Roland Weichselbaumer v/o Ogy
1963 Habsburgkrise
Persönlich erlebt habe ich die Habsburgkrise nicht, da
ich erst 1969 als Bürger dieser Republik geboren bin.
Auf alle Aspekte dieser Krise kann ich gar
nicht eingehen, wahrscheinlich müsste man ein Buch darüber
schreiben.
Margarete Mommsen-Reindl werte 1976 die Habsburgkrise so:
Die an dem Streit beteiligten waren sich ebenso wie
dessen unabhängige Kommentatoren bald darüber einig, daß
der Fall Habsburg die schwerste Krise der Zweiten
Republik entfesselt hatte. (Mommsen-Reindl, 1976,
S. 9)
Der eigentliche Auslöser für die Krise im Jahr 1963 war
der Umgang mit dem Ausnahmegesetz aus dem
Jahr 1919. Dieses Habsburgergesetz hat den Rang eines
Verfassungsgesetzes, das sich gleich wohl im Widerspruch
zu den Grundsätzen der Verfassung befindet. (vgl.
Mommsen-Reindl, 1976, S. 111)
So wurde von sozialistischer Seite der ÖVP zum
Vorwurf gemacht, daß der 'wichtigste Beitrag, den sie
zum Forderungsprogramm gegenüber den Großmächten
aufstellte, der war, jene Klausel aus dem Vertragswerk
wegzubekommen, wonach sich Österreich verpflichtete, das
Gesetz über die Landesverweisung der Habsburger
aufrechtzuerhalten.' Dieses Verlagen der ÖVP rief
indessen Befremden hervor und blieb von den Alliierten
auch unberücksichtigt. (Mommsen-Reindl, 1976, S.
57)
Der ursprüngliche Text der Regierungsvorlage zum
Habsburgergesetz lautete 1919: Im Interesse der
Sicherheit der Republik und mit Rücksicht auf die durch
die Verzichtserklärung des früheren Kaisers von Österreich
vom 11. Nov. 1918 nicht berührten, insbesondere in dem
bisher geführten Titel des Monarchen geltend gemachten
Ansprüche auf die Beherrschung von Staatsgebieten, mit
denen die Republik Deutschösterreich in Frieden und
Freundschaft leben will, werden der ehemalige Träger der
Krone, alle Mitglieder des Hauses Habsburg-Lothringen
sowie des Hauses Bourbon-Parma des Landes verwiesen.
Im Verfassungsausschuß wurde diese ausführliche
Einleitung zum Habsburgergesetz auf die Formel im
Interesse der Sicherheit der Republik verkürzt.
(Mommsen-Reindl, 1976, S. 158) Der Text des Entwurfes ist
die Umsetzung einer Hetze gegen Kaiser Karl und Kaiserin
Zita, diese Blöße gab man sich im beschlossenen
Gesetzestext dann doch nicht mehr.
Als weitere historische Begründung für die
Notwendigkeit des Habsburgergesetzes wurde angeführt:
..., daß die Westmächte diese Lücke der
Gesetzgebung dazu benutzen könnten, um auf die deutschösterreichische
Zukunft Einfluß zu nehmen. (Mommsen-Reindl, 1976,
S. 162) Mit dieser Zukunft war der Anschluss an
Deutschland gemeint, der ja bei der Gründung der
Republik am 12. November 1918 bereits verkündet wurde
und sich nicht mit der Politik der Habsburger deckte.
Wahrscheinlich hat sich Margarete Mommsen-Reindl nicht
allzu viel darüber nachgedacht, als sie von den Putschversuchen
Kaiser Karls in Ungarn schrieb. (vgl.
Mommsen-Reindl, 1976, S. 165) Wer sich im Detail mit den
Restaurationsversuchen in Ungarn beschäftigt, wird eher
feststellen, dass es sich bei Horthy um den Putschisten
handelte, der dann auch Ungarn in eine Katastrophe führte.
Laut Christian Dickinger unterlief Otto von Habsburg mit
seinem Brief vom 2. Juli 1945 der schwerste politische
Fehler seines Lebens. Er warnte die Westmächte vor
Anerkennung der provisorischen Regierung Renner in Wien.
(vgl. Dickinger, 2001, S. 14, 15) Nach Dickinger war die
Allparteienregierung notwendig um die Teilung des Landes
zu verhindern. (vgl. Dickinger, 2001, S.15) Aufgrund der
Kleinheit der sowjetischen Besatzungszone war die Gefahr
einer Teilung wie in Deutschland von Natur aus nicht so
groß, wenn man aber bei dieser Gelegenheit auch einen
Brief von Renner an Stalin erwähnt hätte, kann man
dieser Sichtweise noch weniger folgen. Bei den
Fehlleistungen eines Karl Renner würde sich im Vergleich
eine sehr lange Liste mit schwersten Fehlern ergeben.
Andererseits war der Brief an den amerikanischen Präsidenten
aus meiner Sicht kein Fehler, aber den Ansichten eines
Christian Dickingers konnte ich schon während meiner
gemeinsamen Schulzeit mit ihm nicht folgen.
Im selben Fahrwasser bewegt sich die Aussage: Hatte
sich die Rennerische Taktik doch als die einzig richtige
Möglichkeit zur Bewahrung der Staatseinheit erwiesen.
(Mommsen-Reindl, 1976, S. 190)
Als Kernaussage für die ganze Krise der Republik kann
man symbolisch folgende Worte anführen: ...
obwohl eine Wiederherstellung der Monarchie zu diesem
Zeitpunkt fern jeder Erwägung lag.
(Mommsen-Reindl, 1976, S. 10) Die ganze Krise hätte dem
Land erspart werden können, wenn man in der 2. Republik
einfach auf dieses Gesetz verzichtet hätte.
Aktuell ist die Habsburgkrise nicht mehr, Dr. Otto von
Habsburg darf wie jeder andere Österreicher in seine
Heimat ein- und ausreisen. Auch bei einer geplanten
Verfassungsreform wird das Anti-Habsburgergesetz
aufrecht bleiben, als wäre es wirklich ein
Grundpfeiler des Palastes der Republik Österreich.
Quellen:
Dickinger Christian, Die Skandale der Republik: Haider,
Proksch & Co, Ueberreuter, Wien 2001
Mommsen-Reindl Margarete, Die Österreichische
Proporzdemokratie und der Fall Habsburg, Böhlau Verlag,
Graz 1976
Karikatur Ironimus
I
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