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Diplomarbeit von Daniela Hafner:
"Die eskalierenden Kreisläufe von Flüchtlingen in Österreich am Beispiel von nigerianischen Asylwerber"

Einleitung Aufbau der Arbeit
1) Allgemeine Gesetzgebung 2) Der vergessene Kontinent Anmerkungen zur Geschichte der Völker Afrikas Nigeria Problemdarstellung 3) Eskalierende Kreisläufe 4) Die Katastrophe 5) Ansätze der Sozialarbeit
Überprüfung der These Quellenverzeichnis Impressum
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2. Der vergessene Kontinent Afrika – das vergessene Land Nigeria

Um den Anfang der Kreisläufe richtig zu erkennen und die Lebenswelten der nigerianischen Asylwerber besser zu verstehen, wird dem Leser im folgenden Kapitel ein Überblick über diese Themen gegeben. Auf einige Konfliktlinien wird besonders eingegangen, da eine Vielzahl genannter Fluchtgründe darauf basieren.

2.1 Anmerkungen zur Geschichte der Völker Afrikas

In den 52 Ländern Afrikas leben ca. 700 Millionen Menschen in hunderten verschiedenen ethnischen Gruppen.55 Darüber hinaus unterscheiden sich die Menschen in Afrika auch noch durch ihre unzähligen Sprachen, Schätzungen reichen von 1000 bis 1200 Sprachen,56 und durch ihre ungleichen Religionen.
Kols führt hierzu an, dass von den rund 700 Millionen AfrikanerInnen sich 1993 etwa 290 Mio. zum Islam bekannten – Tendenz steigend. Die Zahl afrikanischer Christen gibt die Statistik mit rund 341 Mio. an, rund 70 Mio. gehörten offiziell afrikanischen Religionen an.57
Afrika war für die Europäer lange Zeit ein vergessener, für die Einwohner selbst ein betrogener Kontinent. Sehr drastisch beschreibt Kols die Situation Afrikas:
„ Der Reichtum der afrikanischen Nationen fließt seit Jahrzehnten in die Bilanz westöstlicher Waffenschmieden, die Ausbeutung der riesigen Ölvorkommen einiger afrikanischer Staaten treibt zwar die Bilanzen der internationalen Multis und die Bankkonten der korrupten heimischen Elite in astronomische Höhen, aber die Bevölkerung versinkt in Elend und Hunger.“58
Werte wie Demokratie und Menschenrechte waren und sind noch immer in vielen afrikanischen Ländern keine Diskussionsthemen, weil eine Staatsform wie die Diktatur diese naturgemäß unterdrückt. Das Leben auf dem afrikanischen Kontinent bestand lange aus einer Mischung von Erfolg für diejenigen, die es verstanden, aus dieser Situation Profit zu ziehen, und aus Gewalt und Unterdrückung gegen die große Mehrheit, die entrechtet, ausgebeutet oder ermordet wurde.
Kols meint hierzu: „Das Elend dieses Kontinentes, der vielfache Massen- und Völkermord, den er in den letzten Jahren erlebte, das ist nicht nur, aber auch, eine Folge politischen Handelns westlicher Politik.“59
Der Kontinent Afrika ist für die meisten Menschen aus dem Westen mit Armut, Korruption, Gewalt und vielen anderen negativen Wörtern besetzt. Dabei wird oft vollkommen außer Acht gelassen, dass der afrikanische Kontinent mit vielen Ressourcen gesegnet ist, die schon immer für einheimische Regierungen oder Rebellen, aber auch für Ausländer, wie z.B. Franzosen, Amerikaner oder Briten, eine Verlockung waren und sind.
Die größten Diamantenlager der Welt (mehr als 90%), die Hälfte aller Goldvorkommen, überreichlich Chrom (94%), Platin (73%), Kobalt (53%) befinden sich laut Kols in der Erde Afrikas.60
Aber auch die reichen Lager an Kohle (Südafrika, Zimbabwe) und Erdöl sind wertvolle Rohstoffe. 

Angesichts der oft viel zu schnellen (Vor)Urteilsbildung über die aus dem vergessenen Afrika stammenden Menschen, scheint es dringend notwendig zu sein, mehr Bewusstseinsbildung zu betreiben. Ein richtiges Verständnis über die Vielzahl an Sprachen, Religionen, Menschen etc. ist meines Erachtens für Personen aus dem „seligen Westen“ nur schwer möglich. Außerdem ist unser Denken über Afrika dahingehend geprägt, dass wir unserem Nutzen aus einer gerechten Verteilung der Ressourcen kaum eine Bedeutung schenken.

 

Diplomarbeit für Sozialarbeiter