
Nofretetes Namen bedeutet "Die Schöne ist gekommen" und deshalb vermutete man lange Zeit, die Königin sei fremdländischer Herkunft. Man nahm an, daß Nofrete mit der Tochter von Tuschratta (König von Mitanni) namens Taduchepa identisch sei. Taduchepa sollte die diplomatische Verbindung zwischen Ägypten und den Hethitern festigen. Aber statt Amenophis III. zu heiraten, habe sie sich mit dessen Sohn Amenophis IV. (Echnaton) vermählt. Diese These ist aber unhaltbar. Es ist sogar sehr unwahrscheinlich, daß Nofretete und Taduchepa identisch sind.
Es gibt auch die These, daß Nofretete die Tochter von Amenophis III. war. Doch dagegen spricht, daß Nofretete nie den Titel "Tochter des Pharaos" trägt. Eine weitere These sieht Nofretete als Tochter einer bedeutenden Persönlichkeit bei Hofe. Vermutlich kommt Aja dafür in Frage, der eine Schlüsselfigur dieser Epoche war, doch auch dafür fehlen die endgültigen Beweise.
Nofretete trat in Echnatons viertem Regierungsjahr zum erstenmal in Erscheinung. Bei ihrer Heirat war sie höchstens 19 Jahre und Echnaton kaum älter als 14 Jahre. Ein Jahr nach der Heirat kam die erste Tochter zur Welt (Merietaton) und ein Jahr dannach folgte schon die zweite (Maketaton) und noch ein Jahr später kam Anchesenpaton, die dritte Tochter, zur Welt. Nofretete war mehr als nur Gemahlin und Mutter. Zahlreiche Hinweise lassen den Schluß zu, daß die Königin neben Echnaton der wichtigste "denkende Kopf" der religiösen Reform war und aktiv an der Einführung des Atonkultes mitwirkte. Sie trug den Titel "Nefer-Neferu-Aton" was "Vollkommen ist die Vollkommenheit des Aton" bedeutet. Bis zu ihrem Tod sah man sie bei allen offiziellen Zeremonien zu Ehren des Aton.

Pharao vorbehalten ist, zeigt Nofretete aus ganz neuer Perspektive, nämlich alskriegerische
Frau und wohl kaum als das passende Sinnbild einer friedliebenden Königin
und Mutter von sechs Töchtern. Man kann daraus schließen, daß
sie offenbar bei der Regierung eine Funktion inne hatte, die weit über
das übliche Maß hinausging. |


Da
Semenchkare denselben Thronnamen benutzte wie Nofretete - Anchcheprure - wird
immer wieder von Wissenschaftern behauptet, Nofretete selbst habe nach Echnatons
Tod regiert. Diese Behauptung stützt ein Hilferuf an den hethitischen König
Supiluliuma I., in dem es heißt:
"Mein Gatte ist tot, und ich habe keinen Sohn. Aber man sagt mir, daß du
viele Söhne hast. Wenn du mir einen deiner Söhne schickst, könnte er mein Gemahl
werden. Ich bin nicht geneigt, einen Diener von mir zu nehmen und ihn zu meinem
Gatten zu machen."
Der König leistete dem Hilferuf folge, und sandte seinen Sohn Zannanza nach Ägypten.
Er wurde jedoch auf dem Weg nach Ägypten ermordet und Tutenchamun bestieg
den Thron.
Laut einer zweiten Version stammt dieser Hilferuf nicht von Nofretete, sondern von Semenchkares Frau, Meritaton. Dieses Rätsel wird man wahrscheinlich nie vollständig klären können, da die nachfolgenden Herrscher alles taten, um die Erinnerungen an diese "ketzerische Periode" auszulöschen. Gesichert ist jedoch, daß Nofretetes Spuren am Ende ihres Lebens sehr spärlich sind. Es kann eigentlich auch über die näheren Umstände ihres Todes nichts Genaueres gesagt werden. Man kann aber mit Bestimmtheit sagen, das sie unter Echnaton, eine bedeutende und umfangreiche Position innehatte. Nofretete war ein wichtiger Bestandteil des neuen Aton Kultes. Aufgrund einiger Indizien kann man darauf schließen, daß sie keine gewöhnliche Köningin war, sondern sich wie ein Pharao verhielt und die traditionellen Vorrechte eines Herrschers genoß. Auf manchen Darstellungen lenkt sie einen Streitwagen, erschlägt Feinde, trägt das Zepter, das die Macht der höchsten Befehlsinstanz symbolisiert, und weiht die Opfergaben.
(oben) der schmale Goldring wurde außerhalb von Amarna gefunden. Er trägt Nofretetes Kartusche.
(Museum Edinburgh)


| (links) diese weltberühmte Büste wurde am 6.12.1912 von ein
Die Büste der Nofretete (wurde nachweislich "Nafteta" ausgesprochen),auch bekannt unter Nefert-ity, in Berlin unterscheidet sich von den übrigen Werken aus der Amarna Zeit. Denn das Portraits der Königin wirkt sehr elegant und auch sehr feminin. Am Anfang war sie ein aussergewöhnlich beliebtes Motiv der Bildhauer.In Karnak am Atonstempel dominiert sie in den eingemeißelten Szenen. Einer der Steinblöcke zeigt, wie sie Gefangene bei den Haaren packt und mit der Keule erschlägt. Diese uralte Positur, die eigentlich einen
er Expedition der Deutschen
Orientgesellschaft unter der Leitung von Ludwig Borchardt in einer ehemaligen
Bildhauerwerkstatt zusammen mit anderen Rundbildern gefunden. Schon bald
konnte festgestellt werden, daß diese Büste niemals zur Aufstellung im
Tempel oder im Palast bestimmt gewesen war, sondern als Lehrstück gedient
hatte. Sie war von einem bedeutenden Meister geschaffen worden, um als
Vorlage für andere Portraits der Königin zu dienen. Zum Wesen eines Werkstattmusters
gehörte es, daß es in der Regel nicht vollständig ausgeführt war. So bot
es dem Bildhauer die Möglichkeit, durch die nicht fertigen Details oder
durch die noch erkennbaren Vor- zeichnungen
den Herstellungsweg leichter
verfolgen zu können. Bei dem Nofretete-Portrait ist sicher deshalb nur
das rechte Auge ausgeführt, wobei eine schwarze Wachsschicht auf den,
aus dem Kalkstein herausggearbeiteten Untergrund aufgetragen und darüber
eine Bergkristallschale als Augeneinlage befestigt wurde. Am nicht fertiggestellten
linken Auge konnte der Bildhauer, der die Büste als Vorlage benützte,
deutlich erkennen, wie weit er den Augenuntergrund aus dem Stein herausarbeiten
mußte. |
