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Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr


Ich glaube, die Lektüre des Buches Wörter auf Wanderschaft von Heinrich Scheffler (Pfullingen, 1987), das beim Stichwort "Kamel" wieder zum notorischen Seil gelangte, war der Auslöser dafür, dass ich in einem kurzen Dokument die Sachlage (und natürlich meine Sicht der Dinge) beschrieb. Beim Wiederdurchlesen und -denken bin ich auf den Wikipediaartikel  Gleichnis vom Nadelöhr gestoßen. Der damalige Bearbeitungsstand (11. Nov. 2008) war eine krude Mischung aus Ungenauigkeiten, Missverständnissen und definitiv falschen Behauptungen. Daher habe ich beschlossen, diese Seite zu einer Quellensammlung auszubauen. (Wer die Details überspringen möchte, findet am Fuß der Seite eine  Zusammenfassung.) Inzwischen wurde der Wikipediaartikel erfreulicherweise umgearbeitet und die Ergebnisse der Bibelwissenschaft fanden Berücksichtigung.

Das Problem

"Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt", sagt Jesus einmal (Mt 19,24; Mk 10,25; Lk 18,25). Im griech. Text steht das Wort kamêlos (mit Eta), das im NT (wie das hebr. gamal im AT) immer das einhöckerige Kamel bezeichnet, das wir Dromedar nennen (camelus dromedarius). (Das zweihöckerige Kamel, camelus bactrianus, findet sich z.B. auf dem schwarzen Obelisken Salmanassers III. abgebildet und ist zumindest seit dieser Zeit im Nahen Osten nicht unbekannt, kommt aber m.W. in der Bibel nirgends vor.)

Das Kamel ist das größte Tier, dem man in Palästina üblicherweise begegnete. Das Nadelöhr ist die kleinste Öffnung. Das Bild ist also klar: ein Riesenvieh kommt niemals durch ein so winziges Loch, erst recht nicht kommt ein Reicher ins Himmelreich.

Vermutlich aus zwei Gründen hat es verschiedene Umdeutungen dieses an sich klaren Bibelwortes gegeben:

Die Forderung nach Kohärenz des Bildes erfüllen aber viele bildhafte Redewendungen nicht, z.B. der Elefant im Porzellanladen, die Warnung Jesu davor, dass das Salz seinen Geschmack verliert (s.  Jesu Salzworte), oder sein Wort vom Balken im Auge Mt 7,3.

Das Nadelöhr


Bonifatiuskirche Dortmund.
Urheber: Mathias Bigge.- Lizenz: GFDL 1.2, CC BY-SA 3.0.- Quelle: Wikipedia.- Bearb.: Verkleinerter Bildausschnitt.

Dame zwängt sich durch ein "Nadelöhr".
Urheber: Ulrich Sahm.

Die eine Interpretation besagt, dass "Nadelöhr" die Bezeichnung für eine kleine Mauerpforte in der Stadtmauer von Jerusalem war, durch die ein Kamel, wenn überhaupt, dann nur auf Knien durchrutschen konnte. (Also wenn er schön demütig ist, kommt der Reiche ja vielleicht doch in den Himmel.)

Der Nahostkorrespondent  Ulrich Sahm hat mir freundlicherweise ein Foto zukommen lassen, von dem nebenstehend ein stark verkleinerter Ausschnitt zu sehen ist. Es zeigt, wie er schreibt, eine Öffnung in jenem Stadttor, durch das nach russischer Tradition Jesus nach Golgatha geführt worden war: "Es befindet sich im Keller des Alexanderhospizes neben der Grabeskirche. Ob dieses Tor nun herodianisch, hadrianisch oder sonstwas ist, darüber streiten sich die Gelehrten."

Für die Existenz einer solchen Pforte zur Zeit Jesu habe ich aber bisher keinen Hinweis finden können. Der Theologe Ulrich Wendel bezeichnet denn auch diese Nadelöhr-Hypothese als Ente und urban legend: "Für dieses angebliche Tor gibt es nicht den geringsten historischen Hinweis! [...] Hätte man damals wirklich so ein unpraktisch kleines Tor gebaut? Wozu wäre das gut gewesen?" ("Das Kamel im Nadelöhr". Faszination Bibel 4/2012, S. 62).

Das Kamel

Die zweite Interpretation besagt, dass hier eine Verwechslung der Worte "Kamel" und "Seil" vorliegt.

So schreibt etwa Kyrillos von Alexandria (gest. 444) in seinem Kommentar zu Lk 18,25, in der Seemannssprache bezeichne "Kamel" ein dickes Seil. Die maßgeblichen Wörterbücher verzeichnen aber keinen Beleg für diesen Wortgebrauch.

Ab dem 10. Jh. taucht in einigen neutestamentlichen Minuskelhandschriften die Lesart kamilos auf. Ein Scholion zu Aristophanes' Wespen und die Suda, ein Lexikon des 10. Jh., verzeichnen für dieses Wort die Bedeutung "Schiffstau". Darauf ist sogar der (von mir sonst sehr geschätzte) Etymologie-Duden (Duden Bd. 7) hereingefallen. Er behauptet in der 2. Aufl. von 1989 unter dem Stichwort Kamel (S. 322):

In der biblischen Redensart "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr..." steht 'Kamel' nicht für griech. kámelos "Kamel" sondern für kámilos "Tau, Seil".

Doch kamilos ist offenbar nur den byzantinischen Gelehrten bekannt. In der freien Wildbahn der Literatur ist es nirgends belegt. (Weshalb das Greek-English Lexicon von Liddell/Scott/Jones (LSJ) zu diesem Wort sagt: "Perhaps coined as an emendation of the phrase [...] Ev.Matt. 19,24".) Und der Zeitpunkt seiner ersten Bezeugung im NT in der sog. Byzantinischen Renaissance lässt es deutlich als Konjektur gelehrter Philologen erscheinen.

Auch das Griech.-dt. Schul- und Handwörterbuch von Wilhelm Gemoll schließt sich in der 10. Aufl. dieser Meinung an und schreibt unter dem Lemma kamilos: "wohl künstliches Wort, statt kamêlos in Matth. 19, 24". Dafür wird allerdings der Angabe des Kyrillos Glauben geschenkt, sodass es unter dem Stichwort kamêlos heißt: "2. Schiffs-, Ankertau".

Im Koran heißt es von den Menschen, die die Zeichen der Gesandten Gottes nicht anerkennen: "Und nicht betreten sie den Garten (=das Paradies), ehe ein Kamel durch ein Nadelöhr geht." (Sure 7,40(38)). Auch hier könnte man aus dem ǧamalu "Kamel" leicht ein ǧummalu "Tau" machen.

Dabei ist all der Interpretationsaufwand völlig unnötig. Das Griech.-dt. Wörterbuch zu den Schriften des NT von Walter Bauer veweist auf Mt 23,24: "Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt!" Auch hier paßt das Kamel eigentlich nicht ins Bild (wer könnte, sei es absichtlich oder versehentlich, Kamele verschlucken). Das Kamel steht auch hier einfach für etwas vergleichsweise riesig Großes. Da wie dort gibt es keinen Grund, eine Textverderbnis oder ein Mißverständnis anzunehmen.

Was wir daraus lernen können: nur weil etwas plausibel klingt, muß es noch lange nicht wahr sein. So wenig man ein Kamel verschlucken kann, so wenig kriegt man es durch ein Nadelöhr. Kamilos ist nur eine gelehrte Konjektur aus byzantinischer Zeit, ein Ablenkungsmaneuver von Besserwissern. Denn die eigentliche Frage ist: wie können wir reichen Bewohner des westlichen Abendlandes ins Himmelreich kommen?

Deutung

Jesus sagt, dass es unmöglich ist, dass ein Reicher in den Himmel kommt. Die Reaktion der Jünger zeigt, dass sie das auch so verstanden haben: "Wer kann dann gerettet werden?" - Wie arm muss man denn sein, um ins Reich Gottes zu kommen? Wenn es so schwer ist, wird dann überhaupt jemand gerettet? - Worauf Jesus erwidert: "Bei (den) Menschen ist das unmöglich, bei Gott ist alles möglich."

Jesus wollte damit vermutlich nicht sagen, dass alle Reichen in die Hölle kommen werden. Er wollte vielmehr in einer äußerst zugespitzten Formulierung eindringlich vor den Gefahren des Reichtums warnen. Ähnliche Zuspitzungen finden wir z.B. im bereits genannten Balken im Auge oder in Jesu Wort Lk 14,26: "Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern und auch noch sein eigenes Leben, kann er nicht mein Jünger sein."

Eine andere, sprichwörtlich gewordene Warnung vor der geistlichen Macht von Geld und Besitz ist Mt 6,24 (u. Lk 16,13): "Niemand kann zwei Herren dienen. Denn er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott und Mammon dienen." Mammon ist das aram. Wort für Geld, Vermögen, ist hier aber bewusst wie ein Eigenname gebraucht (vergleichbar dem griech. Gott Plutos).

Der zentrale Satz an der Geschichte ist vielleicht der letzte: "Bei Menschen ist das unmöglich, bei Gott ist alles möglich." Damit Menschen gerettet werden, ist Gottes Eingreifen notwendig. Ohne Gottes rettendes Handeln, ohne Jesu Tod am Kreuz gibt es keine Erlösung. Er erst macht das Unmögliche möglich: dass Menschen ins Reich Gottes kommen.

Redewendung

Das Wort Jesu wurde zur sprichwörtlichen Wendung und das groteske Bild provoziert komische Visualisierungen. Eine Bildersuche im Web fördert neben diversen Karikaturen (z.B. Präsident Obama lässt das Kamel Gesundheitsreform erfolgreich durch ein Nadelöhr springen) u.a. die in einem Nadelöhr stehenden fast mikroskopisch kleinen Kamele des brit. Bildhauers Willard Wigan zu Tage.

Christian Morgenstern hat Kamel und Nadelöhr in seinem Gedicht Die Probe (in den Galgenliedern) verewigt:

Zu einem seltsamen Versuch / erstand ich mir ein Nadelbuch.
Und zu dem Buch ein altes zwar, / doch äußerst kühnes Dromedar.
Ein Reicher auch daneben stand, / zween Säcke Gold in jeder Hand.
Der Reiche ging alsdann herfür / und klopfte an die Himmelstür.
Drauf Petrus sprach: ‚Geschrieben steht, / daß ein Kamel weit eher geht
durchs Nadelöhr als Du, du Heid, / durch diese Türe groß und breit!‘
Ich, glaubend fest an Gottes Wort, / ermunterte das Tier sofort,
ihm zeigend hinterm Nadelöhr / ein Zuckerhörnchen als Douceur.
Und in der Tat! Das Vieh ging durch, / obzwar sich quetschend wie ein Lurch!
Der Reiche aber sah ganz stier / und sagte nichts als: Wehe mir!
(Quelle: Wikisource)

Auch in Buch- und Filmtiteln finden wir es, z.B.:

Quellen

Die eigentlichen Quelltexte sind durch braun-orange Hintergrundfarbe kenntlich gemacht, meine Kommentare dazu durch grüne Serifenschrift. Die syrischen und arabischen Passagen habe ich wiedergegeben, so gut ich es vermochte. Ich bin beider Sprachen kaum mächtig. Überhaupt empfehle ich, auch mir nichts unbesehen zu glauben. Daher habe ich reichlich Verweise auf die Quellen beigegeben.

Nicht für alle Quellen konnte ich auf Gedrucktes zurückgreifen, daher habe ich manchmal nur Verweise auf Netzadressen. Hinsichtlich des Urheberrechts hoffe ich, es durch Zitieren einzelner Lemmata oder kurzer Passagen nicht verletzt zu haben. Bei einem Gutteil der Texte sollten auf Grund des Alters Urheberrechtsansprüche ohnehin erloschen sein. Sollte dennoch jemand seine Rechte verletzt sehen, möge er mich umgehend darauf hinweisen.

Ab hier benötigt man Schriftarten für Altgriechisch, Syrisch, Arabisch, Koptisch und Armenisch. Der dauernde Wechsel der Schriftrichtung in Lexikonartikeln führt im Browser zu Darstellungsproblemen, die ich bisher nicht ganz gelöst habe. Auf das rechtsbündige Ausrichten syr. und arab. Quelltexte habe ich nach einigem Herumprobieren verzichtet.

Neues Testament

The Greek New Testament.
Hrsg. von Kurt Aland, Matthew Black, Carlo M. Martini, Bruce M. Metzger, u. Allen Wikgren.- 3. verb. Aufl. London: United Bible Soc., 1983. (=Text von NA 26, d.h. der 26. Aufl. des Nestle/Aland. Den kritischen Apparat zitiere ich aber aus der 25. Aufl. 1963, denn der Apparat der UBS enthält nur gut bezeugte und relevante Lesarten - κάμιλον gehört nicht dazu. Der aktuelle Text des griech. NT wurde dankenswerterweise von der Deutschen Bibelgesellschaft online gestellt.)
Mt 19,24 (vgl.  Mt 19,24 (NA 28) bei Bibelwissenschaft.de):
πάλιν δὲ λέγω ὑμῖν, εὐκοπώτερόν ἐστιν κάμηλον διὰ τρυπήματος ῥαφίδος διελθεῖν ἢ πλούσιον εἰσελθεῖν εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ.
κάμιλον 59 pc arm (d.h. die Minuskelhs. 59 aus dem 13. Jh. und wenige weitere, sowie die armenische Übers.)
Noch einmal sage ich euch: es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr [wörtl. durch ein Loch einer Nadel] hindurchgeht als dass ein Reicher hineinkommt in das Reich Gottes.
Mk 10,25 (vgl.  Mk 10,25 (NA 28) bei Bibelwissenschaft.de):
εὐκοπώτερόν ἐστιν κάμηλον διὰ [τῆς] τρυμαλιᾶς [τῆς] ῥαφίδος διελθεῖν ἢ πλούσιον εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ εἰσελθεῖν.
κάμιλον 13 28 pc georg (d.h. die Minuskelhss. 13 aus dem 13. Jh., 28 aus dem 11. Jh. und wenige weitere, sowie die georgische Übers.)
Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgeht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes hineinkommt.
Lk 18,25 (vgl.  Lk 18,25 (NA 28) bei Bibelwissenschaft.de):
εὐκοπώτερον γάρ ἐστιν κάμηλον διὰ τρήματος βελόνης εἰσελθεῖν ἢ πλούσιον εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ εἰσελθεῖν.
κάμιλον S pc (d.h. der Codex Vatic. gr. 354 aus dem Jahr 949 und wenige weitere Minuskelhss.)
Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr hineinkommt, als dass ein Reicher ins Reich Gottes hineinkommt.
Vom Wortlaut her unterscheiden sich die drei Stellen nur hinsichtlich der Wörter für Öhr (Mt τρύπημα v. τρυπάω "(durch)bohren", Mk τρυμαλιά v. τρύω "aufreiben, erschöpfen", Lk τρῆμα von τετραίνω "durchbohren, durchlöchern", alle drei Wörter bedeuten also "Loch") und Nadel (Mt Mk ῥαφίϛ "(Näh-)Nadel" v. ῥάπτω "(zusammen-)nähen", Lk βελόνη "Spitze, Nadel") und ob das Kamel durch das Nadelöhr hindurchgeht/-kommt (Mt Mk διέρχομαι) oder hineingeht/-kommt (Lk εἰσέρχομαι). Im Dt. gibt es für das Loch in der Nadel ein eigenes Wort: Öhr, verwandt mit Ohr; die engl. Sprache sagt mit einer etwas anderen Analogie eye of the needle.
Die älteste Bezeugung der Lesart κάμιλον stammt aus dem 10. Jh. Aus textkritischer Sicht ist das Thema damit eigentlich schon erledigt. Nicht nur haben die ältesten und besten Handschriften κάμηλον, auch die meisten alten Übersetzungen haben "Kamel".
The Coptic version of the New Testament in the northern dialect
otherwise called Memphitic and Bohairic.- Hrsg. v. George William Horner. Bd. 1: The gospels of S. Matthew and S. Mark, ed. from ms. Huntington 17 in the Bodleian library.- Oxford: Clarendon Press, 1898.
(Die koptischen Übersetzungen sind vermutlich die wichtigsten, denn sie sind frühe Vertreter der alexandrinischen Textgruppe, die heute als dem Original am nächsten gilt. Die sahidischen sind dabei älter (Ende 2. Jh.?) als die bohairischen. Leider sind von Horners vielbändiger Ausgabe beim Internet Archive ausgerechnet die Synoptiker auf Sahidisch nicht verfügbar. Ich kann daher nur auf  Horners bohair. Mt- und Mk-Bd. verweisen. Bei Sahidica gibt es ein  NT sahid.-altgriech., allerdings in ASCII-Kodierung. Für den Unicodetext habe ich die Version, die auf der  Downloadseite von Unbound Bible angeboten wird ("Coptic: Sahidic NT"), verwendet.)
Mt 19,24 (sahid. Unbound Bible)
ⲠⲀⲖⲒⲚ ⲞⲚ ϮϪⲰ ⲘⲘⲞⲤ ⲚⲎⲦⲚ. ϪⲈ ⲤⲘⲞⲦⲚ ⲈⲦⲢⲈⲞⲨϬⲀⲘⲞⲨⲖ ⲈⲒ ⲈϨⲞⲨⲚ ϨⲒⲦⲚ ⲦⲞⲨⲀⲦϤⲈ ⲚⲞⲨϨⲀⲘⲚⲦⲰⲠ ⲈϨⲞⲨⲈⲈⲦⲢⲈⲞⲨⲢⲘⲘⲀⲞ ⲂⲰⲔ ⲈϨⲞⲨⲚ ⲘⲚⲦⲢⲢⲞ ⲚⲘⲠⲎⲨⲈ.
Wieder sage ich (es) euch: Es ist leichter, dass ein Kamel hineingeht durch das Öhr einer Nadel, als dass ein Reicher hineinkommt in das Himmelreich.
Mt 19,24 (bohair. Horner)
Ⲡⲁⲗⲓⲛ ϯϫⲱ ⲙ̄ⲙⲟⲥ ⲛⲱⲧⲉⲛ. ϫⲉ ⲥⲙⲟⲧⲉⲛ ⲛ̄ⲧⲉ ⲟⲩϭⲁⲙⲟⲩⲗ ⲉϧⲟⲩⲛ ϧⲉⲛ ⲑⲟⲩⲁⲑⲛⲓ ⲛ̄ⲟⲩⲙⲁⲛ̄ⲑⲱⲣⲡ. ⲓⲉ ⲟⲩⲣⲁⲙⲁⲟ ⲛ̄ⲧⲉϥⲓ ⲉϧⲟⲩⲛ ⲉϯⲙⲉⲧⲟⲩⲣⲟ ⲛ̄ⲧⲉ ⲫϯ.
(Boh. Text von Unbound Bible: ⲠⲀⲖⲒⲚ ϮϪⲰ ⲘⲘⲞⲤ ⲚⲰⲦⲈⲚ ϪⲈ ⲤⲘⲞⲦⲈⲚ ⲚⲦⲈⲞⲨϬⲀⲘⲞⲨⲖ ⲒⲈϦⲞⲨⲚ ϦⲈⲚⲐⲞⲨⲀⲐⲚⲒ ⲚⲞⲨⲘⲀⲚⲐⲰⲢⲠ ⲒⲈ ⲞⲨⲢⲀⲘⲀⲞ ⲚⲦⲈϤⲒ ⲈϦⲞⲨⲚ ⲈϮⲘⲈⲦⲞⲨⲢⲞ ⲚⲦⲈⲪⲚⲞⲨϮ.)
[...] in das Reich Gottes.
Mk 10,25 (sahid.)
ⲤⲘⲞⲦⲚ ⲈⲦⲢⲈⲞⲨϬⲀⲘⲞⲨⲖ ⲂⲰⲔ ⲈⲂⲞⲖ ϨⲚ ⲦⲞⲨⲀⲦϤⲈ ⲚⲞⲨϨⲀⲘ ⲚⲦⲰⲠ ⲈϨⲞⲨⲈⲞⲨⲢⲘⲘⲀⲞ ⲈⲦⲢⲈϤⲂⲰⲔ ⲈϨⲞⲨⲚ ⲈⲦⲘⲚⲦⲢⲢⲞ ⲘⲠⲚⲞⲨⲦⲈ.
Es ist leichter, dass ein Kamel durchgeht durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher hineinkommt in das Reich Gottes.
Lk 18,25 (sahid.)
ⲤⲘⲞⲦⲚ ⲄⲀⲢ ⲈⲦⲢⲈ ⲞⲨϬⲀⲘⲞⲨⲖ ⲈⲒ ⲈⲂⲞⲖ ϨⲒⲦⲚ ⲦⲞⲨⲀⲦϤⲈ ⲚⲞⲨϨⲀⲘ ⲚⲦⲰⲠ ⲈϨⲞⲨⲈ ⲞⲨⲢⲘⲘⲀⲞ ⲚϤⲂⲰⲔ ⲈϨⲞⲨⲚ ⲈⲦⲘⲚⲦⲢⲢⲞ ⲘⲠⲚⲞⲨⲦⲈ.
"Denn es ist leichter, [...]."
ϬⲀⲘⲞⲨⲖ heißt "Kamel". Die Vorlage des Sahid. scheint übrigens am Ende von Mt 19,24 τὴν βασιλείαν τῶν οὐρανῶν "das Himmelreich" (wie am Ende von V. 24) gelesen zu haben.
Novum Testamentum Graece et Latine.
Hrsg. v. Eberhard Nestle, neu überarb. v. Erwin Nestle u. Kurt Aland.- 22. Aufl. London: United Bible Soc., 1969.
(Die sog. Vulgata wurde in den 380er-Jahren von Hieronymus herausgegeben, für das NT überarbeitete er dabei schon vorhandene lat. Übersetzungen.)
Mt 19,24 (vgl.  Mt 19,24 (Vulg.) bei Bibelwissenschaft.de,  Mt 19 (Vulg.) bei Bibliotheka Augustana.)
Et iterum dico vobis: Facilius est camelum per foramen acus transire, quam divitem intrare in regnum caelorum.
Und abermals sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgeht, als dass ein Reicher eintritt ins Himmelreich.
Mk und Lk stimmen in der Vulgata vom Wortlaut her ziemlich genau mit Mt überein, nur haben sie in regnum Dei "ins Reich Gottes".
The Old Syriac Gospels or Evangelion da-Mepharreshê.
Being the text of the Sinai or Syro-Antiochene palimpsest [...]. Hrsg. v. Agnes Smith Lewis. London: Williams and Norgate, 1910. (Der Aliastitel Evangelion da-Mepharreshê bedeutet etwa "Evangelium der Getrennten", weil hier die vier Evv. als separate Bücher überliefert sind im Gegensatz zur älteren Evangelienharmonie.)
(Die in der syrischen Kirche gebräuchliche Übersetzung, die Peschitta, ist wohl gegen 430 entstanden. Sie fußt aber, was die Evv. betrifft, auf älteren Übersetzungen, Syra vetus genannt, die in zwei Hss. auf uns gekommen ist: dem Codex Curetonianus und dem von Agnes Smith-Lewis entdeckten Sinaipalimpsest.  Smith-Lewis' Ausgabe des Palimpsests ist beim Internet Archive erhältlich. Beim Comprehensive Aramaic Lexicon (CAL) gibt es den Text beider Hss., wozu man auch eine lexikalische Analyse abrufen kann:  Mt 19 (Curetonianus) und  Mt 19 (Sinaipalimpsest).
Vermutlich noch älter (2. H. des 2. Jh.) ist Tatians Evangelienharmonie, das sog. Diatessaron. Dieses ist nur indirekt erhalten durch den Kommentar Ephr(a)ems des Syrers. Dessen syr. Original ist erst vor einigen Jahrzehnten als Papyrus Chester Beatty 709 aufgetaucht.  Ephrems Diatessaronkommentar ist bei CAL abrufbar. Unsere Stelle habe ich nicht gefunden.)
Mt 19,24 (Sinaipalimpsest)
ܬܘܒ ܕܝܢ ܐܡܪܢܐ ܠܟܘܢ ܕܦܫܝܩ ܗܘ ܠܓܡܠܐ ܕܢܥܘܠ ܒܚܪܘܪܐ ܕܡܚܛܐ ܐܘ ܠܥܬܝܪܐ ܠܡܠܟܘܬܐ ܕܫܡܝܐ
Wieder aber sage ich euch, dass es leichter ist für ein Kamel durch ein Nadelöhr einzutreten als für einen Reichen in das Himmelreich.
Der Curetonianus schreibt "ich sage" ܐܡܪ ܐܢܐ, und statt ܥܘܠ "eintreten" hat er ܥܒܪ "hinüber-, vorbeigehen".
Mk 10,25 (Sinaipalimpsest)
ܦܫܝܩ ܗܘ ܓܝܪ ܠܓܡܠܐ ܠܡܥܠ ܒܚܪܘܪܐ ܕܡܚܛܐ ܐܘ ܠܥܬܝܪܐ ܠܡܠܟܘܬܐ ܕܫܡܝܐ
Denn es ist leichter [...].
Im Curetonianus nicht erhalten.
Lk 18,25 (Sinaipalimpsest)
ܕܠܝܠܐ ܗܝ ܓܪ ܠܓܡܠܐ ܕܢܥܒܪ ܒܚܪܘܪܐ ܕܡܚܛܐ ܐܘ ܥܬܝܪܐ ܠܡܠܟܘܬܗ ܕܐܠܗܐ
Lk 18,25 (Peschitta) (vgl.  Lk 18,25 (Pesch.) bei CAL. Es gibt einige Webseiten, die den Text der Peschitta online bieten, z.B. das  Aramaic Peshitta Bible Repository. Hier gibt es auch eine  syr.-engl. Interlinearversion, die ܓܡܠܐ natürlich mit - erraten - "rope" übersetzt.)
ܕܿܠܺܝܠܳܐ ܗ̱ܝ ܠܓ݂ܰܡܠܳܐ܂ ܕܿܒ݂ܰܚܪܽܘܪܳܐ ܕ݁ܰܡܚܰܛܳܐ ܢܶܥܽܘܠ܃ ܐܰܘ ܥܰܬܿܺܝܪܳܐ ܠܡܰܠܟܿܽܘܬܼܶܗ ܕ݁ܰܐܠܳܗܳܐ܂
Die gotische Bibel.
Hrsg. v. Wilhelm Streitberg. 1. Teil: Der gotische Text u. seine griech. Vorlage [...]. 2., verb. Aufl.- Heidelberg: Carl Winter, 1919. (German. Bibliothek 2. Abt. 3. Bd.)
(Bischof Wulfila übersetzte etwa Mitte des 4. Jh. die Bibel ins Gotische, wofür er erst das  gotische Alphabet schaffen musste. Mt 18 ist nicht mehr erhalten.  Streitbergs Ausgabe als Buch (mit einem kleinen Wörterbuch im Anhang) gibt es beim Internet Archive. Den  gotischen Text allein gibt es z.B. auch bei Wikisource. (Ich habe ihn von Unbound Bible.) Den  Text samt lexikalischer Analyse bietet das Wulfila project. Allen diesen Quellen ist gemeinsam, dass der Text in lateinischen Lettern kodiert ist, nicht in gotischen. - Vokabelangaben nach: Köbler, Gerhard: Gotisches Wörterbuch, 2. Aufl. 1989.)
Mk 10,25
azitizo ist ulbandau þairh þairko neþlos galeiþan, þau gabigamma in þiudangardja gudis galeiþan.
Leichter ist es für ein Kamel durch ein Nadelöhr zu gehen als für einen Reichen ins Reich Gottes zu kommen.
Lk 18,25
raþizo allis ist ulbandau þairh þairko neþlos þairhleiþan þau gabigamma in þiudangardja gudis galeiþan.
Denn leichter ist es für ein Kamel durch ein Nadelöhr durchzugehen als für einen Reichen ins Reich Gottes zu kommen.
Got. ulbandus hängt sprachlich wohl mit dem Elefanten zusammen, bezeichnet aber im NT (an den drei Stellen, wo es im Codex argenteus vorkommt), das Kamel. Was sich der Gote dabei genau vorgestellt hat, weiß ich nicht, aber jedenfalls wohl ein großes Tier.
Աստուածաշունչ.
մատեան հին եւ նոր կտակարանաց. ըստ ճշգրիտ թարգմանոիթեան [...] ի հայկականս բարբառ: [Die Bibel. Altes und Neues Testament. Nach d. genauen Übersetzung [...] in d. armenische Sprache.] Hrsg. v. Yovhannēs Zōhrapean.- Venedig: San Lazzaro, 1805. (Bekannt als Zohrab(ian)-Bibel. Online nicht aufzutreiben, es gibt aber seit etwa Aug. 2008 einen  Nachdruck durch Bibles.org.uk. Zum Glück kann der Text online eingesehen werden bei TITUS Texts.)
(Die armen. Übersetzung ist im 5. Jh. entstanden und eng mit dem Namen des armen. Mönchs Mesrop Maštoc', gest. 440, verknüpft, dem auch die Schaffung der armen. Schrift zugeschrieben wird. Es ist nicht unumstritten, aus welcher Vorlage die Übersetzung schöpft. Es gibt Anzeichen dafür, dass das NT ursprl. aus dem Syr. übersetzt und erst bei späteren Revisionen nach dem Griech. korrigiert wurde.)
Mt 19,24 (vgl.  Mt 19,24 (TITUS))
Դարձեալ ասեմ ձեզ. դիւրին է մալխոյ մտանել ընդ ծակ ասղան, քան մեծատան յարքայութիւն Աստուծոյ մտանել։
Noch einmal sage ich euch: Leichter ist es für ein Tau durch ein Nadelöhr hineinzugehen, als für einen Reichen in das Reich Gottes hineinzugehen.
Mk 10,25 (vgl.  Mk 10,25 (TITUS))
Դիւրին է մալխոյ ընդ ծակ ասղա́ն անցանել, քան մեծատան յարքայութիւն Աստուծոյ մտանել։
Leichter ist es für ein Tau durch ein Nadelöhr hindurchzugehen, [...].
Lk 18,25 (vgl.  Lk 18,25 (TITUS))
Դիւրագոյն իցէ մալխոյ ընդ ծակ ասղան անցանել, քան մեծատան յարքայութիւն Աստուծոյ մտանել։
Geringfügig anderer Wortlaut (die komparativische Bedeutung von դիւրին durch ein Intensivsuffix hervorgehoben, Konj. von իցէ statt Ind.), dieselbe Bedeutung.
Ich kann so gut wie kein Armenisch. Aber մալուխ (malux) heißt nach Ausweis der Wörterbücher "Tau". Woher kommt das? Möglicherweise aus der Auslegungstradition, für die Kyrill von Alexandrien ein Zeuge ist und die vielleicht im Syrischen (das wahrscheinlich die Vorlage der armen. Übersetzung war) die allgemeine Auffassung der Stelle bestimmte.
Die georgische Übersetzung schenke ich mir aus zwei Gründen: erstens kann ich kein Georgisch; zweitens ist die Quelle dieser Übersetzung vermutlich nicht der griech., sondern der armen. Text. (Weitere Details zu den alten Übersetzungen bei  Versions of the New Testament.)

Weitere antike Texte

S. Cyrilli Alexandriae archiepiscopi commentarii in Lucae evangelium quae supersunt Syriace.
Hrsg. v. Robert Payne Smith.- Oxford: University Press, 1858.
(Kyrills Kommentar zum Lukasevangelium ist nur in syrischer Übersetzung einigermaßen vollständig erhalten.  Payne Smiths Textausgabe kann bei Syriac Resources als PDF heruntergeladen werden. Zur völlig korrekten Wiedergabe des syrischen Textes fehlten auf meinem System einige Zeichen, z.B. Sejame. Von Payne Smith gibt es auch eine engl. Übers. [A Commentary upon the Gospel acc. to S. Luce, by S. Cyril, Oxford: Univ. Press, 1859] in 2 Bd., die beide beim Internet Archive eingesehen oder als PDF heruntergeladen werden können. Für unsere Zwecke ist nur  Bd. 2 von Payne Smiths Übersetzung relevant. Diese Übersetzung ist auch beim Tertullian Project, sprachlich etwas modernisiert und in einzelne Homilien unterteilt, verfügbar.)
Homilie 123 (in Payne Smiths Übers. S. 571,  engl. Übers. der Homilie 123 bei Tertullian Project)
ܐܡܪ ܐܢܐ ܠܟܘܢ ܕܝܢ ܕܕܠܝܠܐ ܗܝ ܕܓܡܠܐ ܒܝܕ ܚܪܘܪܐ ܕܡܚܛܐ ܝܥܘܠ ܂ ܐܘ ܥܬܝܪܐ ܠܡܠܟܘܬܐ ܕܐܠܗܐ ܂ ܓܡܠܐ ܕܝܢ ܐܡܪ ܉ ܠܘ ܠܗܝ ܚܝܘܬܐ ܡܠܘܢ ܂ ܐܥܐ ܠܚܒܠܐ ܥܖܝܐ ܂ ܥܝܕܐ ܗܘ ܓܝܪ ܠܗܢܘܢ ܕܫܦܝܪ ܝܕܥܝܢ ܕܢܦܠܚܘܢ ܒܝܡܐ ܂ ܕܠܗܠܝܢ ܚܒܠܐ ܕܝܬܝܪ ܥܒܝܢ ܓܡܠܐ ܝܩܪܘܢ ܂
»Ich sage euch aber, dass es leichter ist, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr hineingeht als ein Reicher ins Reich Gottes.« Kamel bezeichnet aber nicht das Tier, sondern vielmehr ein dickes Seil. Es ist nämlich Gewohnheit derjenigen, die sich gut darauf verstehen, auf dem Meer zu arbeiten, dass sie diese besonders dicken Seile Kamele nennen.
Für diese Verwendung des Wortes Kamel gibt es nach Ausweis der Wörterbücher weder im Griech. noch im Aram.-Syr. einen Hinweis. Es ist auch fraglich, ob der Autor des Lk-Ev. und seine Leser (hinter denen man doch eher Landratten vermuten muss) das wissen konnten bzw. verstanden hätten. (An syrischen Wörterbüchern sind online verfügbar:  A Compendious Syriac Dictionary, hrsg. v. Jessie Payne Smith (Oxford: Clarendon Press, 1903);  The Comprehensive Aramaic Lexicon des Hebrew Union College.)
(S.P.N.) Cyrilli Alexandriae archiepiscopi opera quae reperiri potuerunt omnia.
Hrsg. v. Jean Aubert. Bd. 5: 2. Aufl. Paris: Migne, 1864. (Patrologia Graeca [J.-P. Migne], Bd. 72). Sp. 475ff.: Explanatio in Lucae evangelium.
(Das griech. Original von Kyrills Lukaskommentar ist nur noch in Katenen, d.h. Sammlungen von Exzerpten aus Kommentaren, erhalten. Die Migne-Ausgabe konnte ich trotz stundenlanger Suche im Netz nirgendwo zum Download finden. Es gibt lediglich die beiden PDFs bei Documenta Catholica Omnia, die aber OCR-Fehler enthalten und m.E. nicht ganz vollständig sein können. Der uns interessierende Teil ist  Commentarii in Lucam [2]. In der Google Buchsuche kann  der Migne-Band zumindest durchsucht werden, z.B. nach dem Suchbegriff "camelum".)
Κάµηλον, οὐ τὸ ζῶον, ἀλλὰ τὸ ἐν τοῖς πλοίοις παχὺ σχοινίον.
Ein Kamel: nicht das Tier, sondern das dicke Seil auf den Schiffen.
Vgl. auch Theophylactus' von Ohrid (gest. nach 1107) Kommentar zum Matthäusevangelium ( die Ausgabe von W. Humphry (1854) beim Internet Archive online durchsuchbar, zu Mt 19,24 auf S. 306ff): Τινὲς δὲ κάμηλον οὐ τὸ ζῶόν φασιν, ἀλλὰ τὸ παχὺ σχοινίον, ᾧ χρῶνται οἱ ναῦται πρὸς τὸ ῥίπτειν τὰς ἀγκύρας. Einige aber sagen, Kamel sei nicht das Tier, sondern das dicke Seil, das die Seeleute benutzen, um die Anker zu werfen.
 Hypertext Qur'an bei Sacred Texts
(Der Koran wurde nach islam. Glauben ab dem Jahr 610 der christl. Zeitrechnung geoffenbart. Kodifiziert wurde er wohl unter Kalif ʿUṯmān ibn ʿAffān (644-656). Als Übersetzung verwende ich die, wie ich glaube, gemeinfreie von Max Henning: Der Koran: Aus d. Arab. übertr. v. Max Henning.- Stuttgart: Reclam, 1960.  Sure 7 in Hennings Übersetzung bei Gutenberg.de.)
Sure 7,38(40) ( Sure 7,38(40) in Unicode,  Sure 7,38(40)ff als GIF, beide bei Sacred Texts.)
إِنَّ ٱلَّذِينَ كَذَّبُوا۟ بِـَٔايَٟتِنَا وَٱسْتَكْبَرُوا۟ عَنْهَا لَا تُفَتَّحُ لَهُمْ أَبْوَٟبُ ٱلسَّمَآءِ وَلَا يَدْخُلُونَ ٱلْجَنَّةَ حَتَّىٰ يَلِجَ ٱلْجَمَلُ فِى سَمِّ ٱلْخِيَاطِ ۚ وَكَذَٟلِكَ نَجْزِى ‏ٱلْمُجْرِمِينَ
Siehe, diejenigen, die unsre Zeichen der Lüge zeihen und sich hoffärtig von ihnen abwenden, nicht werden ihnen geöffnet die Tore des Himmels, und nicht gehen sie ein ins Paradies, ehe denn ein Kamel durch ein Nadelöhr geht; und also belohnen wir die Missetäter.
Der Zusammenhang ist ähnlich wie in den Evv., es geht darum, dass eine bestimmte Personengruppe nicht ins Paradies kommen wird. Unklar ist mir, ob es sich hier um die Übernahme einer ntl. Redewendung oder um ein auch im Arabischen geläufiges Bild handelt.
Scholia Graeca in Aristophanem.
Hrsg. v. Friedrich Dübner.- Paris: Firmin Didot, 1842. (Zu V. 1035 auf S. 158, Z. 39)
( Dübners Scholienausgabe bei Google Buchsuche, als PDF herunterladbar.)
πρωκτὸν δὲ καμήλου : Θερμόπρωκτος γὰρ ἡ κάμηλος καὶ λάγνος. κάμιλος δὲ τὸ παχὺ σχοινίον διὰ τοῦ ι.
(Aristophanes beschreibt ein fiktives Ungeheuer mit dem Hintern eines Kamels; der Scholiast merkt dazu an:) Hintern eines Kamels: denn das Kamel ist lüstern und geil. Kamilos aber (ist) das dicke Seil durch das i. (Soll heißen: das Seil ist durch die Schreibung mit Iota vom Kamel unterschieden - ausgesprochen wurden beide Wörter mit i).
 Suda On Line
( Lemma Κάμηλος bei Suda On Line.)
Κάμηλος: τὸ ζῷον. Ἀριστοφάνης: πῶς ἄνευ καμήλου Μῆδος ὢν ἐσέπτατο; ἐπεὶ διὰ καμήλων ἦλθον οἱ Μῆδοι ἐς τὴν Ἑλλάδα. καὶ Καμηλίτης βοῦς οὕτω καλούμενος. Κάμιλος δὲ τὸ παχὺ σχοινίον.
Kamêlos: das Tier. Aristophanes: »Wie ist er, wenn er ein Perser ist, ohne Kamel hereingeflogen?« Denn auf Kamelen sind die Perser nach Griechenland gekommen. Auch Kamêlitês (gibt es), ein Rind, das so genannt wird. Kamilos aber (ist) das dicke Seil.
Eine Sammlung von Lesefrüchten, die Angabe über das Seil ist wortwörtlich aus dem Aristophanesscholion übernommen.

Moderne Lexika und Sekundärliteratur

Liddell, Henry George / Scott, Robert:
A Greek-English Lexicon. Revised and augmented throughout by Sir Henry Stuart Jones, with the assistance of Roderick McKenzie.- Oxford: Clarendon Press, 1940.
κάμηλος [ᾰ], ὁ and ἡ (as in Ar.Av.1563), camel, Camelus bactrianus and C. dromedarius (cf. Arist.HA499a13), A.Supp.285, etc.; τοὺς ἔρσενας τῶν κ. Hdt.3.105; κ. ἀμνός a camel-lamb, i.e. young camel, Ar.Av.1559 (lyr.); κ. δρομάς Plu.Alex.31: prov., κάμηλον καταπίνειν Ev.Matt.23.24; cf. κάμιλος.    2. ἡ κ. camelry, Hdt.1.80. (Semitic word, cf. Hebr. gāmāl.) ( Lemma κάμηλος bei Archimedes.)
Kamêlos heißt also "Kamel", einhöckerig (Dromedar) oder zweihöckerig (Trampeltier), im Fem. auch "Kamelreitertruppe".
κάμῑλος, ὁ, rope, Sch.Ar.V.1030, Suid. (Perh. coined as an emendation of the phrase εὐκοπώτερόν ἐστι κάμηλον διὰ τρυπήματος ῥαφίδος διελθεῖν ἢ πλούσιον εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ εἰσελθεῖν Ev.Matt.19.24: but cf. Arab. jummal 'ship's cable'.) ( Lemma κάμῑλος bei Archimedes.)
LSJ gibt als Quelle Sch.Ar.V.1030 an; in den mir verfügbaren Ausgaben wird der fragliche Vers aber als 1035. gezählt.
Pape, Wilhelm:
Handwörterbuch der griechischen Sprache. Griechisch-deutsches Handwörterbuch. 2 Bde. 3. Aufl., bearb. v. Max Sengebusch. 6. Abdruck, Braunschweig: Vieweg & Sohn, 1914.
( die beiden Lemmata bei Zeno.org (S. 1316).)
κάμηλος, , u. häufiger , das Kameel; καμήλοις ἀστραβιζούσαις Aesch. Suppl. 282; Ar. Av. 1559; Her. 1, 80; τοὺς ἔρσενας τῶν καμήλων 3, 105; Folgde; δρομάς Plut. Alex. 31. - Ἡ κάμηλος wird wie ἡ ἵππος kollectiv gebraucht, die sämmtlichen im Heereszuge befindlichen Kameele, Her. 1, 80. - Vgl. κάμιλος.
κάμῑλος, , nach Suid. u. Schol. Ar. Vesp. 1030 Ankertau. Vielleicht aus Mißverstand der Stelle des N. T., wo es heißt εὐκοπώτερόν ἐστι κάμηλον διὰ τρυπήματος ῥαφίδος εἰςελθεῖν, was im wörtlichen Sinne vom Kameel zu nehmen, wie die Araber ganz ähnlich sagen "einen Elephanten durch ein Nadelöhr gehen lassen", und wie Matth. 23, 24 vom Verschlucken eines Kameels die Rede ist.
Gemoll, Wilhelm / Vretska, Karl:
Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch.- 10., völlig neu bearb. Aufl.- München, Düsseldorf, Stuttgart: Oldenbourg, 2006.
κάμηλος, ου, ὁ, ἡ (hebr. gāmāl, aram. gamlā usw.) 1. Kamel, auch: Zug von Kamelen. 2. Schiffs-, Ankertau.
Die Bedeutung "Tau" kennt LSJ für dieses Wort nicht. Sie kann sich also nur auf die drei oben zitierten Stellen aus dem NT beziehen.
Gemoll scheint sich für neutestamentliche Bedeutungen vor allem bei bibelkritischen Kommentaren des 19. Jh. bedient zu haben. So konnte man in der 9. Aufl. unter dem Stichwort στοιχεῖον noch lesen: "NT τὰ στοιχεῖα τοῦ κόσμου Elementargeister" (Gal 4,3; Kol 2,8.20). Hier hat die 10. Aufl. nachgebessert: "NT Grundelemente".
κάμῑλος, ου, ὁ (wohl künstliches Wort, statt κάμηλος in Matth. 19,24) NT (Anker-)Tau.
Bauer, Walter:
Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der frühchristlichen Literatur. - 6., völlig neu bearb. Aufl., unter bes. Mitw. v. Viktor Reichmann hrsg. v. Kurt Aland u. Barbara Aland. - Berlin, New York: de Gruyter, 1988.
( Die beiden Lemmata bei Google Buchsuche (Sp. 815).)
κάμηλος, ου, ὁ u. (seit Aeschyl. Hdt., auch Inschr. Pap. LXX. TestSal. TestJob. Philo. Jos., ant. 1,252.8, 167 u.ö. Ath., R. 12 S. 61,11) das Kamel τρίχες καμήλου Kamelshaare Mt 3 4 Mk 1 6. EEb Nr. 13 Zl. 79 (dabei ist natürlich nicht an die weichen τρίχες καμήλου gedacht, aus denen nach Ktesias [IV ν]: 688 fgm. 10 Jac. die Kleider der Vornehmen gefertigt wurden). Sprichwörtl. εὐκοπώτερόν ἐστιν κάμηλον διὰ τρυπήματος ῥαφίδος διελθεῖν es ist leichter, daß e. K. durch e. Nadelöhr hindurchgeht von etw. Unmöglichem mit starker Hervorhebung d. Gegensätze (z. Sprichwort, das Kleinstes neb. sehr Großes stellt, vgl. Lucian, ep. Sat. 1,19 μύρμηξ ἢ κάμηλος): d. größte Tier durch d. kleinste Öffnung Mt 19 24. διὰ [τῆς] τρυμαλιᾶς [τῆς] ῥαφίδος διελθεῖν Mk 10 25. κ. διὰ τρήματος βελόνης εἰσελθεῖν Lk 18 25 (s. κάμιλος). Mücken seihen τὴν δὲ κ. καταπίνειν d. Kamel jedoch mit hinuntertrinken = im kleinen übereifrig, im großen sorglos sein Mt 23 24 (s. κώνωψ. Diesem tritt der Elefant gegenüber bei Phalaris, ep. 86. Ps.-Libanius, ep. 1597,1 ed. F. XI p. 593,1. - Artem. 4 p. 199,9 erklärt, Kamel u. Elefant hätten für e. bildl. Auffassung d. gleiche Bed.). - BHHW II, 923. Pauly-Wiss. X 2, 1824-32.* (6) III 597-9; X 2, 1133
κάμιλος, ου, ἡ das Schiffstau, so schreiben einige Hss. zu Mt 19 24 Mk 10 25 Lk 18 25, auch Übersetzungen (wie d. armen.; FHerklotz, BZ 2, '04, 176f.) statt des lautgleichen κάμηλος (s.d.). Das Wort (nur v. Suda 1967 C u. dem Scholiasten d. Aristoph. [vesp. 1035] bezeugt [Bl.-D. § 24]), mag alt sein, in den Evv. ist es sekundär. - E. Boisacq, Dict. étym. '16, p. 403,1. Bröndal, BPhW 38, '18, 1081f. PHaupt, Camel and Cable: AJPh 45, '24, 238ff.* (0) III 598
Blass, Friedrich / Debrunner, Albert / Rehkopf, Friedrich:
Grammatik des neutestamentlichen Griechisch.- 18. Aufl.- Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1975. (Göttinger Theologische Lehrbücher.)
( Blass/Debrunner S. 21 bei Google Buchsuche.)
Zum in hellenistischer Zeit einsetzenden Wechsel von η und ι, dem sog. Itazismus, z.B. χρηστός vs. χριστός (S. 21):
κάμηλος Mt 19,24 = Mk 10,25 = Lk 18,25 wird von einigen HS in Verkennung des Bildes mit κάμιλος "Schiffstau" (bezeugt nur von Suidas sv, Schol.Aristoph.Vesp. 1035) wiedergegeben; vgl OMichel ThWB III 5986, Bauer sv.
A Compendious Syriac Dictionary.
Founded upon the Thesaurus Syriacus of R[obert] Payne Smith. Hrsg. v. J[essie] Payne Smith. Oxford: Clarendon Press, 1903.
( Payne Smiths Lexikon kann bei Tyndale Archives of Biblical Studies online durchsucht werden.)
ܓܳܡܰܠ Gamal, the letter g.
ܓܡܰܠ,i ܓܰܡܠܴܐ pl. ܝܺܢ, i _ܶܐ_ com. gen. the camel, dromedary; ܓܡܰܠ ܢܶܡܪܳܐ m. the camelopard, the giraffe; ܓܰܡܠܴܐ ܕܒܰܝܬܳܐ a great beam which supports the rafters.
gamlā heißt "Kamel" (ein- oder zweihöckerig), das "Leopardenkamel" ist eine Giraffe und das "Kamel des Hauses" ein Dachbalken. Das CAL führt neben der für alle Epochen des Aram.-Syr. belegten Bedeutung "camel" für das Syr. noch an: "gelding, nag" (also ein minderwertiges Pferd), "kind of measure" (Maßeinheit wofür?) und "large ant".
ܓܰܡܳܠܴܐ pl. _ܶܐ_ m. a) a camel-driver or keeper. b) flat-nosed.
Mehr Einträge mit der Wurzel g-m-l gibt es nicht. Worauf die immer wieder zu lesende Behauptung, im Aram.-Syr. gebe es ein Homonym mit der Bedeutung "Seil" (z.B. im  Wikipediaartikel Aramaic primacy), beruht, war mir zunächst schleierhaft. Auch in neusyr. Wörterbüchern fand ich nichts, aber dann...
Thesaurus Syriacus.
Hrsg. v. R[obert] Payne Smith.- Bd. 1.- Oxford: Clarendon Press, 1879.
(Der  Band 1 des Thesaurus kann beim Internet Archive heruntergeladen werden. Der  Band 2 natürlich auch.)
ܓܡܰܠ,i ܓܰܡܠܳܐ, Heb. גָּמָל, Chald. גַּמְלָא, Ar. جَمْلٌ, Nasar. et Neo-Syr. ܓܘܼܡܠܵܐ, Gr. κάμηλος, com. gen., Amir. 73,     1) camelus, Jes. xxi. 7, Mat. xix. 24, BHChr. 173, B.O. i. 319, 412, ii. 319; pl. ܓܰܡܠܻܝܢ,i 2 Reg. viii. 9; emphat. ܓܰܡܠܷܐ, Gen. xxiv. 32, 1 Sam. xxx. 17, Marc. i. 6, B.O. iii. i. 481; ܓܡܠܐ ܪܗܛܐ dromades, BHChr. 299: cum. aff. ܓܰܡܠܰܝܟ, Gen. xxiv. 19; ܓܰܡܠܰܘܗ݈ܝ, ib. 20. Medium inter animalia pura et impura locum tenet camelus [...] Metaph. ܓܰܡܠܴܐ ܕܒܰܝܬܳܐ trabs ingens quae fulcit geritque totam domus contignationem [...] Forte sit jugum tecti, in quod incumbunt tigna e duobus aedificii lateribus, cf. ܐܶܠܵܥܶܐ ܕܓܰܡܠܴܐ supra: it. جَمَلُونٌ a ridged roof, a structure in the form of a camel's hump, Lane.     2) funis navalis, اﳌرش, BA, BB, Ibn S., K.; it. restis, ܓܡܠܐ ܗܿܘ ܕܒܐܘܢܓܠܝܘܢ ܕܐܡܼܪ ܕܥܣܩܐ ܗܝ ܠܓܡܠܐ ܕܢܥܘܠ ܒܲܚܪܘܪܐ ܕܡܚܲܛܐ ܗܢܐ ܐܝܬܘܗܝ ܚܲܒܠܐ ܕܡܬܐܣܪ ܒܗ ܪܟܘܒܐ܁ ܟܘܕܢܝܐ ܐܡܿܪ ܐܢܼܐ ܘܪܡܟܐ ܘܣܘܣܝܐ܁ ويقال الروا او اﳌرش :اﳉليط او اﳉسر اﳉليط العظيم, BA; it. ܓܰܡܠܐ ܩܿܪܐ ܠܚܲܒܠܐ ܥܲܒܝܐ ܕܐܣܪܝܢ ܒܗ ܣܦܝܢܬܐ ܂܂܂ ܘܒܠܫܢܐ ̅ܝ̅ܘ ܩܰܡܝܻܠܐܘܳܣ ܡܬܐܡܪ܂ ܐܚܪܢܐ ܕܝܢ ܐܡܿܪܝܢ ܕܓܡܠܐ ܗܿܘ ܕܐܡܼܪ ܡܪܢ ܕܐܘܢܓܠܝܘܢ ܣܓܝܕܐ܂ ܕܕܠܝܠ ܗܘ ܠܓܡܠܐ ܠܡܥܼܠ ܒܰܚܪܽܘܪܳܐ ܕܡܚܰܛܳܐ܂ ܠܗܢܐ ܓܡܠܐ ܕܝܲܚ ܐܡܼܪ܂ ܘܠܘ ܐܝܟ ܕܐܚܪܢܐ ܫܿܛܪܝܢ ܠܓܡܠܐ, BB.    Notandum quod rudens navis etiam Ar. sit جُمْل.   Addit etiam aliam interpr. ܒܨ܂ ܐܢܫܝܢ ܕܝܢ ܐܡܿܪܝܢ ܕܫܘܼܫܡܢܐ ܗܼܘ ܐܪܝܟ ܪܓܠܐ܂ ܘܠܐ ܫܲܪܝܪܝܢ
Da ist es also, unter 2): das Seil im Syrischen. Payne Smiths Quelle sind syrisch-arabische Lexika des 10./11. Jh., einer Zeit also, in der wohl auch die Syrer Arabisch zur Muttersprache hatten. Es ist gut möglich, dass gamlā unter dem Einfluss des Arab. auch im Sinne des arab. ǧummal verwendet wurde. Aber es scheint, wenn ich den Lexikonartikel richtig verstanden habe, für diesen Gebrauch keine Belege in der klass. Literatur zu geben. Daher wohl zitiert Payne Smith Mt 19,24 als Belegstelle für die Bedeutung camelus.
Lane, Edward Williams:
An Arabic-English lexicon, derived from the best and the most copious eastern sources [...].- London, Edinburgh: Williams and Norgate, 1863. (Ndr. Beirut, 1968.)
( Lanes Lexikon ist online durchsuchbar bei Tyndale Archives of Biblical Studies.)
جُمَّلٌ (Ṣ, Ḳ, &c.) and جُمَلٌ and جُمْلٌ (Ḳ) and جُمُلٌ and جَمَلٌ (IJ, Ḳ) [A cable;] the rope of a ship, (Ṣ, Ḳ,) i.e., the thick rope thereof, (TA,) that is also called قَلْسٌ, (Ṣ, TA,) consisting of [a number of] ropes put together: (Ṣ:) and جُمَالَةٌ also signifies [the same; or] a thick rope, because consisting of many strands put together; pl. جُمَاﻼَتٌ; (Zj, TA;) which Mujáhid explains as meaning the ropes of bridges; but IʾAb, as the ropes of ships, put together so as to be like the waists of men [in thickness]. (TA.) In all the forms mentioned above, except the last (جمالة), the word is read in the phrase [in the Ḳur vii. 38], حَتَّى يَلِجَ الجُمَّلُ فِى سَمِّ الخِيَاطِ [Until the cable shall enter into the eye of the needle]: (Ḳ, TA:) IʾAb reads الجُمَّلُ, (Ṣ, TA,) and so do ʾAlee and many others: جُمْلٌ is pl. [or rather coll. gen. n.] of جُمْلَةٌ, a strand of a thick rope; or, accord. to IJ, pl. of جَمَلٌ [q. v.]: the first is explained by Fr as meaning ropes put together; but Aboo-Tálib thinks that he meant جُمَلٌ, without thesh-deed. (TA.) = حِسَابُ الجُمَّلِ, (Ṣ Ḳ,) thought by IDrd to be not Arabic, (TA,) and الجُمَلِ, (Ḳ,) but IDrd doubts its correctness, The calculation by means of the letters د ,ج ,ب ,ا, &c. (TA.)
Im Arab. gibt es offenbar tatsächlich ein Wort ǧummal(un) "Seil". Und es gibt auch für Sure 7,38(40) variae lectiones mit diesem Wort (an Stelle von ǧamal(un) "Kamel"). Da die islamische Koranwissenschaft Textkritik m.W. nicht betreibt, ist es schwierig, über den Wert dieser Lesung zu urteilen. Doch könnte der Fall ähnlich liegen wie in den Evv.: nicht umzubringen, weil so plausibel.
Crum, W[alter] E[wing]
A Coptic Dictionary. Oxford: Clarendon Press, 1939.
( Crums Wörterbuch kann by Tyndale Archives of Biblical Studies online durchsucht werden, die Qualität des Scans in Verbindung mit der nicht ganz glücklichen Wahl der koptischen Typen machen den Text stellenweise schwer lesbar;  Crums Wörterbuch kann bei Metalogos als DJVU-Datei heruntergeladen werden, die Qualität des Scan ist leider nur geringfügig besser).
ϬⲀⲘⲞⲨⲖ SABF, Ⲕ. S(esp Theban), Ϫ. B, ϬⲈⲘ. DM, f ϬⲀⲘⲀⲨⲖⲈ1, ⲔⲀⲘⲞⲞⲨⲖⲈ2, ⲔⲀⲘⲎⲖⲈ3 S, ϬⲀⲘⲈⲨⲖⲈ Sf, ϪⲀⲘⲀⲨⲖⲒ4, Ϭ.6, ϪⲀⲘⲈⲨⲖⲒ5 B, pl ϭⲀⲘⲀⲨⲖⲈ7, ϬⲀⲘⲞⲨⲖⲈ8, ⲔⲀⲘⲞⲞⲨⲖⲈ9, ⲔⲀⲘⲀⲨⲖⲈ10 S, ϪⲀⲘⲀⲨⲖⲒ11, Ϭ.12 B, ϬⲀⲘⲈⲨⲖⲒ F & sg as pl, nn m f, camel: Ge 31 17 S(B ⲠⲒϪ.11) جمل, ib 34 S(B ϮϪ.4) بعير, Is 30 6 SF (B pl), Ez 25 5 B Ϫ., ib 27 21 B Ϭ., Zech 14 15 A(B pl), Mt 3 4 SB(var Ϫ.) ابل κάμηλος; ShC 42 70 S herds of Ϭ., ⲈⲤⲞⲞⲨ, ⲘⲀⲤⲈ, C 43 64 B ⲠⲒϬ., BM 678 F ⲠⲈϬ., ib 591, 639 F ϬⲀⲘⲞⲖ, Hall 73 S ⲔⲀⲘⲞⲖ, DM 24 29 blood of Ϭ.;      camel-loads SF: OstrG Jéquier ⲞⲨϬ. ⲠⲦⲰϨ, WS 89 ϢⲞⲘⲠⲦ ⲠϬ. ⲠⲎⲢⲠ, ib. 155 ⲤⲚⲀⲨ ⲞⲨϬⲞⲤ ⲚϬ. ⲚⲤⲞⲨⲞ, CO 230 ⲞⲨⲔ. ⲂⲢⲀ, Ep 548 ⲞⲨⲔ.3 ⲠⲂⲚⲠⲈ, BM 585 F Ϭ. ⲠϢⲂⲎⲚⲒ, Ep 543 ⲔⲀⲘⲎⲖ of3;    contracts to tend camel: CO 218, 220, 221 S; f: Ge 24 64 B ϮϪ.4 جمل, ib 32 15 S Ⲕ. ناقة; K 165 B

Addenda

Dank JSTOR ist es mir gelungen, der Miszelle "Camel and Cable" aus der Feder des Assyriologen Paul Haupt, im American Journal of Philology (AJPh 45,3 (1924) 238-241), habhaft zu werden. Der Artikel trägt den Titel "Philological and Archeological Studies", die  erste Seite ist über das Internet abrufbar. Leider trägt er nichts Erhellendes zu unserer Frage bei, vielmehr geht er der Frage nach der Etymologie der beiden Wörter camel und cabel nach.

Engl. camel, griech. κάμηλος, kommt nach Haupt von arab. jimâl (i.e. جِمَالٌ), dieses beruht auf einer Wurzel km "aufhäufen". Hebr. גָּמָל < *kamal "buckelig, höckerig" hat Erweichung der anlautenden Tenuis durch das benachbarte m. Das Kamel ist also nach seinem Höcker benannt.

Der unsystematische, assoziative Schreibstil Haupts verschleiert allerdings oft, worauf der Autor hinauswill, und erweckt Misstrauen, ob die Vergleiche und Behauptungen, die er oft en passant einwirft, alle zutreffen.

Interessant ist der Verweis Haupts auf den Babylonischen Talmud, Baba Metziʿa 38b (in der zweisprach. Ausg. von Lazarus Goldschmidt, Leipzig: Harrassowitz, 1906: Bd. 6, S. 601, Z.16;  Bd. 6 von Goldschmidts Talmud-Edition kann beim Internet Archive heruntergeladen werden):

דלמא מפומבדיתא את דמעיילין פילא בקופא דמחטא
Du bist wohl aus Pumbedita, die einen Elefanten durch ein Nadelöhr bringen.

Hier also der Elefant als Specimen für etwas Riesengroßes. Aber auch Goldschmidt kennt die ntl. Lesart vom Tau und schlägt daher in einer Fußnote vor, פילא als lat. filum "Faden" zu verstehen – was der Redewendung ihren Witz nimmt! (Was soll daran Besonderes sein, einen Faden durch ein Nadelöhr zu bringen?) Haupt widerspricht daher: "Aram. pîlâ, of course, is not the Lat. filum, Fr. fil, but denotes elephant, Ass. pîru."

Zusammenfassung

Die ntl. Forschung ist sich einig darüber, dass die Evangelisten Kamel geschrieben (das belegt die handschriftliche Überlieferung) und auch gemeint haben (darauf verweisen die frühen Übersetzungen ins Koptische, Syrische, Lateinische und Gotische).

Seit dem 5. Jh. ist durch Kyrillos von Alexandrien und die (von der syrischen Kirche beeinflusste) armenische Bibelübersetzung die Idee vom Seil belegt. Kyrills Lukaskommentar ist nur in der syrischen Übersetzung erhalten, dürfte dort also fleißig rezipiert worden sein. Irgendwie scheint Syrien ein Zentrum für das Seil zu sein.

In der Byzantinischen Renaissance im 10. Jh. findet das Seil dann auch seinen Niederschlag in griechischen Handschriften des NT - in Form eines offenbar von Gelehrten ad hoc erfundenen Wortes kamilos.

Obwohl die großen Griechischwörterbücher wie Pape oder Liddell/Scott auf den geringen Wert dieser Lesart verweisen, wird sie immer wieder, leider auch von meinem geliebten Etymologie-Duden, zur richtigen erklärt. Und dank zahlreicher Webseiten, die es ungeprüft weiterkolportieren, wird das Märchen vom Seil auch die nächsten Jahrzehnte unbeschadet überstehen.

Offene Punkte

Gibt es im Syrischen ein Wort gml (gamla) = Seil, und wenn ja seit wann? Oder ist dieses Wort genauso eine Gelehrtenschimäre wie griech. kamilos?

Mein Syrisch ist schwach. Vor allem meine Übersetzung Kyrills sollte noch einer Begutachtung unterzogen werden.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 4. Nov. 2013