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Diplomarbeit von Daniela Hafner:
"Die eskalierenden Kreisläufe von Flüchtlingen in Österreich am Beispiel von nigerianischen Asylwerber"

Einleitung Aufbau der Arbeit
1) Allgemeine Gesetzgebung 2) Der vergessene Kontinent 3) Eskalierende Kreisläufe 4) Die Katastrophe 5) Ansätze der Sozialarbeit Der Auftrag an die Sozialarbeit Das doppelte Mandat Dysfunktional - Funktional Die Rolle der Sozialarbeiter Herantasten an die Problemlösung Hindernisse der Sozialarbeit Grenzen der Sozialarbeit Das politische Mandat der Sozialarbeit Überprüfung der These Quellenverzeichnis Impressum
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5.7 Grenzen der Sozialarbeit

Gerade im Flüchtlingsbereich stößt Sozialarbeit sehr oft an ihre Grenzen. Erst recht wenn es um kriminelles Verhalten wie z. B. den Drogenverkauf geht. Der Spielraum und die Unterstützung für professionelle Sozialarbeit mit „kriminellen“ Asylwerbern sind sehr gering.

Meinem Gedankenprotokoll während meines Praktikums bei dem Verein „Asyl in Not“ habe ich folgenden Eintrag  entnommen, „Vor einem Monat kam O., das erste Mal zu mir. Es war sein zweiter Tag in Österreich. Er war psychisch am Ende und hat, während ich versucht habe,  ihm eine Unterkunft zu beschaffen,  den halben Nachmittag nur geweint. Für drei Tage konnte ich ihm einen Schlafplatz in der Ullmannstraße256 besorgen. Schon am nächsten Tag war O. wieder bei mir. Er bettelte mich an, ich möge ihm helfen, eine Arbeit zu finden und ich solle  für ihn eine andere Unterkunft besorgen, da er nichts mit Drogen zu tun haben wolle. Leider war es mir nicht möglich, etwas anderes für ihn zu finden, aber er kam  mich  trotzdem immer wieder besuchen, um nachzufragen. Eines Tages  vereinbarten wir einen Termin, da es eine ganz  kleine Möglichkeit gab, dass er eventuell auf einem Bauernhof in Niederösterreich wohnen könnte. Er ist aber  nie mehr erschienen. Heute erhielt ich einen Anruf von einem Sozialarbeiter der Justizanstalt Josefstadt. O. hatte ihn gebeten mich zu kontaktieren. Er wurde beim Drogenverkauf erwischt [...].“257  

Wie soll man die Tatsache, dass die Menschen auf ihren eigenen Wegen zu überleben versuchen, für schlecht erklären, oder als nicht förderlich betrachten, wenn Sozialarbeit aufgrund ihres geringen Spielraums mit der beschränkten Asylgesetzgebung und fehlender finanzieller Mittel, ihnen keinen Schlafplatz, nichts zu essen und kein Geld anbieten kann?

Der bei der Generalversammlung des IFSW (International Federation of Social Workers) in Genf 2002 formulierte Entwurf über „Ethik in der sozialen Arbeit - Darstellung der Prinzipien“, soll für Sozialarbeiter, wenn sie an ihre Grenzen kommen, eine Hilfestellung sein. Als ethische Prinzipen werden  dabei Menschenrechte und Menschenwürde sowie soziale Gerechtigkeit angeführt. „SozialarbeiterInnen sollten die körperliche, psychische, emotionale und spirituelle Integrität und Wohlbefinden jeder Person stützen und verteidigen.“258 Ein besonderes Augenmerk sollte hierbei auf das Wohlbefinden gelegt werden. Sehr oft verstehen sich Sozialarbeiter als Werkzeug der Gesellschaft, die anstatt Wohlbefinden, Wohlverhalten fördern. In so einem Fall, hat es der Sozialarbeiter nicht geschafft, sich außerhalb des Konflikts zu begeben und er hat Partei für eine Seite eingenommen.

Aus den Prinzipien259 der Sozialarbeit ergeben sich drei wichtige Grundsätze:

  1. Das Recht auf Selbstbestimmung: Sozialarbeiter haben die Entscheidungen der Menschen anzuerkennen, ohne Rücksicht auf deren Werte und Lebensentscheidungen, außer es werden die Rechte und Interessen anderer dadurch bedroht.
  2. Das Recht auf Partizipation: Sozialarbeiter sollen die volle Miteinbeziehung und Teilnahme der Menschen auf eine Art und Weise fördern, dass diese hinsichtlich aller Aspekte der ihr Leben betreffenden Entscheidungen und Handlungen befähigt und unterstützt werden.
  3. „Jede Person ganzheitlich behandelnd, sollten sich  SozialarbeiterInnen mit der ganzen Person innerhalb der Familie und der Gemeinschaft beschäftigen und sollten sich bemühen, alle Aspekte des Lebens einer Person anzuerkennen.“260

 

Diplomarbeit für Sozialarbeiter