Prioritäten
mit Ablaufdatum!? |
Nach 2921 Spielen
setzt der "Iron Man" Rost an |
entnommen
aus:
Kleine Zeitung 22. 6. 2001
Redaktion
US-SPORTS:
Günter Sagmeister
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Das Ende der Ewigkeit. Cal Ripken hatte in
19 Jahren als Baseball-Profi nur einen Tag frei. Aber nichts
hält ewig, nicht einmal Cal Ripken.
Cal Ripken jr. hat sich 19 Jahre nicht krank gemeldet, vom
30. Mai 1982 bis zum heutigen 22. Juni 2001 ging er nur einen
einzigen Tag nicht seiner Arbeit nach.
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Selbst ein heroisiertes,
lebendes Denkmal kann sich einmal die Frage stellen:
"Was ist mir wirklich wichtig in meinem Leben?"
Haben Sie bereits
Ihre Antwort darauf gefunden? |

"Mir ist nur
klar geworden, dass ich meine Familie vermisse, die Aktivitäten
meiner Kinder."
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Er werkte ohne Murren, ohne Skandale, ohne Verletzung. Cal
Ripkens Arbeitsplatz hieß früher Orioles Park, heute
Camden Yards. Und er gehört zu einer Spezies, die man längst
für ausgestorben hält im modernen Sport, könnte
man ihn nicht tagtäglich beobachten. Cal Ripken hat während
seiner ganzen Karriere nur für eine Mannschaft gespielt,
die Baltimore Orioles eben, den Klub, dessen Fan er als Bub war
und den sein Vater einst gecoacht und gemanagt hat.
Ripken junior ist ein zuverlässiger Baseballer. Nur am
19. September 1998, nach seinem 2632. Spiel ohne Unterbrechung,
nahm er sich einmal einen Tag frei, weil ihm der Rummel um diese
Rekordleistung zu viel geworden war. Die nächstbeste Serie
im amerikanischen Profi-Baseball hatt er da bereits um 500 Partien
übertroffen und schon die galt lange als Rekord für
die Ewigkeit.
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Inzwischen hat Cal Ripken 2921 Spiele in seiner Profi-Karriere
absolviert und nur zum Vergleich: Austria-Wien-Urgestein Erich
Obermayer ist jener Östereicher, der im Fußball mit
483 Spielen die meisten Bundesliga-Einsätze zu Buche stehen
hat. Aber im Fußball besteht die Saison aus 36 Runden,
die US-Baseballer werden hingegen 162-mal im Jahr gefordert.
Damit erhöht sich natürlich auch das Verletzungsrisiko
und so gesehen hat sich Ripken den Spitznamen "Iron Man
of Baseball" redlich verdient.
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"Ich bin so gesund wie immer", sagte
Ripken, der zuletzt jedoch immer häufiger von Rückenproblemen
gequält wurde und deshalb immer öfter auf der Bank
als auf dem Rasen zu finden war. Das gab ihm jedenfalls einmal
Gelegenheit, intensiv über seine Zukunft nachzudenken. Die
sieht er nach wie vor auf dem Rasen - allerdings mehr mit seinen
zwei Kindern spielend als mit den Oriols-Kollegen. Deshalb hat
Ripken diese Woche angekündigt, nach dieser Saison aufzuhören.
Was im Grunde für einen 40-Jährigen
in seiner 21. Major-League-Saison ja nichts Überraschendes
ist. Und doch war die Szene in den USA derart erstaunt, dass
die Nachrichtenagentur Associated Press ihre Meldung mit der
Erkenntnis begann: "Nichts hält ewig - nicht einmal
Cal Ripken."
Dass der Rücktritt nichts mit seinem Rücken
zu tun habe, erklärte er sofort der versammelten Presse.
"Mir ist nur klar geworden, dass ich meine Familie vermisse,
die Aktivitäten meiner Kinder."
Und noch etwas ist ihm jetzt klar:
"Es ist offensichtlich, dass niemand ewig spielen kann."
Nicht einmal Cal Ripken jr. kann das.
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