Marianne Beck-Höllbacher

Epitaphe

Epitaphe 6

EPITAPH VI EPITAPH V /III
EPITAPH VI / II
EPITAPH VI / III

Wege nach Rußland

WALBURGA
geborene Wallmann
* 18. 2. 1890
+ 7. 7. 1914

verehelicht am
22. 6. 1911

mit
HIERONIMUS KRISPLER
Hofname = Unterschneit
* 19. 4. 1880
+31. 5. 1965


2. Ehe mit
geschlossen am 11. 9. 1916
MATHILDE
geborene Ellmauer
* 29. 5. 1892
+26.11.1916

PHILOMENA
* 23. 6. 1912
+24. 6. 1912

BENIGNUS
* 10. 8. 1913
+10. 8. 1913
Totgeburt

FRANZISKA
* 7. 7. 1914
+6. 8. 1980
Hoferbin

2. 1. 1944
heimliche kirchliche
Hochzeit mit dem
russischen Kriegsgefangenen
Jewgenji Michailowitsch Kirow
* 1910
+13. 12. 1952
1945
Hofübernahme zur Hälfte von
FRANZISKA

13. 1. 1945
Geburt von
CÄCILIA

Rückkehr Jewgenji's in die SU.
Versprechen an FRANZISKA, sie
und das Kind nachzuholen.
HIERONIMUS weiß nichts davon.
Jewgenji ist Bauernsohn aus
Novomir Gorod in der Nähe von
Kirovograd in der Südukraine.
Briefe FRANZISKAs an Jewgenji
bleiben bis 1951 unbeantwortet.
Am 7.7.1951, dem 37. Geburts-
tag FRANZISKAs kommt Jewgenji
zurück.
FRANZISKA verläßt mit ihm Österreich
am 7.9.1951, CÄCILIA bleibt beim
Großvater zurück.
Jewgenji arbeitet in einer Eisenhütten-
anlage in Saporoschje/Südukraine.
Er lebt mit seiner Mutter auf einem
kleinen Gehöft, wo sie Kohl, Tomaten,
Kartoffeln & Melonen züchten, außer-
dem besitzen sie eine Kuh & eine Ziege.
FRANZISKA versucht russisch zu lernen,
um sich mit der Schwiegermutter ver -
ständigen zu können, dies mißlingt, da
diese die Ausländerin ablehnt und zu-
nehmend bösartig gegen sie wird.
FRANZISKA versucht Jewgenji zu über-
reden, mit ihr heimzufahren.
Er läßt aber seine 80-jährige Mutter
nicht allein.
Zu Weihnachten '51 ist FRANZISKA
schwanger, leidet unter Heimweh
und hat wegen der rohen Behandlung
der Schwiegermutter Depressionen.
Im Jänner 1952 kommt es während
Jewgenji's Abwesenheit zu einer
schweren Auseinandersetzung zwischen
den Frauen, in deren Verlauf die
Schwiegermutter FRANZISKA mit einem
eisernen Schürhaken am Kopf schwer
verletzt und FRANZISKA das Bewußtsein
verliert.
Die alte Frau läuft ins Eisenhüttenwerk
und erzählt Jewgenji, FRANZISKA hätte
versucht, sie zu erwürgen.
FRANZISKA erholt sich langsam, erleidet
aber eine Fehlgeburt, bei der sie fast
verblutet.
Sie verschiebt ihre nun sichere Heim-
fahrt. Jewgenji will,daß sie bleibt, kann
aber den Haß seiner Mutter gegen
seine Frau nicht mildern.
In der Nacht vom 14. auf den 15. April
wird FRANZISKA durch einen lauten
Streit zwischen Jewgenji & seiner
Mutter geweckt.
Am 16. April meldet die Mutter den
Behörden, daß FRANZISKA Spionin
ist.
FRANZISKA & Jewgenji werden sofort
verhaftet.
FRANZISKA gesteht nach brutalen
Verhören, Spionin zu sein und gewahrt,
daß sie erneut schwanger ist. Sie wird
in ein ostsibirisches Frauenlager in der
Nähe von Vladivostok transportiert.
Am 22.12.1952 bringt sie im Lager
ein Mädchen zur Welt, das sie nach ihrer
Mutter WALBURGA nennt.
5.III.1953 Tod von Stalin. Im Rahmen der
nun folgenden Amnestie kommt sie frei.
Für eine Nacht mit ihm bietet ihr der
Aufseher Iwan Iwanowitsch das Geld
für die Reise nach Moskau.
FRANZISKA geht darauf ein und verläßt
mit dem Baby am 5.4.1953 Vladivostok.
Im Zug trifft sie Frauen, die der Geheim-
prostitution nachgehen.
Am Bahnhof in Moskau hat FRANZISKA
kein Geld mehr, sie bettelt einen vornehm
wirkenden Russen an, der sie mit in
seine Wohnung nimmt.
Kyrill Alexejewitsch Ryschkow ist hoher
Beamter * 5.6.1900 in St. Petersburg.
Er bedrängt sie nicht.
Am 10.6.1953 bittet FRANZISKA ihn
um Geld für die Heimreise, er reagiert
darauf mit einem Heiratsantrag.
FRANZISKA muß ihre Geschichte erzählen.
Nachforschungen nach Jewgenji bringen
zunächst keine Ergebnisse.
Kyrill & FRANZISKA reisen in die Ukraine,
wo sie erfahren, daß Jewgenji sich am
13.12.1952 im Gefängnis das Leben
genommen hat.
FRANZISKA kann mit Hilfe von Kyrill am
10.8.1953 die UDSSR verlassen und
kommt über Polen am 21.8. nach
Österreich.
Auf einen Brief an Kyrill erhält FRANZISKA
eine schriftliche Mitteilung, daß dieser
wegen illegaler Auslandsbeziehungen
zu einer 10-jährigen Haftstrafe verurteilt
wurde. Der Brief ist nicht unterzeichnet.
11 Jahre später erhält FRANZISKA einen
Brief vom 23.6.1964 mit den einzigen
Worten "Helfen Sie Kyrill!"
28.8.1964 FRANZISKA reist mit einer
Touristengruppe nach Moskau, besticht
die Frührerin, die sie an Kyrill's alte
Adresse bringt. Dort wohnt seine Mutter,
die sie an eine andere Adresse schickt,
wo sie nach Kyrill fragen soll. Gegen
Aushändigung einer hohen Devisensumme
erhält FRANZISKA einen gefälschten
österreichischen Reisepaß mit dem Foto
Kyrill's lautend auf den von ihr angegebenen
Namen FRANZ ELLMAUER.
FRANZISKA trifft am Tag der Abreise Kyrill
am Eingang zum Flughafen und übergibt
ihm den Paß. Gegen tausend Rubel erhält
Kyrill von der Führerin ein Flugticket.
Am 31.8.1964 verlassen Kyrill & FRANZISKA
die UDSSR für immer.
13.11.1964 Trauung in Maria Dürrnberg
bei Hallein/Bundesland Salzburg
4. 4. 1980 Tod von Kyrill Alexejewitsch Ryschkow
6. 8. 1980 Tod von FRANZISKA RYSCHKOWA - KIROW
geborene KRISPLER /UNTERSCHNEIT