Überprüfung der These

Diplomarbeit von Daniela Hafner:
"Die eskalierenden Kreisläufe von Flüchtlingen in Österreich am Beispiel von nigerianischen Asylwerber"

Einleitung Aufbau der Arbeit
1) Allgemeine Gesetzgebung 2) Der vergessene Kontinent 3) Eskalierende Kreisläufe 4) Die Katastrophe 5) Ansätze der Sozialarbeit
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Überprüfung der These

Ausgehend von meiner am Anfang aufgestellten These und der Überprüfung dieser im Laufe dieser Arbeit, sehe ich die Behauptung, dass nigerianische Asylwerber als besondere Gruppe gelten, die in eskalierende Kreisläufe geraten, bestätigt. Gründe dafür gibt es viele und die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die schwierigen Lebenswelten von nigerianischen Asylwerbern geben, freilich ohne den Anspruch der Vollständigkeit zu erheben. Im Laufe der Arbeit ist mir jedoch aufgefallen, dass vielleicht die These, die sich nur auf nigerianische Asylwerber konzentriert,  und die Ausarbeitung einiger Lösungsansätze für eine bestimmte Population in Afrika, bei der Tragweite der gesamten Probleme zu kurz greifen. So möchte ich jetzt an dieser Stelle nochmals betonen, dass die Palette der Diskriminierungen und menschenunwürdigen Behandlungen zwar größtenteils NigerianerInnen betreffen, durchaus aber auch sehr viele Menschen aus anderen afrikanischen Ländern von diesen schwierigen Lebensbedingungen betroffen sind. Rassismus und Stigmatisierungen der österreichischen Bevölkerung treffen nicht nur nigerianische Staatsbürger, sondern auch andere afrikanische Nationalitäten. Dass sich die Vorurteile Großteils nur auf Nigerianer beziehen, rührt daher, dass die Ignoranz unserer Gesellschaft dadurch zum Ausdruck gebracht wird, wenn man der Einfachheit halber z. B. einen Asylwerber aus Gambia, auf Grund seiner Hautfarbe einfach in den Topf der nigerianischen, kriminellen Drogendealer wirft. Somit wird oft afrikanischen Asylwerbern neben der Absprache eines ehrenwerten, ehrlichen und in Not geratenen Menschen auch noch die Akzeptanz ihrer Herkunft untersagt. Dies gilt natürlich nicht für das Asylverfahren, sondern viel mehr für das tägliche Leben dieser Menschen in Österreich. Gesellschaftliche Ablehnung beginnt nicht erst bei gewalttätigen körperlichen Übergriffen! Wenn Menschen in die Illegalität gezwungen werden, wenn man sie in jeder Hinsicht auf Lügner und Kriminelle reduziert, wenn man ihnen die Hoffnung, dass sie sich als ein arbeitendes Mitglied in die Gesellschaft einbringen können, zerstört, dann kann man ohne weiteres auch hier von Gewalt am Unterlegenen sprechen, und sich nicht erwarten, dass sich diese Menschen für die Erhaltung der Gesellschaft samt ihrem Rechtsystem, ihrer Kultur und Religion etc. verantwortlich fühlen. Sich als Afrikaner in einer ablehnenden Umwelt zu behaupten, heißt nichts anderes, als sich sein Leben zu erkämpfen. Durch die unmittelbare Konfrontation mit der schwierigen Situation als nigerianischer Flüchtling in Österreich, wird die eigene Existenz bedroht und ihre Berechtigung in Frage gestellt. Es kommt zu einer aufgezwungenen Auseinandersetzung, in der jeder Einzelne gezwungen ist, seine eigenen individuellen Überlebensstrategien bzw. Antworten zu finden. Diese können von Internalisierung von Rassismus, über Assimilation bis zur politischen Selbstorganisation, Entwicklung von Überlebenskulturen und sozialpolitischen Identitäten bis hin zu kriminellen Handlungen reichen.
Asylwerber werden heute durch politischen und medialen Populismus  mit Wirtschaftsflüchtlingen assoziiert und als finanzielle und soziale Last für die Gastgesellschaft wahrgenommen. Allgemein kann gesagt werden, es mangelt an Informationen und Verständnis für Menschengruppen mit kulturellen, religiösen und visuellen Unterschieden.
Diese Bewegung von „echten“ Flüchtlingen, Asylsuchenden und Wirtschaftsmigranten, die Ungewissheit angesichts zukünftiger Terroranschläge, die globale Reichweite des Schleuserunwesens, die Bemühungen der Industrieländer um die Stärkung ihrer Grenzkontrollen und restriktiven Einwanderungsverfahren – all das zusammen ergibt einen hochexplosiven Cocktail von Misstrauen und Angst gepaart mit Fremdenfeindlichkeit. Darin besteht die zukünftige große Herausforderung der Sozialarbeit und dabei muss immer Bedacht genommen werden, nicht Teil des dysfunktionalen Systems zu werden.

Behauptungen wie von Justizministerin Miklautsch (FPÖ): „Kriminelle missbrauchen Asylrecht“265 oder der Vorschlag des Wiener FPÖ-Chefs Strache, Auffanglager in Afrika zu errichten, und sein Vorschlag eine durch ihre bereits rassistischen Aussagen bekannte Partik-Pablé dem Innenminister Strasser zur Seite stellen266, gaben mir enormen Auftrieb und Bestätigung für diese Arbeit. Besonders Strache hat es sich zur Aufgabe gemacht, rechtspopulistische Hetze, besonders gegen afrikanische Asylwerber zu führen. So erschienen im Bürgermagazin „Wir Wiener“ vor kurzem einige „eindeutige“ Artikel, die keine andere Absicht verfolgen, als gemeine, unwahre, Angst erregende Bilder von Asylwerbern aus Afrika zu zeichnen.  „Status: Asylwerber,  Job: Drogendealer“267 wurde z. B. ein Artikel betitelt und mit Hilfe eines harmlosen Bildes, auf dem zwei spazierende Afrikaner zu sehen sind, sollte diese unfassbare These untermauert werden.
Solch einer Hetzpropaganda, die Ängste in der Bevölkerung auslöst und den Boden für Vorurteile ebnet, muss in jeder Hinsicht Einhalt geboten werden.
Daher ist es wichtig Projekte und Rahmenbedingungen zu schaffen und das politische Mandat der Sozialarbeit zu nützen, um solchen Diskriminierungen durch Aufklärung und Richtigstellung entgegenwirken zu können, aber auch um Asylwerbern die nötige Anerkennung ihrer Leiden zu demonstrieren, da dies von großer Wichtigkeit für die Verarbeitung ihrer Traumas ist.
Durch einige Problemdarstellungen von nigerianischen Asylwerbern sollte in dieser Arbeit ein erster Schritt in Richtung Aufklärung gemacht werden, um Vorurteile, Ressentiments und falsche Bilder zu hinterfragen, und sich ein bisschen in die Welt eines nigerianischen bez. afrikanischen Asylwerbers einfühlen zu können.

Dass es einige gibt, die das Asylsystem austricksen, darf nicht dazu führen, alle Asylwerber zu diffamieren und ihnen das Asylrecht zu verweigern.
Sonst müssten wir konsequenterweise das gesamte Sozialsystem abschaffen, ebenso wie die Politik und eigentlich den gesamten Rechtsstaat und letzten Endes vielleicht uns alle!

 

Diplomarbeit für Sozialarbeiter