Die Islamische Revolution im Iran

Chronologie der Ereignisse und Ausblick

 

Schah Mohammad Reza Pahlawi

 

Flagge des Königreichs

Ayatollah Ruholla Musawi Khomeini

 

Flagge der Islamischen Republik

 

 

Fachbereichsarbeit aus Geschichte u. Sozialkunde

Nima M. Darakhchan 8B Akad. Gym. 2000/01

 

Vorwort

Nicht zuletzt auf Grund der iranischen Herkunft meiner Eltern interessierte ich mich für dieses Thema. Ich wollte vor allem die näheren Hintergründe für den radikalen Wandel im Iran erläutern, weil ich glaube, dass es ein gutes Beispiel für das Aufeinandertreffen von der abendländischen Welt mit der orientalischen Welt in all seiner Brisanz ist.

Anfangs habe ich mir vorgestellt, nur die eigentliche Islamische Revolution zu behandeln, jedoch wurde mir nach dem Einlesen in die Literatur klar, dass die Islamische Revolution im Iran das vorläufige Ende eines langen Kampfes zwischen bürgerlich-demokratisch-nationalen, islamisch-fundamentalistischen, monarchistisch-absolutistischen Kräften und Linken aller Schattierungen ist. Der erste Höhepunkt war gewiss mit der Hinrichtung Scheich Fazlollah Nuris zu Beginn des Jahrhunderts erreicht, die den Ausgangspunkt meiner FBA darstellt. Deswegen ist der Bogen entsprechend weiter gespannt.

In meiner FBA bin ich auch ausführlich auf Chomeini selbst eingegangen, obwohl ich es anfangs nicht für nötig hielt. Nach dem Studieren der Quellen gelangte ich zu der Einsicht, dass die persönliche Wandlung Chomeinis vom einsamen Mystiker zum radikalen Fundamentalisten ganz wesentlich für die Revolution ist. Außerdem wollte ich aufzeigen, dass sich Chomeinis eigentliches Wesen schon viel früher als nach der Revolution zeigte. Wenn man aus der Geschichte wirklich lernen würde, hätte man gewusst, welche grausigen Absichten hinter der charismatischen Erscheinung Chomeinis standen. Unmittelbar nach der Revolution unterschätzten zu viele Chomeini und glaubten, seine politischen Ideen wären Hirngespinste eines alten Greises. Überdies erschienen mir seine Demütigungen durch den Schah symptomatisch für das ganze Volk. Wie bei großen Teilen des Volkes wurden durch Schikanen auch in ihm Aggressionen aufgestaut, aber kaum einer hasste den Schah so abgrundtief wie er.

Die Quellenlage zu diesem Thema war leider nicht so ergiebig, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mein Hauptbuch war eine politische Biographie Chomeinis von Nirumand/Daddjou 1987. Da die Autoren dieses Buches Iraner sind und auch aktiv gegen den Schah gekämpft hatten, konnten sie den Konfliktverlauf aus persönlicher Betroffenheit analysieren. Zum anderen hatte ich noch das Buch ‚Allah mit den Standhaften’ von Scholl-Latour aus 1983 und ‚Khomeini und der Islamische Gottesstaat’ von Rinser 1979. Diese beiden Bücher wurden von Deutschen kurz nach der Revolution geschrieben, beide waren eindeutig noch von der unbestritten imposanten Erscheinung Chomeinis fasziniert, ihnen hatte sich noch nicht das wahre Gesicht Chomeinis offenbart.

Eine große Hilfe waren mir auch die vielen Onlinearchive diverser Zeitungen, bei denen ich einige passende Artikel fand. Zusätzlich bediente ich mich auch der Online-Encarta von Microsoft für ergänzende Informationen.

Alle Zitate wurden auf die neue Rechtschreibung umgeändert, die persischen Namen wurden nicht mit der üblichen englischen Schreibung, sondern mit der im deutschsprachigen Raum sich zunehmend durchsetzenden Schreibung geschrieben, weil letztbesagte der tatsächlichen Aussprache näher kommt. Dementsprechend wurden auch einige Zitate geändert.

Mein größter Dank geht aber zuletzt an meine betreuende Professorin Frau Mag. Hohensinn. Nur durch ihren persönlichen Einsatz - verbunden mit viel Geduld - und ihre fachkundige Betreuung wurde es mir ermöglicht die FBA in dieser Form zu schreiben.

 

 

Nima Mehdi Darakhchan


Inhaltsverzeichnis

1. Vorgeschichte.. 4

1.1. Einleitung.. 4

1.2. Fazlollah Nuri 4

1.3. Reza Pahlawis Aufstieg.. 4

1.4. Reza Pahlawis Herrschaft (1925-1941) 4

2. Ayatollah Chomeini (Die Anfänge) 6

2.1. Seine Jugend.. 6

2.2. Die Zeit des Studiums. 6

2.3. Das erstmalige Interesse Chomeinis an der Politik.. 7

3. Die Herrschaft Mohammad Reza Pahlawis (bis 1977) 8

3.1. Zur Person Mohammad Reza Pahlawi 8

3.2. Machtkampf in Ghom... 8

3.3. Mossadeghs Regierung und der CIA-Putsch.. 8

3.4. Der Schah: eine Marionette der USA.. 9

3.5. Chomeinis Aufstieg zum Großayatollah.. 9

3.5. Die Weiße Revolution und laizistische Maßnahmen.. 10

3.6. Die Verbannung Chomeinis. 10

3.7. Die weitere Entwicklung nach der Verbannung Chomeinis. 11

4. Die Islamische Revolution Im Iran.. 13

4.1. Erste schwerere Proteste. 13

4.2. Der Pfauenthron kommt ins Wanken.. 13

4.3. Chomeini in Paris. 14

4.4. Begeisterung bei westlichen Intellektuellen für Chomeini 15

4.5. Die letzten Monate des Schahs. 15

4.6. Keine klare Linie der USA.. 16

4.7. Das Ende der Pahlawi-Dynastie. 16

5. Die Islamische Republik Iran.. 18

5.1. Chomeinis Rückkehr aus dem Exil. 18

5.2. Das Ende der Regierung Bachtiars. 18

5.3. Das Referendum, Grün oder Rot?. 19

5.4. Anfänge des staatlichen Terrors. 19

5.5. Probleme bei der Bildung der Verfassung.. 20

5.6. Einschneidung der bürgerlichen Rechte. 20

5.7. Das Feindbild USA als Ablenkung.. 21

5.8. Der Präsident Banisadr.. 21

5.9. Der 1. Golfkrieg.. 22

5.10. Der Präsident in Opposition.. 22

5.11. Die Schreckensherrschaft der Ayatollahs. 22

5.12. Der Tod Chomeinis. 23

6. Der Iran nach dem Tod Chomeinis. 24

6.1. Die weiteren politisch wichtigen Entwicklungen des Irans. 24

6.2. Die Ära des Hoffnungsträgers Chatami 24

6.3. Der Gottesstaat aus Sicht der Leute. 25

6.4. Heutige Verwaltung und Politik.. 25

7. Exkurs: Allgemeine Aspekte des Islamischen Fundamentalismus nach Bassam Tibi. 27

7.1. Politisches Wiedererstarken des Islams. 27

7.2. Der Islamische Fundamentalismus: eine Revolte gegen den Westen.. 27

8. Iran: Generelle Information.. 29

8.1. Physische Geographie. 29

8.2. Klima.. 29

8.3. Struktur-Daten.. 29

8.4. Wirtschaft. 29

9. Zeittafel.. 30

10. Protokoll.. 31

11. Bibliographie.. 32

12. Bildbeilage.. 33

 


1. Vorgeschichte

1.1. Einleitung

„Die gesamte iranische Geschichte des 20. Jahrhunderts war geprägt von den ständigen Auseinandersetzungen sowie Annäherungen zwischen diesen politischen Lagern: den bürgerlich-demokratisch-nationalen, ( . . .), islamisch-fundamentalistischen und den monarchistisch-absolutistischen. Eine vierte Strömung, die Linke aller Schattierungen umfasst, konnte ( . . .) allerdings nur kurz politischen Einfluss ausüben.“[1]

Diese Spannungen wiederholen sich mehrmals in diesem Jahrhundert, ich möchte nun auf die Vorgeschichte am Beginn des Jahrhunderts eingehen, weil sie mir ganz symptomatisch für die eigentliche Revolution von 1979 erscheint.

 

1.2. Fazlollah Nuri

Der erste Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen war erreicht, als dem Scheich Fazlollah Nuri am 31. Juli 1909 die Schlinge um den Hals gelegt wurde. „Damals glaubten viele, dass damit auch seine Ideen beseitigt worden waren“[2]. Unter dem Applaus der tobenden Menge, die ihre gerade erlangte Demokratie nicht schon wieder aufgeben wollte, wurde er hingerichtet. Der noch immer unbefriedigten Menge genügte das nicht, und deshalb wurde auf ihn gespuckt sowie mit Stiefeln und Gewehrkolben auf ihn eingeschlagen, bis schließlich dem Treiben durch den Polizeipräsidenten ein Ende gesetzt wurde und die mit einem weißen Tuch bedeckte Leiche heimlich in der Abenddämmerung von Verwandten zu Grabe getragen wurde.[3]

Nuri war der erste islamische Fundamentalist, der jede Entwicklung, jede Modernisierung über die islamischeN Urgesetze hinaus als Werk des Teufels verdammte. Nichtsdestoweniger unterstützte er am Anfang zum Erstaunen vieler sogar die konstitutionelle Bewegung, deren Ziel die Überführung der Monarchie in eine konstitutionell-demokratische war. Im August 1906 konnte der damalige Monarch Mozaffareddin Schah gezwungen werden den Auftrag für die Bildung eines Parlaments zu geben. Zur Festigung der neuen Staatsform wurde anfangs sozusagen eine große Koalition zwischen den Konstitutionellen, die auf ein starkes Wirtschaftsbürgertum in den Städten aufbauten, und den Geistlichen gebildet. „Es zeigte sich nur zu bald, dass der Islam - selbst der aufgeschlossene und reformierte - mit den freiheitlich-demokratischen Ideen und Gesellschaftsstrukturen kaum zu vereinbaren war, zumindest solange er am Koran und den dogmatischen Überlieferungen festhielt.“[4] Scheich Nuri hingegen, einer der Fundamentalsten, trat als Erster aus diesem Bündnis aus und initiierte so das jähe Zerbrechen der große Koalition. Bei der Veröffentlichung seiner radikalen Kritik erhielt er finanzielle Unterstützung vom jungen Schah Mohammad Ali, Sohn des damals gerade verstorbenen Mozaffareddin Schah.

In seinen Schriften wetterte er vorwiegend gegen die gewählte Volksvertretung, die seiner Ansicht nach nur auf der Basis islamischer Grundsätze aufbauen könnte, da „der Islam (. . .) die umfassendste und vollkommenste Gesetzgebung nicht nur für religiöse sondern auch für politische und soziale Angelegenheiten“[5] besäße.

Der Putsch des Schah Mohammad Alis gelang zunächst, jedoch schlug die Gegenseite mit dem Volk hinter sich zurück und zwang den Schah zugunsten seines minderjährigen Sohnes Ahmed abzudanken. Damit war das Schicksal des Scheichs Nuri besiegelt.

 

1.3. Reza Pahlawis Aufstieg

Nach dem 1. Weltkrieg benötigten die Briten einen mit ihnen verbündeten ‚Führer’, um einen starken Partner gegen den Kommunismus in Russland zu haben. Der Auserwählte war der Journalist Tabatabai. Dieser heuerte einen Kosakenführer an, einen gewissen Herrn Reza Pahlawi, um den Putsch gegen die damalige pro-russische Regierung durchführen zu können. Nach dem erfolgreichen Putsch im Februar 1921 übernahm dieser zunächst die Armee, später wurde er zum Kriegsminister ernannt. „Als ein begabter Organisator, entschlossener Offizier und hervorragender Taktiker und Demagoge entwickelte er sich zum ersten Mann im Staat. Tabatabai wurde als Verräter aus dem Land gejagt, und somit stand Reza Khan zur Erlangung der Alleinherrschaft nichts mehr im Wege.“[6]

Nachdem Reza Khans erster Versuch als Ministerpräsident nach der absoluten Macht durch die Ausrufung einer Republik zu greifen gescheitert war, entschloss er sich nach der Krone der herrschenden Kajaren-Dynastie zu greifen. Schließlich bestieg am 13. Dezember 1925 Reza Pahlawi den Pfauenthron.

 

1.4. Reza Pahlawis Herrschaft (1925-1941)

Anfangs setzte Reza Pahlawi wieder auf Versöhnung mit dem Islam. So nahm er, wenn auch übertrieben mittrauernd, aktiv an diversen islamischen Trauerfesten teil. „Die Annahme des Beinamens Pahlawi (alte mittelpersische Dynastie) und der neue Staatsname Iran (Land der Arier) (. . .) standen ganz im Gegensatz zu der rigorosen Modernisierung von Staat und Kultur.“[7]

Reza Schah ist heute wie damals sehr umstritten, entweder sieht man ihn als den Herrscher, der den rückständigen Iran durch Bildungsreform, Reorganisierung des Finanz-, Justiz- und Heereswesens, durch Förderung der Industrialisierung und Technisierung und durch Öffnung zu westlichen Einflüssen hin modernisierte, oder als den absoluten Herrscher, der mit einem rasch aufgebauten Polizeistaat alle Macht bei sich zu konzentrieren versuchte. Nicht nur seinen Gegnern, sondern auch seinen ehemaligen Verbündeten (Kommunisten, Sozialisten und liberalen Konstitutionalisten) setzte er im Zuge seiner Modernisierungs- und Säkularisierungsmaßnahmen stark zu.

Bei den von Reza Schah geplanten Modernisierungsmaßnahmen blieb auch die Geistlichkeit nicht verschont. Der Schah zeigte plötzlich keinerlei Respekt vor islamischen Riten und Bräuchen. Nicht nur, dass er die Anzahl der religiösen Feiertage empfindlich reduzierte, wurden viele juristische und notarielle Aufgaben nicht mehr wie bisher von den Mullahs sondern vom Staat wahrgenommen. Die für die religiösen Menschen erniedrigendste Maßnahme war das Verbot der Nationaltrachten. So wurden den Frauen die Schleier vom Kopf gerissen und den Mullahs ihr Turban und Umhang genommen, wegen einiger schwarzer Schafe, die sich als Mullahs ausgaben, obwohl sie keine waren, wurden die Mullahs nicht selten auf offener Straße gedemütigt, indem ihnen die langen Bärte von den Polizisten abrasiert wurden. Somit wurde europäische Kleidung zur Pflicht.

Nachdem es eine Gruppe Gläubiger in Maschad gewagt hatte gegen die Maßnahmen zu protestieren, flohen sie vor der Polizei in eine Moschee. Obwohl nach islamischer Tradition nicht einmal die größten Verbrecher aus einer Moschee herausgeholt werden dürfen, zögerte man keinen Moment und stürmte das Gebäude um ein grausames Massaker zu veranstalten. Der Vorfall verfehlte seine Wirkung aber kaum, nachher wagte es keiner mehr den Schah zu kritisieren.

Der Schah pflegte gute Auslandsbeziehungen, besonders zu Hitlerdeutschland: „Die Deutschen bauten Brücken, Eisenbahnen (Anm.: u.a. die Trans-Iranian Eisenbahn vom Kaspischen Meer bis zum Persischen Golf) und Straßen im Iran und lieferten Waffen und Chemie, aber auch Militärberater und Nazi-Kultur.“[8] Unbestritten ist jedoch, dass er auf Grund dieser Maßnahmen den Iran modernisieren konnte. Da Stalingrad ziemlich nahe an der iranischen Grenze liegt, entschlossen sich die Alliierten die Neutralität des Irans - trotz heftiger Proteste des Schahs - aufzuheben und mit Hilfe der von den Deutschen gebauten Eisenbahnlinie Nachschub in die Sowjetunion zu befördern. Schließlich besetzten die Briten den Südteil und die Russen den Nordteil des Irans. Der Schah wurde ins Exil nach Mauritius verbannt, jedoch mit einem verblüffenden diplomatischen Coup ernannte er seinen 22jährigen Sohn zu seinem Nachfolger.


 

2. Ayatollah Chomeini (Die Anfänge)

2.1. Seine Jugend

Ruholla Musawi Chomeini wurde 1902 in Chomein, einer Kleinstadt (ca. 7000 Einwohner) am Rande der großen Salzwüste, geboren. Sein Vater, nach der Familientradition auch ein Geistlicher, starb, noch bevor Ruholla auf die Welt kam. Das wurde von der abergläubischen Bevölkerung als schlechtes Omen aufgefasst. Da seine Mutter wegen dieser Gerüchte in große Panik geriet, wuchs Chomeini bei seiner wohlhabenden Tante auf. Dennoch vermisste er familiäre Geborgenheit. Nach der Schule, wo er der Begabteste war, verkroch er sich meist geradewegs in sein Zimmer oder wanderte durch die Wüste, setzte sich in den Schatten eines Baumes und las den Koran oder Gedichte von Hafiz und Molana, die vielen Mystikern - wie auch ihm - als Vorbild dienten. Bald litt er nicht mehr unter seiner Einsamkeit, sondern liebte diese.

Auf die Bewohner Chomeins (meist Analphabeten) wirkte er durch seine Bildung, seine vornehme Bescheidenheit und Höflichkeit sehr beeindruckend. Er war kein kommunikativer Mensch, sein Gesprächspartner musste sich meist mit knappen Antworten - allerdings in einer gepflegten Sprache - begnügen, man konnte nur ahnen, welche tiefsinnigen Gedanken sich hinter seiner Stirn formten.

Als in seinem 17. Lebensjahr seine Mutter und Tante verstarben, wurde Ruholla klar, dass seine Zeit in Chomein zu Ende war. Er strebte nach Größerem, in Chomein konnte er höchstens Dorflehrer werden. „Vor allem wollte er mehr wissen, um seinem Schöpfer näher sein zu können.“[9]

 

2.2. Die Zeit des Studiums

Chomeini zog es in die nächstgelegene Stadt, nach Arak. In der theologischen Schule, bei der er sich angemeldet hatte, stieß er auf zwei unterschiedliche Persönlichkeiten, zum einen auf den Schriftgelehrten Scheich Abdol Karim Yazdi, und auf Araki, einem Wegbegleiter jenes Scheich Fazollah Nuri[10], der einige Jahre zuvor auf dem Kanonplatz in Teheran gehängt worden war. Araki verunsicherte Chomeini mit seinen fundamentalistischen Theorien, Chomeini waren Theorien, zum Beispiel, dass eine Anpassung des Islams an moderne Erfordernisse eine Sünde sei, völlig fremd, da er sich nie mit der Politik und deren Beziehung zum Islam befasst hatte. Araki gegenüber stand wie schon erwähnt Scheich Yazdi, der wegen seines langjährigen Aufenthaltes in der heiligen Stadt Najaf (Irak), wo die schiitischen Großayatollahs residierten, hohes Ansehen genoss. Er konnte auch Chomeini in seinen Bann ziehen, er glaubte, dass der einzige Weg die Spaltungen und Auseinandersetzungen zu beenden Versöhnung und Friede sei.

Die Briten waren um einen Bedeutungsverlust von Najaf in der schiitischen Welt bemüht, weil sie nach dem ersten Weltkrieg Irak zum Protektorat verwandeln wollten, und sich dort die Geistlichkeit heftigst dagegen wehrte. Also wurde Scheich Abdol Karim beauftragt ein neues schiitisches Zentrum im Iran zu gründen. Allerdings schien Arak für seine Vorhaben nicht geeignet, deshalb entschied er sich für Ghom, einen Wallfahrtsort mit einer bedeutenden theologischen Schule. Der junge Chomeini, der seinem Lehrer schon längst durch Begabung und Scharfsinn bei den ersten Diskussionen aufgefallen war, nahm das Angebot seines Lehrers an und ging mit nach Ghom.

Scheich Abdol Karims Position wurde in Ghom durch die Besteigung des Pfauenthrons durch Reza Khan Pahlawi 1925 gestärkt[11]. Dennoch interessierte sich Ruholla noch immer nicht für die Politik, mit Mühe fand er einen Lehrer, der ihn in Religionsphilosophie und durch Hafiz inspiriert in Mystik unterrichtete. Bei seinem späteren Meister Mirza Mohammad Ali Schahabadi nahm er also sechs Jahre lang als einziger Schüler Unterricht - bei anderen Studenten Grund genug zur Spekulation um die wahre Gesinnung des kontaktscheuen, eigenbrötlerischen Chomeini: Man vermutete, dass er nicht gottgläubig sei, den Schöpfer anzweifle oder sogar den Koran in Frage stelle.

Das allgemeine Merkmal des weiten Feldes Mystik bestand darin das Diesseits als nichtig und vergänglich anzusehen. Die Einheit mit Gott, wenn möglich die vollständige Verschmelzung mit ihm war das Ziel. Der Suchende (Sufi oder Derwische) konnte dies nur erreichen, wenn jegliche Bindung ans Diesseits aufgegeben wurde, nur die von allem Irdischen gereinigte Seele konnte mit Gott eins werden. Die Fundamentalisten lehnten diese Richtung ab, da islamische Gesetze und Vorschriften keinerlei Belang für die Mystiker hatten. Der Sufi folgte seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten in den verschiedenen Entwicklungsstufen.

Chomeinis gutbesuchter Unterricht - bei Theologiestudenten Pflicht - war von höchster Qualität, fast keiner wagte seine scharf durchdachten Thesen in Frage zu stellen. Mit 27 Jahren schrieb er sein erstes Buch ‚Mesbah Al Hedayeh’ (Das Leitende Licht), in dem der Sucher Chomeini seine bisherige Entwicklung und den bisherigen Weg zu der Wahrheit und der Schöpfung beschrieb.

Zu dieser Zeit suchte er auch nach einer Frau, ein Mittelsmann empfahl ihm die Tochter des in Teheran residierenden Großayatollahs Saghafi. Obwohl der Ayatollah nach einem Treffen mit Chomeini von seiner Erscheinung ziemlich beeindruckt war, willigte er erst nach einer mehrtägigen Bedenkzeit ein. Seine Tochter Batul schenkte Chomeini drei Töchter und zwei Söhne, dem äußeren Anschein nach lebten sie eine glückliche Ehe, Batul trat nie aus seinem Schatten heraus.

Wegen den Modernisierungsmaßnahmen Reza Schahs[12] wagte sich Chomeini monatelang nicht mehr aus dem Haus, als dann sein Lehrer Scheich Abdol Karim 1936 starb, hielt er es im Iran nicht länger aus und trat die für jeden Muslimen einmal im Leben vorgeschriebene Pilgerfahrt nach Mekka an. Nach der Rückkehr von der einjährigen Reise bewahrheiteten sich seine Hoffnungen auf eine Entspannung der Lage nicht.

2.3. Das erstmalige Interesse Chomeinis an der Politik

Nicht nur der Schah, sondern auch die Bevölkerung hatte die Achtung vor den Mullahs verloren. „Sein (Anm.: Chomeinis) Bild vom Menschen und der Welt war durch politische Ereignisse völlig verändert worden.“[13] Als er tief enttäuscht zu der Einsicht gelangte, dass auch Geistliche den Willen Gottes nicht ohne politischen Einfluss verwirklichen konnten, verstand er allmählich die Worte des Scheichs Fazlollah Nuri und die seines ersten Lehrers Araki. „Hätten die Mullahs im Zuge der konstitutionellen Revolution zusammengehalten, (. . .), wäre es nie soweit gekommen, dachte er.“[14] Ab dem Zeitpunkt, seit er davon überzeugt war, dass die damals ruinierte Geistlichkeit nur durch eine Rückbesinnung auf den Islam, mit der uneingeschränkten Verteidigung der schiitischen Tradition wieder rehabilitiert werden konnte, wurde Scheich Nuri definitiv zu seinem Vorbild.

Zu dieser Zeit wurde auch sein Buch Kaschf Al-Asar (Entdeckung der Geheimnisse) veröffentlicht. Darin rechnete er zuerst mit der Herrschaft Reza Pahlawis[15] ab , um dann seine Ansichten über Staat und Religion darzustellen. Noch forderte er keinen Gottesstaat, aber, obwohl seine Gedanken längst nicht so radikal waren - er war sogar zu Kompromissen mit der weltlichen Macht bereit - konnte man seine Wandlung vom Mystiker zum schiitischen Fundamentalisten erkennen. Die positive Reaktion vieler, vor allem junger Mullahs, weckte in ihm Zuversicht.


3. Die Herrschaft Mohammad Reza Pahlawis (bis 1977)

 

3.1. Zur Person Mohammad Reza Pahlawi

Mohammad Reza Pahlawi wurde am 26. Oktober 1919 in Teheran als Sohn von Reza Schah Pahlawi geboren. Er studierte in der Schweiz und an der Militärakademie von Teheran. Ganz im Gegensatz zu seinem Vater, der aus einer Position der Stärke an die Macht gekommen war[16], bestieg er den Pfauenthron aus einer Position der Schwäche. Denn mit 22 Jahren war er noch sehr unerfahren und so glaubte man nicht, dass er sehr lange diese Position behalten würde.

Stets hatte der Schah unter dem Schatten seines Vaters, den man sogar den Beinamen ‚der Große’ gegeben hatte, zu leiden, ihm fehlte das aufbrausende Temperament und der große Mut seines Vaters, der sogar „den höchsten Ayatollah in der Fatima-Moschee eigenhändig verprügelt und am Bart gezerrt“[17] hatte. Sein Vater „war angeblich zutiefst enttäuscht gewesen, einen schwächlichen und scheuen Sohn gezeugt zu haben, und gab es ihm mit Schelte und Verachtung zu spüren.“[18] Noch heute ist die breite Bevölkerung überzeugt, dass, wenn der Sohn wie sein Vater gewesen wäre, der Iran in einer deutlich besseren Position sein würde.

Sichtlich geschwächt und gekennzeichnet von seiner Krankheit, der Waldenströmschen Erkrankung der Lymphdrüsen, die ihn schon seit 1974 plagte, starb er am 27.7.1980 im Exil in Ägypten.

 

 

3.2. Machtkampf in Ghom

Die drei Großayatollahs in Ghom waren die höchsten religiösen Instanzen und dienten als Vorbilder für schiitische Gläubige nicht nur im Iran. Da die Großayatollahs für den im Verhältnis zu ihnen noch jungen Chomeini (40 Jahre) ein unüberwindliches Hindernis darstellten, versuchte er mit der Taktik der Denunzierung ihrem Ansehen empfindlich zu schaden. „Dabei präparierte er einige seiner besten Schüler wie Montazeri, der später nach der Machtübernahme Chomeinis zu seinem designierten Nachfolger ernannt werden sollte, und schickte sie in die Vorlesung von Hojjat (Anm.: Hojjat war der mächtigste Großayatollah). Dieser sollte schonungslos kritisiert, dessen Autorität vor seinen Schülern zerstört werden“[19]. Diese Kampagnen verfehlten ihre Wirkung nicht. Weil der Großayatollah nun immer mehr Schüler verlor, „wurde der Ruf nach einer neuen Instanz, einer Integrationsfigur, die imstande sei das verlorene Ansehen Ghoms wiederherzustellen, laut“[20]. Da Chomeini, wie schon oben erwähnt, noch zu jung war, beschloss er Mohammad Hossein Borujerdi zu unterstützen. Dieser war ein angesehener Großayatollah und Schriftgelehrter, der sich stets aus der Politik raushielt - jedoch hatte er damals schon gegen die Modernisierungsmaßnahmen Reza Schahs[21] protestiert. Da der junge Schah damals um Wiedergutmachung und Versöhnung mit der Geistlichkeit bemüht war, entschloss er sich dem kranken Borujerdi beste ärztliche Betreuung in Teheran anzubieten. Borujerdi konnte das Angebot nicht abschlagen und so kam es, dass der Schah dem Frischoperierten persönlich einen Besuch abstattete. Diese Geste wurde von der Presse zu einem historischen Augenblick der Versöhnung zwischen Hof und Klerus hochgejubelt. Borujerdi wurde über Nacht berühmt, und somit stand ihm der Weg zur Spitze der schiitischen Geistlichkeit offen. Chomeini war anfangs sein Berater, da jedoch Borujerdi die Ansicht vertrat, dass sich die Geistlichkeit strikt aus der Politik heraushalten sollte, kam es zwangsläufig zum Bruch zwischen den beiden, Borujerdi sprach nicht mehr von Ruholla (Seele Gottes) Chomeini, sondern von der Seele des Satans.

An diesem Beispiel sieht man, dass es zwischen Geistlichen schon immer scharfe Kontroversen gegeben hatte und noch immer gibt. Überdies zeigt sich, dass Chomeini unter den Klerikern keineswegs unumstritten war, und viele erkannten, dass er sich zwar auf Gott berief, aber die Macht meinte.

 

3.3. Mossadeghs Regierung und der CIA-Putsch

Große Erfolge erzielte in den 50er Jahren Mossadeghs Bewegung zur Nationalisierung der Ölindustrie, die sich fest in der Hand der britischen Anglo Iranian Oil Company, die jahrzehntelange das politische Geschehen im Iran beeinflusste, befand.

Mossadeghs Partei war die Nationale Front. Als linke Nationalisten verfolgten sie eine anti-britische Politik, die sie auf Konfrontationskurs mit dem Schah brachte. Ihnen gelang ein großer Sieg bei den Neuwahlen zum Parlament Anfang 1950. Mossadeghs Verbündeter war Ayatollah Kaschani, eine obskure Gestalt, die sich viel mehr der Politik als frommen Gottesdiensten widmete. Als dieser dann Seite an Seite - auch gewählt- mit Mossadegh ins Parlament einzog, wurde dieser Moment als Neuauflage des Bündnisses zwischen Geistlichkeit, bürgerlichen Demokraten und geistlichen Intellektuellen gefeiert.

Am 30.4.51 wurde Mossadegh zum Ministerpräsidenten gewählt. Das wichtigste Gesetz dieses Parlaments war jenes zur Nationalisierung der Ölindustrie, jedoch zog es heftige Proteste von Großbritannien nach sich. Die Briten erreichten zunächst eine einstweilige Verfügung beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Es wurden auch 4000 britische Fallschirmspringer in Kampfausrüstung ins östliche Mittelmeer verlagert. Unbeeindruckt davon zeigte sich Mossadegh. Er beharrte weiter auf dem Standpunkt, dass die britische Ölgesellschaft durch ein Netz von Agenten das Land zu kontrollieren versuchte und dadurch quasi zum Staat im Staat mutierte und das Land wie eine Kolonie ausbeutete. Das Gericht bestätigte Mossadeghs Standpunkt, dass es sich hierbei um eine innerpersische Angelegenheit handle und es folglich hierfür keine Zuständigkeit besäße. Dennoch verschärfte Großbritannien seine Boykottmaßnahmen und bereitete Umsturzpläne für Mossadegh vor.

Zu dieser Zeit kam es dann auch zum Bruch zwischen Kaschani und Mossadegh, als Mossadegh am 21.7.1952 auch die Kontrolle über das bis dahin dem Schah unterstellte Kriegsministerium forderte. Als der Schah seiner Forderung nicht nachkam, reichte Mossadegh sein Rücktrittsgesuch ein, das der Schah mit heimlicher Freude annahm, jedoch ohne die Rechnung mit dem Volk gemacht zu haben. Denn dieses zwang förmlich durch Massendemonstrationen den Schah nach drei Tagen seine Entscheidung zu revidieren. Kaschani, der sich dabei auf die Seite Mossadeghs geschlagen hatte, erhoffte sich nun vom neuen und alten Ministerpräsidenten die Berücksichtigung seiner Wünsche, jedoch vergebens, was ihn veranlasste auf die Seite des Hofes und letztendlich auch die der CIA überzulaufen.

Die USA, die zuvor unter dem Präsidenten Truman jegliche Einmischung in den Iran abgelehnt hatten, entschlossen sich unter dem neuen Präsidenten Eisenhower gegen Mossadegh zu putschen. Die CIA versuchte dabei mit enormen Geldmitteln nicht nur die öffentliche Meinung gegen Mossadegh zu steuern, sondern auch einige Parlamentsabgeordnete gegen ihn aufzubringen, nur für diesen bestimmten Punkt wurden 11.000 Dollar pro Woche bereitgestellt. Man konnte den Schah schließlich in der Nacht vom 15 auf den 16. August 1953 überreden die Dekrete zur Entlassung Mossadeghs und zur Neubildung einer Regierung unter Zahedi zu unterschreiben. Jedoch noch vor der Veröffentlichung der Dekrete wurde dieser Plan publik und Mossadegh konnte dem durch einige Festnahmen zuvorkommen.

Dennoch gaben die USA nicht auf und alsbald versuchte man erneut die Regierung Mossadegh zu stürzen, diesmal mit Hilfe der Geistlichkeit. Man organisierte am 19.8.1953 eine Demonstration gegen ihn, an der vor allem die religiös orientierte Bevölkerung teilnahm. Es kam zu Gefechten zwischen den Demonstranten und regierungstreuen Einheiten, die letztendlich unterlagen. Einen Tag später ergab sich dann auch Mossadegh, und somit kehrte der Schah, der als Vorsichtsmaßnahme nach Rom geflohen war, schließlich zurück.

 

3.4. Der Schah: eine Marionette der USA

Durch die Ereignisse um Mossadegh und den nicht zuletzt dank der USA geglückten Putsch erhielten diese nun quasi als Belohnung die Vorherrschaft über die iranische Politik und Wirtschaft. „Der Sturz Mossadeghs eröffnete den Vereinigten Staaten eine vierzigprozentige Beteiligung an der Ausbeutung des iranischen Öls und die Möglichkeit das Land mit amerikanischen Krediten, Militär- und Geheimdienstberatern und zuletzt des ‚American way of life’ zu prägen und abhängig zu machen. Seit Mitte der fünfziger Jahre durfte im Iran nichts geschehen, was den Interessen der USA widersprach. Der von Amerikas Gnaden zurückgekehrte Schah war bereit, sich für die Verwirklichung dieser Ziele einzusetzen.“[22]

„Für das Finanzjahr 1954 erhielt der Iran insgesamt 127,3 Millionen Dollar, wie der Außenminister Dulles offiziell bekannt gab, wurden dem Iran diese Hilfen gewährt in Anbetracht der günstigen politischen Entwicklungen dort.“[23]

Mit Hilfe der reorganisierten Geheimpolizei wurden zahlreiche Säuberungsaktionen durchgeführt. Jegliche Opposition wurde unterdrückt, alles wurde zensuriert. Die Gewerkschaften, die Nationale Front sowie andere Parteien wurden verboten. Mossadegh und die Mitglieder seiner Regierung wurden ins Gefängnis geworfen.

 

3.5. Chomeinis Aufstieg zum Großayatollah

Chomeini hatte freilich den Putsch gegen Mossadegh, der hart gegen die Mullahs vorging, unterstützt. Weil der Schah und Mossadegh schwach zu sein schienen, schickte Chomeini Monate vor dem eigentlichen Ende der Regierung Mossadeghs einige junge Mullahs zu Ayatollah Borujerdi, um ihm die Ideen eines Islamischen Gottesstaates näher zu bringen. Der Ayatollah wusste wohl, dass Chomeini Drahtzieher dieser Aktion war. „ ‚Wir wären hundertmal größere Verbrecher als die, die jetzt an der Macht sind,’ sagte Borujerdi. ‚Verschwindet und schlagt euch diese Ideen aus dem Kopf!’“[24] Daraufhin wurde ihm klar, dass er gegen diesen gefährlich erscheinenden Mann Maßnahmen ergreifen musste. Also beschloss er, ihm die Lehrtätigkeit an der theologischen Schule in Ghom zu unterbinden. Diese Maßnahme traf Chomeini sehr hart, doch er gelangte zu der Einsicht, dass er vorerst seine politischen Ambitionen zurückstellen musste, um weiter in der islamischen Mystik zu forschen, um die höchste Stufe zu erreichen. Dieser Rückzug verwunderte viele in religiösen Kreisen, wo er einen hohen Bekanntheitsgrad genoss. Bis zum Tod Borujerdis im März 1961 blieb er wirklich der theologischen Schule fern.

Nach dem Tod des Ayatollah liebäugelte Chomeini, der nun ein entsprechendes Alter erreicht hatte, mit der Nachfolge. Hierbei kam ihm die Einführung des Frauenwahlrechts, was in Ghom als pure Provokation angesehen wurde, ganz recht. Er übernahm die Initiative und erzwang mit einigen scharfen Protesttelegrammen die öffentliche Rücknahme dieses Beschlusses vom Schah (zunächst weigerte sich der Schah öffentlich diese Rücknahme bekannt zu geben, doch in Anbetracht der drohenden Eskalation der Lage in Ghom gab er schließlich doch nach). Damit war Chomeini nun der mächtigste Großayatollah in Ghom, und die Anzahl seiner Befürworter stieg sprunghaft an.

 

3.5. Die Weiße Revolution und laizistische Maßnahmen

Nicht zuletzt auf verstärktem Druck der USA, die direkten Einfluss auf den Schah ausübten, entschloss sich dieser zu einer ‚Weißen Revolution’, „eine friedliche, unblutige und von oben gesteuerte Umwälzung der ökonomischen und sozialen Verhältnisse“[25]. „Der Schah hat die Mullahs einzuschüchtern versucht. Er hat ihnen den größten Teil ihrer riesigen Ländereien weggenommen. (. . .). Er versuchte die Frauenemanzipation als Rammbock gegen die weit verbreitete Bigotterie des Klerus auszunutzen.“[26] Der Kern dieser Reform war eine, wenn auch halbherzige Bodenreform, bei der der Staat den Großgrundbesitzern, die dadurch in Landkapitalisten und Großindustrielle umgewandelt werden sollten, einiges an Land - natürlich gegen eine Entschädigung - wegnahm. Ziel war es auch den persischen Wirtschaftsraum für ausländisches Kapital und Waren zu öffnen. Am meisten litten die kleinen Bauern, die durch Bildung großer Plantagen zunehmend unter Druck gerieten. Vielen „Kleinen“ blieb kein Ausweg mehr, als in der Stadt ihr Glück zu versuchen, jedoch herrschte in den Städten akuter Arbeitsplatzmangel, und so entstanden um die großen Städte Slums.

Der Schah legte die Weiße Revolution zum Volksentscheid vor, auf höchst fragwürdige Weise kam eine Zustimmung von 98% zustande, somit konnte die Weiße Revolution zu Beginn des Jahres 1963 in Kraft treten.

Zwei Tage vor dem Referendum entschloss sich der Schah, der dem großen Einfluss des Klerus schon einmal nachgegeben hatte[27], in die Offensive zu gehen. Der Laizismus, den der Schah verfolgte, war die Maßnahme, die am meisten Unmut bei den Mullahs hervorrief. Er hielt eine für die Mullahs vernichtende Rede in Ghom, in der Hochburg der Geistlichkeit, in direkter Nachbarschaft zu den Mullahs. „ ‚Niemand kann behaupten Gott näher zu stehen als ich,’ sagte er. ‚Es gibt immer Leute, deren Starrsinn durch nichts zu bewegen ist. Diese versuchen uns Steine in den Weg zu legen... Die schwarze Reaktion (Anmerkung d. Autors: die des Klerus) ist unfähig, die einfachsten Gedanken zu begreifen. Bereits seit tausend Jahren ist das Denken dieser Leite erstarrt. Sie glauben, das Leben bestehe lediglich darin, durch Unterdrückung oder Schmarotzerdasein Hab und Gut zu erlangen, sich die Bäuche vollzustopfen und sich schlafen zu legen... Aber ich sage euch, die Zeit des Schmarotzertums ist endgültig vorbei. Durch das Sechs-Punkte-Programm ist jeder, gleichgültig welcher sozialen Schicht er angehört, aufgerufen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen (. . .) Wer aber leistet diesem Programm Widerstand? Es ist die schwarze Reaktion, Leute, die nicht denken können und listige Absichten haben.’ “[28]

 

3.6. Die Verbannung Chomeinis

Natürlich schockierte diese Rede die Geistlichkeit enorm, und in ihrer Hilflosigkeit erklärten sie den Tag des traditionellen persischen Neujahrsfest (Noruz-Fest) zu einem Trauertag. Jedoch weigerte sich vor allem die städtische Bevölkerung, die ohnehin den Mullahs kritisch gegenüberstand (die meisten Mullahs waren ihrer Ansicht nach tatsächlich Schmarotzer), der Aufforderung zu folgen.

Am 2. Noruztag entschloss sich dann der Schah die theologischen Schulen in Ghom, die Feyzieh, stürmen zu lassen und jeden Mullah, der den Einheiten über den Weg lief, zu verprügeln. Dabei starb ein junger Student, deshalb fiel die Kritik der Mullahs bei dieser Aktion noch härter aus, jedoch unberührt davon führte der Schah nun auch den Wehrdienst für die bis dahin davon befreiten Mullahs ein.

Der islamische Trauermonat Moharram kam Chomeini gelegen, um zum ultimativen Gegenschlag auszuholen. Der vierte Kalif nach dem Tod des Propheten war Ali, jedoch konnte Ali nur fünf Jahre lang „im mesopotamischen Kufa einer Glaubensgemeinschaft vorstehen, die in der Vorstellung der Schiiten von fast ebenso perfekter Heiligkeit überstrahlt war, wie die Versammlung der Gefährten Mohammads, der Ansar, in Medina.“[29] Ali, der die Tochter des Propheten geheiratet hatte, wurde von einem entfernten Verwandten des Propheten, der daraufhin die Dynastie der Omayyaden gründete, ermordet. Auch seine beiden Söhne fielen diesen Leuten zum Opfer. Vor allem Imam Hossein und seine 27 gläubigen Krieger wurden - nach schiitischer Darstellung - am 9. (tasua) und 10. (aschura) des Moharram im Jahre 680 n.Chr. in der Schlacht bei Karbala auf grauenhafte und brutale Weise ermordet. „Dieses Martyrium bildet den eigentlichen Ausgangspunkt der schiitischen Märtyrerideologie, den Schmerzenskult, der im Schiismus seit dieser Zeit gepflegt wird. Hosseins Märtyrertod ist ein Symbol für die Opferbereitschaft gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei, die selbstlose Hingabe für den Glauben, gleichzeitig der sichere Zugang zum Paradies. Dieses Opfertgangs wird jedes Jahr überall im Iran gedacht.“[30]

Und genau am 10. Moharram im Juni 1963 organisierte Chomeini mehrere Demonstrationen im ganzen Land, er selbst trat trotz einer schriftlichen Warnung des Schahs in der Feyzieh-Schule in Ghom auf. Tausende Gläubige hatten sich versammelt, um seiner anschließenden scharfen Rede gegen den Schah zu lauschen. „Diese Rede war die schärfste und provokativste, die je in der iranischen Geschichte gegen einen herrschenden Potentaten gehalten wurde. Noch nie hatte es jemand gewagt, sich so unverblümt, so aggressiv öffentlich gegen den Schah zu äußern. Innerhalb weniger Stunden erfuhr das ganze Land die unglaubliche Nachricht.“[31] Man fragte sich, wer dieser mutige Mann sei, und über Nacht wurde Chomeini zu einem Idol. „Die Menge sah nun in Chomeini das Symbol des Widerstandes. (. . .) man spürte seine Entschlossenheit, seinen eisernen Willen. Die Zuschauer bewunderten ihn.“[32]

Die folgende Nacht war durch viele Unruhen, vor allem in Ghom und Teheran, gekennzeichnet. Man demonstrierte für Chomeini, es kam zu vielen Festnahmen. Chomeinis Haus wurde in einer Nacht- und Nebelaktion von Soldaten des Schahs umzingelt. Chomeini selbst wurde festgenommen und in Untersuchungshaft geschickt. Jedoch erzielte diese Aktion überhaupt nicht die erwünschte Wirkung, im Gegenteil, jeder Tag im Gefängnis steigerte seine Popularität. Dies war auch den anderen Großayatollahs in Ghom ein Dorn im Auge, da sie durch das Stärkerwerden Chomeinis um ihren eigenen Status fürchten mussten. Der einzige Weg Chomeini freizubekommen war, in einer öffentliche Erklärung der Großayatollahs ihn als marja-e-taghlid (‚Quelle der Nachahmung’) anzuerkennen. Denn in dieser Position würde er volle Immunität genießen. Obwohl sich zwei Ayatollahs weigerten die Erklärung zu unterschreiben, wurde dieser Akt durchgeführt. Dem Schah, dem die ansteigende Popularität des Ayatollahs nicht entgangen war, kam diese Erklärung mehr oder minder recht und so kam Chomeini bald ohne offizielle Bekanntgabe frei. In einer kleinen Zeitungsnotiz gab der Geheimdienst SAVAK jedoch bekannt, dass jener unter der Prämisse, dass er sich nicht mehr in politische Angelegenheiten einmischen dürfe, aus der Haft entlassen worden war.

Chomeini wurde zunächst in Teheran unter Aufsicht gestellt und durfte die Stadt einige Monate nicht verlassen. Als er schließlich nach Ghom zurückkehren konnte, wurde er jubelnd empfangen.

Das Parlament beschloss im Oktober 1964 ein höchst umstrittenes Gesetz, das für amerikanische Militärs im Iran volle juristische Immunität garantierte. Chomeini wusste diese Situation zu nutzen, denn er sprach den ausgeprägten Nationalismus eines jeden Iraners an. Die Iraner hatten schon damals jede ausländischen Einmischung missbilligt, so war es ja auch zur Unterstützung Mossadeghs gekommen. Viele waren überzeugt, dass den Amerikanern im Iran vom Staat zu hohe Gehälter gezahlt wurden, und gerade die amerikanischen Militärs, die die normale Bevölkerung zu oft wie Menschen zweiter Klasse behandelten, waren natürlich sehr verhasst.

Daraufhin hielt Chomeini vor den Massen eine historische Rede: „ ‚Diese Regierung hat uns verkauft, sie hat unser Land verkauft und diesen Verrat auch noch gefeiert. (. . .) ein Iraner wird minder bewertet als ein amerikanischer Hund.’ “[33]

Chomeini bezichtigte das Parlament, die Regierung und nicht zuletzt den Schah des Hochverrates und forderte die Massen auf, sich aktiv am Aufstand zu beteiligen. Es war quasi ein Aufruf zum Heiligen Krieg, ausgesprochen von einem marja-e-taghlid, dessen Wort großes Gewicht hatte. Noch in der Nacht wurde Chomeini abermals verhaftet, diesmal fackelte der Schah nicht lange herum sondern schickte ihn noch vor dem Sonnenaufgang am 4.11.1964 mit einem Flugzeug ins Exil in die Türkei. Die Reaktionen auf die Verhaftung fielen nach einer kleinen Pressemitteilung nicht sehr heftig aus. Der Schah wählte die Türkei als Exilland aus, „weil dort der sunnitische Klerus dem schiitischen Chomeini feindlich war und weil zudem in der Türkei seit der Trennung von Religion und Staat der Klerus politisch machtlos ist.“[34]

Also lebte Chomeini nun sehr einsam in der Türkei und wurde depressiv, er glaubte an seinen baldigen Tod. Weil sein ältester Sohn Mustafa ihm selbst am ähnlichsten von all seinen Kindern war, bestand zwischen den beiden mehr als nur das traditionelle Vater-Sohn Verhältnis. Mustafa wurde auch in die Türkei verbannt. Gemeinsam wechselten sie, als man nach einem Jahr ihrem Wunsch nachgekommen war, das Exilland und reisten in den Irak. In Najaf, der schiitischen Hochburg Iraks, ließen sie sich nieder, dort lebte der verarmte Chomeini in einer Gebetsstube im hinteren Teil eines kleinen Hauses. Da er sich in jener Zeit - wie aus Berichten des SAVAK - völlig aus der Politik heraushielt, hatte er viel Zeit zum Nachdenken. Auch ein Grund für seine Einsamkeit war die Tatsache, dass er von den Geistlichen nicht wirklich anerkannt wurde. Er galt als Unruhestifter.

 

3.7. Die weitere Entwicklung nach der Verbannung Chomeinis

Unterdessen feierte der Schah, der sich nun auch ‚Licht der Arier’ nannte, sich selbst. Prunkvolle teure Feste veranstaltete er mit dem durch Ölgeschäfte erwirtschafteten Geld, reine Verschwendung, wenn man bedenkt, dass ein beträchtlicher Teil seiner Untertanen am Hungertuch nagte. Er setzte auf Pseudonationalisierung, indem er sich selbst als Nachfolger der alten Perserkönige Kyros und Xerxes darstellte. Der Gipfel dieser Selbstherrlichkeit war mit seiner Krönung am 26.10.1967 erreicht.

Inzwischen entstanden zwei Welten: Bei der so genannten ‚High-Society’ wurde die iranische Kultur, sozusagen die eigene Herkunft verdrängt. Auf vornehmen Abendveranstaltungen wurde kein Persisch gesprochen sondern Französisch, iranische Bräuche galten als primitiv, Kleidung und Schuhe aus dem eigenen Land galt als provinziell. Die Kinder, die keine persischen Namen trugen, sondern Jack, John, Ann oder Frank hießen, lernten ihre eigentliche Muttersprache als zweite Fremdsprache. Diese Scheinwelt der importierten Kultur, die den ‚abendländischen Orientalen’ hervorbringen sollte, drohte die eigene Kultur zu zerstören und Selbstaufgabe und Entfremdung hervorzubringen. Die meisten, die Glück hatten, in der Stadt Arbeit zu finden, wollten nun auch europäisch sein. „Da er (Anm. d. Autors: der Ländliche, der in die Stadt eingewandert ist) aber zu europäischem Geist und Lebensverständnis keinen Zugang finden konnte, (. . .) dokumentierte er seinen Sinneswandel durch die Ablehnung der eigenen kulturellen und religiösen Herkunft, die bis dahin sein Leben geleitet hatte. Darin kam das Bild der neuen Wirklichkeit hilfreich entgegen, vermochte ihm allerdings nichts Gleichwertiges geben. Stattdessen lieferten sie Surrogate. Diese rissen ihn buchstäblich aus dem Boden, in dem er wurzelte. Er schwebte im leeren Raum, wollte sich an den Bildern festhalten, sie aber lieferten ihm keine Zufriedenheit, kein Selbstbewusstsein, keine Identität.“[35]

Verschärft wurde die ganze Lage noch durch Korruption, Willkür der politischen Macht, Fehlen bürgerlicher Freiheiten sowie eine katastrophale soziale und ökonomische Entwicklung.


 

4. Die Islamische Revolution Im Iran

4.1. Erste schwerere Proteste

1971 war der Auftakt zu einem langjährigen Guerillakampf, der von der kommunistischen Volksfedayin und der islamisch orientierten Volksmojahedin geführt wurde. Es folgten einige Attentate auf iranische Politiker und amerikanische Militärberater sowie Anschläge auf militärische und geheimdienstliche Einrichtungen. Eine wirkliche Gefahr stellten diese Aktionen für den Schah nicht dar, aber „es zeigte zumindest, dass es doch die Möglichkeit des Widerstandes gab“[36]. Märtyrer wurden geschaffen, und nicht zuletzt dank der Konföderation Iranischer Stunden (CIS/NU) im Ausland wurden die Berichte über Folterungen und Erschießungen in Gefängnissen im Ausland publik, was zu verstärkter Kritik am Schah führte.

Weitere Unruhen wurden durch einen offenen Brief des Schriftstellerverbandes vom 13.7.1977, in dem mit einem scharfen Ton die Kultur und Pressepolitik der Regierung kritisiert wurde, ausgelöst.

Dieser Brief ermutigte andere ihre Stimme zu erheben, jeder war schließlich von der Allmacht des Staates betroffen. Eine Forderung, die von fast allen Schichten getragen wurde, war der Wunsch nach Dezentralisierung. Auch die Basaris, denen es wirtschaftlich sicher nicht schlecht ging, forderten nun mehr politisches Mitspracherecht. „Die iranischen Nationalitäten (Kurden, Araber, Azarbaijanis, Turkmenen, Belutschen) forderten politische Autonomie. Arbeiter strebten nach Gründung freier Gewerkschaften, Bauern nach selbständigen Interessensvertretungen, Studenten, Professoren, Schüler, und Lehrer verlangten Freiheit der Lehre und Forschung. Schriftsteller, Künstler, Verleger, Journalisten wünschten die Aufhebung der Zensur. Selbst höhere Staatsbeamte, Minister und Staatssekretäre hatten es allmählich satt unselbständig und gehorsame Ausführende des Befehle Seiner Majestät zu sein.“[37] Nach weiteren Demonstrationen gegen den Schah verlor er anscheinend auch den vollen Rückhalt der USA. Aber deren Präsident Carter reiste zu Silvester 1977 in den Iran, um dem Schah demonstrativ den Rücken zu stärken.

 

4.2. Der Pfauenthron kommt ins Wanken

Als am 23. Oktober 1977 Chomeinis Sohn Mustafa im Exil bei seinem Vater starb, wurde ein Märtyrer geschaffen. Überall im Land organisierte die Opposition jeglicher Schattierung spontan Trauerfeiern, denn der plötzliche Tod kam so überraschend, dass man den Geheimdienst SAVAK dafür verantwortlich machte. In Wahrheit war Mustafa seine Dickleibigkeit zum Verhängnis geworden, er starb an einem Herzinfarkt. Chomeini, der seine politischen Ambitionen fast vollständig aufgegeben hatte, spürte, dass er noch einmal die Chance hatte, nach der Macht zu greifen, also sendete er eine Botschaft mit einer deutlichen Forderung nach einem Islamischen Gottesstaat in die Heimat. Obwohl diese Botschaft nicht sehr ernst genommen wurde, spürte man doch, dass Chomeini wieder auferstanden war.

Daraufhin erschien am 7.1.1978 in einer großen Tageszeitung eine Schmähschrift gegen Chomeini, deren Auswirkungen für den Schah verheerend waren. Dieser Artikel wurde nämlich zum Anlass einer Massendemonstration Zehntausender in Ghom, die jene Schrift auch als Angriff gegen die Geistlichkeit sahen. Der Schah - überrascht von den Folgen des von ihm in Auftrag gegebenen Artikels - entschloss sich eisern durchzugreifen und ließ in die Menge schießen, die Angaben über die Toten schwanken zwischen 7 und 200. Nach islamischem Brauch wird den Toten am 7. und 40. Tag nach dem Todestag gedacht, und somit folgten am 40. Tag nach den Erschießungen in Ghom im ganzen Land zu Massendemonstrationen, von denen die größte in Tabriz stattfand, wo rund 50000 Menschen zwei Tage lang durch die Straßen zogen und Regierungsgebäude der einzig zugelassenen Partei des Schahs in Brand steckten. Man konnte das erste Mal von einem Massenaufstand sprechen. Mit den immer radikaler werdenden Demonstranten solidarisierten sich nun auch Arbeiter, Postbeamte und Briefträger, indem sie streikten, dazu kamen auch noch Hungerstreiks in den Gefängnissen.

„Kaum jemand hatte an diese in den Massen schlummernde Vitalität geglaubt. Es war der Islam, der Schiismus, der sie trug.“[38]

Am 4.9.1978, am Tag des Eide Fetr, dem größten islamischen Fest am Ende des Fastenmonats Ramadan, fand die größte Demonstration in der Geschichte des Irans statt. Der friedliche Demonstrationszug, der sich mit rund einer Million Menschen über 30 Kilometer erstreckte, hatte einen festlichen Charakter.[39]

„All die Zugeständnisse, die Öffnung des politischen Freiraums, das Versprechen, im nächsten Jahr freie Wahlen abzuhalten, hatten keineswegs zur Beruhigung der Aufständischen geführt.“[40]

„Keiner wollte glauben, dass sich die Bevölkerung aus eigenem Antrieb erhoben hatte. Und gerade die Vermutung, dass die Bewegung von ausländischen Geheimdiensten, vor allem vom CIA initiiert worden war, lähmte den Willen der Regierenden. Das Regime schien völlig unfähig eine klare Strategie zu entwerfen und durchzusetzen. Diese Unentschiedenheit machte die Regierung bei der Bevölkerung völlig unglaubwürdig, weder Drohungen noch die Versöhnungsangebote wurden ernst genommen.“[41]

Der Schah kündigte bei einer Rede freie Wahlen an, wenig später wurden auch 711 Gefangene freigelassen. Eine Regierung mit einem Ministerpräsidenten namens Scharif Emami, einem engen Vertrauten des Hofes, der in der Bevölkerung als einer der korruptesten Politiker galt, wurde ernannt. Von ihr wurde die Achtung der islamischen Grundsätze versprochen, Nachtlokale und Spielcasinos wurden geschlossen, und die islamische Zeitrechnung wurde wieder eingeführt, jedoch trugen diese Maßnahmen nichts zur Veränderung der Lage bei.

Nach der Ausrufung des Ausnahmezustand in 12 Städten, darunter auch in der Hauptstadt Teheran, kam es dort am 8.9.1978 zu einer Massendemonstration bei der Parolen wie ‚Tod dem Schah’ skandiert wurden. Soldaten mit ausdrücklichem Schießbefehl und Kampfhubschrauber sorgten an diesem ‚blutigen Freitag’ für den Tod von mindestens 300 Menschen, unter den Demonstranten nicht wenige Frauen und Kinder.

Diese Demonstration veranlasste die andern Großayatollahs, die auch wegen Chomeinis alleinigen Anspruchs auf die Macht besorgt waren, zu einer Botschaft an Chomeini. Sie forderten ihn auf die Massen nicht so aufzuhetzen, damit kein weiteres Blut mehr fließe. Von Najaf aus hatte er nämlich radikale Reden verfasst, die - mittels Tonband oder auf Papier gedruckt bis ins kleinste Dorf vorgedrungen - anscheinend den Massen aus der Seele sprachen. Er hatte sich einer sehr einfachen Umgangsprache bedient. Trotz seiner Bildung als Schriftgelehrter hatte er sich nicht geniert bewusst fehlerhaft zu sprechen bzw. zu schreiben.

 

4.3. Chomeini in Paris

Dem Schah wurde Chomeini immer gefährlicher, und deshalb veranlasste er seine Verbannung aus dem Irak, mit dem der Iran sich 1975 in Algier darauf geeinigt hatte, dass feindliche Aktivitäten vom eigenen Land gegen das Nachbarland zu verhindern seien. Nachdem man Chomeini in Kuwait die Einreise verweigert hatte, landete seine Maschine am 16.10.1978 in Paris, wo er von nun an in dem kleinen Vorort Neauphle-le-Château im Exil lebte. Paris war nicht unumstritten, galt diese Stadt doch unter den streng Konservativen im Islam als Mittelpunkt der Sünde und des Verderbens. Durch die vielen Journalisten im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit konnte Chomeini seine Botschaften leichter verbreiten, diese Tatsache hatte letztendlich den Ausschlag für diese Stadt gegeben.

Auch zahlreiche Auslandsiraner pilgerten zu Chomeini. „Die Mehrzahl von ihnen - obwohl sie der iranischen Bourgeoisie angehörten und ihre Familien vom Schah-Regime meist Nutzen gezogen hatten - verkrampften sich seit Jahren in tödlicher Feindschaft zu Mohammad Reza Pahlawi (. . .) Sie erschöpften sich in zahllosen Revolutionsklüngeln und suchten vergeblich nach dem einigenden Fanal, das ihnen den Weg zum Systemwechsel in Teheran weisen konnte. Viele dieser Verschwörer stammen aus einem streng religiösen islamischen Elternhaus.“[42] Hinter dem Ayatollah stand „eine kleine Gruppe im Westen ausgebildeter, aber in der schiitischen Überzeugung gefestigter Männer.“[43] „Er war in Neauphle-le-Château von einem ganzen Gefolge bärtiger Mullahs, von einer Vielzahl weißer und schwarzer Turbane umgeben.“ [44]

Die erfolgreichste ‚Einsatzgruppe’ Chomeinis waren die westlichen Journalisten, auch die zahlreichen Tonbänder eigneten sich hervorragend für die Verbreitung seiner Ideen. Mittels ausländischer Radiostationen (BBC, über die der Volksaufstand koordiniert wurde, Deutsche Welle usw.), die auf den Iran gerichtet täglich ein bis zwei Stunden auch in persischer Sprache sendeten, konnte Chomeini seine Botschaften ans Volk bringen.

Inzwischen wusste man, dass es ohne Chomeinis Zustimmung keine Lösung mehr geben würde, die Bemühungen um eine Übergangsregierung mit seiner Beteiligung scheiterten. Denn was er wollte, war die totale Abschaffung der Monarchie, um dieses Ziel zu erreichen war ihm kein Opfer zu wertvoll, auch Unverständnis bei manch gemäßigten Geistlichen beeindruckte ihn kaum.

Aber nicht nur seine Radikalität sondern auch seine Versprechungen, die er von seinem Exil aus machte, trugen dazu bei, dass er als der einzige Führer der Revolution angesehen wurde. Er versprach Rede- und Meinungsfreiheit als „einem der elementarsten Menschenrechte. (. . .) Den politischen Parteien und Organisationen versprach er völlige Handlungsfreiheit, fügte allerdings die Einschränkung hinzu: ‚Mit Ausnahme derjenigen, die Verrat ausüben.’“[45] Er sprach sich gegen eine Zensurierung der Medien aus, die dem Volk gehören sollten. Auch sprach er von Freiheit des Glaubens. Ja, er wollte sogar die völlige Gleichstellung zwischen Mann und Frau garantieren: „’Wir versichern, dass in unserer künftigen Republik alle Frauen in der Wahl ihres Berufes, ihrem Verhalten und selbstverständlich auch in der Wahl ihrer Kleidung völlig frei sein werden.’“[46]

Jedoch kannten die meisten seine wahren machthungrigen Absichten nicht, viele Versprechungen waren Lügen, sie wurden noch oft genug gebrochen. „Aber es bleibt die Frage, weshalb auch viele, die mit seinem Denken vertraut waren und seine Schriften gelesen hatten, ihm gefolgt sind.“[47] Auch diese, wie sie später berichten sollten, hatten an eine Veränderung Chomeinis geglaubt, in Wahrheit täuschte er jene nur exzellent vor.

Viele Iraner sahen in ihm auch den Mann, der ihnen die wahre iranische Identität zu versprechen schien. Alles in allem war er eine beeindruckende Gestalt, nicht zuletzt auch wegen seiner würdevollen Erscheinung.

Langsam hielten es auch manche für möglich, dass er es war, der mysteriöse 12. Imam Mehdi. Die 12 schiitischen Imame waren alle direkte Nachkommen des Martyrers Ali[48], angeblich starben sie alle eine gewaltsamen Tod durch die Sunniten. Am Ende dieser Reihe stand der besagte Imam Mehdi, ein Kind, das 874 in einem unterirdischen Gewölbe der Stadt Samarra verschwunden war. Dem schiitischen Glauben zu Folge lebt er dort weiter, um eines Tages wieder herauszukommen um das Reich Gottes auf Erden zu gründen. „Bis dahin verkörpert der verborgene Imam die mystische Herrschaft, die oberste Richtschnur. Nur in seinem Namen darf regiert, darf die Lehre des Propheten ausgelegt, darf Recht gesprochen werden.“[49]

 

 

4.4. Begeisterung bei westlichen Intellektuellen für Chomeini

Faszinierend wirkte Chomeini auf viele westliche Intellektuelle, weil er bei den „von Fortschritt und Rationalismus geplagten Europäern unbekannte Sehnsüchte“ auslöste. „Er verkörperte die Irrationalität, das Mystisch Religiöse, stellte die von Europa hervorgebrachten Errungenschaften in Frage, prangerte die Aufklärung an, die eiserne Logik des Fortschritts, den immer schneller erfolgenden Austausch des Alten gegen das Neue, das Moderne. Auf kritische europäische Intellektuelle musste diese Kampfansage faszinierend wirken, stellt sie doch neue Perspektiven in Aussicht, eine Veränderung oder Relativierung der von Europa geprägten Lebensvorstellungen.“[50] Als Gegenpol zu dem verschwendungssüchtigen, diktatorischen und teilweise auch nicht skrupellosen Schah erlangte Khomeini Charisma durch seine Bescheidenheit und Frömmigkeit. Nicht nur in Paris lebte er in einer kleinen Hütte mit dem Allernötigsten und betete - wie es sich für einen Moslem gehörte - mehrmals täglich, sondern auch in seinen früheren und späteren Stationen lebte er in Askese. Das viele Geld (so viel hatte ein Geistlicher noch nie angehäuft), das ihm viele Pilger in Paris schenkten, verschwendete er nicht für Luxus, sondern schickte es den Streikenden in der Heimat. All seine Verheißungen waren nur Mittel zum Zweck, nämlich die absolute Macht zu erlangen. Ganz im Stile der Machiavellieschen Philosophie meinte er selbstbewusst: ‚Was gestern noch richtig war, kann heute schon falsch sein.’ Damit begründete er all seine gebrochenen Versprechen und Lügen.

Er erweckte Hoffnungen, die er nicht erfüllen konnte, weil seine Botschaften aus der Zeit des Propheten Mohammad stammend vierzehnhundert Jahre alt waren.

 

4.5. Die letzten Monate des Schahs

Mit dem Streik der Ölarbeiter Ende Oktober und der daraus resultierenden Lähmung der ganzen Wirtschaft stürzte die Regierung in eine tiefe finanzielle Krise und die ganze Welt in einen Ölschock.

Nach einem heftigen Streit im Amerikanischen Sicherheitsrat wurde ein Kompromissvorschlag über das weitere Vorgehen im Iran gefasst. Wie schon erwähnt gab es große Unstimmigkeiten, weil der amerikanische Botschafter Sullivan im Iran sich für die Aufgabe des Schahs und die Installation einer gemischten Koalition stark machte, wogegen Sicherheitsberater Brzezinski sich für eine Militärregierung aussprach. Letztgenannter informierte schließlich den Schah per Telefon über die Entscheidung, dass man ihn auf jeden Fall unterstützen werde, was auch immer er anstrebte. Dabei wurde jedoch dem Schah klar, dass auch bei seinen stärksten Verbündeten in Washington keine Einigkeit herrschte. Schließlich rang er sich Anfang November doch zu dem Entschluss durch, eine Militärregierung einzuberufen. Bei der anschließenden Rede im Rundfunk bat er vor allem die religiösen Führer des Landes, als - wie er sie nannte - Verteidiger des Islams und Schiismus, um Hilfe die Massen wieder zu beruhigen. Dabei beteuerte er auch die Botschaft der Revolution vernommen zu haben und demokratische Verhältnisse herzustellen.

Prompt folgte die unversöhnliche Reaktion des Ayatollahs in Paris, der Folgendes in einem CBS interview sagte: „’Für diese Versprechungen ist es zu spät (. . .) Ihr dürft dem Schah keine Zeit mehr geben. Drückt ihm solange die Gurgel zu, bis er erstickt.’“[51]

In den Ministerien und Ämtern wurde der Aufruf zum Generalstreik fast vollständig befolgt, der Luftverkehr kam durch Streiks zum Erliegen, Banken mussten ihre Zweigstellen schließen. Nach der Wiedereinführung der Pressezensur streikten nun auch die Zeitungen, die Mitarbeiter des Rundfunks schlossen sich dem an und produzierten keine Nachrichtensendungen mehr, zu den entsprechenden Sendezeiten fiel einfach immer der Strom aus, das war der Beitrag der Angestellten der Elektrizitätswerke.

Der Schah - nicht nur auf Grund der Streiks so schwach, dass er nicht einmal auf diese Rüge Chomeinis reagierte - zeigte sich kompromissbereit, und mit der Befürchtung, dass der Massenaufstand außer Kontrolle geraten könnte, konnte er sich über ein Entgegenkommen Oppositioneller freuen - eine Ausnahme bildete wieder einmal Chomeini, der sogleich die Militärregierung für illegal erklärte. Diese versuchte mit einer nächtlichen Ausgangssperre und dem Verbot aller Versammlungen und Trauerprozessionen eine Entspannung der Lage herbeizuführen. Diese Maßnahme hatte zur Folge, dass fast jeder Iraner auf die Dächer seines Hauses ging und Allah’o Akbar (Allah ist mächtig) bis in den Morgen rief. Da nach dem täglichen Abschalten des Stromes totale Finsternis herrschte, konnten die Soldaten auch nur ziellos in der Gegend herumballern, in den Tagen war es jedoch wieder ruhig.[52]

Am Höhepunkt (9. Tag) des islamischen Trauermonats[53] fand eine gemeinsame Demonstration, die erst wenige Stunden zuvor genehmigt worden war, statt. Dabei bewiesen insgesamt drei Millionen Demonstranten aus dem Lager der geistlichen Opposition und der bürgerlichen und gemäßigten Opposition, dass der Schah über keinerlei Macht mehr verfügte. Am 10. Tag des Trauermonats wiederholte man die Demonstration, es wurde eine 17 Punkte umfassende Erklärung verlesen, in der zum ersten Mal die Gründung der Islamischen Republik gefordert wurde. Die nicht-geistliche Opposition war über die Vorlesung schockiert, man stimmte dem natürlich nicht zu, doch „anstatt sich zu distanzieren fügten sie sich in der Hoffnung, die Mullahs seien nicht in der Lage das Land zu regieren und müssten früher oder später ihnen die Macht überlassen.“[54] Eines zeigten diese Demonstrationen aber gewiss, Chomeinis radikaler Kurs hatte Erfolg, die Massen sahen in Chomeini den alleinigen Führer der Revolution.

Fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens waren schon durch Streiks außer Kraft gesetzt, jedoch noch nicht die Armee. Obwohl die meisten Soldaten im Ausland ausgebildet worden waren und der Ablauf in den Kasernen die Ausübung ihrer religiösen Pflichten erschwerte, hatte dies noch lange nicht zur Folge, dass sie keine gläubigen Muslime waren. Nicht zu unterschätzen war auch der enorme psychische Druck, unter dem sie standen. Sie mussten bewaffnet am Straßenrand stehen, während ihre Familienangehörigen, die sie zuhause aufforderten nicht mehr dem Schah zu gehorchen, auch unter den Demonstranten waren. Nachdem allmählich bei der Armee spürbare Spannungen ans Tageslicht traten, entschloss sich Chomeini die Soldaten aufzufordern sich dem Widerstand anzuschließen, wer sich dem Befehl widersetze, handle gegen den Willen Gottes. Daraufhin kam es zu einem Amoklauf zweier Soldaten der königlichen Leibgarde in einem Offizierskasino, 14 Tote und 38 Verletzte war die Bilanz dieses Warnsignals für den Schah. [55]

 

4.6. Keine klare Linie der USA

Der Schah selbst, dem die USA jahrelang Entscheidungen diktiert hatten, wurde von seinem engsten Verbündeten im Stich gelassen, die USA konnten sich einfach nicht zu einer Stellungnahme durchringen. Der Schah hielt drei Szenarien, die er mittels Botschafter Sullivan der US-Regierung darstellte, für möglich. 1. Bildung einer Koalitionsregierung. 2. Abdankung des Schahs. 3. Militärputsch. „Es war schon erstaunlich, dass die Krise in einem Land, das für die USA so wichtig war wie der Iran, das Weiße Haus und den Präsidenten nicht zu einer klaren Stellungnahme zu bewegen vermochte.“[56] Der Grund dafür waren eben Meinungsverschiedenheiten zwischen Außenminister Vance und dem Sicherheitsberater Brzezinski. Der Außenminister hatte schon ein Telegramm verfasst, in dem ein Militärputsch strikt abgelehnt wurde und dem Schah Bemühungen um die Bildung einer „Übergangsregierung unter der Beteiligung der Opposition (. . .), die den Weg für die Abschaffung der Diktatur ebne“[57] nahegelegt wurden. Allerdings intervenierte der Sicherheitsberater, der dem Schah die volle Unterstützung der USA auf jeden Fall zusichern wollte, erfolgreich und somit wurde dieses Telegramm nie abgeschickt. Anstatt dessen erhielt Sullivan den Auftrag dem Schah folgende nichtssagende Anweisung zu überbringen: Die USA bevorzugen eine Zivilregierung, falls dies jedoch nicht möglich sei, eine Militärregierung unter dem Schah. Naturgemäß wurde diese Anweisung von den Kontrahenten Vance und Brzezinski unterschiedlich interpretiert, weil sie jeweils die Bestätigung ihres Standpunktes darin sahen.

 

4.7. Das Ende der Pahlawi-Dynastie

„Der Schah wurde des Wartens auf eine eindeutige Stellungnahme aus Washington überdrüssig und der Schah bemühte sich um die Bildung einer gemäßigten zivilen Regierung unter Beteiligung oppositioneller Politiker.“[58] Ja, er erklärte sich sogar bereit das Land unter dem Vorwand, einen Urlaub zu machen, für einige Zeit zu verlassen, es sollte überdies ein Kronrat mit Beteiligung von allen gebildet werden. Schwierig gestaltete es sich Politiker zu finden, die ihre Mitarbeit zusagten. Nachdem Chomeini diesem Plan des Schahs, den er ganz von der Bildfläche verschwunden sehen wollte, eine klare Absage erteilt hatte, fürchtete jeder den Zorn Chomeinis und der radikalisierten Massen, die hinter ihm standen. Kein Zweifel, vor ein paar Monaten wäre solch eine Lösung noch sicher möglich gewesen, doch zu lange hatte der Schah an seiner Macht festgehalten, dieser mutige Schritt seinerseits kam viel zu spät. Nichtsdestoweniger gelang es ihm einen Ministerpräsident zu finden, Schapur Bachtiar, führendes Mitglied aus der Nationalen Front, erklärte sich bereit den Retter der Nation zu spielen. Somit wurde er am 31.12.1978 mit der Regierungsbildung beauftragt. Bei seiner Kabinettsvorstellung war die Hälfte der Ministerposten nicht besetzt, auch das ein Zeichen, wie schwer es diese Regierung haben würde. Bei einer wichtigen Rede bekräftigte der Schah, seine Versprechen betreffend der Lösung der politischen Probleme einzulösen, überdies räumte er ein eine Pause für Ruhe und Erholung zu benötigen. Das Weiße Haus schien nun auch auf den neuen starken Mann und dessen Regierung zu setzen, man wollte die neue Regierung mit dem Rückhalt der Armee stärken, deswegen wurde der US-General Huysers in den Iran geschickt.

Er sollte für den Zusammenhalt der Armee sorgen, und wenn nötig diese auf einen Militärputsch vorbereiten. Die Lage dort war aber desolat, die meisten Generäle wollten mit dem Schah gehen, andere wiederum hatten schon angefangen sich mit der Opposition in Kontakt zu setzen. Kein Zweifel, „die 450000 Mann starke Armee fiel wie ein Kartenhaus auseinander.“[59]

Zum anderen traute man Botschafter Sullivan nicht mehr so recht, deshalb führte Huysers ein Gespräch mit ihm. Der Botschafter - er hatte schon die neue Regierung längst abgeschrieben - war von der Unfähigkeit der Armee überzeugt. Wie sich später herausstellen sollte, hatte er schon sehr erfolgreich mit der Opposition Kontakte aufgenommen.

Am 10.1.1979 erhielt Sullivan den Auftrag den Schah aufzufordern das Land zu verlassen. Man setzte nun voll auf die neue Regierung und drohte Chomeini mit einem Militärputsch, falls dieser Bachtiar keine Chance geben sollte. Chomeini, der - auf den Rückhalt der Bevölkerung bauend - sich ziemlich sicher fühlte, erteilte Bachtiar eine Absage, er meinte, dass das iranische Volk erst mit der Gründung einer Islamischen Republik zufrieden sein werde. Am 12.1. gab Chomeini dann die Gründung des Revolutionsrates bekannt, dessen Aufgabe die Bildung einer provisorischen Regierung und Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung waren. Diese sollte einen zur Volksabstimmung ausgearbeiteten Entwurf fertigen. Dieser Beschluss war kühn, „aber Kühnheit gehörte zu Chomeinis Vorzügen: Während alle anderen dafür plädierten, jetzt endlich Kompromisse einzugehen, die Armee nicht mehr zu reizen, sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben, blieb Chomeini hart.“[60]

Zu Mittag des 16.1.1979 verließ der Schah - schwer gekennzeichnet durch seine Krebserkrankung - das Land mit einer Maschine Richtung Ägypten. Diese Nachricht löste bei der Bevölkerung Begeisterungsstürme aus, ein riesiges Volksfest wurde bis tief in die Nacht gefeiert.


5. Die Islamische Republik Iran

5.1. Chomeinis Rückkehr aus dem Exil

Obwohl die USA den Ayatollah eindringlich vor einer baldigen Rückkehr in den Iran gewarnt hatten, hinderte ihn dieses nicht daran seine Rückreise vorzubereiten. Noch von Paris aus wurde das Parlament für illegal erklärt, nach seinem Aufruf legten zahlreiche Parlamentarier ihre Ämter nieder. Überdies resignierte auch der Vorsitzende des Kronrates vor Chomeinis Autorität und trat zurück um den Kronrat als Institution zu verurteilen.

Inzwischen war Präsident Carter, der die Machtergreifung Chomeinis mit der Androhung eines Militärputsches verhindern wollte, in Washington strikt gegen eine Zusammenarbeit Bachtiars mit Chomeini. Hingegen drängten Sullivan und Huyser auf eine Revision der bisherigen Politik der USA, man solle nun einen Kompromiss zwischen Chomeini und der Regierung anstreben.

Chomeini, der sich zu keinem Kompromiss überreden ließ und ein Treffen mit Bachtiar absagte, kehrte schließlich am 1.2.1979 in den Iran zurück. „Nicht umsonst hatten die islamischen Revolutionäre eine Hundertschaft von Journalisten aus aller Welt an Bord geladen. Die Pressevertreter waren gewissermaßen als Geiseln mitgekommen und boten eine Gewähr gegen eventuelle Versuche gewisser kaisertreuen Elemente, die Ankunft des Ayatollah in Teheran doch noch gewaltsam und tödlich zu vereiteln.“[61] Tatsächlich hatte es diesen Plan - ausgedacht von Bachtiar - gegeben, und Carter signalisierte seine Zustimmung, obwohl Außenminister Vance wegen einer drohenden Eskalation der Lage dagegen war. Jedoch verhinderten die besagten Umstände dieses Vorhaben, das Chomeini selber vielleicht sehr recht gekommen wäre. Sein Märtyrertod „von den Händen gottloser Feinde hätte ihn als Schahid bestätigt, hätte ihn eingereiht in die lange Reihe der heiligen schiitischen Blutzeugen.“[62]

Eine tosende Menschenmenge bereitete ihm am Flughafen einen furiosen Empfang, Chomeini wurde schnurstracks zum Teheraner Stadtfriedhof Beheschte Zahra gebracht, wo er - als Symbol der Achtung für die Märtyrer der Revolution - seine erste Rede hielt. Darin griff er zunächst den Schah heftigst an, um dann die Regierung, die er als illegitim bezeichnete, zum Rücktritt aufzufordern. „Chomeini hatte zwar in Paris mehrmals erklärt, dass er nicht gewillt sei die politische Macht und ein staatliches Amt zu übernehmen, er wolle als geistliche und moralische Instanz dem Volke dienen. Doch das war in Paris. In Teheran stellte der Ayatollah ganz andere Ansprüche. Er verlangte die Macht, die absolute Macht.“[63]

 

5.2. Das Ende der Regierung Bachtiars

Mit der Abreise des US-Generals Huysers war Botschafter Sullivan der einzige Vertreter der USA im Iran. Die Generäle der Armee und Bachtiar warfen ihm Kollaboration mit der Opposition vor und misstrauten ihm, auch seine eigene Regierung misstraute zusehends dem eigenen Botschafter, somit waren die USA in diesen wichtigen Tagen ohne offiziellen Repräsentanten im Iran. De facto machtlos konnten sie nur zusehen wie ihr politisches ‚Ziehland’ sich von seinem ‚Ziehvater’ loslöste.

Chomeini ernannte in diesen Tagen Mehdi Bazargan zum Ministerpräsidenten einer oppositionellen Gegenregierung. Der zum Westen tendierende Bazargan hatte schon damals mit Ayatollah Taleghani, der Mossadegh bis zu seinem Sturz unterstützt hatte, versucht, „gemeinsam mit Vertretern des Bazars und der bürgerlichen Intelligenz einen Konsens zwischen reformiertem Islam und bürgerlich-demokratischen Vorstellungen zu finden.“[64]

Am Abend des 9.2.1979 kam es dann zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Chomeini-Anhängern und -Gegnern in einem Flugzeugstützpunkt nahe Teheran. Zivilisten hörten die Schüsse und versammelten sich vor der Kaserne. Da die Wächter der Waffenlager auch mit Chomeini sympathisierten, wurde das Lager geöffnet, und die Leute bedienten sich der Waffen. Nachdem dann am Morgen danach die Tore der gesamten Kaserne geöffnet werden konnten, strömten viele, die von den Vorgängen letzte Nacht gehört hatten und dann herbeigeeilt waren, hinein und bewaffneten sich auch.

Am 10.2. glich Teheran einem Kriegsschauplatz, in dem totales Chaos herrschte. Bachtiar - fest entschlossen dagegen vorzugehen - waren mit einer meuternden Armee, die sich weigerte Befehle auszuführen, die Hände gebunden. Auch eine Ausgangssperre ab 16.30 konnte die Lage nicht mehr beruhigen, es strömten alle in der Nacht auf die Straßen und blieben die ganze Nacht wach. Am 12.2. erklärte sich schließlich die Armee über Fernsehen als neutral und versicherte sich in die Kasernen zurückzuziehen. Bachtiar blieb nichts anderes übrig als fluchtartig das Land zu verlassen.

Die USA wollten noch retten, was zu retten war, jedoch benötigte General Huysers für die Durchführung eines Militärputsches an die 10 000 Elite-Soldaten sowie den vollen Rückhalt des Volkes, in Anbetracht des zu hohen Preises ließ man diesen Plan letztendlich fallen.

 

5.3. Das Referendum, Grün oder Rot?

„Hätte Chomeini, der von nahezu allen unterstützt wurde, den Wünschen und Bedürfnissen der Bevölkerung nach Freiheit, Demokratie, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und sozialer Gerechtigkeit entsprochen, dann hätte der Iran eine für viele Länder der Dritten Welt beispielhafte Entwicklung einschlagen können. Aber Chomeini hatte anderes im Sinn, er hatte beschlossen, den Gottesstaat auf Erden zu errichten.“[65]

So schnell konnte dieses Vorhaben jedoch nicht realisiert werden, zu viele auch einflussreiche Ayatollahs oder Mullahs hätten diesem Vorhaben nicht zugestimmt, mitunter auch weil Chomeini aus seinem Pariser Exil versprochen hatte, dass kein Mullah ein öffentliches Amt bekleiden würde. Seine Planungen liefen deswegen im Geheimen, mit Schauprozessen und brutalen Hinrichtungen ohne fairen Prozess wurde das Feindbild des Schah-Regimes intakt gehalten. Auch bestand die Gefahr, dass einige Mullahs, die selbst keine weiße Weste hatten, dadurch bloßgestellt würden, deswegen wurde auch Ex-Premierminister Howeida, der einen fairen Prozess mit ausländischer Aufsicht erhalten sollte, am Tag vor dem Prozess in einer Nacht- und Nebelaktion im Gefängnis getötet.

Am 28.2. reiste der Ayatollah erstmals wieder nach Ghom und demonstrierte dort gleich Stärke, indem er vor den ihm zujubelnden Massen ein Rede über seine wahren Absichten hielt. Er trat für eine Säuberung der Medien von Unmoral ein, überdies verlangte er Islamisierung bei der Exekutive, bei der Legislative und Justiz. Er lehnte Demokratie als System des Westens, den er verdammte, ab und sprach sich für den Islamischen Gottesstaat aus, alles in allem eine „eindeutige Kampfansage an die freie Presse, an Nationale, Demokraten, Linke.“[66]

Am 30. März wurde eine Volksabstimmung über die künftige Staatsform abgehalten, in der „Islamische Republik ja oder nein“ gefragt wurde. „Da viele Iraner noch Analphabeten sind (bei Nomaden und auch Halbnomaden begreiflich) war der Wahlmodus simpel, der Wahlzettel war zur Hälfte grün, zur anderen rot; Grün ist die Farbe des Islams, Rot (. . .) die des Schahs.“[67] „Ein Nein zu der Islamischen Republik hätte automatisch ein Ja zur absoluten Macht bedeutet, und das wollte keiner.“[68] Auch waren sich die meisten Iraner über die Substanz einer Islamischen Republik und deren Auswirkungen auf das Volk nicht bewusst. Und so wählten auch viele Arme diese Staatsform und dachten an kostenlose Wohnungen, Wasser und Strom, die Gläubigen dachten ans Paradies. Von der Wahl wurden die Turkmenen ausgeschlossen, Kurden und einige linke Gruppen sowie Intellektuelle boykottierten diese Wahl, mitunter die einscheidenden Faktoren, warum Chomeini mit 20 Millionen Pro-Stimmen zu 140 000 Contra-Stimmen den totalen Triumph einfuhr.

Am 1. April wurde dann der Islamische Gottesstaat ausgerufen.

5.4. Anfänge des staatlichen Terrors

Gestärkt durch das furiose Wahlergebnis arbeitete Chomeini mit den Mullahs klangheimlich am Aufbau seines eigenen Systems mit Gegenrichtungen zu den bestehenden gesellschaftlichen Institutionen. „So entstand neben der Armee die Organisation der Pasdaran (Wächter der Revolution), die Aufgabe der Polizei übernahmen sogenannte Revolutionskomitees. Der gesamte Justizapparat wurde durch die Einrichtung islamischer Revolutionsgerichte lahmgelegt. (. . .) In jedem Ministerium, jeder Fabrik, an Schulen und Universitäten wurden ‚Islamische Räte’ gebildet, die Säuberungen durchführten und ihre Widersacher, ob Schahanhänger, Linke oder Nationalisten, rauswarfen.“[69]

Der Islamische Staat, der welayate faghieh, sollte nicht nur für die öffentliche Verwaltung zuständig sein, nein er sollte sich eben auch um das Privatleben der Menschen kümmern; legitimiert wurde diese Vorgehensweise durch den Willen Gottes, der in allen Bereichen der Gesellschaft durchgesetzt werden müsste, auch nationale Grenzen hätten dabei keinerlei Relevanz, denn irgendwann würde sich Gottes Wille überall durchsetzen.

Kritische Medien wurden, sofern sie durch Terror nicht zur Aufgabe bereit waren, verboten. Auch Rundfunk und Fernsehen fielen fest in die Hand der Mullahs. Obwohl Chomeini über eine riesige Propagandamaschinerie verfügte, schlug die Stimmung dennoch um, generell herrschte Furcht vor den Straßendemonstrationen der hysterischen Anhänger Chomeinis, den Hezbollahis (Parteigänger Gottes). Auch die Verteufelung der Gegner der Mullahs und deren Verfolgung trugen das ihre zu der zunehmenden Angst der Menschen bei.

Die Basis der fundamentalistischen Mullahs bildeten die zahlreichen Slumbewohner, nicht zuletzt auf Grund der Weißen Revolution des Schahs entwurzelt, brutal, ungebildet und unwissend. Da sie ein klägliches Dasein ohne jegliche Perspektive führten, waren sie „höchst anfällig gegenüber Führerfiguren und Autoritäten, zu jedem Opfer, aber auch zu jedem Verbrechen bereit, wenn sie entsprechend belohnt, mit Macht und Waffen ausgerüstet und mit ein paar einfachen Parolen gefüttert wurden.“[70]

Die Aufmärsche am internationalen Tag der Arbeit bestätigten Chomeinis Befürchtung, dass die Linke, deren Zug durch die Straßen der Sechsmillionenstadt Teheran rund 500000 - vor allem Arbeiter - zählte, noch viel Macht besäße. Das Attentat auf den Schriftgelehrten Motahari einen Tag später rief den radikalen Mullah Haschemi Rafsanjani, einen Meister der Demagogie, auf den Plan. Bei der Trauerfeier um den ermordeten Ayatollah hielt er eine Rede, die den Hass gegen die Opposition schüren sollte und diese quasi frei zum Abschuss unter Einsatz von Gewalt geben sollte

 

5.5. Probleme bei der Bildung der Verfassung

Keine Frage, das Land brauchte eine Verfassung, Chomeini hätte natürlich einen von den Mullahs und ihm selbst ausgearbeiteten Entwurf gleich zur Abstimmung vorgelegt, daran hinderte ihn sein in Paris gegebenes Versprechen die Verfassung von einer gewählten Volksversammlung ausarbeiten zu lassen. Nach einem Gipfeltreffen der führenden Leute im Land, darunter Chomeini, Taleghani und Ministerpräsident Bazargan, einigte man sich schließlich auf einen Kompromissvorschlag Taleghanis, der ein 50-köpfiges Expertenteam vorschlug. Für den aufgeklärten Teil der Bevölkerung - Demokraten, Linke und Intellektuellen - war dieser Entschluss einem Wortbruch gleichzusetzen, heftige Proteste folgten.

Bei dem darauf folgenden Wahlkampf der Experten wurden die Gegner der Mullahs brutalst eingeschüchtert, Ämter und Behörden wurden weiter gesäubert, Zeitungsredaktionen besetzt, es kam zu Hausdurchsuchungen und weiteren Verhaftungen, ethnische Minderheiten wurden angegriffen, Protestdemonstrationen verhindert, was bei vielen Organisationen zum Boykott der Wahl führte. Bei der Wahl - deren Ergebnis von vornherein schon klar war, da Oppositionelle es kaum geschafft hatten als Experten auf die Wahlliste zu gelangen - bediente man sich der Manipulation , um eine ähnliches Resultat wie bei dem Referendum über die Staatsform zu erlangen, jedoch sehr ungeschickt und offensichtlich. Als Prävention vor der drohenden Katastrophe wurden die letzten oppositionellen Zeitungen verboten. Diese Ereignisse lösten in Teheran bei einer Protestkundgebung der Opposition, die 1 Million Mann zählte, weitere Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Hezbollahis aus.

Letztendlich verabschiedete die Expertenversammlung eine Verfassung, die ganz Chomeinis Vorstellung entsprach und seine uneingeschränkte Macht garantierte. Grundsatz Fünf besagt unter anderem Folgendes: „Während der Abwesenheit des 12. Imam. (. . .) stehen der Führungsauftrag (Imamat) und die Führungsbefugnis (welayate-e-ami) in Angelegenheiten der islamischen Gemeinschaft dem gerechten, gottesfürchtigen, über die Erfordernisse der Zeit informierten, tapferen, zur Führung befähigten Rechtsgelehrten zu, der von der Mehrheit der Bevölkerung als islamischer Führer anerkannt und bestätigt wurde.

Im Grundsatz 110 werden dann die Befugnisse der islamischen Führung aufgezählt. Dazu gehören u.a. die Ernennung des Wächterrates, ohne dessen Zustimmung kein Gesetz Geltung finden kann, (. . .) Erklärung von Krieg und Frieden, Absetzung des vom Volk gewählten Präsidenten der Republik.“[71]

Die Großayatollahs in Ghom schreckte diese Verfassung, die einen beträchtlichen Machtverlust für sie bedeutete, auf. Ministerpräsident Bazargan bereitete ein Dekret zur Auflösung des Expertenrates vor. Er wollte noch die Zustimmung des Revolutionsrates einholen, doch als er in Ghom Chomeini von seinem Plan erzählte, entließ der erzürnte Revolutionsführer den Ministerpräsidenten aus seinem Amt.

 

5.6. Einschneidung der bürgerlichen Rechte

Ungeheure Kulturschätze, vor allem aus vorislamischer Zeit, fielen der Zerstörungswut Chomeinis - wild entschlossen den Islamischen Gottesstaat in all seiner Härte zu etablieren - zum Opfer. Das Sonderministerium für moralisches Verhalten sollte Chomeini dabei helfen, den Menschen, „der auf alle Genüsse des Lebens verzichtet, die Trauer der Freude, das Weinen dem Lachen vorzieht, in Gott und für Gott und mehr noch für seine irdischen Vertreter lebt und ihnen als Untertan dient,“[72] zu schaffen. Deshalb wurden der Genuss von Alkohol, Schwimmen, Musikhören, dessen Wirkung Chomeini die des Opium gleichsetzte, Kinos und Theater und andere Unterhaltung, kurz alles was Lust erweckte und Spaß machte, untersagt. Gemischte Strände gehörten dann auch der Vergangenheit an, auch die Auflösung der gemeinsamen Schulen bewirkte Probleme wegen akutem Lehrer- und Platzmangel. Auch die Auflösung der Unterhaltungsbranche schuf zehntausend Arbeitlose. Aber die wirtschaftlichen Folgen seiner Politik wie die angeführten Beispiele interessierten Chomeini nicht. Ihn interessierte nur die Verwirklichung seiner Vision: ein Imperium der gesamten islamischen Welt unter seiner Herrschaft.

Auch gegen ethnische und religiöse (wie Sunniten) Minderheiten ging er in aller Schärfe vor. So rief er auch den heiligen Krieg gegen das kurdische Volk aus, und schickte seine Armee zur Bekämpfung der kurdischen Autonomisten in den Norden.

Manche halten es sogar für möglich, dass Chomeini hinter dem plötzlichen, mysteriösen Tod des eigentlich gesunden Ayatollah Taleghani am 9.9.1979 stand. Wahrscheinlich weil er zu den schärfsten geistlichen Kritikern des Gottesstaates zählte, waren einige Monate zuvor Taleghanis Söhne verschleppt worden, daraufhin hatte er seine Büros geschlossen und sich einige Zeit vom politischen Leben ferngehalten. Der aufgeklärte Ayatollah genoss viele Sympathien beim Volk, auch weil er als Kritiker des Schahs Jahre im Gefängnis verbracht hatte.

 

5.7. Das Feindbild USA als Ablenkung

In Anbetracht der stärker werdenden Opposition, mit dem Abflauen der Begeisterung für die Revolution, die für immer mehr Iraner zum gescheiterten Projekt wurde, und den Problemen mit den Minderheiten kam es Chomeini sehr recht, dass der Schah am 23.10. 1979 in die USA, wo er seinen Lebensabend verbringen wollte, einreiste. Zuvor hatte der Schah in Ägypten, Marokko, in den Bahamas und dann schließlich in Mexiko geweilt, seine fortgeschrittene Erkrankung benötigte professionelle Behandlung von Spezialisten, was ihn veranlasst hatte ein Einreisegesuch für die USA einzureichen. Dort war er jedoch nicht sehr willkommen, weil man Spannungen mit den Ayatollahs befürchtete. Im Zuge einer großen Demonstration, bei der an die studentischen Opfer des Schahs und an den 15. Jahrestag von Chomeinis Verbannung gedacht wurde, am 4.11.1979 in Teheran, besetzten Studenten, die sich als ‚Anhänger der Linie des Imam Chomeinis’ bezeichneten, in einer vorher geplanten Aktion, von der Chomeini sicher wusste und die er wahrscheinlich in Auftrag gegeben hatte, die Amerikanische Botschaft und nahmen Geiseln als Protest gegen die Einreise des Schahs in die USA. Wenige Stunden danach waren wieder die Massen mobilisiert, Tausende demonstrierten wieder mit dem gleichen Feuer wie wenige Monate zuvor.

Ministerpräsident Bazargan, der gerade von einem Treffen mit dem amerikanischen Sicherheitsberater Brzezinski im Zuge der Feiern für den 25. Jahrestag der Revolution in Algerien zurückgekehrt war, wurde als Freund der USA denunziert und zum Hassobjekt gemacht. Er wurde mitsamt seiner Regierung, deren Aufgaben nun der bis dahin im Geheimen agierende Revolutionsrat übernahm, zum Rücktritt gezwungen. Mit diesem klugen Schachzug schaltete Chomeini das bürgerlich-demokratische Lager aus, auch ein großer Teil der Linken sympathisierte mit den „verbalen Bekundungen gegen die USA, Israel und deren Helfershelfer im eigenen Land und die Solidaritätserklärungen für die Armen und Entrechteten (. . .). Gerade mit diesen Parolen konnten die Mullahs den Linken den Wind aus die Segeln nehmen.“[73] Auch die moskaufreundliche Tudeh-Partei, die mit Affinität zur Sowjetunion in den USA das große Feindbild sah, stellte sich hinter die Mullahs.

Chomeini, der aus der Geiselnahme politisches Kapital schlug, war natürlich nicht an einer raschen Beendigung des Problems interessiert, obwohl die internationale Isolation und das eingeschränkte Handelsembargo hohe finanzielle Verluste bedeuteten. Die USA ihrerseits wollten der Forderung nach einem öffentlichen Prozess gegen den Schah auf neutralem Boden nicht nachkommen, weil sie dabei fürchteten, dass ihre zweifelsfrei dubiosen Aktivitäten bekannt werden würden. Nach einem gescheiterten Befreiungsversuch - in der Wüste von Tabas waren auf Grund eines Sandsturmes ein Hubschrauber und ein C-130-Transporter kollidiert, dabei hatten acht US-Elitesoldaten ihr Leben gelassen - „schienen mit einem Schlag alle Zweifel, die manche inzwischen gegen den Ayatollah pflegten wie weggeblasen. ‚Das ist ein Heiliger’ dachten viele, er ist der verschwundene Imam[74], wehe dem, der den Zorn dieses Greises auf sich zieht.“[75] Erst nach dem Tod des Schahs im ägyptischen Exil am 27.7.1980 kamen die Geiseln mit algerischer Vermittlungshilfe nach 444 Tagen Gefangenschaft kurz nach der Angelobung des neuen amerikanischen Präsidenten Reagan, dessen Mittelsmänner die mögliche vorzeitige Freilassung wahrscheinlich verhindert hatten, um politisches Kapital daraus zu schlagen, frei. Anstatt sich - wie vereinbart - für die Aktivitäten zu der Zeit des Schahs zu entschuldigen, erklärten die USA nur, sich wie bisher auch in Zukunft nicht in innere Angelegenheiten des Irans einzumischen. Von den 24 Milliarden Dollar iranischen Guthabens überwiesen die USA nur 2,8 Milliarden Dollar, der Rest wurde für eventuelle Schadenersatzforderung von Unternehmern, die durch die Revolution geschädigt sein sollten, zurückgehalten.

5.8. Der Präsident Banisadr

Am 2.12.1979 wurde dann über die endgültige Verfassung des Landes abgestimmt. Mit überwältigender Mehrheit - viele oppositionelle Organisationen und diesmal auch gemäßigte Religiöse hatten wieder zum Wahlboykott aufgerufen - wurde an diesem Tag der Islamische Gottesstaat zumindest auf dem Papier Realität.

Danach stand die Wahl des ersten Präsidenten auf dem Programm, dank Chomeinis Autorität konnten die Gegner von seinem favorisierten Kandidaten Banisadr denunziert oder gleich zum Rücktritt von der Kandidatur gezwungen werden, sodass nach einem Sieg mit über 72% der Stimmen der Angelobung Banisadrs im Jänner 1980 nichts im Wege stand. Viele überrascht es aber heute immer noch, warum Chomeinis Wahl ausgerechnet auf Banisadr fiel. Freilich war dieser als Sohn eines Ayatollahs ein gläubiger Muslim, jedoch musste Chomeini wissen, dass Banisadr in seinen politischen Ideen keineswegs auf einer Linie mit den Mullahs war. Vielmehr verfolgte er die Ideen Mossadeghs weiter.[76]

Im Frühjahr folgten dann Parlamentswahlen. Mit der üblichen Strategie der Säuberung der Kandidatenliste, mit Terror und Wahlbetrug gelang es den Mullahs auch dort ihre Macht zu stärken, kaum hatten es Oppositionelle geschafft ins Parlament einzuziehen, „nicht dass die dort Versammelten unter sich einig gewesen wären, sie zählten aber in ihrer Gesamtheit zum religiösen Lager.“[77] Die Diskrepanz zwischen vielen Parlamentarien und dem Präsidenten wurde bei der Wahl des Ministerpräsidenten deutlich, das Parlament schmetterte jeden Vorschlag des Präsidenten ab, sodass Chomeini ein Machtwort sprechen musste. Er setzte sich für einen völlig islamischen Kandidaten ein und erteilte den Kandidaten des bürgerlich-demokratischen Lagers eine klare Absage. Somit wurde ein blinder Vertrauter Chomeinis gewählt. Es war Rejai, der ahnungslos, unwissend und naiv außer Glauben gar nichts aufweisen konnte. Dementsprechend ging er bei der Wahl seiner Minister nach dem Kriterium des Glaubens vor.

Inzwischen regte sich in den Universitäten Widerstand, die Mullahs zögerten auch nicht lange. Sie setzten dem Aufstand ein jähes Ende und schlossen die Hochschulen für zwei Jahre, um eine tiefgreifende Islamisierung dort durchzuführen. Die schärferen Bestimmungen gegen Frauen bezüglich islamischer Kleidung in öffentlichen Behörden verursachten eine Demonstration von Frauen, die in den Medien als eine Demonstration von Prostituierten dargestellt wurde.

 

5.9. Der 1. Golfkrieg

Den gesamten 1. Golfkrieg darzustellen würde den Rahmen der FBA sprengen, also beschränken wir uns auf die für uns relevanten Aspekte.

Der irakische Diktator Saddam Hussein versuchte am 22.9.1980 ganz im Stile des Sechs-Tage Krieges den Iran zu überfallen, mit Hilfe der von Schahgetreuen und Generälen gebildeten Regierung sollte vom Süden und Westen die Eroberung des ganzen Irans und die Entmachtung der Mullahs geschehen. Die genauen Gründe für Saddam Husseins Offensive sind noch nicht exakt bekannt. Primär ging es um die Schifffahrtsrechte auf dem Grenzfluss Schatt el Arab und damit verbundenen Grenzstreitigkeiten, aber es wird vermutet, dass Saddam eine Vormachtstellung in der Region einnehmen wollte, sicherlich schien das viele Öl lukrativ. Andererseits fehlte es von Seiten der Mullahs auch nicht an Provokationen. Die schiitische Minderheit sowie die gesamte Opposition des irakischen Diktators wurde vom Nachbarland gefördert, sodass der Diktator in Bagdad auch innenpolitisch in Bedrängnis geraten war, und ein Krieg ihm quasi den Rücken frei machen sollte. Saddam Husseins Rechnung ging trotz anfänglicher Erfolge und Eroberungen nicht auf, da die Iraner zurückschlagen konnten. Auch nach dem Zurückschlagen von den irakischen Truppen aus dem Iranischen Hoheitsgebiet 1982 wurde der Krieg fortgesetzt. Der Waffenstillstand 1988 und der am 20.2.1990 geschlossene Friedensvertrag besiegelte das Ende eines Krieges, der am Schluss nur noch von Chomeini am Leben gehalten wurde. Einer Million Menschen kostete er das Leben, 1,7 Millionen Verletzte wurden gezählt, vielen nahm er die Heimat und machte sie so zu Flüchtlingen.

 

5.10. Der Präsident in Opposition

Schon während der Geiselnahme differierten die Meinungen von Banisadr, der eine rasche Lösung des Problems anstrebte und die von den Mullahs, die noch immer daraus Kapital schlagen wollten. „Das Ende der Geiselaffäre verschärfte die Konflikte. Ministerpräsident Rejai und sein Beratungsminister Nawabi hatten sich - was die iranischen Guthaben in den USA anbetraf - von den Amerikanern gründlich übers Ohr hauen lassen.“[78] Der Präsident, der allmählich - von allen Gegnern des Islamischen Gottesstaates unterstützt - immer mehr in Opposition zum eigenen Regime - ausgenommen zu Chomeini - ging, klagte sogar die beiden Unterhändler wegen Landesverrates an. Die Lage spitzte sich zusehends zu, alles wartete auf ein Machtwort Chomeinis, der sich zunächst neutral verhielt. Die indirekten Warnungen des Ayatollahs ließen dann auch nicht lange auf sich warten, dennoch eilte Banisadr von einer Kundgebung zur anderen, überall konnte er die Sympathien der massenhaft versammelten Menschen für sich gewinnen. Nicht einmal Störaktionen der Hezbollahis schadeten ihm. Dass Chomeini ihn als ‚Verderber auf Erden’ bezeichnete, beeindruckte den Präsidenten nicht. Er setzte sein Programm fort. Banisadr wurde sogar ein sehr gut ausgearbeiteter Putschplan von dem Verteidigungsminister und den zwei Oberbefehlshabern der Armee angeboten, er verzichtete darauf, in dem Glauben, dass er ihn gar nicht nötig hätte, weil das Volk ohnehin auf seiner Seite stünde. Außerdem hoffte er noch immer auf ein Einlenken Chomeinis, der für ihn immer noch einen Mythos, der - wie er später in einem Interview sagte - mit der Zeit immer mehr abbröckelte, darstellte. Aber der Ayatollah dachte nicht daran sich auf die Seite des Präsidenten zu schlagen. Nachdem unter den Abgeordneten zahlreiche Sympathisanten Banisadrs eingeschüchtert worden waren, entmachtete man per Parlamentsbeschluss vom 21.6.1981 den mit großer Mehrheit gewählten Präsidenten, der wenig später abtauchte und ins Ausland floh.

 

5.11. Die Schreckensherrschaft der Ayatollahs

Die Absetzung des Präsidenten stellte zugleich den Auftakt für einen erbitterten Bürgerkrieg dar. Linke Gruppen begannen gegen das beim Volk immer unbeliebtere Regime vorzugehen und verübten einige Anschläge und Attentate, bei einem größeren Anschlag wurde fast die gesamte Führungsriege der Mullahs ausgelöscht, darunter auch der neugewählte Präsident Rejai. Nach diesem schmerzhaften Verlust Dutzender Männer in Führungspositionen schätzte man die Überlebensdauer des Regimes nicht mehr allzu lang ein, dennoch reagierte es seinerseits mit zahlreichen Hinrichtungen in den Gefängnissen. „Niemand hatte dieses Ausmaß der erbarmungslosen Brutalität erwartet. (. . .) Zwar hatte Chomeini längst nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich, aber der staatliche Terror wurde so weit verschärft und die Bevölkerung so eingeschüchtert, dass es keine nennenswerten Proteste mehr gab.

Alle Schlüsselpositionen der Verwaltung, der Justiz, des Militärs und selbstverständlich der Revolutionswächter wurden mit Mullahs und frommen Untergebenen des Ayatollah besetzt.“[79]

Weil zu den schon bestehenden ökonomischen Problemen - wie das der Landwirtschaft - datierend aus den Zeiten des Schahs, noch einige dazugekommen waren und diese nicht gelöst werden konnten, ruinierte die Herrschaft der Mullahs das Land völlig. Die industrielle Produktion kam fast völlig zum Erliegen. Zum einen trug die miserabelst durchgeführte Verstaatlichung ihre Teil bei, zum anderen verjagte man die Unternehmer mit Kapital mitsamt ihren Fachkräften. Wegen des Mangels im eigenen Land wurden die Importe zwangsläufig gesteigert, das führte wiederum zu einer noch stärkeren Abhängigkeit vom Ausland. Tausenden Menschen wurde die Existenz durch das Verbot von jeglicher Unterhaltung genommen, auch der Tourismus kam völlig zum Erliegen, da ausländische Gäste ausblieben.

„Was auf sozialem und ökonomischem Gebiet vernachlässigt oder zerstört wurde, konnte jedoch im Bereich der Ideologie, der Moral und der Justiz erreicht werden.“[80]

Die islamische Gesetzgebung, die auf dem Vergeltungsprinzip basiert, wurde wieder eingeführt. Auch die Kleidungsvorschriften für die Frauen wurden gesetzlich festgelegt, so hatte sich eine Frau bis aufs Gesicht zu verhüllen, kein einziges Haarsträhnchen durfte herausragen, auch das Schminken wurde verboten. Bei Nichtbeachtung dieser Gesetze konnte eine Frau mit schwerwiegenden Strafen rechnen, von Mahnung über Peitschenschläge bis hin zu Gefängnis, ja sogar Umerziehungslagern reichte das Strafausmaß. Die Frauen, von da an generell mit weniger Rechten, wurden überdies von bestimmten Ämtern und Berufen ausgeschlossen, auch das Familienrecht wurde zu ihrem Nachteil geändert.

Chomeini bezeichnete unverblümt den Krieg als Geschenk Gottes, weil der Krieg zur Substanz seines Glaubens gehöre. Als ein wesentlicher Bestandteil des Lebens half der Krieg freilich dem Ayatollah von den ökonomischen und sozialen Problemen des Landes abzulenken. Ferner machte er keinen Hehl daraus, „dass Kinder an der Front gegen den Irak kämpften“[81]. Er propagierte sogar ihren Heldenkampf, der Märtyrertod dieser fanatisierten Kinder war seiner Meinung nach ihre Eintrittskarte ins Paradies. „Der Lebenstrieb wird ersetzt durch den Todestrieb. Das Ziel ist nicht mehr ein glückliches, erfülltes Leben, es ist der Märtyrertod, der ins Paradies führt.

Nur so ist es zu erklären, dass Millionen von Menschen trotz Entbehrungen und wirtschaftlicher Not Chomeini folgten, und nur so wird es verständlich, weshalb die Islamische Republik ohne ständige Zerstörung, ohne Kampf nach außen und innen nicht bestehen kann.“[82]

 

 

5.12. Der Tod Chomeinis

Gegen Ende seines Lebens wurde der Ayatollah immer nachdenklicher, vor allem sorgte er sich um die stärker werdende Kritik an die Herrschenden und um die Zeit nach seinem Tod. Vielleicht sah er seine Macht auseinander bröckeln, Rivalitäten und Machtkämpfe drohten das Regime von innen her zu zerstören. Vielleicht dafür bezeichnend ist, dass so viele seiner damaligen Begleiter und Verbündeten auf dem Flug von Paris nach Teheran nicht mehr an seiner Seite standen, weil sie entweder geächtet waren, oder hingerichtet worden waren. Chomeini hinterließ einen Scherbenhaufen, wahrscheinlich wurde er sich dieser Tatsache spätestens zu seinem Lebensabend bewusst, als er einmal vor einer Versammlung von Parlamentarien Folgendes sagte:

„ ‚Ich fürchte, und die Furcht beunruhigt mich oft, dass diese Menschen, die für uns kämpfen, ins Paradies kommen, wir aber in die Hölle.’ “[83]

Der Traditionalist Ruholla Musawi Chomeini starb am 3.6.1989 in einem Teheraner Krankenhaus an Darmkrebs. Das Land geriet in einen massenpsychotischen Taumel der Trauer.


6. Der Iran nach dem Tod Chomeinis

6.1. Die weiteren politisch wichtigen Entwicklungen des Irans

Als Chomeini starb, wurde Ali Chamenei, ein Hardliner ganz auf der Linie Chomeinis, Revolutionsführer. Somit nahm er die Position des verstorbenen Ayatollahs als oberster Führer des Landes ein. Zum Präsident wurde Rafsanjani, ein relativ Gemäßigter, der vorher die Position des Sprechers des Parlaments innehatte, gewählt. In seinem neuen Amt bemühte sich Rafsanjani um die Entspannung der außenpolitischen Beziehungen, was ihm jedoch nur bedingt gelang. Nachdem er 1993 wiedergewählt worden war, konnten seine Anhänger auch einen Erfolg bei den Parlamentswahlen 1996 verbuchen.

Mitte der Neunziger-Jahre geriet der Iran immer mehr unter Druck, weil er den internationalen Terrorismus angeblich unterstütze. 1995 verhängten die USA deswegen ein Handelsembargo gegen den Iran, das bei den anderen Staaten auf wenig Gegenliebe stieß, denn die wirtschaftlichen Interessen hatten Priorität, so auch bei manchen US-Konzernen, die über Drittländer regen Handel betrieben. Der Höhepunkt der Terroranschuldigungen war sicher im März 1997 das ‚Mykonosurteil’, bei dem die drei Hauptangeklagten für schuldig gesprochen wurden und die iranische Führung - obwohl nicht namentlich genannt - als Drahtzieher angesehen wurde. Damals, 1992, stürmte ein Terrorkommando in das Berliner Restaurant ‚Mykonos’ und richtete ein Massaker an, dem unter anderem drei führende Persönlichkeiten der kurdisch-iranischen Opposition zum Opfer fielen. Dies führte zum Abzug der EU-Botschafter in Teheran und insbesondere zu Spannungen zwischen Deutschland, das die Taktik des ‚kritischen Dialogs’ verfolgt, und dem Iran. Als die Botschafter dann wieder zurückkehren wollten, gab ihnen Chamenei ein deutliches Zeichen, dass sie unerwünscht seien, und so verzögerte sich die Rückkehr der Diplomaten um ein paar Monate.

„Nach dem Tod von neun iranischen Diplomaten verschärften sich die Spannungen zwischen dem Iran und Afghanistan. Am 12. September 1998 kündigte der Iran ein Großmanöver mit 200 000 Soldaten an. Der Konflikt zwischen den beiden Staaten schwelte schon seit längerem: Der Iran unterstützt das afghanische Oppositionsbündnis, das seinerseits die Taliban-Miliz bekämpft. Die Taliban werden für den Tod der Diplomaten verantwortlich gemacht.“[84]

 

6.2. Die Ära des Hoffnungsträgers Chatami

Der 23.5.1997 ist für viele Iraner der Aufbruch in ein neues Zeitalter der Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Selbstbestimmung, denn an diesem Tag wurde Ali Mohammad Chatami - geboren 1943 als Sohn eines Ayatollahs - mit der überwältigenden Mehrheit von 69,05 % zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Seine bisherige politische Karriere hatte ihn, einen aktiven Gegner des Schahs, nach seiner Funktion als Sprecher des Verbandes der ‚Militanten Kleriker’ sogar nach Hamburg geführt, wo er von 1978 bis 1980 die Leitung der Islamischen Gemeinde inne hatte. Im Zuge der Revolution kehrte er in sein Heimatland zurück, um als Abgeordneter ins Parlament einzuziehen. 1982 erreichte er den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere, als er zum Minister für Kultur und Islamische Führung aufstieg, jedoch wurde er wegen seiner Toleranz gegenüber Künstlern und Intellektuellen zum Direktor der Nationalbibliothek degradiert.

Umso erstaunlicher erschien es, dass er das harte Auswahlverfahren durch den Wächterrat für die Kandidatenliste bestand, immerhin gelang dies nur vier von den über 200 Kandidaten.

„Unterstützt von Rafsanjani, aber gegen die Vorbehalte des konservativen Revolutionsführers und geistlichen Oberhauptes Chamenei, leitete Chatami einen liberalen Reformkurs - zivile Gesellschaft, Bürgerfreiheiten, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus im Rahmen der religiösen Vorgaben der iranischen Verfassung - ein, von dem sich vor allem die Frauen und die Jugendlichen im Iran größere Freiheiten und bessere Chancen erwarten.“[85]

Sicherlich ein schwerer Schlag für die Reformer war die Inhaftierung des allseits beliebten Teheraner Bürgermeisters Karbastschi, der hinter der erfolgreichen Wahlkampagne Chatamis stand. Die durch die hervorragende Arbeit steigende Popularität des Bürgermeisters war den Konservativen ein Dorn im Auge. Somit warf die unter ihrem Einflussbereich stehende Justiz dem Politiker Korruption vor. Mittlerweile ist das Idol vieler nach monatelangem Gefängnisaufenthalt wieder auf freiem Fuß.

Oft löste Chatamis Politik Konfrontationen mit den Hardlinern aus. Nicht nur die äußere Öffnung (Besuch in den USA), auch die innere erzürnte seine Gegner, die mit Hilfe des Parlaments den reformorientierten Innenminister Nuri stürzten, dem aber einen Monat später Musawi-Lari, auch ein Reformer, folgte. Nicht nur die landesweiten Kommunalwahlen im Februar 1999 bestätigten Chatamis Kurs, sogar bei den Parlamentswahlen am 19.2.2000 erreichten die Reformer eine 2/3-Mehrheit, somit bleibt den Fundamentalisten nur noch der Wächterrat, der jedes vom Parlament beschlossene Gesetz auf seine Konformität mit dem Islam prüft und somit auch jedes Gesetz verhindern kann. Macht haben auch die Hardliner, wenn es um die Streitkräfte geht, so sind Armee, Geheimdienst, Polizei, und die Pasdaran, die Revolutionshüter fest in ihrer Hand, auch diverse fanatisierte Gruppen folgen ihnen blind, viele Morde wurden von ihnen begangen, so auch fünf Morde Ende 1999, bei dem namhafte Künstler und ein Politikerpaar brutalst ermordet wurden, aber so werden Märtyrer der anderen Art geschaffen, der Tod dieser Leute schockierte die Mehrheit der Bevölkerung, Demonstrationen waren die Folge.

Eine weitere Eskalation der Lage waren die Studentenproteste nach dem Verbot reformorientierter kritischer Zeitungen durch die Hardliner. Die andauernden Demonstrationen für mehr Meinungsfreiheit am Campus im Juli 1999 waren den Hardlinern ein Dorn im Auge. Ihre fundamentalistischen Schlägertrupps drangen in das Studentenheim einiger Demonstranten ein. Dort ermordeten sie einige Studenten und verletzten viele. Aber den Auftakt zu einer neuerlichen Revolution stellten diese Unruhen zum Bedauern vieler nicht dar.

Diese Tage (Anfang 2001) sind sicherlich die schwersten für Chatami, der immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik aus den eigenen Reihen gerät. Schon stellt man in Frage, „ob er der Mann ist, der den Traditionalisten die Stirn bieten kann - und will -, um demokratische Reformen durchzusetzen.“[86] Andererseits hat der Präsident - in letzter Zeit zurückhaltender als seinen treusten Anhängern lieb war - noch immer nicht seine Kandidatur für die Präsidentenwahlen angekündigt, obwohl er mit nahezu 80% Zustimmung der Bevölkerung rechnen könnte. Beängstigend ist, wenn man Insiderinformationen glauben kann, dass sogar Revolutionsführer Chamenei den Präsidenten noch einmal zu einer Kandidatur überreden will, was zeigen würde, dass Chatami „ein willfähriges Instrument in der Hand der Mächtigen - oder zumindest harmlos“[87] ist.

Die Zukunft wird zeigen, „ob Chatami an den Machtverhältnissen gescheitert ist, genau wie das neue, von den Liberalen dominierte Parlament zu scheitern im Begriff ist“, oder der Iran die endgültige Wende schafft.

 

6.3. Der Gottesstaat aus Sicht der Leute

„Man schätzt, dass 10, vielleicht 15 Prozent der Iraner noch hinter dem System stehen. Da sind die Profiteure und Opportunisten, außerdem die Habenichtse Südteherans, denen Rang und Uniform auf einmal die Macht gaben, die Reichen im Norden der Stadt zu gängeln.“[88] Außerdem wird das System noch getragen von monopolistischen Großhändlern im Bazar, die im freien Wettbewerb um ihre Vormachtstellung fürchten.

Die Bewegung des 23.Mai 1999, der Tag an dem Chatami zum Präsidenten gewählt wurde, steht für den Willen zur Veränderung, die Sehnsucht nach Freiheit und Pluralismus. Die äußere Fassade des Islamischen Gottesstaates ist noch intakt, aber innen brodelt es, die von den Klerikern angestrebte Abschottung des Landes von westlichen Einflüssen ist angesichts der modernen Kommunikationsmittel (Internet, Satellitenanlagen, usw.) gescheitert. So kann man ins Land geschmuggelte westliche Musik und Filme genießen. Nicht die Ayatollahs sind die Idole der Menschen, sondern die erfolgreichen Fußballer im Ausland. Schon eigenartig, dass dieser Sport, „dem Chomeini als ‚süchtigmachendes Produkt des Westens’ nichts abgewinnen konnte, zum verbindenden Kult zwischen allen avanciert ist.“[89]

„Längst hat sich das Volk den Machthabern entzogen, am weitesten ausgerechnet die Generation, die kurz vor oder nach 1979 geboren wurde. (. . .) Doch hinter den Türen der Wohnung, des Hauses, haben sie eine andere Welt geschaffen, die der privaten Freiheiten.“[90] So feiern auch sie ihre Partys mit Alkohol und Tanz, sowohl Männer als auch Frauen mit gewagten Kleidern.

Der Klerus ist zerstritten wie noch nie, der Glaube der Menschen ist auch nachhaltig demoliert.

Der Terror löst nicht mehr Angst und Schrecken aus, sondern einfach Wut. Die Auflehnung gegen das Regime, die es immer schon gegeben hatte, war nie so offensichtlich und stark wie in den heutigen Tagen. Die ehemaligen Besetzer der Botschaft fordern den Dialog mit den USA, auch „der Schleier hat seine Botschaft radikal verändert, er wird nicht mehr als Bekenntnis getragen, sondern als Camouflage, als Tribut an das religiöse Diktat - um es gleichzeitig zu untergraben.“[91] So ragen immer mehr Haare aus dem Schleier, auch treten die privaten Frauen wieder geschminkt auf die Straße, was zu Zeiten Chomeinis noch mit der Peitsche bestraft wurde.

Auch in der Bevölkerungspolitik drehte man den Kurs um 180 Grad. In Anbetracht der Geburtenexplosion gibt es nun erfolgreiche staatliche Programme über Aufklärung, die Benutzung von Verhütungsmitteln wird zum Beispiel durch kostenlose Kondome forciert. Auch solche Maßnahmen wären zu Lebzeiten Chomeinis undenkbar gewesen.

Wenn es nach den Reformern geht, handelt es sich nur noch um eine Frage der Zeit, bis die eingeleitete friedliche Revolution in Demokratie und ziviler Gesellschaft mündet. Ihren Optimismus begründen sie in den vielen positiven Veränderungen in der Gesellschaft, folgende wären zu nennen:

„Vor der Revolution lebte der Großteil der Iraner auf dem Lande. Heute besteht die Bevölkerung zu 62 Prozent aus Städtern, und Städter sind Neuerungen gegenüber aufgeschlossener. Außerdem ist die Alphabetisierung fortgeschritten. Heute können 80 bis 90 Prozent der Iraner lesen und schreiben. Wir haben allein zwei bis drei Millionen Studenten. Sie lesen Bücher über Postmodernismus und die Frankfurter Schule. Eine solche Gesellschaft ist modern.“[92]

 

6.4. Heutige Verwaltung und Politik

Die Staatsform im Iran ist nach wie vor ‚Islamische Republik’. Parteien gibt es seit 1987 nicht mehr, auch nicht mehr die IRP, die Islamische Religionspartei, lediglich einige rivalisierende Fraktionen sind offiziell anerkannt. Wahlberechtigt sind alle ab dem 16. Lebensjahr.

Die höchste Instanz in der Islamischen Republik ist der Führer der Revolution (Rahbar). Im höchsten Amt der schiitischen Geistlichkeit ist er auch Oberbefehlshaber der Armee. Er wird von dem Chobragane Rahbari auf Lebenszeit bestimmt.

Der alle vier Jahre für maximal zwei Amtsperioden vom Volk gewählte Staatspräsident hält mit dem Recht den Ministerpräsidenten zu bestimmen und Minister dem Parlament vorzuschlagen die Exekutivgewalt bei sich, dennoch wird er durch den Führer der Islamischen Revolution in seinem Handlungsspielraum eingeschränkt.

Das alle vier Jahre vom Volk neu gewählte 270 Mitglieder zählende Einkammerparlament (Majlis) übt die Legislativgewalt aus. Die vom Parlament vorgeschlagenen Gesetze müssen noch vom Wächterrat, der die Gesetze auf Verfassungskonformität - insbesondere mit den islamischen Grundsätzen - überprüft, verifiziert werden. Theoretisch besteht die Möglichkeit für das Parlament den Präsidenten durch ein Misstrauensvotum frühzeitig aus dem Amt zu entlassen.

Der Chobragane Rahbari ist ein 86-köpfige Expertenversammlung, bei der nur Ayatollahs Mitglied sein können. Alle acht Jahre wird sie vom Volk gewählt. Sie hat die Aufgabe, im Falle des Todes vom Rahbar einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Der Revolutionsführer und der Expertenrat entsenden zu gleichen Teilen Mitglieder für den 12-köpfigen Wächterrat. Nicht nur das Prüfen von vom Parlament vorgeschlagenen Gesetzen sondern auch das Prüfen von eventuellen Kandidaten für die Präsidentschaft oder für das Parlament sind Aufgabe dieser Versammlung.

„Die Rechtsprechung im Iran basiert auf islamischem Recht. Die höchste Instanz der Gerichtsbarkeit ist der Oberste Gerichtshof, dessen Präsident vom Ayatollah bestimmt wird. Daneben gibt es islamische Revolutionsgerichtshöfe, die 1979 eingerichtet wurden.

(. . .)

Der Iran besteht aus 28 Provinzen (Ustans), die in 195 Gouvernorate und 500 Distrikte eingeteilt sind. Die Distrikte sind in Dörfer und Gemeinden unterteilt. Die Regierungsbeamten für die Provinzen und Distrikte werden von der Zentralregierung bestimmt, die Gemeinden wählen ihre Vorsteher selbst.[93]


7. Exkurs: Allgemeine Aspekte des Islamischen Fundamentalismus nach Bassam Tibi

7.1. Politisches Wiedererstarken des Islams

„Der Islamische Fundamentalismus ist ein soziales und kein bloß religiöses Problem. Der Islam wird von Fundamentalisten politisiert, d.h. er wird herangezogen, um politische und soziale Belange in religiösem Gewand zu verfolgen.“[94] Besonders wichtig für Tibi ist, dass der politische Islam als Ideologie anderen Ideologien nicht gleichgesetzt wird, weil der religiösen Komponente eine besondere Bedeutung zukommt.

Beim Islamischen Fundamentalismus sei es falsch von einer Re-Islamisierung zu sprechen, viel mehr handle es sich dabei um eine ‚Re-Politisierung des Sakralen im Islamischen Orient’ (quasi ein politisches Wiedererstarken des Islams), weil der Islam nie verdrängt worden wäre, was das Wort Re-Islamisierung impliziert.

Historisch betrachtet flammte der zeitgenössische Islamische Fundamentalismus mit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 auf. Die Niederlage der Muslime wurde auf folgenden Unterschied zwischen den beiden Kriegsparteien zurückgeführt: Die Juden standen sowohl religiös als auch politisch zu ihrer Religion. Bei den Muslimen fehlte jedoch die religiöse Stoßrichtung in der Politik. Daraufhin verstärkten sich auch Forderungen auf ein islamisches System, das zugleich eine entschiedene Absage an die Europäische Moderne bedeutete - jedoch nur kulturell, denn die technisch-wissenschaftlichen Errungenschaften wurden nicht in Frage gestellt. In den 70er Jahren schwappte diese Strömung dann von dem arabischen Kerngebiet auf die nicht-arabischen Gebiete über.

Der islamische Orient durchläuft seit den 70er Jahren eine schwere Krise, die sowohl intern als auch extern bedingt ist. Der Islam, aus Ausdruck der autochthonen Kultur, bietet die geeignetesten und für die Bevölkerung akzeptabelsten Symbole zur Deutung und Bewältigung dieser Krisensituation. „Islamische Fundamentalisten münzen die eigene, aus der Konfrontation mit der Moderne entstandene Krise in eine Krise der Moderne selbst um.“[95] Der Islam eröffnet ihnen ungeahnte Möglichkeiten, denn die politisch-religiöse Deutung der Krisensituationen mit Hilfe islamischer Symbole ermöglicht es zum einen breite Bevölkerungsschichten anzusprechen und zugleich auch deren breite Akzeptanz hervorzurufen, eine Möglichkeit, die weltliche Ideen nicht hatten, gelten sie doch als städtisches Elitegedankengut.

Entgegen der Annahme vieler, dass die Fundamentalisten ihre Anhänger vorwiegend in verarmten bäuerlichen Gebieten rekrutieren, wirken sie viel mehr in den städtischen Bereichen, es sind ‚Halbgebildete’ (wie Bassam Tibi sie nennt), Hochschulabsolventen von dem Land, die mit den Fundamentalisten sympathisieren.

 

7.2. Der Islamische Fundamentalismus: eine Revolte gegen den Westen

Ein anderer Grund für die Ablehnung der Moderne und damit für die Zustimmung zum Fundamentalismus ist das Subjektivitätsprinzip der Moderne, das im Gegensatz zum Islam, der von dem Kollektivitätsprinzip ausgeht, für viele Muslime kulturell fremd scheint. Die Ideen der Französischen Revolution wie Menschenrechte und Demokratie stoßen somit auch auf wenig Gegenliebe, weil sie wesentliche Bestandteile des Subjektivitätsprinzips der Moderne sind. Freilich verbreiteten sich vor allem in den Städten die säkularen Ideen, dennoch ändern sie nur die Lebensbedingungen und nicht die Gesellschaftsstrukturen, in den Köpfen der Menschen können sie sich auch nicht wirklich festsetzen.

Eine Bestätigung ihres Standpunktes sehen die Fundamentalisten in der zunehmenden Kritik der Europäer an ihrer eigenen Moderne, „es wird dann argumentiert, dass der Islam seine Gläubigen vor diesen ‚kulturellen Krankheiten’“[96] schützen will. Gemeint sind damit: z.B. schrankenlose sexuelle Freizügigkeit, massenhaft uneheliche Geburten, Schwangerschaftsabbruch und Alkoholismus. Freilich stellen die angeführten Beispiele nur Klischees dar.

Trotz des europäischen Vorurteils, dass der Islam eine starre, unwandelbare Gesellschaft sei, verändert sie sich dennoch, aber der soziale Wandel, der mit dem europäischen Kolonialismus initiiert wurde, wird von den Fundamentalisten als extern ausgelöster Wandel verteufelt. Das Problem ist, dass diese Länder Europa als militärisch überlegenes Kolonialsystem erfuhren. In seiner Identität bedroht glaubt man, alle Probleme der Gesellschaft seien durch die Berührung mit dem Westen entstanden, und so gilt Rückbesinnung auf die vormaligen Sozialstrukturen und das Wiederherstellen der ‚Islamischen Ordnung’ als die Zauberformel.

Eine Lösung für die Unterentwicklung haben die Verfechter des politischen Islams auch nicht parat, ihr Denken basiert auf ein defensiv-kulturelles Re-Agieren, sie können weder ein Konzept für den Strukturwandel, noch ein umfassendes gesellschaftspolitisches Konzept vorlegen, anstatt dessen forcieren sie den Terrorismus, indem sie den ‚Heiligen Krieg’ (Gihad) predigen.

Die Fundamentalisten berufen sich in der Auseinandersetzung mit der Moderne auf die religiösen Texte. Sie sind aber keine Traditionalisten, sondern einfach moderne Menschen, weil sie - ohne sich dessen bewusst zu sein - diese Texte im Kontext der Moderne lesen. Da die Texte aber zahlreiche verschiedene Interpretationen ermöglichen, benötigen sie charismatische Führer. Diese müssen ihre Auslegung des Textes als einzig richtige glaubhaft vermitteln können. Hier liegt aber auch der Grund für die Zersplitterung der Fundamentalisten. Wegen der vielen Interpretationsmöglichkeiten verwickeln sie sich in interne Streitereien ohne Ergebnis, da niemand wirklich definitiv sagen kann, wer Recht hat.

Paradox erscheint die Argumentation der Fundamentalisten, die die europäische Moderne vorwiegend als ein Herrschaftsprojekt erfahren haben, wenn man bedenkt, dass die gesamten Prozesse der Loslösung von Europa, also der Entkolonialisierung, erst durch die europäischen Ideen von Freiheit und Volkssouveränität ermöglicht wurden. Widersprüchlich scheint auch, dass dieselben Fundamentalisten, die das rational-säkulare Weltbild der Moderne nicht übernehmen, die instrumentellen Errungenschaften wie Wissenschaft und Technologie sowie deren Produkte sehr wohl übernehmen.

“Kurzum der Islamische Fundamentalismus ist ein Produkt der Globalisierung der Moderne und eine Reaktion auf sie.“[97]


8. Iran: Generelle Information

8.1. Physische Geographie

Das Land, das in einer tektonisch aktiven und daher akut erdbebengefährdeten Zone liegt, wird überwiegend von Gebirge und Hochland, das sich in mehrere Becken gliedert und sowohl Salz- als auch Stein- und Fels-Wüsten aufweist, eingenommen. Das sich im Zentrum erhebende Iranische Hochland (mittlere Höhe 1220 Meter) wird im Norden vom Elbursgebirge (höchste Erhebung Irans: Demawend (5670 Meter), am westlichen Rand vom Zagrosgebirge und im Osten von niedrigeren Erhebungen eingeschlossen. All diese Randgebirge sind Teile des vorderasiatischen Gebirgssystems.

„Die Tieflandregion am Kaspischen Meer und der iranische Anteil an der mesopotamischen Ebene im Südwesten des Landes sind wirtschaftlich von großer Bedeutung.“[98]

 

8.2. Klima

Der Iran lässt sich in drei Klimazonen einteilen: die extrem heiße Küstenregion entlang des Persischen Golfs und des Golfs von Oman, die trockene Zone des Iranischen Hochlandes und die zum Teil extrem kalten Hochgebirge. Die Temperaturen variieren zu den verschiedenen Jahreszeiten im Hochland stark (z.B.: Teheran: Schnitt zwischen 2,2 bzw. 29,4 °C), in den Wüsten werden durchaus 50° erreicht.

„Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Teheran 246 Millimeter und in Abadan 204 Millimeter. Niederschlagsreichstes Gebiet im Iran ist die Tieflandregion am Kaspischen Meer. Sie verzeichnet Jahresniederschläge zwischen 1000 und 2000 Millimetern.“[99]

 

8.3. Struktur-Daten

Hauptstadt: Teheran (6,76 Millionen Einwohner)

Einwohner: 65 Millionen (Jährliche Zuwachsrate 3,4%)

Fläche: 1.647.500 km2

Verstädterungsgrad: 62 %

Arbeitslosenrate: ~20%

Beschäftigung: 39% 1. Sektor, 23% 2.Sektor, 38% 3.Sektor

Inflationsrate: 19,41%

BIP: 113.140 Millionen $

BIP / Kopf: 1740.62 $

Exporte (in % des BIP) 13,19

Importe (in % des BIP) 14,80

Währung: Rial (IRR)

Bevölkerung: 46% Perser, 17% Aserbaidschaner, 9% Kurden, 28% Andere

Amtssprache: Neupersisch (Farsi)

Offizielle Religion: Schiitischer Zweig des Islam (91 % der Bevölkerung)

 

8.4. Wirtschaft

Trotz relativ hoher agrarwirtschaftlich Nutzung der Gesamtfläche (36%) sind die Hauptstützen der iranischen Wirtschaft Erdöl (1997: 22 Milliarden Dollar Erlös) und Erdgas. Nach dem enormen Wirtschaftswachstum des weltweit zweitgrößten Erdölexporteurs verschlechterten sich die guten Daten nach dem Zurückziehen der ausländischen Investoren auf Grund der Revolution. Das verschiedene Klima bietet vielfältigste Möglichkeiten für Zucht von Nutztieren und Anbau von Nutzpflanzen, auch die Fischerei floriert derzeit. Eisen- und Kupfererz sowie Steinkohle- Lagerstätten sind bis jetzt kaum erschlossen. Als wichtigste Bereiche der Industrie sind Petrochemie, Textilindustrie (u.a. Seide und Teppiche), Nahrungsmittel-, Elektro-, Stahl- und Kraftfahrzeugindustrie anzuführen.

Großes Problem in der Wirtschaft ist die Korruption, auch das fehlende Know-how im Managementbereich trägt seinen Teil zu der alles in allem eher schlechten Lage bei.


9. Zeittafel

1902: Chomeini wird geboren

31.7.1909: Scheich Nuri, Chomeinis Vorbild, wird wegen seiner radikal-fundamentalistischen Ansichten gehängt

26.10.1919: Mohammad Reza Pahlawi wird geboren

1921: Putsch, Reza Pahlawi wird Kriegsminister

1925: Reza Pahlawi besteigt den Pfauenthron

1941: Reza Pahlawi wird ins Exil nach Mauritius geschickt, sein Sohn wird neuer König

30.4.1951: Mossadegh wird neuer Ministerpräsident, leitet die Verstaatlichung der Ölindustrie ein

19.8.1953: Zuspitzen des Konflikts zwischen Mossadegh und den von den USA unterstützten Schah, Demonstration gegen Mossadegh

20.8.1953: CIA-Putsch gegen Mossadegh, Schah kehrt aus Rom, wohin er geflohen war, zurück

1963: Inkrafttreten der Weißen Revolution des Schahs, Widerstand der Geistlichkeit

4.11.1964: Chomeini wird verbannt

23.10.1977: Chomeinis Sohn Mustafa stirbt bei ihm im Exil

4.9.1978: Größte Demonstration in der Geschichte des Irans, ab dann immer mehr Unruhen

16.10.1978: Chomeini wechselt Exilland: vom Irak nach Paris

31.12.1978: Bachtiar wird vom Schah mit Regierungsbildung beauftragt

12.1.1979: Chomeini gibt Bildung des Revolutionsrates bekannt

16.1.1979: Der Schah verlässt das Land

1.2.1979: Chomeini kehrt in den Iran zurück

1.4.1979: Nach einem Referendum wird der Islamische Gottesstaat ausgerufen

4.11.1979: Besetzung der Amerikanischen Botschaft durch Studenten: Protest gegen die Einreise des Schahs in die USA

2.12.1979: Banisadr wird zum Präsidenten gewählt

27.7.1980: Der Schah stirbt im Exil in Ägypten, daraufhin kommen Geiseln frei

22.9.1980: Beginn des Golfkrieges, Saddam Hussein überfällt den Iran

21.6.1981: Präsident Banisadr wird nach Konflikten mit der Geistlichkeit seines Amtes enthoben, Rejai neuer Präsident, nach einem Mordanschlag an Rejai wird Chamenei Präsident

1982: Vertreibung der irakischen Truppen aus dem Iran

1988: Waffenstillstand zwischen Iran und Irak

3.6.1989: Tod Chomeinis, Revolutionsführer (Nachfolger Chomeinis) wird Chamenei, Rafsanjani wird Präsident

20.10.1990: Frieden zwischen Iran und Irak

1992: Massaker im Lokal Mykonos in Berlin, Anschlang des iranischen Regimes galt Oppositionellen

1993: Rafsanjani wird wiedergewählt

23.5.1997: Reformer Chatami wird Präsident

März 1997: Mykonosurteil, Angeklagte für schuldig befunden, indirekter Schuldspruch für iranisches Regime: Diplomatische Spannungen zwischen EU und Iran

September 1998: Spannungen mit Afghanistan nach dem Tod von iranischen Diplomaten

Februar 1999: Sieg der Reformer bei den Kommunalwahlen

Juli 1999: schwere Studentenproteste

19.2.2000: Reformer erreichen 2/3 Mehrheit bei Parlamentswahlen


10. Protokoll

 

13.9.2000: Endgültige Festlegung des Themas beim Schüler

 

22.9.2000: Erste Unterredung mit der zuständigen Professorin

 

25.9.2000: Quellensuche in der Studienbibliothek, drei relevante Bücher ausgeliehen, Beschaffung der Kurzübersicht über die Materie aus einem Lexikon

 

30.9.2000: Abgabe des Themas in der Direktion

 

Oktober 2000: Einlesen in die Literatur

 

25.10.2000: Fertigstellung des 1. Kapitels, erste Besprechung, Belehrung über Zitierregeln

 

19.12.2000: Fertigstellung des 2. und 3. Kapitels, Abgabe beim Lehrer, noch in jener Woche kurze Besprechung des Inhaltes in der Pause

 

Weihnachtsferien: Fertigstellung des 4. Kapitels, Abgabe beim Lehrer, noch in jener Woche kurze Besprechung des Inhaltes in der Pause, Entlehnung des Buches bei der Professorin von Bassam Tibi für das 7. Kapitel.

 

23.2.2001: Fertigstellung des 5., 6. und 8. Kapitels, dabei Heranziehung des Internets für aktuelle Artikel und der Online-Encarta vor allem für das 8. Kapitel

 

Semesterferien: Fertigstellung des 7., 9., 10., 11., Kapitels, des Vorwortes und des Covers

 

20.2.2001: Große Endbesprechung, Vervollständigung einzelner Kapitel, endgültige Festlegung des Layouts, letzte Korrektur von Grammatik- , Tipp- und Rechtschreibfehlern

 

28.2.2001: Drucken der FBA

 

1.3.2001: Abgabe der FBA in der Direktion

 

11. Bibliographie

 

Amirpur, Katajun: Unsere Zukunft ist die Demokratie. Der Soziologe Akbar Gandschi über die aussichtslosen Versuche der Mullahs, die iranische Gesellschaft von der Moderne abzuschotten. Die Zeit, 07/1999

 

v. Baratta, Mario: Der Fischer Weltalmanach 2000. Zahlen, Daten, Fakten. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main, 2000

 

Dingemann, Rüdiger: Krisenherde der Welt. Konflikte und Kriege seit 1945, Westermann Lexikon, Braunschweig, 1996

 

Harrer, Gudrun: Die Reformer im Iran sind in der Defensive. Brandrede des Präsidenten. Der Standard, 13.2.200 (Onlinearchiv)

 

Microsoft® Encarta® Enzyklopädie

 

Nirumand, Bahman u. Daddjou, Keywan: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718)

 

onvista.com, Länderprofil Iran: http://laender.onvista.de/snapshot/IR/snapshot_IR.html

 

Peinelet, Edgar: 11.000 Dollar pro Woche für Kooperation. Der Standard, 11.11.2000


Reuter, Christoph: Chomeinis aufsässige Kinder. Die Zeit, 07/1999 (Onlinearchiv)

 

Rinser, Luise: Chomeini und der Islamische Gottesstaat. Eine große Idee. Ein Großer Irrtum? R. S. Schulz, Percha/Kempfenhausen am Starnberger See, 1979

 

Scholl-Latour, Peter: Allah ist mit den Standhaften. Begegnungen mit der Islamischen Revolution. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1983

 

Tibi, Bassam: Die fundamentalistische Herausforderung. Der Islam und die Weltpolitik. C. H. Beck, München, 1993 (Becksche Reihe 484)

 

 


12. Bildbeilage

 

Reza Schah (rechts) mit seinem Sohn Mohammad Reza (links)

 

Mohammad Reza Pahlawi

 

Kurzzeit Ministerpräsident Mossadegh

 

Ayatollah Chomeini in Paris

 

Revolutionsführer Chamenei

Chomeini beim Bad in der Menge

 

Chomeini und Ex- Ministerpräsident Bazargan

 

Präsident Chatami

Ayatollah Taleghani

 

Ex-Präsident Rafsanjani

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 



[1] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (=rororo aktuell 12718), S. 21

[2] d. s., S. 22

[3] d. s., S. 15

[4] d. s., S. 15

[5] d. s., S. 18

[6] d. s., S. 40

[7] Rüdiger Dingemann: Krisenherde der Welt. Konflikte und Kriege seit 1945, Westermann Lexikon, Braunschweig, 1996, S. 352

[8] Luise Rinser: Chomeini und der Islamische Gottesstaat. Eine große Idee. Ein Großer Irrtum? R. S. Schulz, Percha/Kempfenhausen am Starnberger See, 1979, S. 44

[9] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 28

[10] Siehe Kapitel 1.2. Fazlollah Nuri

[11] Siehe Kapitel 1.4. Reza Pahlawis Herrschaft

[12] Siehe Kapitel 1.3. Reza Pahlawis Aufstieg

[13] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 59

[14] d. s., S. 60

[15] siehe Kapitel 1.4. Reza Pahlawis Herrschaft

[16] siehe Kapitel 1.3. Reza Pahlawis Aufstieg

[17] Peter Scholl-Latour: Allah ist mir den Standhaften. Begegnungen mit der islamischen Revolution. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1983, S. 115

[18] d. s., S.127

[19] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 71

[20] d. s., S. 71

[21] siehe Kapitel 1.4. Reza Pahlawis Herrschaft

[22] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 90

[23] d. s., S. 91

[24] d. s., S. 88

[25] d. s., S. 100

[26] Peter Scholl-Latour: Allah ist mir den Standhaften. Begegnungen mit der islamischen Revolution. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1983, S. 115

[27] siehe Kapitel 3.5. Chomeinis Aufstieg zum Großayatollah

[28] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 101 u. 102

[29] Peter Scholl-Latour: Allah ist mir den Standhaften. Begegnungen mit der islamischen Revolution. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1983, S. 177

[30] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 105

[31] d. s., S. 108

[32] d. s., S. 105

[33] d. s., S. 117

[34] Luise Rinser: Chomeini und der Islamische Gottesstaat. Eine große Idee. Ein Großer Irrtum? R. S. Schulz, Percha/Kempfenhausen am Starnberger See, 1979, S. 76

[35] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 138

[36] d. s., S. 141

[37] d. s., S. 152

[38] d. s., S. 163

[39] d. s., S. 169-170

[40] d. s., S. 171

[41] d. s., S. 171

[42] Peter Scholl-Latour: Allah ist mir den Standhaften. Begegnungen mit der islamischen Revolution. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1983, S. 137

[43] d. s., S. 138

[44] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 139

[45] d. s., S. 190

[46] d. s., S. 191

[47] d. s., S. 191

[48] siehe Kapitel 3.6. Verbannung Khomeinis

[49] Peter Scholl-Latour: Allah ist mir den Standhaften. Begegnungen mit der islamischen Revolution. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1983, S. 178

[50] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. II

[51] d. s., S. 186

[52] d. s., S. 187-188

[53] Erklärung zum Trauermonat siehe Kapitel 4.3. Verbannung Chomeinis

[54] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 190

[55] d. s., S. 193

[56] d. s., S. 196

[56] d. s., S. 197

[57] d. s., S. 197

[58] d. s., S. 198

[59] d. s., S. 205

[60] d. s., S. 209

[61] Peter Scholl-Latour: Allah ist mir den Standhaften. Begegnungen mit der islamischen Revolution. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 1983, S. 94

[62] d. s., S. 94

[63] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 227

[64] d. s., S. 143

[65] d. s., S. 239

[66] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 246

[67] Luise Rinser: Chomeini und der Islamische Gottesstaat. Eine große Idee. Ein Großer Irrtum? R. S. Schulz, Percha/Kempfenhausen am Starnberger See, 1979, S. 21

[68] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 248

[69] d. s., S. 251

[70] d. s., S. 251

[71] d. s., S. 272

[72] d. s., S. 265

[73] d. s., S. 279

[74] siehe Kapitel 4.3. Khomeini in Paris

[75] Bahman Nirumand u. Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Eine politische Biographie des Ayatollah Chomeini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989 (rororo aktuell 12718), S. 297

[76] d. s., S. 300

[77] d. s., S. 300

[78] d. s., S. 314

[79] d. s., S. 335, 336

[80] d. s., S. 340

[81] d. s., S. 346

[82] d. s., S. 345

[83] d. s., S. 354

[84] Microsoft® Encarta® Enzyklopädie

[85] Roland Deutsch, Microsoft® Encarta® Enzyklopädie

[86] Gudrun Harrer. Die Reformer im Iran sind in der Defensive. Brandrede des Präsidenten. Der Standard, 13.2.200

[87] d. s.

[88] Christoph Reuter, Chomeinis aufsässige Kinder. Die Zeit ,07/1999

[89] d. s.

[90] d. s.

[91] d. s.

[92] Katajun Amirpur: Unsere Zukunft ist die Demokratie. Der Soziologe Akbar Gandschi über die aussichtslosen Versuche der Mullahs, die iranische Gesellschaft von der Moderne abzuschotten. Die Zeit, 07/1999

[93] Microsoft® Encarta® Enzyklopädie

[94] Bassam Tibi: Die fundamentalistische Herausforderung. Der Islam und die Weltpolitik. C. H. Beck, München, 1993 (Becksche Reihe 484), S. 44

[95] d. s., S. 48

[96] d. s., S. 50

[97] d. s., S. 55

[98] Microsoft® Encarta® Enzyklopädie

[99] d. s.