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Der Abschlussbericht (pdf) zum Forschungsprojekt Scheidungsväter zum Download

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Newsletter 9

Nr. 000 / 00. Juni 2003 SC


Scheidungsväter: Wer Geld hat, darf die Kinder sehen, wer keines hat,
hat Pech gehabt!

Bremer Väterstudie: Viele Männer dürfen Emotionalität zum Kind nicht leben

Neue Väter braucht das Land! Wer dies fordert, meint damit, dass Väter sich stärker auch an der emotionalen Seite des Familienlebens beteiligen sollen. Die neuen Väter müssen präsent sein, vernehmlich und sichtbar. Dieser Anspruch, so scheint es, lässt sich durch den reinen Broterwerb zur familiären Existenzsicherung nicht verwirklichen. Eine Aufteilung von beruflicher und familiärer Arbeit zwischen Mann und Frau ebnet den Weg zur neuen Väterlichkeit. Moderne Frauen und Mütter erwarten, dass ihre Männer aktiv sind und gefühlvoll das Familienleben mit gestalten. Doch nach Trennung oder Scheidung sieht vieles anders aus. Die Forderung nach Neuen Vätern gerät dann schnell in Vergessenheit. Die „Väterstudie“ des Bremer Sozialwissenschaftlers Gerhard Amendt zeigt, dass den Scheidungsvätern die emotionale Bindung zu den Kindern vielfach nicht mehr zugestanden wird. Die einstige Forderung wird zur Makulatur. Das ist ein Ergebnis der Befragung von 3500 Vätern.

Das Bremer Wissenschaftler-Team um Gerhard Amendt hat zudem einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen finanziellen Leistungen der Väter und dem Zugang zu den Kindern nach der elterlichen Trennung herausgefunden: Je höher das Einkommen der Väter, desto häufiger nehmen sie an der elterlichen Sorge teil. Also: Nicht die Bereitschaft der Väter, emotionalen Kontakt zu den Kindern aufrecht zu erhalten, ist ausschlaggebend, sondern die Höhe der Unterhaltszahlungen. Mit Daten belegen die Bremer Sozialforscher, dass gut gebildete Männer, die auch nach der Scheidung überdurchschnittlich große Verantwortung für die Kinder übernehmen wollen, viel häufiger dann der Zugang zum Kind zugestanden wird, wenn viel Geld für Unterhalt gezahlt wird. Männer mit hohem Einkommen erhalten um 20 Prozent häufiger das gemeinsame Sorgerecht als Männer mit niedrigem Einkommen. Professor Amendt und sein Team ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass sich Exfrauen oder Expartnerinnen weniger daran orientieren, ob ein Vater sich um die Kinder kümmert, sondern mehr an der Höhe der Zahlungen. Gerhard Amendt: „Es ist eine für die Beziehungen der Geschlechter bewegende Frage, ob Männer dem Ruf nach „neuer Väterlichkeit“ nur dann nachkommen dürfen, wenn sie die Erwartung ihrer Expartnerin nach finanzieller Absicherung weiterhin erfüllen wie diese sich das vorstellt. Im Klartext: Gut zahlende Väter haben bessere Chancen auf Väterlichkeit. Dass die Kinder aber ihren Vater wollen, spielt dann in den Trennungsauseinandersetzungen oftmals keine Rolle mehr.“

Was für die Väterlichkeit nach der Scheidung gilt, trifft auch auf die Heiratschancen zu: Auch heute noch scheint die finanzielle Stärke eines Mannes der wesentliche Faktor seiner Anziehungskraft zu sein. So zeigen Berechnungen aus der „Väterstudie“, dass sich die Chancen einer Heirat für Männer mit hoher Bildung um 19% erhöhen, wenn sie statt über ein niedriges über ein hohes Einkommen verfügen. Unabhängig vom Grad der Bildung sehen sich Männer mit einem geringen Einkommen sehr viel häufiger vor die Situation gestellt, dass ihre Frauen sie verlassen und die Scheidung einreichen.

Es wird zwar häufig und regelmäßig über Väter geschimpft, die sich dem „Wickeltisch und der Müllentsorgung“ entziehen. Nach den vorliegendenden statistischen Ergebnissen wirft Professor Gerhard Amendt die Frage auf, „ob Männer vielleicht deshalb sich häufiger den Wickeltischen und Küchen entziehen, weil sie intuitiv spüren, dass sie in letzter Konsequenz als Mann und Vater noch immer nach dem traditionellem Kriterium beurteilt werden: ob sie Frau und Kind ernähren können oder nicht.“ Die Veränderung der Mutter- und Vaterrollen ist vor diesem Hintergrund nicht nur der vielfach kritisierten beruflichen Orientierung der Männer anzulasten, sondern ebenso den Kriterien, nach denen Frauen sich Partner wählen, sie als Väter anerkennen oder ihnen die Vaterschaft nach der Trennung absprechen.

 

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften
Institut für Geschlechter- und Generationenforschung
Prof. Dr. Gerhard Amendt
Tel. 0049 (0) 69 / 94508752
E-Mail: igg@uni-bremen.de

Im Dezember erscheint Gerhard Amendt: Väter nach der Scheidung, IGG-Universität Bremen, ISBN 3-88722-570-8.

 

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