruppe von Männern kann deshalb das gesamte Gefühlsleben so sehr unter den Einfluss der Trennungskrise geraten, dass ihre Handlungsfähigkeit zeitweise eingeschränkt wird. Zumal wenn wenig Hilfe von außen zum Tragen kommt. So scheint besonders der Zugang zu Hilfen erschwert zu sein, die auf Kommunikation beruhen. Dazu zählen vor allem Beratung und Psychotherapie. Dies ist umso bedenklicher, da es gerade diese Männer sind, die in den konfliktträchtigen Auseinandersetzungen mit ihren Exfrauen eher Gefahr laufen, die Kommunikation nicht aufrecht erhalten zu können und sich letztlich auch von ihren Kindern zurückziehen.

Die Männer, die zur unteren Einkommens- und Bildungsgruppe zählen, nehmen auch weniger Hilfen aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis oder von professioneller Seite in Anspruch wie das durchschnittlich von anderen während der Trennungskrise getan wird. Diese Männer laufen deshalb auch Gefahr, dass sie sich nach der Trennung sozial isolieren und vereinsamen. Fast schon bezeichnend für diese Männer ist, dass sie sich in der Trennungssituation machtlos fühlten. (Und zwar sehr viel häufiger als andere Männer.) Die Trennungssituation läuft dann Gefahr, sich zu einer existenziellen Bedrohung auszuweiten. Dann bleibt so gut wie gar kein Handlungsspielraum mehr bestehen.

Wo jedoch keine aktiven Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Leben mehr verfügbar sind, wird dann auch die Trennungsphase einen besonders negativen Verlauf nehmen.

Unsere Befragung hat gezeigt, dass den Männern, die die Verantwortung für ihren Teil an der Trennung/Scheidung mit übernehmen, es viel leichter fällt, auch eine gestaltende Haltung während der Trennungsphase zu beziehen. Die Gefahr für Männer in der Trennungsphase in eine passive Position zu geraten, scheint allgemein jedoch groß zu sein. Denn über die Hälfte der Befragten gaben an, sich in den Konflikten mit der Frau eher machtlos zu fühlen. Und sie meinten deshalb auch, nichts tun zu können.

Ob Männer eher gestalterisch oder eher passiv die Trennung durchlaufen, zeigt sich auch daran, ob sie die Kinder über die bevorstehende Scheidung informieren. Oder ob sie das der Mutter lieber überlassen. Das ist zugegebenermessen für alle Beteiligten eine äußerst schwere Situation. Weil jeder ahnt, wie schwer das die Kinder belasten wird.
Männer, die den Trennungswunsch aktiv mitgetragen haben, waren deshalb auch häufiger daran beteiligt, ihren Kindern die bevorstehende Scheidung mitzuteilen. Männer, die die Scheidung nicht wollten, haben sich nicht daran beteiligt, den Kindern den schweren Schritt mitzuteilen. Wo die Männer gemeinsam mit ihren Partnerinnen den Kindern sich gegenüber verantwortlich fühlen, leiten sie bereits eine gemeinsame Elterlichkeit trotz des Verlustes der Liebesbeziehung ein. Das kann für die Kinder nur gut sein.

Wenn dies wirklich gelingt, dann können die Getrennten auch weiterhin als Elternpaar mit den Kindern selbst in schwerer Zeit miteinander reden. Und es zeigt sich, dass überdurchschnittlich viele Männer, die die gemeinsame Elterlichkeit aufrecht erhalten, auch über häufigen Kontakt zu ihren Kindern berichten und dass sie weiterhin wichtig und verantwortlich für die Erziehung ihres Kindes bleiben. Und das wollen nach unseren Zahlen die meisten Männer.

Das IGG -Team igg@uni-bremen.de

 

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