Franz Kafka konkret

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Eine Erfassung der gesamten Sekundärliteratur zu Kafka (bis ca. 1996/1997) findet sich in

Caputo-Mayr, Maria Luise / Herz, Julius M.: Franz Kafka. Internationale Bibliographie der Primär- und Sekundärliteratur. 2 Bände in 3 Teilen. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. München 2000.

Band I: Bibliographie der Primärliteratur 1908 - 1997

Band II, Teil 1: Kommentierte Bibliographie der Sekundärliteratur 1955 - 1980

Band II, Teil 2: Kommentierte Bibliographie der Sekundärliteratur 1981 - 1997

Hier in dieser Web-Site kann natürlich nur eine kleine subjektive Auswahl getroffen werden. Bei den folgenden Büchern bzw. Aufsätzen werden in einigen Fällen die bibliographischen Angaben noch durch eine ganz kurze Charakterisierung ergänzt [und, in manchen Fällen, auch durch einen in eckige Klammern gestellten subjektiven Kommentar des Verfassers dieser Web-Site].

Bei den als Hyperlinks ausgeführten Titeln werden Kaufinformationen über einen Buchkatalog (amazon.de) abgefragt.
Bei allen Titeln können Ausleihinformationen für große öffentliche Bibliotheken über den Karlsruher virtuellen Katalog abgefragt werden.


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Aichmayr, Michael / Buchmayr, Friedrich: Im Labyrinth. Texte zu Kafka. Stuttgart 1997.

Albrecht, Nicola: Verschollen im Meer der Medien. Kafkas Romanfragment "Amerika". Zur Rekonstruktion und Deutung eines Medienkomplexes. Heidelberg 2007.

Allemann, Beda: Zeit und Geschichte im Werk Kafkas. Göttingen 2002. (Frühere Ausgabe: 1998)

Alt, Peter-André: Kafka und der Film. Über kinematographisches Erzählen. München 2009.

Amann, Jürg / Schaefer, Albert T.: Kafka. Wort-Bild-Essay. Innsbruck 2000.

Anders, Günther: Franz Kafka pro et contra. München 1984. (Frühere Ausgabe: 1951)
Analyse des hilflosen Außenseitertums und des Vorherrschens des Metaphorischen (die Metaphern "nehmen die Sprache beim Wort") in den Werken Kafkas sowie kritische Auseinandersetzung mit des Dichters (laut Anders) latentem Nihilismus. Für Anders verklärt Kafka seine Unentschlossenheit zum Paradox und wird daher zum "philosophisch und moralisch unverwendbaren Autor", den man "zu Tode verstehen" müsse (= dessen Nihilismen man zu widerstehen hat). Charakteristisch für Kafkas Figuren ist ihr Nicht-in-der-Welt-sein, ihr Versuch, "in die Welt einzubrechen". Für sie ist die Welt ein Gegenstand sowohl des Schreckens als auch der Werbung.
[Für einen Philosophen schreibt Anders wohltuend metaphysikfrei und in erfrischend scharfer, prägnanter und dicht-originell formulierender Sprache. Er kommt Kafka so nahe, wie man ihm unter Ausklammerung der Tiefenpsychologie nur kommen kann.]

Andringa, Els: Wandel der Interpretation. Kafkas "Vor dem Gesetz" im Spiegel der Literaturwissenschaft. Opladen 1994.

Anglet, Kurt: Kafka-Sequenzen zum Prozess: Die Aura vor dem Fall. Würzburg 2006.
Der Autor setzt die von Kafka in Szene gesetzte "Liquidation des Einzelnen" in Beziehung zu Prozessen der Auflösung gesellschaftlicher Beziehungen in totalitären Herrschaftsformen des 20.Jahrhunderts.

Anglet, Kurt: Kafka-Sequenzen zum Schloss: Die zweite Aufklärung. Würzburg 2006.
Auch in diesem Buch zeigt Anglet Parallelen zwischen Kafka und Paul Klee auf, die beide (dem Autor zufolge) "Vorausbilder des Unheils" entworfen und das Kommende in den vielfältigen Anfechtungen der Figuren angedeutet hätten.

Anz, Thomas: Franz Kafka. Leben und Werk. Aktualisierte und überarbeitete Neuausgabe. München 2009.

Arnold, Heinz L. (Hrsg.): Franz Kafka. München 2006.
Inhalt: Bewährte Interpretationen der wichtigsten Werke Kafkas, ein Essay zur Forschungsgeschichte sowie ein Beitrag zur Editionslage.


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Baioni, Giuliano: Kafka. Letteratura ed ebraismo. Rom 2008.

Balke, Friedrich [u.a.] (Hrsg.): Für alle und keinen. Lektüre, Schrift und Leben bei Nietzsche und Kafka. Zürich [u.a.] 2008.
[Vorsicht! Es folgt eine - vielleicht von den Herausgebern selbst verfasste - Beschreibung  des Buches im typisch postmodernen Stil:]
Es gibt kaum zwei andere Autoren der deutschsprachigen Moderne, bei denen das Verhältnis von Sprache und Leben so intensiv verhandelt wird wie bei Friedrich Nietzsche und Franz Kafka. Für Nietzsche, den »gefährlichen Denker« und das »Dynamit« der christlich-abendländischen Werteordnung, wie für Kafka, den »Dichter der Angst« und Experten für Arbeiter-Unfallversicherung, bilden die biopolitischen Dispositive des heraufkommenden Wohlfahrtsstaates und die Verschiebungen, die der Historismus für die Ökonomie des Wissens und die Massenpresse für die Ökonomie der Rede bedeuten, eng aufeinander bezogene Faktoren des Problemgefüges, das ihre Schreibprojekte hervortreibt. Für beide stellt der Doppelcharakter sprachlicher Überlieferung als Sicherung des kollektiven Lebens und als Unterwerfung des individuellen eine zentrale schriftstellerische Herausforderung dar, und beide begreifen die daraus resultierende Riskanz einer radikalen Umschrift der durch Lektüre angeeigneten Tradition als ethisches Problem. Der Band zielt darauf ab, die beiden Antworten auf jene Herausforderung vor ihrem jeweiligen biographischen und zeitgeschichtlichen Hintergrund gegeneinander zu kontrastieren und sie zugleich als bis heute gültige paradigmatische »Haltungen« im diskursiven Feld der Moderne sichtbar werden zu lassen. Indem der Band den »dialogischen« Bezug Kafkas auf Nietzsche auf der Folie diskursiver und medialer Ereignisse und Konstellationen der Zeit motiviert und spezifiziert, läßt er ihn zugleich als vielstimmigen »Polylog« oder sogar unlesbaren »Babellog« quer durch die Kultur und die Wissensfelder des anbrechenden »kurzen 20. Jahrhunderts« (1914-1989) erscheinen.
[Nach der Lektüre dieser Buchbeschreibung ("für alle und keinen") lässt sich vielleicht noch besser erahnen, warum die Kafka-Interpretation weit mehr als zehntausend Arbeiten umfasst und doch seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt.]

Bancaud, Florence: Le journal de Franz Kafka ou l´ecriture en procès. Paris 2001.
In diesem leider noch nicht ins Deutsche übersetzten Buch werden Kafkas Tagebuchhefte vor allem auch als "Schreiblabor" verstanden, wo der Dichter seine Figuren und Themen in unzähligen Skizzen, Varianten und Fragmenten umkreist und allmählich formt.

Bancaud, Florence: Franz Kafka ou l´art de l´esquisse. Paris 2006.

Battegay, Caspar [u.a.] (Hrsg,): Schrift und Zeit in Franz Kafkas Oktavheften. Göttingen 2010.
Der Sammelband behandelt den handschriftlichen Zusammenhang der in den Oktavheften vereinten Tagebuchfragmente, Briefentwürfe und Erzählkomplexe und zieht Schlüsse zu Kafkas Poetik sowie zu seinen Überlegungen zur Zeit und zum Zionismus.

Bay, Hansjörg / Hamann, Christof: Odradeks Lachen. Fremdheit bei Kafka .  Freiburg i. B. [u.a.] 2006.

Becher, Peter / Höhne, Steffen / Nekula, Marek: Kafka und Prag. Literatur-, kultur-, sozial- und sprachhistorische Kontexte. Köln [u.a.] 2012.

Becker, Britta: Metaphysische Sehnsucht und existentielle Verzweiflung. Kabbalistische Motivik und Gnosis ohne Erlösung in Erzählungen Franz Kafkas. Freiburg i.B. 2004 (Elektronische Ressource).

Begley, Louis: Die ungeheuere Welt, die ich im Kopfe habe. Über Franz Kafka. München 2008.

Beicken, Peter: Franz Kafka, "Der Proceß". München 1995.

Beißner, Friedrich: Der Erzähler Franz Kafka. Stuttgart 1952.

Beißner, Friedrich: Kafka, der Dichter. Stuttgart 1958.

Benedukt-Teubl, Brigitte: Suche nach dem verlorenen Selbst. Eine tiefenpsychologische Betrachtung des Schloßromans von Franz Kafka. Stuttgart 1998.
Tiefenpsychologische, an C.G.Jungs Schule orientierte Deutung des Romans als Suche des Landvermessers K. nach seinem Selbst im Kampf mit den eigenen, teils angepassten, teils widerstrebenden Persönlichkeitsanteilen. Die Autorin konzentriert sich auf die Werk-Leser-Beziehungsebene und klammert die Persönlichkeitsgeschichte Kafkas aus.

Benjamin, Walter: "Franz Kafka". In: Ausgewählte Schriften. Bd. II. Frankfurt a.M. 1966. S.248ff.

Berger, Gabriele: Franz Kafkas "Schloss" - die Lesbarkeit des Unbegreifbaren. Ein literarischer Darstellungsversuch zwischen Eros und Logos. Bielefeld 2000.

Bermejo-Rubio, Fernando: Truth and Lies about Gregor Samsa. The Logic Underlying the Two Conflicting Versions in Kafka´s Die Verwandlung. In: Deutsche Vierteljahrsschrift 3/2012, S.419-479.
Der Autor arbeitet heraus, dass sich in Kafkas Erzählung zwei einander entgegengesetzte Versionen des narrativen Inhalts finden (vor allem: Gregor als ungeheures Ungeziefer versus Gregor als Mensch), und dass diese beiden Versionen einer Logik des Opfermechanismus unterliegen, aus der heraus sie erklärbar werden. Die "Verwandlung" stellt demnach die literarische Nachbildung einer Situation der "verzerrten Objektivität" dar, wie sie oft in Täter-Opfer-Prozessen vorkommt.
[Bermejo-Rubio zählt zu den ganz wenigen Autoren, welche das vorherrschende Paradigma, wonach Kafkas Texte prinzipiell unergründbar sind, scharf kritisieren. Seine in englischer Sprache vorliegende Arbeit deckt die Versäumnisse bisheriger Interpretationen auf und legt eine stimmige Neudeutung vor.]

Binder, Hartmut: Kafka in neuer Sicht. Mimik, Gestik und Personengefüge als Darstellungsformen des Autobiographischen. Stuttgart 1976.
Detaillierte Textanalysen mit Betonung auf Gestik, Mimik und sprachliche Äußerungen als bevorzugte Komponenten der Figurenbeschreibung und Menschenbeobachtung; Herstellung konkreter Bezüge und Entsprechungen zwischen Orten, Handlungen und Figuren in den Texten und im Dichterleben. Für Binder sind Lebenssphäre und Werkgestalt aufeinander bezogen.
[Hartmut Binder ist der vielleicht profundeste Kenner der Texte und ihrer Bezüge; seine Darstellung ist von großer Detailtreue, "positivistisch" und mit starkem autobiographischem Schwerpunkt.]

Binder, Hartmut: Kafka-Kommentar zu den Romanen, Rezensionen, Aphorismen und zum Brief an den Vater. 2., ergänzte Auflage. München 1982.
Kommentare zu einzelnen Textelementen, in der Abfolge der Texte.
[Es gilt das schon weiter oben Gesagte: Hartmut Binder kann als der detailkenntnisreichste unter den Kafka-Experten gelten und verliert sich nie in metaphysischen Spekulationen.]

Binder, Hartmut: Kafka-Kommentar zu sämtlichen Erzählungen. München 1975.

Binder, Hartmut: Motiv und Gestaltung bei Franz Kafka. Bonn 1966.

Binder, Hartmut: "Vor dem Gesetz". Einführung in Kafkas Welt. Stuttgart [u.a.] 1993.

Binder, Hartmut: Kafkas "Verwandlung". Entstehung, Deutung, Wirkung. Frankfurt a.M. [u.a] 2004.
Detailgenaue Sammlung von Informationen zur Entstehung, Veröffentlichung, Deutung und Wirkung von Kafkas Erzählung "Die Verwandlung", mit methodischer Konzentration auf die Biographie des Dichters und in kritischer Distanz zum Großteil der Kafka-Forschung.

Blanchot, Maurice: Von Kafka zu Kafka. Mit einem Nachwort von Elsbeth Dangel. Frankfurt a.M. 1993.