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© renald deppe
splittergraphische notationstabulaturen / nr.10
(feder, eisengallustinte & tusche auf papier)



Es war einer dieser grenzüberschreitenden Events. Wiener Konzerthaus, Mozartsaal. E-Musik und Jazz. Fast alle spielten sie brav ihre Parts. Ein bißchen zu brav vielleicht. Nur einer nützte die Chance. Blies Unerhörtes. Auf die Gefahr hin aufzufallen. Möglicherweise sogar negativ bei den Groove- und Ohrenschmaus Suchenden. Dynamische Bocksprünge, respektloses Blöken, kratziges Wispern. Selbstbewußt – dreckiger Sound sprengte plötzlich das allgemeine Bemühen. Virtuoses Heulen am Altsaxophon. Präzise getimter Ausbruch. Der Jazz lebt! Auch als exotische Pflanze im europäischen Klanggarten ... Kunst ohne Snob-Appeal. Komplexität, die nicht ausgrenzt. Strenge, die nicht verletzt. Härte, die sich gegen niemanden wendet. Capella con Durezza. Oder: Offenheit ohne Populismus. Zugänglichkeit ohne Anbiederung. Publikumsnähe ohne Massenverwertungszwang. Professionalität ohne Perfektionierungswahn ... Niemand sonst geht so mühelos durch die Stahlbetonwände der Wiener Musikszenen. Niemandem sonst folgen so gegensätzliche Künstler auf die Bühne. Und das meist für wenig Geld. Als Katalysator, Organisator und notorischer Selbstausbeuter ist Renald Deppe aus Wien nicht mehr wegzudenken. Ebensowenig als kreativer Künstler...

Robert Bilek / ORF


Finissage. Er unterrichtet, veranstaltet, fördert, schreibt, denkt und philosophiert nicht nur (über) Musik, er malt sie auch: Renald Deppe. Und er spielt sie natürlich: Anlässlich der Finissage seiner Ausstellung "Musica getuscht und ausgezogen" unterhält sich der Wahl-Wiener Saxofonist und Hansdampf aus Bochum wohl erneut auf geistreiche Art mit Andrej Serkow (Bajan) und Michael Bruckner (Gitarre).

Andreas Felber / der Standard


Die Königinnen der benachbarten Länder stellten sich ebenso wie Bundespräsident Horst Köhler zur Inauguration des Hauses ein, das nach Grand-Duchesse Joséphine-Charlotte benannt wurde. Doch zuvor war das luxemburgische Staatsvolk an der Reihe: Aus sämtlichen Jugendmusikschulen des Ländchens wurden 230 Flöten- und Klarinetten-Eleven ausgewählt und zwischen den schlanken hohen Säulen postiert, ergänzt von "4 x 4 sitzstarken Blechmusikanten" und angeleitet von Renald Deppe zu einer Massen-Improvisation. Eine imposante Klangkaskade erhob sich bis unters Dach. Die Klangflut umbrandete den Saal, in dem dann die akustischen Möglichkeiten vom Streicheln eines Birkenzweigs auf Trommelfell bis zum infernalischen Tutti-Spektakel ausgereizt wurde...

Süddeutsche Zeitung / 38.06.2005

© renald deppe : tabulatur

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