Georgien

Sommer 2003

 

 

17.06.2003

Flug mit Turkish Airline von Wien nach Trabzon um 388 Euro incl. + 20 Euro fürs Fahrrad. Vom Flughafen ins Zentrum sind es 5,5 km auf einer gut beleuchteten Strasse. Übernachtet haben wir im Hotel Yuvan – schönes sauberes Doppelzimmer mit Bad und Balkon um ca. 10 Euro incl. Frühstück.
18.06.2003
Von Trabzon nahmen wir einen Bus nach Hopa (160 km). Es war kein Problem die Räder mitzunehmen, mussten auch nichts extra zahlen. Ab Hopa bis zur georgischen Grenze (17 km) fuhren wir mit dem Rad auf einer zweispurigen gut asphaltierten Straße, es war kaum Verkehr. An der Grenze sind 12 Euro offiziell zu zahlen, 15 Euro an „Zusatzgebühren” haben wir zusätzlich gebraucht. Bis zur Hauptstadt der Autonomen Republik Adscharien – Batumi – ist die 17 km lange Strecke flach, teils führt sie durch schöne schattige Alleen.
In Batumi stiegen wir im Hotel El Bakuri ab, wir konnten zu zweit ein Einzelzimmer für 40 Lari (20 USD) nehmen. Das moderne, hohe Gebäude liegt direkt an der Hauptstrasse auf der rechten Seite, schon fast im Zentrum.
Batumi hat eine wunderschöne lange Uferpromenade, wo abends viel los ist.
19.06.2003
Ausflug zum botanischen Garten, der wunderschön und sehr groß ist, da kann man einen ganzen Tag verbringen, am Ende ist auch ein Badestrand. Man fährt Richtung Poti, nach ca. 8km bevor die Hauptstrasse nach einer Rechtskurve bergauf geht, biegt man links ab – Hinweisschild gibt's natürlich keines. Ab da sind es noch ungefähr 3 km einen Hügel hinauf und wieder hinunter.
Noch eine Nacht im El Bakuri in Batumi.
20.06.2003
Von Batumi nach Poti sind es 75 km. Die ersten 8 km bis zur Abzweigung zum botanischen Garten sind flach und neben dem Meer, aber dann geht's ganz schön bergauf zuerst auf einen Berg, dann steil hinunter und wieder bergauf auf den nächsten. Nach Kobuleti verlässt man Adscharien – an der „Grenze” mussten wir 5 Euro Registrierungsgebühr bezahlen.
Die Straße wird dann eher flach, dafür sind mehr Schlaglöcher.
Ü bernachtet haben wir 5 km vor Poti im Hotel Maltakva – einem riesigen alten Sowjethotel, voll mit Flüchtlingen aus Abchasien – um 30 Lari. Als wir dort waren, wurde mit einer dringend notwendigen Renovierung begonnen. Die Abzweigung zum Hotel ist gegenüber des Denkmals „Jason und die Wellen”, natürlich fehlt jeglicher Hinweis.
Vom Hotel aus sind war dann noch nach Poti, ein nettes ruhiges „ländliches” Städtchen.
21.06.2003
Vom Hotel brachen wir ganz in der Früh zum Bahnhof in Poti auf, dann fuhren wir mit dem Tageszug nach Kutaisi (Bahnhof Rioni). Die Fahrräder konnten wir im Zug mitnehmen, es hängt vom Schaffner ab, ob es erlaubt wird oder nicht. Vom Bahnhof in Rioni geht's 10 km durch schattige Alleen bis Kutaisi. Übernachtet haben wir im Hotel Kutaisi (DZ 20 Lari) – außer ein paar Zimmer sind alle mit Flüchtlingen belegt, fließendes Wasser gibt's nur sporadisch, die Zimmer sind aber sehr sauber und Wasser ist in Tonnen vorbereitet.
In Kutaisi sind wir mit einer Seilbahn auf den Aussichtsberg rauf gefahren und dann zur alten Kathedrale (herrlicher Stadtblick) spaziert.
22.06.2003
Von Kutaisi nach Khashuri sind es 115 anstrengende km. Man fährt lange einen Fluss entlang, leicht bergauf; nach ca. 80 km geht's dann einen Pass hinauf: ziemlich steil und nicht enden wollend! Fast oben ist dann ein 1,5 km langer Tunnel, ab dem es bergab gehen würde. Mit dem Fahrrad ist es aber abzuraten dadurch zu fahren (kein Licht, keine Ventilation), d.h. wir mussten uns noch weiter hinaufquälen, hatten aber dafür einen schönen Ausblick. Ab dem Pass geht's nur noch bergab. Wir haben dann das erste „Hotel” genommen, das wir gesehen haben, so 5 km vor Khashuri, auf der rechten Seite der Strasse. Es war eine recht einfache Unterkunft (ohne fließendes Wasser) mit einer netten Wirtin. Am Haus steht ganz einfach "Hotel", so haben wir es gefunden: DZ 20 Lari.
23.06.2003
Wir haben einen Tagesausflug ohne Rad zum Kurort Borjomi unternommen, hin mit dem Bus und zurück mit der Elektritschka (Zug). Borjomi war früher ein reicher Kurort mit wunderschönen Häusern und Parks, von dort kommt das in der ganzen ehemaligen UdSSR bekannte Mineralwasser. Derzeit ist das Städtchen leider ziemlich trist. Bei manchen Häusern wurde aber bereits mit Renovierungsarbeiten begonnen.
24.06.2003
Nach Gori, der Geburtsstadt von Stalin, sind es 60 km auf guter Strasse. Mitten im Ort ist das Hotel Inturist (40 Lari fürs DZ, Sowjetstil), wir waren so ziemlich die einzigen Gäste dort. Von dort haben wir noch einen Ausflug mit dem Rad zur ältesten Höhlensiedlung in Georgien unternommen. Der Weg nach Uplistsikhe ist total schlecht, nicht asphaltiert, uneben, außerdem hatten wir schlimmen Wind, uns verfolgende Hunde waren auch ziemlich zahlreich. Für Uplistsikhe zahlt man zwar als Ausländer ein paar Euro Eintrittsgeld, aber ich finde das in Ordnung.
25.06.2003
Von Gori nach M'tshet'a sind es 75 km, die Straße war nur zum Schluss etwas schlecht. Da wir mit dem Rad nicht nach Tbilisi fahren wollten, haben wir dort am Campingplatz 2 Nächte verbracht. Es gibt dort angenehme A-Hütten mit Klo, Dusche und Warmwasser um 25 Lari. M'tshet'a ist eine angenehm ruhiges Städtchen mit einer historischen Kirche, gelegen am Zusammenfluss von Kura und Aragwi.
26.06.2003
Ausflug nach Tbilisi, Gott sei Dank ohne Rad. Der Verkehr ist ein Wahnsinn dort, man kommt schon zu Fuß kaum über die Straße. Es gibt sehr schöne Gegenden mit alten Häusern, teils ziemlich verfallen. Einen bleibenden Eindruck hat die Synagoge hinterlassen, ein Rabbi hat uns zu einer Besichtigung eingeladen, wir hatten sonst noch nie die Möglichkeit eine Synagoge zu besichtigen, sie ist topp renoviert, natürlich mit Geld aus Israel. Eine alte Synagoge gibt es auch, die dem Verfall preisgegeben wurde. Die Standseilbahn war leider nicht in Betrieb.
Wir wollten die Zugkarte für den 5. Juli zurück nach Batumi kaufen, dies ist aber nur 5 Tage vor der Abfahrt möglich!
27.06.2003
Von M'tshet'a sind wir dann Richtung Kazbegi aufgebrochen – mit dem Rad. Einen Teil des Gepäcks konnten wir am Campingplatz zurücklassen, da einige Höhenmeter zurückzulegen sind, ist es empfehlenswert nicht alles mitzuschleppen. Die ersten 35 km bis Zhinvali (haben keine Übernachtungsmöglichkeit gesehen) gehen auf einer guten Straße immer leicht bergauf, danach ab einem Stausee geht's 7 km lang ziemlich steil bergauf – oben sind dann eine Reihe von Essensständen, dann 2 km bergab bis Ananauri einer alten Burg. Nach weiteren fast 30 km bergauf, bergab – natürlich mehr bergauf – erreichen wir Pasanauri. Ein Dorf das früher gut von "sowjetischen Touristen" gelebt hat, derzeit hat eher die Hoffnungslosigkeit Einzug gehalten. Die Straße über Kazbegi ist derzeit der einzige offizielle Landweg nach Russland, d.h. die LKWs müssen auf 2380 Meter hinauf. Es ist trotzdem sehr wenig Verkehr, der Grenzübergang ist nur für Georgier, Aserbaidschaner und Armenier offen – die außerdem alle ein russisches Visum brauchen. Wir haben danach von Polen und Deutschen gehört, die versucht haben von Russland aus über diesen Grenzübergang nach Georgien zu kommen, sie wurden alle von den Russen wieder zurückgeschickt.
Wir haben in Pasanauri im Hotel Aragwi – ein ehemalige große sowjetische Touristenbasis – als einzige Gäste für 20 Lari im DZ übernachtet. 2 Frauen haben dieses Hotel nun übernommen und bemühen sich sehr.
28.06.2003
Gleich in der Früh sind wir weiter gefahren, die Straße ist ziemlich schlecht, viele Baustellen mit tiefem Schotter. Nach 35 km stetig bergauf erreicht man die Polizeistation, ab da ist die richtige Passstraße zum Kreuzpass. Die netten Polizisten haben uns dazu überredet, mit einem Bus weiterzufahren, da die Straße sehr schlecht sei. Sie haben dann für uns ein Marschrutka aufgehalten, das uns mitsamt den Rädern nach Kazbegi mitgenommen hat. Unterwegs ist der Touristenort Gudauri (Heli-Schifahren) auf 1800 m, dann der Kreuzpass auf 2400 m. Nach ein paar km bergab ist eine Mineralwasserquelle (Narzani), dann geht's so 25 km noch bergab bis Kazbegi. Ein Ort auf 1740 m Höhe umgeben von sehr hohen Bergen, z.B. Kazbeg mit über 5000 m. Übernachtet haben wir dort bei Vanu, einem Bergsteiger, und seiner Mutter: 20 Lari. Beide sind total nett, er spricht Englisch, sie perfektes Russisch. Fürs Essen haben wir nichts extra bezahlt. Dies war der einzige Ort, an dem wir auch andere Touristen getroffen haben. Der einstündige Spaziergang zur Tsminda Samebo Kirche ist lohnend.
29.06.2003
Gleich in der Früh haben wir die Rückreise begonnen. Nach 40 km erreicht man den Kreuzpass, der Anstieg war nicht besonders anstrengend. Oben an einem kleinen Friedhof sind deutsche Kriegsgefangene begraben, die beim Bau der Strasse gestorben sind. Bei der sonst schönen Abfahrt mit schöner Aussicht hatte ich leider einen Sturz. Wasserdurchlässe sind nämlich mit einem Längsgitter abgedeckt, in dem genau ein Fahrradreifen stecken bleiben kann. Genau das ist mir aus Gedankenlosigkeit passiert. Wir haben es dann noch nach Gudauri geschafft, wo im österreichischen Hotel ein Hotelarzt anwesend war. Ich wurde gut versorgt für 40 Euro (am Kinn genäht, Bluterguss am Knie gekühlt) und der Arzt hat sich auch darum gekümmert, dass uns ein Marschrutka mitsamt den Rädern nach M'tshet'a auf den Campingplatz bringt.
30.06.2003
Ich blieb den ganzen Tag am Campingplatz, konnte ja weder gehen noch Rad fahren. Mein Freund konnte in Tbilisi jetzt (5 Tage vorher) die Zugkarte nach Batumi kaufen. Wir reservierten ein 1. Klasse Abteil (2 Betten im Abteil) im Nachtzug, denn nur so sahen wir eine Möglichkeit die Fahrräder mitzunehmen.
01.07.2003
Wir machten uns auf den Weg nach Kakheti, das Weinanbaugebiet im Osten Georgiens: Mit der Elektritschka (elektrische Eisenbahn) ist es normalerweise kein Problem ein Fahrrad mitzunehmen. In der ersten Elekrtritschka nach Tbilisi bekamen wir keinen Platz, es war alles voll mit Marktverkäufern und ihren Waren. Bei der nächsten, eine Stunde später, ging's dann. Nach Kakheti fahren leider keine Züge mehr, auch wenn auf den Karten noch eine Eisenbahn eingezeichnet ist.
Vom Zugbahnhof in Tbilisi bis zum Busbahnhof, wo die Marschrutkas nach Osten starten sind es ca. 10 km durch die Stadt. Es ging relativ gut mit dem Rad, dort war der Verkehr nicht so schlimm wie dann am 5. Juli. In dem Marschrutka nach Gurjaani war es kein Problem die Räder mitzunehmen, wir zahlten halt ein paar Plätze mehr. In Gurjaani gibt es zwar ein Hotel, aber der Fahrer des Marschrutkas hat uns eingeladen, bei seiner Familie zu übernachten. Wir haben die Einladung erfreut angenommen, eine solche Gastfreundschaft findet man kaum in einem anderen Land.
02.07.2003
Wir haben mit dem Rad einen Tagesausflug nach Telavi unternommen. Unterwegs wurden wir immer wieder von gastfreundlichen Menschen eingeladen. Weitere Übernachtung bei der Familie. Der georgische Wein ist total gut und man bekommt kein Kopfweh.
03.07.2003
Da sich der Urlaub zu Ende neigte, mussten wir Richtung Tbilisi aufbrechen. 12 km nach Gurjaani ist eine gute, öffentliche Quelle, dort kann man die Wasserflaschen auffüllen. Danach geht's ziemlich bergauf auf einen Pass, ein zweiter kleinerer Pass ist auch noch zu überwinden. Es war ziemlich heiß. In Sagarejo (von Gurjaani 80 km) gibt es zwar ein Hotel im Zentrum, es war aber niemand da. So haben wir die Einladung von netten Leuten angenommen und in Ihrem Ferienhaus übernachtet.
04.07.2003
Bis Tbilisi waren es dann noch 50 km auf einer eher flachen Strasse. In Tbilisi sind wir dann am Autoverkehr ziemlich verzweifelt, man wird ständig geschnitten.
Am Abend sind wir dann in den Zug und haben die Räder in unser Zweierabteil mitgenommen. Die Schlafwagenschaffnerin hat dank eines Trinkgeldes keine Probleme gemacht.
05.07.2003
Nach der Nacht im Zug sind wir vom Bahnhof in Batumi die uns schon bekannte Strecke bis Hopa gefahren. Und von dort wieder mit dem Bus nach Trabzon. Die Fahrräder mitzunehmen war wieder kein Problem. In Trabzon haben wir wieder das Hotel Yuvan genommen. Endlich wieder eine richtige Dusche mit fließendem Wasser!
06.07.2003
Um 4:00 in der Früh mit dem Rad vom Hotel zum Flughafen. Diesmal haben wir für die Räder nichts extra bezahlt. In Wien waren sie dann leicht beschädigt.