Palais Liechtenstein Majorats Palais Herkulessaal  
 

Palais Liechtenstein (Fürstengasse 1, 1090 Wien)

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Entstehungsgeschichte Palais-Liechtenstein:

1687 wurde der Baugrund von Johann Adam Andreas von Liechtenstein erworben. Der Entwurf des Gartenpalastes wurde Domenico Egidio Rossi übertragen. Nach diesem Entwurf wurde 1691 mit dem Bau begonnen. 1692 griff Domencio Martinelli in das Konzept ein, die Bauunterbrechung, die die vorgezogene Fertigstellung des Majoratshauses in der Bankgasse ab 1694 verursachte, gab ihm schlußendlich die Möglichkeit, auch dem Bau in der Rossau seinen Stempel aufzudrücken. Auf ihn weist die sehr strenge Fassadengestaltung, die mehr einem Stadt-als einem Gartenpalais entspricht. Die Steitenflügel verbinden sich mit dem Kernbau zu einer blockhaften Gesamterscheinung. Der Rohbau dürfte bald nach 1700 fertiggestellt gewesen sein, an den Nebengebäuden wurde bis 1711 gearbeitet.

Innenausstattung

Mit der Innenausstattung wurde 1704 begonnen. Der kunstliebende Fürst, der großen Wert auf eine prunkvolle Ausgestaltung seines Sommersitzes legte, verpflichtete dafür einige der angesehenen Künstler seiner Zeit.

Der Stukkateur Santino Bussi (1663-1737) stattete die Decken der Eingangshalle (Sala Terrena) und des ersten Stockes (Piano Nobile) aus - er erhielt dafür neben einem ansehnlichen Honorar in Gulden auch vierzig Eimer Wein, damals eine nicht ungewöhnliche Form der Bezahlung.

1692 erging ein Auftrag für Deckengemälde nach Bologna, und zwar an Marcantonio Franceschini (1648 - 1729). Er schuf die Deckenbilder für den Piano Nobile in seiner Werkstatt in Bologna, in Wien wurden sie dann in die stukkierten Decken eingesetzt. Diese Bilder haben Szenen der griechischen Götter und Heldensagen zum Thema.

Ebenfalls mythologischen und allegorischen Inhalt haben die Fresken, die Johann Michael Rottmayr (1654-1730) für die 27 Medaillons in der Sala Terrena schuf. In den Feldern mit den allegorischen Darstellungen der Künste finden wir aber auch einige interessante Details, die auf das neuerbaute Palais Bezug nehmen: In der Allegorie der Bildhauerkunst ist das Wappen der Familie Liechtenstein zu sehen. Im Medaillon mit der Allegorie der Malerei hat Rottmayr sein Werk signiert und datiert (1708). Auch die heute nicht allgemein zugänglichen Archiv- und Bibliotheksräume im Erdgeschoß und die Decken der Stiegenhäuser wurden durch Fresken desselben Künstlers geschmückt. (Die Fresken im Stiegenhaus sind heute allerdings nicht mehr zu sehen, da sie anläßlich einer Umgestaltung des Gebäudes zu Beginn des vorigen Jahrhunderts durch Ölgemälde überdeckt wurden.) Den plastischen Schmuck in der Sala Terrena und am Außenbau schuf Giovanni Giuliani (1663 - 1744) mit seiner Werkstatt, von ihm stammen auch die Plastiken für das Stadtpalais der Liechtenstein.

 

Herkulessaal

Der große Festsaal, der repäsentative Kern des Palais, wurde am prunkvollsten ausgestattet. Der Fußboden besteht ebenso wie die Türrahmungen und die Säulensockel aus grauem Marmor. Sechzehn monumentale Halbsäulen aus rotem Kunstmarmor gliedern die sich über zwei Stockwerke erstreckenden Wände. Zwischen diesen Säulen sind Tafelbilder eingelassen, von denen die jeweils an den Seitenwänden der Schule Andrea Pozzos zugeschrieben werden. Die drei Gemälde an der der Fensterseite gegenüberliegenden Wand stammen von Marc-Antonio Franceschini. Möglicherweise wurden sie erst später eingesetzt, da die ursprünglichen Aufrißpläne an dieser Wand Emporenfenster aufweisen, die es ermöglichen sollten, vom zweiten Stock aus dem Treiben im Prunksaal zuzuschauen.

Über dem breiten, goldfarbigen Abschlußgesimse erhebt sich das Deckenfresko, das die Taten und den Triumph des antiken Tugendhelden als Allusion der Aufzeichnung eines Reichsfürsten durch den Kaiser darstellt, welches Andrea Pozzo (1642 - 1709) in den Jahren 1704 bis 1708 schuf. Dem Bereich der gemalten Scheinarchitektur, die eine Fortsetzung der wirklichen architektonischen Gliederung des Saales darstellt und somit einem größeren Realitätsgrad angehört, sind die Szenen aus dem "irdischen" Leben des Herkules zugeordnet. Dem Thema der Apotheose entsprechend, die sich im Olymp, also im überirdischen Bereich abspielt, wird das Geschehen im unendlichen Himmelsraum, der sich über der Architektur öffnet, fortgesetzt. Durch die perspektivisch verkürzte Fortsetzung der realen Architekturteile der Wand - Säulen, Gesimse - entsteht die Illusion eines Gewölbes, die in keinem Verhältnis zur tatsächlich nur sehr leichten Wölbung der Decke steht. Besonders täuschend wirkt die Scheinarchitektur, wenn der Betrachter in der Mitte des Raumes steht.

Verwendung des Palais im Laufe der Jahrhunderte

Im 18. Jahrhundert wurde das Gartenpalais als Sommersitz der Familie Liechtenstein und zur Feier repräsentativer Feste verwendet: Die damals noch offene Sala Terrena diente als Durchfahrt zum Park, der Piano Nobile mit dem Festsaal wurde hauptsächlich für Festlichkeiten benutzt, während im niedrigeren zweiten Stock, der nur über zwei Wendeltreppen erreichbar war, Wohnräume lagen.

Anfang des 19. Jahrhunderts beschloß Fürst Johann I. Josef Liechtenstein (1760 - 1836), die umfangreiche Kunstsammlung der Familie aus dem Palais in der Bankgasse und aus verschiedenen Schlössern im Palais in der Roßau zu sammeln und auszustellen. In diesem Zusammenhang wurden auch die Deckengemälde, die der venezianische Maler Antonio Bellocci (1654 - 1715) für die Bankgasse geschaffen hatte, hier hergebracht und in die Decken des zweiten Stockwerkes eingesetzt. Die Fresken Rottmayrs im Stiegenhaus wurden damals mit Ölbildern aus diesen Beständen verdeckt. Im Zuge der durch die Umwidmung des Palais notwendigen Umbauarbeiten wurde auch das triumpfbogenartige Eingangstor in den Park vom Liechtensteinischen Hofarchitekten Josef Hardtmuth (1759 - 1816) errichtet (1814 datiert).

Die damals neueingerichtete Liechtensteinische Gemäldesammlung war eine der ersten der großen Adelsgalerien, die öffentlich zugänglich gemacht wurde. Sie blieb in diesem Palais, bis sie im Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen im Jahre 1944 und 1948 nach Vaduz übersiedelt wurde.

1955 bis 1978 war im Palais das Österreichische Bauzentrum untergebracht. 1978/79 wurde der Bau renoviert, um seit April 1975 dem neu gegründeten Museum moderner Kunst als Heimstätte zu dienen, bis es Ende 2000 auszog und im Museumsquartier im Herbst 2001 wiedereröffnet wurde.

Die gesamte künstlerisch wertvolle Substanz des Hauses, allen voran die Deckengemäde Belluccis und Francschinis, die Fresken Pozzos und Rottmayrs sowie der gesamte Deckenstuck Bussis wurden einer gründlichen Restaurierung unterzogen.