OTTONENPOST Ausgabe 5/2006



Roland Weichselbaumer

Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten
- so lautet der Untertitel von Brigitte Hamanns Buch „Der Erste Weltkrieg“. Den Anspruch auf Wahrheitssuche hat meiner Meinung ihr Werk nicht erfüllt. Das Buch ist eher journalistisch aufbereitet, für ein richtiges Sachbuch wurde viel zu wenig recherchiert. Bei den Texten handelt es sich um eine Collage aus verschiedenen deutschen und österreichischen Werken, da und dort wurden noch ein paar Stückchen aus dem „Familienarchiv des deutschnational gesinnten Walter Hamann“ verwendet.

Bei dem Kommentar zu einem Bild hat sich Brigitte Hamann eher von einem persönlichen Eindruck leiten lassen, der für einen durchschnittlichen Leser vielleicht ganz plausibel nachvollziehbar wäre. Und so lautete ihre Bildinterpretation: „Kaiser Karl, hier als König Karl IV. von Ungarn, fühlt sich als Herrscher von Gottes Gnaden und als Verteidiger der katholischen Kirche gegen Andersgläubige.“ (Hamann, 2004, S. 170)

Zu einer Zeit als Karl noch „einfacher“ Erzherzog war, besuchte er die Karogjosbeg-Moschee in Mostar und wohnte dem Abendgebet bei. (Lorenz, 1959, S. 99). In Neutischein traf er mit einem evangelischen Pfarrer und einem Rabbiner zusammen. (Lorenz, 1959, S. 106). In Ostgalizien wohnte er einmal dem Sonntagsgottesdienst eines verheirateten griechisch-unierten Pfarrers in einer Dorfkirche bei Lemberg bei. (Lorenz, 1959, S. 110). Soweit man seinen Lebensweg verfolgt, bekommt man nicht den Eindruck, dass hier ein späterer sturer Herrscher, in der Tradition einer schon damals längst vergangenen Gegenreformationsstimmung im Werden begriffen war.

Während des Ersten Weltkriegs ernannte er dann als apostolischer König von Ungarn den jüdischen Budapester Advokaten Dr. Wilhelm Vaszonyi zum Justizminister. (Lorenz, 1959, S. 361) Wenn Karl aus religiösen Gründen gegenüber jemanden eine Abneigung hatte, so waren dies vielleicht noch am ehesten gewisse Freimaurer gemeint, die aber kaum jemand als „Andersgläubige“ bezeichnen würde.

 

Reinhold Lorenz hat beim Fotomaterial für sein Buch auch ein Bild von Kaiser Karl in der Bukowina mit der jüdischen Bevölkerung verwendet. Ein weiteres Urteil der Brigitte Hamann möchte ich hier bewußt als eine Art der Geschichtsschreibung des Jahres 2004 unkommentiert wiedergeben: „Franz Josephs Großneffe und Nachfolger, der 29jährige Karl I., war politisch unerfahren, wenig begabt und so wankelmütig, daß man ihn wegen seiner raschen Meinungsänderungen 'Karl den Plötzlichen' nannte. Er stand unter dem Einfluß seiner ihm intellektuell überlegenen Frau Zita, und sie wiederum war von ihren Beichtvätern und ihren ehrgeizigen bourbonischen Verwandten abhängig. Vor allem kündigte sich ein politisches Problem an: Zwei von Zitas Brüdern waren Offiziere der belgischen Armee. Der Haß der Großfamilie Bourbon-Parma wie des jungen Kaiserpaares galt dem Bundesbruder Deutschland“. (Hamann, 2004, S. 122)

Quellen:
Hamann Brigitte, Der Erste Weltkrieg – Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten, Piper Verlag, München 2004
Lorenz Reinhold, Kaiser Karl und der Untergang der Donaumonarchie, Verlag Styria, Graz 1959


Einfach zum Nachdenken


Österreich hat gewählt, die Regierungsverhandlungen sind schwierig.

Natürlich machen sich da die Karikaturisten so ihre Gedanken.

In den OÖ Nachrichten erschien gerade am 11. November 2006 nebenstehendes Werk.
Zufällig war es gerade der Jahrestag (11. Nov. 1918) zu dem Kaiser Karl an seiner Mitwirkung an den Regierungs-geschäften verzichtete (nicht aber auf den Thron).

zurück zur Homepage Übersicht