Frau Storch

Eine kleine Geschichte  

 

 

 

   

 

Im Jahr 2001 hat in  Saxen ein Storchenweibchen Austausch statt gefunden. Es war eine erfolgreiche Brut mit 3 Jungen, die alle durchgekommen sind (Im Gegensatz zu anderen Oberösterreichischen Horsten, wie zum Beispiel in Freistadt wo an 2 Horsten mit 10 Jungen nur ein einziger durchgekommen ist ).

Da das Weibchen im Herbst nicht mit dem Männchen in den Süden gezogen ist sondern immer wieder in gewissen Abständen für ein paar Tage zum Horst zurück kommt, fing ich an Nachforschungen über Fr. Storch zu machen. Da sie beringt war glaubte ich das dies nicht allzu schwer werden würde. Ich schrieb alle Beringungsstationen in Frankreich und die größeren in Deutschland an , in der Hoffnung das ich bald Antwort bekommen würde. Dem war aber nicht so. Die Station Helgoland gab mir zwar Auskunft das dieses Weibchen aus Frankreich stammt, aber wo sie beringt wurde war im Moment nicht zu erfahren. Dies wurde noch dadurch erschwert das in Frankreich der Geldhahn für die Beringungsstationen zugedreht worden war und somit auch die Bearbeitungen diverser Anfragen sozusagen unter den Tisch fielen.

Jetzt erinnerte ich mich wieder daran, das mir der Leiter des Otto Koenig Instituts Abteilung Staning Hr. Dr. Eisner einmal erzählt hat, das bei ihnen das Männchen (es ist halbzahm und heißt Max) mit einer Storchenfrau aus Frankreich einen Horst baute. Also rief ich im Institut an und bekam gleich die Bestätigung meiner Vermutung das dieses Weibchen aus Staning ist.

Sie kam 1991 in Gougenheim/Frankreich zur Welt und wurde dort auch beringt.

Am 03.05.1993 taucht sie gemeinsam mit „Max“( der als Jungstorch am Otto- Koenig Institut aufgezogen wurde) in Staning auf und sie bauten auf einem EVN- Trafo einen Horst. Der Bruterfolg blieb aber aus. Sie verlässt Max im Herbst und taucht 1994 im Frühjahr wieder auf. Ziehen in diesem Jahr 2 Junge groß. Junge und Mutter fliegen im Herbst weg.

1995 haben sie 4 Junge. Frau Storch wird am 20.3.1995 in Altreu/Schweiz gesehen.

1996 haben sie keinen Bruterfolg

1997 3 Junge

1998 baut Max neues Nest am Schornstein eines Bauernhauses. Nachdem seine Frau im Frühjahr auftaucht, ziehen sie 4 Junge groß.

Am 30.11. 1998 wird der Storchenhorst von der Feuerwehr vom Bauernhaus auf den Institutskamin verfrachtet.

In diesem Winter leistet ein Jungstorch Max Gesellschaft. Er tauchte Anfang November auf und verschwindet wieder, nachdem Frau Storch Ende Jänner wieder auftaucht.

1999 haben die Störche 4 Junge und Frau Storch bleibt den Winter über in Staning

2000: Nachdem die Störche Mitte März zu brüten begonnen haben, stirbt Max am 28.4.2000 durch Genickbruch nach Kollision mit einer Hochspannungsleitung. Frau Storch bleibt mit 3 Jungen zurück. Von ihnen sterben auch zwei durch Hochspannungsleitungen kurz nach dem flügge werden. Frau Storch verbringt den Winter wieder bei uns.

2001: Frau Storch verlässt das Institut Anfang April. Ein paar Tage zuvor war fremder Storch für ein paar Stunden zu Besuch. Am 25.5. ist sie 1 Stunde am Horts zu Besuch. Zu dieser Zeit brütet sie aber schon in Saxen. Anfangs Oktober taucht sie wieder tageweise im Institut auf.

Von nun an wechselt sie immer zwischen Saxen und Staning.

Man darf gespannt sein, für welchen Ort sie sich entscheiden wird um zu Überwintern.

Auf alle Fälle, wenn er Saxen wählt,  werden wir gefordert sein um ihn mit Futter zu versorgen.

Wo ist Frau Storch jetzt werden sich viele fragen ?
Nun sie hat uns am 05.11.2001 wieder verlassen. Ich dachte sie wird wohl wieder nach Staning hinüber geflogen sein, aber dort war sie nicht, wie ich nach einem Telefonat mit Frau Pfanzelt erfahren musste.
Aber am Sonntag am 18.11.2001 hat man sie bei der internationale Wasservogelzählung wieder entdeckt.
Sie nächtigt jetzt auf einem Bauernhaus in der Nähe der Mülldeponie Steyr. Laut dem Bauer ist sie da schon seit ungefähr einem Monat und steht immer auf den Wiesen hinter seinem Haus. Frau Pfanzelt versteht nicht, warum Frau Storch nicht zu ihr kommt, denn zum Fressen findet sie jetzt sicher nicht mehr viel, außer ein paar Mäusen. Und außerdem ist es nur ungefähr 10 Minuten Flug bis zu uns. Es kann sein, dass sie etwas irritiert war, wie sie das letzte Mal bei uns war, denn wir haben gerade unsere Vogelvollere abgerissen, um eine neue zu bauen. Und normalerweise wurde sie immer am Dach der Voliere gefüttert.

Jedenfalls fährt sie jetzt immer zum Bauern und füttere sie dort. Es geht ihr also gut. Tja, manchmal möchte man sich wirklich in die Gedanken der Tiere hineinversetzten können.

26.11.2001:  Jetzt ist Frau Storch wieder im Institut in Staning. Für Frau Pfanzelt ist es nun eine Erleichterung da jetzt für das Füttern der Zeitaufwand nicht mehr so groß ist.

Am 25.01.2002  kam zur großen Überraschung Frau Storch wieder nach Saxen zurück. (mit viel Geklapper)
Das warme und schöne Wetter wird in ihr den Trieb erweckt haben wieder ihren Horst aufzusuchen. Am Anfang hatte sie aber noch Probleme um genug Nahrung zu finden, da der Boden noch ziemlich gefroren war, aber es wurde von Tag zu Tag besser und inzwischen findet sie genug Regenwürmer und natürlich auch Mäuse. Wir werden sehen wie lange dieses Frühlingswetter noch anhält und ob Frau Storch noch einmal zum Otto-Koenig- Institut fliegen muss, um sich Nahrung zu besorgen.

Frau Storch ist nach Ardagger übersiedelt!!

Leider hat uns Fr. Storch wieder verlassen. Sie wollte wahrscheinlich nicht mehr so lange auf ein Männchen warten (sie wartete ja schon seit Jänner) und übersiedelte nach Ardagger. Sie hat des in letzter Zeit diesen Horst sowie auch den von Staning ein paar mal besucht um zu sehen ob sie schon vom Männchen besetzt sind. In Ardagger war es dann am 23.03.2002  so weit und Fr. Storch gefiel der neue Partner und sie blieb in Ardagger. Es schlüpften 4 Junge wobei eines davon in der Nestlingszeit umkam. Sie hält sich auch noch am 29.September mit 2Artgenossen in Ardagger auf.
Einer ist beringt und der andere dürfte am Fuß eine Verletzung haben. Sie flogen dann nach dem 30.September nach Steyr wo sie sich in der nähe des  Müllablageplatzes bei einem Bauernhof aufhielten. Am 17. November zog sie wieder mit einem Begleiter nach Ardagger( bei Temperaturen von über15°C gab es auch schon Aktivitäten, wie Nestausbesserungsarbeiten ) Am 10.Dezember waren sie nach ein paar Tagen extremer Kälte ( -8°C) wieder weg (zuwenig Nahrung weil Boden gefroren sie standen zwar auf Eis in den Gewässern und versuchten irgendwie noch in offenen Stellen zu fischen). Ihr Aufenthaltsort ist aber unbekannt.
Am 19.Februar 2003 konnte ich endlich den Ring vom Begleiter der Fr. Storch ablesen. Es handelt sich um eine Storchenmännchen das in Unznach in der Schweiz als Nestling beringt wurde. Dieser Storch war auch der Sommergast im Vorjahr in Saxen. die Ringnummer lautet 6485 Helvetia. Ab dem 1.März sind beide wieder in Ardagger anwesend und am 13. März  2003 waren erste Kopulationen zu beobachten. Am 24.März beginnen die Störche zu brüten die sie  nach 21.Tagen wieder abgebrochen haben. Vermutlich waren die Eierschalen zu dünn wegen des Futtermangels im Winter. Sie besuchten uns am 13.05.2003 in Saxen und saßen eine ganze weile am Horst auf der Volksschule.

Am 16.05.2003 ist Fr. Storch an einer Stromleitung in Ardagger verunglückt. Ich habe sie ins Biologiezentrum nach Linz gebracht wo man sie präpariert und mit ihrer Familie aufbewahrt, die ja auch durch Stromleitungen umgekommen ist und ebenfalls präpariert wurde.

Das ist das traurige Ende der Geschichte von Fr. Storch.

Tod an der Stromleitung

 

 

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