Diskussionsforum (~unredigiert)

Sollten Sie noch weitergehende Fragen an oder Anregungen für mich haben, dann wählen Sie hier die für Sie passende Form der Mitteilung.

Hier einige Beispiele für (anonymisierte) Anfragen und den Versuchen, sie zu beantworten.

 

 

Hier die Fragen einer Redakteurin und meine Antworten dazu:

1) Wie können Arbeitgeber Mobbing vorbeugen? Was ist der Humus, in dem es gedeiht?

Zunächst einmal muss ich betonen, dass sich viele Arbeitgeber der negativen Auswirkungen von Mobbing nicht bewusst sind. Erst dann stellt sich die Frage nach Vorbeugung! Da gibt es verschiedene Ansatzmöglichkeiten. Eine der ersten Massnahmen sollte sein, eine Betriebsvereinbarung zu treffen, die Ausgrenzung und Diskriminierung am Arbeitsplatz aufs Schärfste zurückweist und als unternehmensschädigend darstellt. So geschehen bei Volkswagen im Jahre 1996.

Mobbing gedeiht vor allem dort, wo es gedeihen darf. D. h. es gibt neben den Mobbinghandlungen einer Person meist noch eine Reihe von anderen Personen, die nicht couragiert genug sind, um dagegen aufzutreten, und sich somit als "Mittäter" profilieren. Dazu zähle ich auch das Wegschauen von Vorgesetzten, die in jeder Phase die Möglichkeit haben, deeskalierend einzuschreiten.

2) Welches sind die häufigsten Mobbing-Formen? Welche Rolle spielt der Geschlechteraspekt? Fällt sexuelle Belästigung hinein? Kommt "Stutenbissigkeit" am Arbeitsplatz häufig vor?

In den meisten Fällen tritt Mobbing als Ausgrenzungsspielart unter Kolleginnen und Kollegen auf der selben Ebene in Erscheinung. Die zweithäufigste Form wird als Bossing bezeichnet: darunter sind Mobbinghandlungen von Vorgesetzten gegenüber deren Mitarbeitern zu verstehen. Die dritthäufigste Form findet sich am ehesten im öffentlichen Dienst. Es handelt sich um Mobbing von unten nach oben, also Psychoterror von Mitarbeitern gegen deren Vorgesetzten. Diese Form wird auch als Staffing bezeichnet.

Hinsichtlich des Geschlechts der Beteiligten Personen möchte ich drei Ansatzpunkte unterscheiden:

1. Mobbing kann jeden treffen. Die erforschten mengenmässigen Unterschiede bzgl. des Geschlechts sind nicht signifikant.
2. Männer werden zu 3/4 von Männern angegriffen. Bei Frauen findet sich ein ausgewogeneres Verhältnis: Sie werden zu 40 % von Frauen, zu 30 % von Männern und zu wiederum 30 % von beiden Geschlechtern mit Psychoterror am Arbeitsplatz bedacht.
3. Die einzelnen Mobbinghandlungen sind deutlich geschlechtsspezifisch zu trennen.

Sexuelle Belästigung fällt unter Umständen unter die Rubrik Mobbinghandlung (Ausgrenzungscharakter). Je nach Untersuchung kommt sexuelle Belästigung äusserst selten bis sehr häufig vor. Das liegt an den jeweiligen Fragestellungen. Demnach wird sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz an sich häufig vorkommen, allerdings in der Form von Mobbing eher selten.

Zum Thema Stutenbissigkeit kann ich lediglich auf die unter 2. angegebenen Zahlen verweisen. Anmerkung: Man könnte dazu allerdings auch meinen, dass deshalb 40 % von Frauen gemobbt werden, da Männer Frauen gegenüber eine Bisshemmung zeigen.

3) Gibt es nicht viele Personen, die nur in ihrer subjektiven Wirklichkeit Mobbing-Opfer sind?

Zuallererst möchte ich betonen, dass ich den Begriff Mobbing-Opfer durch Mobbingbetroffene ersetzt sehen möchte. Das aus dem bereits oben erwähnten Grund: Es gibt keine Persönlichkeitsmerkmale, die jemanden zum typischen Mobbingbetroffenen machen. Damit soll auch zum Ausdruck gebracht werden, dass es keine typische Opferrolle gibt.

Mobbing ist grundsätzlich ein Phänomen verschobener subjektiver Wirklichkeiten. Auf beiden Seiten wird die jeweils andere Partei nicht in der Weise wahrgenommen, als dies ein unabhängiger Beobachter zu Protokoll geben würde.

4) Kann Mobbing auch vom Arbeitgeber aus Kalkül initiiert werden? Nach dem Motto: "Teile und herrsche"?

Selbstverständlich wird Mobbing auch aus Berechnung betrieben. Dass Mobbing dabei das Arbeitsklima generell verschlechtern kann und damit bzw. darüberhinaus auch Kosten verursacht bleibt dabei unberücksichtigt oder wird in Kauf genommen. Es gibt in jedem Fall günstigere und vor allem menschlich adäquatere Formen, die jemand zu verstehen geben, nicht mehr in dieser Position/diesem Unternehmen gewünscht zu sein.

5) Wie kann man den negativen Gefühlen und Konflikten, die Mobbing auslösen, anders begegnen?

Anders (?) als dies Mobber zu tun pflegen kann Mobbingbetroffenen mit sozialer Unterstützung begegnet werden. Denn genau darauf zielen viele Mobbinghandlungen ab: die Betroffenen zu isolieren, ihr Beziehungsnetzwerk unter Kollegen und Vorgesetzten zu zerstören. Im übrigen ist die beste Strategie die des Deeskalierens. Das gilt sowohl für die von Mobbing betroffenen Personen wie auch für die Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten.

6) Was bringt der Gang zum Betriebsrat - wenn vorhanden?

Es gibt Untersuchungen, wie die von Carmen Knorz und Dieter Zapf (1996), die deutlich signifikant belegen, dass diejenigen, die den Betriebs- oder Personalrat nicht eingeschaltet haben, ihre Situation verbessern konnten. Jene, deren Situation sich jedoch verschlechterte haben sich zu 61 % an Betriebs- oder Personalräte gewandt. Die Ursachen dafür und die Konsequenzen daraus können unterschiedlich gedeutet werden.

Literatur-
empfehlung

Die Erzählung "Die Geschichte von einer Entenjagd" von Carl Zuckmayer bietet einen besonderen Einblick in das Geschehen rund um die Selbstverständlichkeit, jemand trotz Normenbruchs zu unterstützen und damit größeres Unheil zu vermeiden.