Sie befinden sich im Kapitel "Ansätze der Sozialarbeit im Umgang mit Flüchtlingen" |
| Diplomarbeit von Daniela Hafner: "Die eskalierenden Kreisläufe von Flüchtlingen in Österreich am Beispiel von nigerianischen Asylwerber" |
|
Einleitung
Aufbau der Arbeit 1) Allgemeine Gesetzgebung 2) Der vergessene Kontinent 3) Eskalierende Kreisläufe 4) Die Katastrophe 5) Ansätze der Sozialarbeit Der Auftrag an die Sozialarbeit Das doppelte Mandat Dysfunktional - Funktional Die Rolle der Sozialarbeiter Herantasten an die Problemlösung Hindernisse der Sozialarbeit Grenzen der Sozialarbeit Das politische Mandat der Sozialarbeit Überprüfung der These Quellenverzeichnis Impressum » zu den Fußnoten « |
5.5. Herantasten an die ProblemlösungHat es der Sozialarbeiter geschafft, sich außerhalb der „streitenden“ Systeme zu positionieren, kann er versuchen, in den Interaktionskreislauf der gegenseitigen negativen Zuschreibungen einzutreten. Die Verhaltensweisen der SozialarbeiterInnen sollten dabei:
In der Systemtheorie wird davon ausgegangen, dass sich festgefahrene Systeme nur durch Veränderung der Verhaltensweisen ändern können. Die positiven Rückkoppelungsmechanismen müssen umgangen werden. Der Verzicht auf gegenseitige Vorverurteilungen bzw. Schuldzuweisungen ist daher vorrangiges Ziel um eine funktionale Beziehung zwischen beiden Systemen zu fördern. 5.5.1. „ Polizei und Afrikaner“Als ein sehr gutes Beispiel für eine Besserung in Richtung Änderung der Verhaltensweisen erscheint mir das Projekt, „Fair & Sensibel, Polizei und AfrikanerInnen“, welches unter dem Motto „Nicht alle Polizisten sind Rassisten und nicht alle Afrikaner Drogendealer“ im Jahr 2000 gegründet wurde. Die Fragestellung bei der Gründung des Projekts lautete, was können die Polizei und AfrikanerInnen unternehmen, um das Verhältnis zu verbessern. Folgende Vorschläge242 ergaben sich daraus:
Der Leiter der Kriminalabteilung Oberstleutnant Josef Böck erklärt „Ziel ist, ein fairer offener Dialog soll geführt werden zwischen Polizisten und AfrikanerInnen, offen aufeinander zugehen, die Ängste, Sorgen und Probleme gegenseitig kennen lernen […].243 Meiner Ansicht nach ist dieses Projekt ein positives Beispiel, wie in Richtung gegenseitig aufwertende Verhaltensweisen von einem Teil der österreichischen und der afrikanischen Gesellschaft gearbeitet wird. Trotzdem finde ich es wichtig sich innerhalb des Projekts auch über die 1.000 Drogendealer Gedanken zu machen, um vielleicht auch hier eine Situationsentspannung zu erreichen. Es ist eine Gratwanderung zwischen missionarischer Überzeugungsarbeit, die nie besonders zielführend sein kann, und der Impulsgebung für das Nachvollziehen und Verstehen von bislang unreflektierten, aber zumeist nicht böswilligen Stereotypen und Ausgrenzungen der Gesprächspartner, sowohl in der Exekutive als auch in der Zivilgesellschaft. 5.5.2 Filmprojekte245Als eine hervorragende Methode zur Bewusstseinsbildung und zur Darstellung von Problemen und Meinungen erscheint mir auch das Medium des Films. Zur Bekämpfung von Vorurteilen sind im Augenblick Filmprojekte zum Thema „AfrikanerInnen in Österreich“ im Entstehen. Eine engagierte Initiatorengruppe versucht Partnerschaften vor allem mit dem BM für Bildung, Wissenschaft und Kulturen, dem BMI sowie dem ORF herzustellen. Dabei werden grob gesagt drei sich sehr ähnelnde Projekte verfolgt:
Gezielt ausgewählte „weiße und schwarze“ in Österreich lebende Menschen sollen Statements über eigene Erfahrungen zum Thema erarbeiten. Auf die Vielfältigkeit der Afrikaner in Österreich soll ein besonderes Augenmerk gelegt werden, weshalb auch die Auswahl sehr explizit erfolgen sollte.
Besonders die Minidokumentation in Schulen finde ich sehr wichtig. Ganz nach dem Motto „Kinder und Jugendliche sind die Zukunft von morgen“ soll es gelingen, Jugendlichen einen unvoreingenommenen Zugang zum Thema „AfrikanerInnen in Österreich“ zu ermöglichen. Und ebenso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger ist es, über dieses Projekt auch deren Eltern zu erreichen und diesbezüglich zu sensibilisieren. Fazit Ebenfalls einflussreich finde ich Projekte wie z. B. die Gründung des FC Sans Papiers, die Bunte Zeitung, u.a.. Di-Tutu Bukasa, Obmann und Redakteur beim Bunte–Zeitung-Verein und Ombudsmann der MigrantInnen bei Problemen, ist für viele AfrikanerInnen in Wien erste Anlaufstelle. Er setzt sich unermüdlich für die Bewussteinsbildung für die Probleme von AfrikanerInnen in Österreich ein und entwickelt immerfort neue Ideen, um dieses Ziel auch zu realisieren „damit sie sich auch wehren können und dadurch ihr Selbstbewusstsein auch stärken können […] Wir haben festgestellt, dass es notwendig ist, nicht nur einseitig Informationen von der Kronenzeitung und anderen Zeitschriften zu erhalten. Migranten müssen auch zurückgeben können, wie im Boxring. “246 5.5.3 Überlegungsansätze für weitere ProjektentwicklungenZur Entwicklung weiterer Konzepte der Sozialarbeit in Richtung Verbesserung und Förderung der Kommunikation zwischen den Systemen, sind folgende Überlegungen unbedingt zu beachten.
Dabei werden folgende Ziele verfolgt:
Als oberstes Ziel muss auf jeden Fall die Miteinbeziehung der afrikanischen Menschen sein! „Ich hatte erwartet, dass nach Omofumas Tod auch Afrikaner dazu befragt werden würden, nicht nur Menschen, die das erzählten, was die anderen Menschen hören wollten, das ganze garniert mit Bildern von demonstrierenden Afrikanern und Untertiteln, die den Bildern eine zweifelhafte Bedeutung gaben.“248 kritisiert Ofoedu. Osinubi Adekunle, ein nigerianischer Asylwerber hat einen Beitrag unter dem Motte „ Lasst uns die Verantwortung wahrnehmen, die wir auch für diejenigen haben, die nach uns kommen werden“, Vorschläge verfasst, wie das Drogenproblem in den Griff zu bekommen wäre. Darin fordert er vor allem die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten. Er schlägt weiters vor, am BAA auf Interviews glaubwürdiger und ausgebildeter Asylwerber zurückzugreifen, um die Richtigkeit angegebener Umstände von anderen Asylsuchenden besser beurteilen zu können.249 Angesichts der Tatsache, dass es für eine verbesserter Situation gilt, mit beiden Seiten zu arbeiten, sollte auch der Gedanke von Bukasa Gehör finden, wenn er äußert, „Österreicher projizieren eigene Probleme auf die Nigerianer, […], sie haben es schwer das Leben zu bejahen, die können alles zu essen haben. Sie besitzen alle viele Konten auf den Banken aber sehr viele haben trotzdem Schwierigkeiten was mit ihrem Leben anzufangen. Sie brauchen Drogen um das Leben in Balance zu halten weil sie sonst das Leben nicht spüren können.[…] Die Dynamik des Problems ist da vorhanden wenn man in einer monotheistischen, christlichen, doppelbödigen Gesellschaft lebt braucht man die Lüge und man muss einen Sündenbock finden, einen Satan, und der politische ist der Nigerianer[…].250 In anbetracht der geringen Akzeptanz von Flüchtlingen in unserer Gesellschaft, müssen auch Probleme innerhalb des großen Systems erörtert und ins Visier genommen werden, um längerfristig eine akzeptable Lösung für beide Gruppen zu erlangen.
|
Diplomarbeit für Sozialarbeiter
|