Broschüren - Inhalte

1:Kleine Festschrift zur 250. Wiederkehr der Pfarrkirchenerweiterung

2: Der Pelikan an der Tabernakeltür

Was ist ein SYMBOL?

C. G. Jung sagt darüber: „Ein Wort oder ein Bild ist symbolisch, wenn es mehr enthält, als man auf den ersten Blick erkennen kann“. In diesem Sinne kann kein Mensch leben ohne Symbole zu verwenden. „Wir leben nicht in einer Welt von Symbolen. Eine Welt von Symbolen lebt in uns.“ (J. Chevalier). Jedermann, ob er sich dessen bewußt ist oder nicht, bedient sich der Symbole: bei Tag und in der Nacht, in der Sprache, in den Handlungen, in seinen Träumen. Dennoch entzieht sich ein Symbol immer der Definition. Es gehört zum Wesen des Symbols, dass es gerade die Extreme verbindet: Konkretes mit Abstraktem, sinnlich Wahrnehmbares mit sinnlich nicht Wahrnehmbarem, Erdiges mit Himmlischem.

Dieses Zueinanderbringen von eigentlich Unvereinbarem gehört zum Wesen des Symbols. Das griechische Wort „synballein“ bedeutet zusammenwerfen, zusammenfügen. In der alten Welt war das auch durchaus wörtlich zu verstehen, dienten doch zwei auseinandergerissene Gegenstände, Hölzchen, Bilder, Ringe, Siegelabdrücke und dergleichen, als Erkennungszeichen, wenn sich zwei getrennte Hälften dann wieder als gut zusammenpassend erwiesen.

Einige Symbole finden sie auf der vorigen Seite. Jeder von Ihnen kennt, welche Bedeutung ihnen „dazugeworfen“ werden muss. Im Alltag funktioniert dieses symbolische Denken wie von selbst. Wir haben es gelernt. Wir haben es intus. Wir leben ja ganz in Symbolen und Symbole leben ganz in uns. Wem müßte erklärt werden, was es bedeutet, wenn ein Herz und zwei Buchstaben irgendwo (meist leider an unpassender Stelle) prangen .. A+ B.

Für Christen hat es noch eine wichtigere Bedeutung. Welches Wort denn kann die Größe Gottes beschreiben? Wir brauchen ein Symbol dazu. Welches die Dreifaltigkeit Gottes beschreiben? Wir brauchen ein Symbol dazu. Welches die Liebe Gottes zu uns Menschen benennen? Immer wieder brauchen wir Symbole. Ja, wir kleinen Menschen mit unseren kleinen menschlichen Fähigkeiten können gar nicht anders, als in Symbolen über Göttliches zu reden.

Und es funktioniert schon seit Jahrtausenden, schon vor dem Christentum. Aber wir wissen: jedes menschliche Wort über Gott ist notgedrungen immer ein kleines Symbol.

Jesus selber bedient sich der Symbole, wenn er über sich predigend sagt: „Ich bin der Weg. Ich bin der Weinstock. Ich bin der gute Hirte.“ Mit diesen Symbolen und in dieser Symbolik haben wir Christen umzugehen, haben wir eine Brücke zwischen der Zeit Jesu und unserem täglichen Leben zu schlagen. Manchmal ist das einfach, manchmal ist es schwer.

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das Kreuz: Todes- und Siegeszeichen

Spital-Kreuz.jpg (22927 Byte)Die ersten Symbole für die Christen waren nicht die Kreuze, sondern eher andere Zeichen, z. B. das Chi-Rho (PAX) oder der Fisch. Die allererste Darstellung Jesu findet sich in einer römischen Katakombe und stellt den Guten Hirten dar, der das verlorene Schaf auf dem Rücken nach Hause in den Stall zurückträgt und sich über dieses dann mehr freut, als über die 99 anderen Schafe.
Und dann unter Kaiser Konstantin (4. Jhdt.) wurde das Kreuz langsam aber sicher hoffähig. Nach der bekannten Legende, dass der Kaiser „unter diesem Zeichen“ gegen seinen Rivalen siegen werde, löste das Kreuz die anderen Zeichen ab. Die Anschauung des Apostel Paulus setzte sich durch, wonach das Kreuz nicht nur der galiläische Galgen, sondern der Thron ist, worauf Jesus sein Leben hingab und jetzt zur Rechten des Vaters sitzt, also Tod und Auferstehung symbolisiert. (Vergleichen Sie dazu den „Kreuzesthron“ in der Mistelbacher Spitalskapelle, im Bild links)
Heutzutage ist das Kreuz in Gefahr, zu einem reinen Schmuckstück zu verkommen oder auch nur als Zeichen für den Tod herzuhalten, wenn man über etwas nur mehr „das Kreuz machen kann“.

Kreuz.jpg (29139 Byte)

Wieviele Balken hat ein Kreuz?

Das Original-Kreuz, worauf Jesus hing, hat mit unserem Kreuz ... ja, richtig! ... nichts zu tun. Es ähnelte einem „T“, der Längsbalken steckte praktischerweise schon auf den Hinrichtungsstätten, und konnte so mehreren Hinrichtungen dienen, den Querbalken mussten die Hinzurichtenden je selber zur Todesstätte tragen.

Irgendwann wurde das Kreuz dann so gezeichnet, wie wir es gewohnt sind, entweder „lateinisch“ oder „griechisch“.

Ein zweiter Balken soll nicht bedeuten, dass diese Kirche mehr wert sei als eine andere Kirche, sondern symbolisiert die Tafel, die nach den Worten der Heiligen Schrift ans Kreuz angeheftet wurde und den Grund der Hinrichtung eines Getöteten angab.

Der auf orthodoxen Kirchenkreuzen immer dazugegebene dritte Balken wird ebenso nicht eine Rangordnung der Kirche angeben, sondern stellt den dazugenagelten Fußschemel dar, worauf die Gehenkten sich in ihrer Todesangst mit den Füßen abstützen konnten.

Das Papstkreuz hat ebenfalls drei (in diesem Fall jedoch horizontale) Balken, wie die Papstkrone früher auch drei “Stockwerke” hatte. Die ist allerdings seit Sel. Johannes XXIII. abgeschafft.

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I N R I
Fangen wir mit dem leichtesten Kürzel an: INRI. Über die Tafeln, die auf die Kreuze der Hingerichteten befestigt wurden und als Abschreckung den Grund der Hinrichtung angaben, lasen Sie im vorigen Kapitel. Im Falle Jesu war sie griechisch, lateinisch und hebräisch geschrieben. „Jesus von Nazaret, König der Juden“ heißt auf lateinisch „Iesus Nazarenus, Rex Iudaeorum“, welches abgekürzt durch den bekannten Schriftzug INRI wiedergegeben wird.

PAX.jpg (17993 Byte)P A X
„Pax“ ist lateinisch und heißt „Friede“. Aber in diesem Falle soll es nicht Friede heißen, sondern es ist die – falsche! – Aussprache des griechischen XP. Das griechische X ist ein CH und das P ist ein R. XP heißt also CHR, – Chi–Rho gesprochen – welches selbstverständlich die Abkürzung von Christus ist.
Wenn jemand zu diesem Zeichen „Pax“ sagt, ist das auch nicht tragisch, Jesus hat schießlich auch mit Frieden zu tun. Aber, wie gesagt, diese Deutung ist später entstanden.

I C H T H Y S
Der Fisch oder die schematische Darstellung eines Fisches ist ein sehr altes, womöglich sogar das älteste christliche Erkennungszeichen. Sicher noch vor dem Kreuz. Wieso? Weil Petrus und Andreas Fischer waren? Weil Jesus in Kapharnaum wohnte, das am See Genezareth liegt und dort in der Gegend die 7 salzigen Quellen sich in das Süßwasser des Sees ergossen? (Heutzutage werden sie als unerwünscht schon vor dem Einfließen abgezweigt und anderswo hingeleitet, wie die Israelpilger ja mit eigenen Augen sehen können). Fische lieben scheinbar diese Mischung süß-sauer, denn sonst wären dort nicht Fischer gewesen. Oder war der Fisch das Symbol für Jesus oder die ersten Christen, weil er ja zwei Fische und fünf Brote nahm und eine große Menge speiste? Nichts von dem allen.

Es gibt da eine alte christliche Formel, eine Art Gebetsruf, der lautet: „Jesus Christus, Sohn Gottes, Heiland“. In der Umgangssprache der damaligen Zeit, in griechisch, lautet das so: „Iesus Christos Theou Yios Soter“ = „IHSOUS CPISTOS QEOU UIOS SOTHR. Sie ahnen schon: die ersten Buchstaben dieser fünf Worte ergeben die Zeichenfolge ICQUS = Ichthys. Und – welch Zufall: Ichthys heißt Fisch. (Das Wort kennen die Kinder noch von den Dinosauriern, deren schwimmende Verwandte Ichthyo–Saurier heißen).

I H S
Populär erklärt heißt das: Jesus — Heiland — Seligmacher.
Primäre Bedeutung bekommt diese Buchstabenabkürzung aus dem griechischen Alphabet. Die ersten drei Buchstaben des Namens Jesu (IHSOUS) genommen ergeben IHS , das mit lateinischen Buchstaben in IHS oder auch JHS übertragen wurde. So einfach ist das.

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Das Weihe-Rang-Abzeichen

Die Stola ist das Erkennungs- und Rangabzeichen eines Klerikers

Die Kirche hat in ihrer zweitausendjährigen Geschichte auch das Amt gegliedert und geordnet. Heute, in den Zeiten nach dem 2. Vatikanischen Konzil, stellt es sich uns dreigliedrig, hierarchisch dar: Diakonenamt - Priesteramt - Bischofsamt. Das Papsttum ist hierin nicht enthalten. Während die Freiwillige Feuerwehr viele Stufen eines Ranges kennt (vom einfachen Feuerwehrmann „ohne Stern“ bis zum Präsidenten des Bundesfeuerwehrverbandes „mit viel, viel Gold“ sind es ca. dreißig), kommt das Weihe–Amt in der Kirche mit drei Weihe–Stufen aus.
Allen drei als Erkennungs- oder Rangabzeichen zugeeignet ist die Stola, wie man den „Schal“ nennt, den Diakone, Priester und Bischöfe in Ausübung ihres Amtes tragen.

Und wie kennt man Diakone, Priester und Bischöfe auseinander

An der Art, wie die Stola getragen wird, ist zu erkennen, ob es sich bei dem Amts–Träger um einen Inhaber der ersten, zweiten oder dritten Weihestufe handelt. Ob also derjenige (bald auch diejenige??) ein Diakon, Priester oder Bischof ist.
Der Diakon trägt sie schräg von links oben nach rechts unten, wie Sie ja schon oft bei „unserem“ Diakon Ing. Karl Hinnerth gesehen haben.
Ein Priester, im Bild Rektor Herwig Porstner, trägt die Stola vorne gerade herabhängend. In früheren Zeiten trug er sie vorne gekreuzt, dieser Brauch ist allerdings abhanden gekommen, der Autor kennt diese Tragart nur mehr von Erzählungen.
Ein Bischof trägt seine Stola wie ein Priester.
Die Farbe der Stola richtet sich nach der jeweiligen liturgischen Farbe der kirchlichen Jahreszeit oder nach dem Inhalt des Festes. So ist die Stola beispielsweise im Advent violett, bei einer Hochzeit weiß, am Fest des Hl. Sebastian rot ...

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Auf und nieder ..

Der Autor hat in seiner Pfarrgemeinde einen bestimmten (wie er meint: schlechten) Ruf, dass er die Leute „aufstehen und niedersetzen“ lässt, und das mehrmals in der Messe ...
Nun ist es ja so, dass auch unsere Körperhaltung etwas darüber aussagt, was in einem vorgeht. Die Körper–Sprache „spricht“ ja Bände, wenn man sie zu lesen weiß. Auch im Gottesdienst gibt es Körperhaltungen, die etwas Bestimmtes aussagen. Es ist nicht gleich, ob jemand (im Normalfall, nicht im Krankheitsfall oder bei chronischer Verunmöglichung einer bestimmten Haltung!) steht, sitzt oder kniet. Die liturgische Erneuerung im Gefolge des „Wiener Diözesanen Vorgangs“ nach dem 2. Vatikanischen Konzil legt in der Allgemeinen Einführung ins Meßbuch die Körperhaltungen fest, läßt aber den Bischöfen und Pfarrern genügend Spielraum für eigene Interpretationen. Diese sind aber dann oft unpassend wie z. B. das Sitzen während des Einzugs des Priesters, während des Glorialiedes, wie das Knien während des ganzen Hochgebetes etc.

Stehen: Das Stehen ist die normale Haltung eines Menschen vor Gott. Nicht das Sitzen, das nur eine zugestandene Ausnahme statt des Stehens darstellt ... „Ich steh' vor Dir mit leeren Händen, Herr“ heißt es in einem Gottesloblied. Dementsprechen stehen wir beim Glockenzeichen des Ministranten bei der Eröffnung der Messe auf. Seit alters her wird beim Evangelium (und Halleluja) und beim Vaterunser gestanden, es ver–„steht“ sich von selbst.
Während des Kommunionempfanges stehen bei uns alle. Einst war dieses Stehen eine Provokation, so empfand man es jedenfalls, der Fortschrittlichen, die im Gegensatz zu den knieenden Konservativen in dieser Haltung die Kommunion empfingen. Heute entscheidet jeder Christ für sich, wie er es halten will. Bei uns stehen die allermeisten.

Sitzen: Sitzen ist die Haltung des aufmerksamen Hörens. Aber weil das Stehen allzu anstrengend ist ... (siehe oben). Wir sitzen während der Lesung, während der Predigt und während des Hochgebets des Priesters (als Zugeständnis). 

Knien: Ein starkes Zeichen, wenn sich jemand so klein macht vor Gott. Während des Herzstücks des Hochgebets, dem Einsetzungsbericht („Hl. Wandlung“) knien wir seit alters her. Auch den Segen am Schluss der Messe empfangen manche lieber kniend als stehend. 

Kniebeugung: Sich vor Gott klein machen! Beim Betreten eines Gotteshauses, beim Verlassen, beim Vorbeischreitem vor dem Tabernakel und bei anderen Gelegenheiten „sprechen“ wir diese Körpersprache.

Liegen: Bei der Priesterweihe liegt der Kandidat schweigend vor dem Altar, ebenso der Zelebrant am Karfreitag zu Beginn der Liturgie. Der Autor empfindet dabei auch nach der 20. Karfreitagsliturgie ein gewisses Schaudern, denn deutlicher kann die Demut und Niedrigkeit eines Menschen vor Gott nicht ausgedrückt werden.

Orante: Mit dieser Haltung des Priesters sind die ausgestreckten Arme gemeint. Lat. orare heißt beten. Dieser Fachausdruck bezeichnet die im Orient (noch heute) übliche Gebetshaltung, mit der Jesus selbstverständlich gebetet hat. Der Priester nimmt bei der Hl. Messe die Orantehaltung bei den Amtsgebeten (Tagesgebet, Gabengebet, Schlussgebet) ein und natürlich im feierlichen Hochgebet, sowie bei den liturgischen Grüßen („Der Herr sei mit euch“)

Kreuzzeichen: Wir kennen das kleine Kreuzzeichen, das eher die Kinder über sich machen, indem sie Stirne, Mund und Herz bekreuzigen. „An Jesus denken, mit Jesus sprechen, Jesus gerne haben“ ist der Sinn dieses Zeichens. Aus Gründen der Tradition machen alle das kleine, nicht das große Kreuzzeichen vor dem Evangelium bei der Heiligen Messe. 
Ganz „unter das Kreuz Jesu“ stellen sich diejenigen, die das Kreuz über sich machen („Großes Kreuzzeichen“). Wir sind hineingenommen in die Gemeinschaft derer, die vom Tod und von der Auferstehung Jesu her leben. Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung ... singen wir und denken dabei an die vielen, für die Kreuz nur Leid und Tod bedeutet. 
Das Kreuz über sich oder andere(s) machen, heißt Seg(n)en. Ich empfehle das Kind, das Bildchen, das Kraftfahrzeug, das Kirchturmkreuz, die neue Orgel und anderes mehr der Liebe Gottes und erinnere daran, dass mit diesen gesegneten Dingen auch fruchtbar umgegangen sein will (Kfz!). Waffen sind nie gesegnet worden, nur die Menschen, die Waffen tragen müssen und leider im Krieg ohne sie nicht auskamen, nicht auskommen und auch nicht auskommen werden ... Segen bedeutet schlicht und einfach die Liebeserklärung Gottes an uns. 

Händefalten: Was tun mit seinen Händen während des Gebets? Die Orangehaltung ist uns abhanden gekommen, in die Hosentaschen stecken schaut auch nicht gut aus ... 
Wir verschränken die Finger ineinander oder geben beide Handflächen ganz eng zueinander. Diese beiden Handhaltungen haben sich bei uns durchgesetzt. Eine Zeitlang wurden die Hände auch vor der Brust verschränkt. Es spricht nichts dagegen, seinen eigenen, persönlichen Stil zu finden, beispielsweise die Hände mit den offenen Handflächen nach oben während des Vaterunsers, wie eine Schale, in die Gott sich selber ausgießen soll, oder ähnliches.

Segensgesten: Im Schlusssegen können verschiedene Gesten und Handhaltungen des Priesters das Gemeinte – Gott möge bei uns sein und ins in den Alltag hin begleiten – verdeutlichen. 
— Zuerst breitet er die Hände aus und grüßt „Der Herr sei mit euch“,
— dann streckt er die Hände während der feierlichen Segensworte über die Menschen aus ...
— „holt“ gegen Ende des Gebets mit einer ausladenden Handbewegung den Segen von oben „herunter“ zu uns ...
— und macht das Kreuzzeichen über die versammelte Gemeinde. 
Beobachten Sie Ihre Priester einmal genau dabei. 

Gehen. Prozessionen: Das „Gehen“ im Gottesdienst spielt eine große Rolle, leider sitzen die Leute allzugerne und ersparen sich dieses Gehen und die kleinen Prozessionen.
Aber es ist nicht egal, ob man „nach vorne“ geht oder sitzen bleibt, ob man zur Kreuzverehrung kommt oder das Kreuz in der Bank schlägt, ob der Pfarrer einen großen Opfergang anordnet oder die Körbchen ihren Weg selber durch die Menschenreihen finden. Eine große Prozession, wie wir sie z. B. zu Fronleichnam machen, ist ein ganz deutlich sprechendes Zeichen. Aber auch eine kleine Prozession hat ihre Bedeutung, wenn etwa Kinder das Brot und den Wein zum Altar bringen. Da tut sich etwas, da geschieht Wichtiges, da macht jemand einen Schritt hin zu Gott. (Der Autor hält es immer so, dass irgendjemand die Gabenbereitung durchführt, also der Kelch und Brot und Wein nicht schon die ganze Zeit auf dem Altar warten, sondern bewusst und deutlich zum Altar gebracht werden. Einmal tat dies im Mistelbacher Spital einer im Rollstuhl! Der ehemalige Ministrant aus den Jahren 1930–40 ließ es sich nicht nehmen ...)
Mit dem frommen Wunsch, dass auch einmal ein Kreuzweg als Prozession aller Betenden von Station zu Station gestaltet werden könnte, blieb der Verfasser jedoch seit 12 Jahren allein. Er wird's wieder mit einer Einladung versuchen. Bei uns gehen nur die Kinder diese Prozession.
Eine große Prozession, beispielsweise unsere Fusswallfahrt nach Maria Bründl (Bild), ist immer ein Abbild des Lebens. Wir sind nur Gast auf Erden ... und das nicht einmal allzu lange Zeit. Einmal werden wir ans Ende unserer Lebens–Prozession gelangen. Todsicher!

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Was verdeckt das Altartuch?

Reliquien müssen nicht unbedingt Knochen sein Ein nicht unwesentliches Detail des Altares wird immer vom Altartuch verdeckt: die Reliquien. 
Dieses lateinische Wort bezeichnet „Überbleibsel“ von Heiligen. Der Reliquienkult in der Kirche hatte im Laufe der Geschichte einmal eine größere, dann wieder eine weniger größere Bedeutung. Das Mittelalter war allgemein eine gute Zeit für Reliquien. Es können Knochenreste, oder Reste des Gewandes, Gebrauchsgegenstände von Heiligen oder auch – bei Heiligen der Neuzeit –seine Füllfeder oder seine Brille sein. Meist geht es aber nicht so profan zu in unseren Altären, sodass man annehmen kann, Knochenreste in unseren Altären zu finden.
Es ist aber auch für uns im 21. Jahrhundert nicht unbedeutend, wenn in einem jeden Altar (falls er aus Stein ist und fest im Altarraum steht), ein kleines Gefäß, eine Schachtel, eine Büchse oder ähnliches mit Reliquien zu finden ist. Auch uns Heutigen sind ja Gegenstände „heilig“, die an jemanden erinnern. In diesem Zusammenhang denke ich an das verkohlte Hemd des Feuerwehrmannes, der bei der Rettung des kleinen Mädchens umgekommen ist. Sein schwarz-grüner Hemdfetzen hat einen Ehrenplatz im Zimmer der jetzt auch schon älteren Dame, die in Dankbarkeit ihr Leben lang diese „Reliquie“ in Ehren hielt, seit der Zeit, in der ihr der Florianijünger sein Leben schenkte. Kann auch eine Zigarette zur Reliquie werden? Ja, wenn es nämlich die letzte ist, die der Vater geraucht hatte, bevor er einige Minuten später verstarb. Diese „Reliquie“ erinnert an ihn. Auch die alten Firm–Urkunden in meiner Sakristei sind „Reliquien“, die seit 10 Jahren dort liegen und darauf warten, von ihren stolzen Besitzern beim nächsten der feierlichen Firmungsmesse folgenden Kirchbesuch abgeholt zu werden ... Auch sie erinnern mich permanent an jemanden.  Reliquien erinnern uns an die Menschen, die uns den Glauben überliefert haben
In unseren Altären befinden sich die Knochenreliquien der Heiligen Afra und des Heiligen Leopold. Wenn wir einen neuen Steinaltar bekommen – dies soll der Höhepunkt der Innenrenovierungsarbeiten sein – werde ich mich bemühen, eine Reliquie des Hl. Nikolaus zu bekommen, die dann in unseren neuen Volksaltar eingemauert wird. 

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Ist der Geist eine Taube ?
Der Geist Gottes ist wie eine Taube.
So lautlos, dass er oft überhört wird
In der Bibel steht nichts davon, da lesen wir nur, dass „der Heilige Geist wie eine Taube auf Jesus herabkam“. Wir lesen nicht, dass er „als Taube“ flatterte.

 
Die Taube war bei den Griechen das heilige Tier der Aphrodite, der Liebesgöttin. Im Ersten Testament brachte die Taube dem Noah in seiner Arche den grünen Ölzweig, das Beweisstück, dass Land in Sicht war. Dieses wurde im Laufe der Zeit zum internationalen und von allen verstandenen (nicht immer gehaltenen) Friedenssymbol.
Tauben sind ein weit verbreitetes Attribut der Heiligen. Sie erscheinen als Symbol für die Inspiration der Heiligen Schrift bei den vier Evangelisten und flüstern den Schreibern Gottes Worte ins Ohr (eine Vorstellung, der die Bibelwissenschaft heftig widerspricht). Bei uns in der Wilfersdorfer Kirche sehen Sie eine Taube auf dem Fenster der Marienkirche (s.Bild rechts) und am Schalldeckel der Kanzel, wo der Heilige Geist dem Prediger beistehen soll, eine halbwegs ordentliche Ansprache hinzukriegen, könnte man populär formulieren ... An diesem Platze findet sich das Symbol für die dritte göttliche Person am allermeisten. 
Aber leider kommt der Hl. Geist nicht in Form des Sturmes oder des Erdbebens, nicht in Form von Feuerregen oder wilden Meereswellen, sondern in Form einer fast lautlos schwebenden Taube. Ein deutlicher Hinweis, dass Gottes Wort immer sehr leise und bescheiden ist und dementsprechend oft überhört wird. 

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