Franz Kafka konkret

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Interpretationen (geordnet nach Interpretationsschwerpunkten)   [Auswahl]

 

Interpretationen mit Schwerpunkt Religion / Judentum / Kultur / Gesellschaft   [Auswahl]

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Interpretationen mit sonstigen Schwerpunkten (z.B.: Ästhetik, Vergleiche, Detailuntersuchungen, Sammelinterpretationen etc.)   [Auswahl]


Eine Erfassung der gesamten Sekundärliteratur zu Kafka (bis ca. 1996/1997) findet sich in

Caputo-Mayr, Maria Luise / Herz, Julius M.: Franz Kafka. Internationale Bibliographie der Primär- und Sekundärliteratur. 2 Bände in 3 Teilen. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. München 2000.

Band I: Bibliographie der Primärliteratur 1908 - 1997

Band II, Teil 1: Kommentierte Bibliographie der Sekundärliteratur 1955 - 1980

Band II, Teil 2: Kommentierte Bibliographie der Sekundärliteratur 1981 - 1997

Hier in dieser Web-Site kann natürlich nur eine kleine subjektive Auswahl getroffen werden. Bei den folgenden Büchern bzw. Aufsätzen werden in einigen Fällen die bibliographischen Angaben noch durch eine ganz kurze Charakterisierung ergänzt [und, in manchen Fällen, auch durch einen in eckige Klammern gestellten subjektiven Kommentar des Verfassers dieser Web-Site].

Bei den als Hyperlinks ausgeführten Titeln werden Kaufinformationen über einen Buchkatalog (amazon.de) abgefragt.
Bei allen Titeln können Ausleihinformationen für große öffentliche Bibliotheken über den Karlsruher virtuellen Katalog abgefragt werden.


Interpretationen mit Schwerpunkt Religion / Judentum / Kultur / Gesellschaft   [Auswahl]


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Allemann, Beda: Zeit und Geschichte im Werk Kafkas. Göttingen 2002. (Frühere Ausgabe: 1998)

Alt, Peter-André: Kafka und der Film. Über kinematographisches Erzählen. München 2009.

Battegay, Caspar [u.a.] (Hrsg,): Schrift und Zeit in Franz Kafkas Oktavheften. Göttingen 2010.
Der Sammelband behandelt den handschriftlichen Zusammenhang der in den Oktavheften vereinten Tagebuchfragmente, Briefentwürfe und Erzählkomplexe und zieht Schlüsse zu Kafkas Poetik sowie zu seinen Überlegungen zur Zeit und zum Zionismus.

Becher, Peter / Höhne, Steffen / Nekula, Marek: Kafka und Prag. Literatur-, kultur-, sozial- und sprachhistorische Kontexte. Köln [u.a.] 2012.

Botros, Atef: Kafka - ein jüdischer Schriftsteller aus arabischer Sicht. Wiesbaden 2009.
Arabische Kafka-Rezeption ab 1939 durch arabische Intellektuelle, auch in bezug auf Kafkas jüdische Herkunft im Zusammenhang mit dem jüdisch-arabischen Konflikt.

Brabandt, Anne: Franz Kafka und der Stummfilm. Eine intermediale Studie. München 2009.

Brod, Max: Über Franz Kafka. Frankfurt a.M. 1966.
Dieses Buch ist auch als Taschenbuchausgabe erschienen (1993).
Vorwiegend jüdisch-religiöse Deutungen.
[Viele Autoren stimmen darin überein, dass das größte Verdienst Brods in der Rettung der unveröffentlichten Texte Kafkas liegt sowie in seinen Bemühungen, dem Dichter und seinem Werk den gebührenden Ruhm zu verschaffen; die Ausdeutung der Texte gehört demnach nicht unbedingt zu Brods wichtigen Leistungen.]

Engel, Manfred / Robertson, Ritchie (Hrsg.): Kafka und die kleine Prosa der Moderne. Kafka and short modernist prose. Würzburg 2010.

Engel, Manfred / Robertson, Ritchie (Hrsg.): Kafka. Prag und der Erste Weltkrieg. Kafka, Prague and the First World War. Würzburg 2012.

Engel, Manfed / Robertson, Ritchie (Hrsg.): Kafka und die Religion in der Moderne. Kafka, Religion and Modernity. Würzburg 2014.

Ferk, Janko: Recht ist ein "Prozeß". Über Kafkas Rechtsphilosophie. Wien 2006. (Frühere Ausgabe: 1999)
Untersuchung der Einflüsse, die von Kafkas juristischer Ausbildung und von seinem juristischen Beruf ausgehend auf die Texte einwirken, sowie der Vorstellungen des Dichters von zentralen Rechtsbegriffen. Ferk plädiert überdies für eine verstärkte Betrachtung des Dichters als Philosophen.

Grabenmeier, Isolde: Schreiben als Beruf. Zur Poetik Franz Kafkas auf dem Hintergrund der Herrschaftstheorie und Methodenreflexion Max Webers. Freiburg i.B. [u.a.] 2008.
Untersuchung von Kafkas Texten und Webers Schriften unter dem Aspekt des Zeichencharakters sowohl literarischer als auch sozialer Phänomene.

Grafenburg, Markus: Gemeinschaft vor dem Gesetz. Jüdische Identität bei Franz Kafka. Wien 2016.

Grözinger, Karl Erich: Kafka und die Kabbala. Das Jüdische in Werk und Denken von Franz Kafka. Erweiterte Neuausgabe. Berlin [u.a.] 2003. (Frühere Ausgabe: Frankfurt a.M. 1992)
Der Verfasser konzentriert sich auf die Einflüsse des Judentums (vor allem der Kabbala) auf Kafka.
[Der Wert von Untersuchungen der jüdischen Wurzeln des Dichters und deren Einflüsse auf Leben und Werk ist unbestritten. Eine Gefahr bleibt jedoch virulent: Kafka war auf Grund bestimmter Ereignisse und Konstellationen in seinem Leben (ebenso wie das gleichnamige, der Bibel entnommene Vorbild für die Figur des Barnabas im "Schloß"-Roman) ein Jude, dem das Christentum wichtiger wurde als die Religion seiner Väter. Solange dies nicht geklärt und anerkannt ist, führt die "jüdische Spur" zumindest teilweise in die Irre.]

Haller-Nevermann, Marie / Rehwinkel, Dieter: Franz Kafka. Visionär der Moderne. Göttingen 2008.

Hauser, Sigrid: Kafkas Raum im Zeitalter seiner digitalen Überwachbarkeit. Wien 2009.

Murnane, Barry: "Verkehr mit Gespenstern": Gothic und Moderne bei Franz Kafka. Würzburg 2008.

Neumann, Bernd: Franz Kafka: Aporien der Assimilation. Eine Rekonstruktion seines Romanwerks. Paderborn 2007.
Neumann wendet sich gegen die postmoderne Kafka-Forschung und möchte Kafkas Romane wieder an das historische Umfeld der Entstehungszeit und ihren "sozialen Energien" anbinden, insbesondere auch an die politische Realität und die Probleme der jüdischen Assimilation.

Neumann, Bernd: Franz Kafka und der Große Krieg. Eine kulturhistorische Chronik seines Schreibens. Würzburg 2014.
Zum Zusammenhang von Kafkas Texten mit anderen, auch nicht-literarischen Texten seiner Zeit.

Plass, Ulrich: Franz Kafka. Wien 2009.
Unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstandes werden die Romane, Erzählungen, Tagebücher und Briefe, aber auch der sozialgeschichtliche, biographische und kulturelle Kontext des Werks besprochen.

Robert, Marthe: Einsam wie Franz Kafka. Frankfurt a.M. 2002. (Frühere Ausgabe: 1985)
Für die Autorin, eine Psychoanalytikerin, ist die Auseinandersetzung Kafkas mit seinem Judentum und mit seiner damit im Zusammenhang stehenden sozialen Situation zentral für sein Leben und sein Werk und darin zwar nicht explizit abgehandelt (das Wort "Jude" kommt darin praktisch nicht vor), aber dennoch allgegenwärtig.
[Wer von diesem Buch eine psychoanalytische Interpretation erwartet, wird also enttäuscht. Psychoanalyse kommt darin nur in Spuren vor, die angebotenen soziopsychologischen Deutungen können die Wirkung der Kafkaschen Texte aber nicht annähernd erklären.]

Robertson, Ritchie: Kafka, Judentum, Gesellschaft, Literatur. Stuttgart 1988.

Rohde, Bertram: Und blätterte ein wenig in der Bibel. Studien zu Franz Kafkas Bibellektüre und ihren Auswirkungen auf sein Werk. Würzburg 2002.
Untersuchung der Auseinandersetzung Kafkas mit der Bibel (mit Hilfe von Strukturanalysen und Textvergleichen).

Schoeps, Hans J.: Der vergessene Gott. Franz Kafka und die tragische Position des modernen Juden. Berlin 2006.

Stach, Reiner: Kafkas erotischer Mythos. Eine ästhetische Konstruktion des Weiblichen. Frankfurt a.M. 1987.
Das Weiblichkeitsbild Kafkas, wie es in den Texten zum Ausdruck kommt, wird hier historisch-soziologisch analysiert. Darüber hinaus betont Stach die Vielschichtigkeit (postmodern: die "Rhizomartigkeit") des Werks, der nur mit Methodenvielfalt und Methodenverschränkung beizukommen wäre.
[Scharfsinnige Studie mit viel Sachkenntnis und erfreulich wenig Philosophismus, aber auch mit den für Literaturwissenschaftler typischen und offensichtlich unverzichtbaren Vielschichtigkeits- und Unergründbarkeitsbeteuerungen.]

Voigts, Manfred: Kafka und die jüdische Frau. Diskussionen um Erotik und Sexualität im Prager Zionismus. Mit Textmaterialien. Würzburg 2007.
Dokumentiert Breite und Intensität der Diskussion um Frau und Ehe in Kafkas (Voigts zufolge) durchgängig zionistisch orientierten Freundeskreis.

Voigts, Manfred: Geburt und Teufelsdienst. Franz Kafka als Schriftsteller und als Jude. Würzburg 2008.
Der Autor will helfen, die unbegrenzten Möglichkeiten der Interpretation von Kafkas Texten zu verstehen. Kafka wäre ein Extremfall der Germanistik, weil seine Texte angeblich weniger als andere auf eine äußere Realität verweisen. Voigts bringt Kafka in Verbindung mit dem traditionellen Judentum und den Autoren des Talmud.

Weinberg, Kurt: Kafkas Dichtungen. Die Travestien des Mythos. Bern/München 1963.
Der Autor deutet Kafkas Texte als Verschlüsselungen unbewusster, archetypischer religiöser Glaubenstraditionen.
[An Weinberg wird die freizügige Assoziation sowie die Willkür und Skurrilität der hergestellten Zusammenhänge kritisiert.]

Wimmer, Gernot: Franz Kafka zwischen Judentum und Christentum. Würzburg 2012.

Wimmer, Gernot: Franz Kafkas Aphorismen und Nachlasserzählungen. Rationalismus und Determinismus. Zur Parodie des christlich-religiösen Mythos. Frankfurt 2009.

Wimmer, Gernot: Franz Kafkas Erzählungen. Rationalismus und Determinismus. Zur Parodie des christlich-religiösen Mythos. Frankfurt a.M. 2007.

Wimmer, Gernot: Franz Kafkas Roman-Trilogie. Rationalismus und Determinismus. Zur Parodie des christlich-religiösen Mythos. Frankfurt a.M. 2007.


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Interpretationen mit Schwerpunkt Philosophie / Metaphysik / Esoterik   [Auswahl]


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Anders, Günther: Franz Kafka pro et contra. München 1984. (Frühere Ausgabe: 1951)
Analyse des hilflosen Außenseitertums und des Vorherrschens des Metaphorischen (die Metaphern "nehmen die Sprache beim Wort") in den Werken Kafkas sowie kritische Auseinandersetzung mit des Dichters (laut Anders) latentem Nihilismus. Für Anders verklärt Kafka seine Unentschlossenheit zum Paradox und wird daher zum "philosophisch und moralisch unverwendbaren Autor", den man "zu Tode verstehen" müsse (= dessen Nihilismen man zu widerstehen hat). Charakteristisch für Kafkas Figuren ist ihr Nicht-in-der-Welt-Sein, ihr Versuch, "in die Welt einzubrechen". Für sie ist die Welt ein Gegenstand sowohl des Schreckens als auch der Werbung.
[Für einen Philosophen schreibt Anders wohltuend metaphysikfrei und in erfrischend scharfer, prägnanter und dicht-originell formulierender Sprache. Er kommt Kafka so nahe, wie man ihm unter Ausklammerung der Tiefenpsychologie nur kommen kann.]

Benjamin, Walter: "Franz Kafka". In: Ausgewählte Schriften. Bd. II. Frankfurt a.M. 1966. S.248ff.

Crimmann, Ralph P.: Franz Kafka - Versuch einer kulturphilosophischen Interpretation. Hamburg 2004.

Emrich, Wilhelm: Franz Kafka. Bonn 1958. (Frühere Ausgabe: Frankfurt a.M. 1957)
Dieses Buch ist auch als Taschenbuchausgabe erschienen (Bonn 1981).
Stark metaphysisch-existentialistisch orientierte Gesamtdarstellung von Kafkas Werk mit Betonung auf der Spannung zwischen Universalität und Individualität, Gesetzmäßigkeit und Konkretheit des Lebens sowie zwischen Verbindlichkeit der Vorzeit und Nihilismus der Neuzeit.
[Bei Emrich wird Kafka in einer für weite Teile der Sekundärliteratur paradigmatischen Weise entkonkretisiert und metaphysisch mystifizierend auf den Kopf gestellt, bis er zum geheimnisvollsten Autor der Weltliteratur wird. Nur für Anhänger des "Primats der Unergründbarkeit" und Liebhaber von Überabstrahierungen.]

Fleischmann, Yvonne M.: War Kafka Existentialist? Gracchus, Orestes, Sisyphos - Literarische, mythologische und philosophische Brücken zu Sartre und Camus. Marburg 2009.

Janouch, Gustav: Franz Kafka und seine Welt. Wien 1965.

Ries, Wiebrecht: Nietzsche / Kafka. Zur ästhetischen Wahrnehmung der Moderne. Freiburg i.B. 2007.

Schweppenhäuser, Hermann (Hrsg.): Benjamin über Kafka. Texte, Briefzeugnisse, Aufzeichnungen. Frankfurt a.M. 1992.

Walser, Martin: Beschreibung einer Form. Frankfurt a.M. 1999. (Frühere Ausgabe: München 1961)
Walser besteht auf der scharfen Trennung von "bürgerlicher" und "poetischer" Persönlichkeit des Autors Kafka und hält keinen Sinnbezug auf die empirische Wirklichkeit für möglich. Vollkommene Dichtung darf nicht auf den Dichter verweisen und muss von seiner Biographie unabhängig sein. Das Formale bildet den höchsten Maßstab und die Gegensätze in Kafkas Textwelt stehen einander unvermittelbar gegenüber: die Ordnung der K.s (die ihre Existenz zu behaupten suchen) und die Gegenordnung (die diese Existenz aufheben). Diese Gegensätze sind nicht dialektisch, also nicht zur Synthese fähig, daher gibt es keine Entwicklung, sondern bloß Wiederholungen des Zyklus Existenzbehauptung / Existenzaufhebung.
[Walsers Analyse leidet meiner Ansicht nach an einer der zentralen Illusionen in der Kafka-Deutung: der Trennbarkeit von Leben und Werk (er teilt diese Illusion mit vielen anderen Autoren).]

Zandvoort, Albert: Kafka. Entfremdung und Schuld in "Der Prozeß" und "Das Schloß". Literarische, philosophische und psychologische Betrachtungen. Saarbrücken 2013.
Problematik der Entfremdung und Schuld in diesen beiden Romanen, im Lichte der von der Existenzphilosophie entwickelten Gedanken.


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Interpretationen mit Schwerpunkt Postmoderne / Dekonstruktivismus / Postfeminismus   [Auswahl]


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Balke, Friedrich [u.a.] (Hrsg.): Für alle und keinen. Lektüre, Schrift und Leben bei Nietzsche und Kafka. Zürich [u.a.] 2008.
[Vorsicht! Es folgt eine - vielleicht von den Herausgebern selbst verfasste - Beschreibung  des Buches im typisch postmodernen Stil:]
Es gibt kaum zwei andere Autoren der deutschsprachigen Moderne, bei denen das Verhältnis von Sprache und Leben so intensiv verhandelt wird wie bei Friedrich Nietzsche und Franz Kafka. Für Nietzsche, den »gefährlichen Denker« und das »Dynamit« der christlich-abendländischen Werteordnung, wie für Kafka, den »Dichter der Angst« und Experten für Arbeiter-Unfallversicherung, bilden die biopolitischen Dispositive des heraufkommenden Wohlfahrtsstaates und die Verschiebungen, die der Historismus für die Ökonomie des Wissens und die Massenpresse für die Ökonomie der Rede bedeuten, eng aufeinander bezogene Faktoren des Problemgefüges, das ihre Schreibprojekte hervortreibt. Für beide stellt der Doppelcharakter sprachlicher Überlieferung als Sicherung des kollektiven Lebens und als Unterwerfung des individuellen eine zentrale schriftstellerische Herausforderung dar, und beide begreifen die daraus resultierende Riskanz einer radikalen Umschrift der durch Lektüre angeeigneten Tradition als ethisches Problem. Der Band zielt darauf ab, die beiden Antworten auf jene Herausforderung vor ihrem jeweiligen biographischen und zeitgeschichtlichen Hintergrund gegeneinander zu kontrastieren und sie zugleich als bis heute gültige paradigmatische »Haltungen« im diskursiven Feld der Moderne sichtbar werden zu lassen. Indem der Band den »dialogischen« Bezug Kafkas auf Nietzsche auf der Folie diskursiver und medialer Ereignisse und Konstellationen der Zeit motiviert und spezifiziert, läßt er ihn zugleich als vielstimmigen »Polylog« oder sogar unlesbaren »Babellog« quer durch die Kultur und die Wissensfelder des anbrechenden »kurzen 20. Jahrhunderts« (1914-1989) erscheinen.
[Nach der Lektüre dieser Buchbeschreibung ("für alle und keinen") lässt sich vielleicht noch besser erahnen, warum die Kafka-Interpretation weit mehr als zehntausend Arbeiten umfasst und doch seit Jahrzehnten auf der Stelle tritt.]

Boa, Elizabeth: Kafka. Gender, class, and race in the letters and fictions. Oxford [u.a.] 1996.
Analyse von Kafkas Haupttexten aus postfeministischer Sicht. Sie versucht die Konstruktion und Dekonstruktion imaginierter Weiblichkeit und Männlichkeit aufzuzeigen und wendet viele literaturtheoretische Ansätze auf die Texte an (unter Ausklammerung theologischer Aspekte).

Bossinade, Johanna: Theorie der Sublimation. Ein Schlüssel zur Psychoanalyse und zum Werk Kafkas. Würzburg 2007.
Geschichte des Begriffs Sublimation innerhalb der Psychoanalyse und Spuren der Sublimation in den Texten des Dichters. Die entsprechenden Ausführungen zu Kafka nehmen dabei nur einen relativ kleinen Teil in der Gesamtstudie ein.

Deleuze, Gilles / Guattari, Félix: Kafka. Für eine kleine Literatur. Frankfurt a.M. 2008. (Frühere Ausgaben: 1976, 2002)
Gesamtdarstellung aus postmoderner Sicht. Behauptet die Differenz zwischen Autor und Figuren des Werks. Für Deleuze und Guattari täuscht Kafka Schuld, Einsamkeit etc. nur vor, um dann lachend dieser Falle zu entwischen. Starke kulturkritische, antikapitalistische Tendenz.
[Auch diese postmoderne Deutung zeigt die typischen Merkmale dieser Schule: eine prätentiöse, mit privaten Neologismen angereicherte, manieristische und ziemlich inhaltsarme Sprache ("Eleganter Unsinn" - A.Sokal) und eine erschreckende Entfernung vom Wesen Kafkas und seines Werks.]

Derrida, Jacques: Préjugés. Vor dem Gesetz. Wien 2005. (Frühere Ausgabe: 1992)
Relativ kurze postmoderne Deutung der Türhüterlegende, in der das Warten des Mannes vom Lande vor dem Tor zum Gesetz als Sinnbild für die "différance", den nicht hintergehbaren "Aufschub" zwischen Gesetzmäßigkeit und Singularität gesehen wird.
[Diese Deutung gilt für mich als Paradebeispiel unseriöser Interpretation und vereinigt die Problematik von Einzeltextinterpretationen mit der der Projektion textferner privater philosophischer Spekulationen auf das literarische Kunstwerk.]

Fingerhut, Karlheinz: Die unendliche Suche nach der Bedeutung: Kafka in der Schule. In: Praxis Deutsch 120 (Juli 1993), S. 13-21.
Relativ kurzer, aber einflussreicher Aufsatz, der Kafka-Deutung lediglich als Spiegelung der "Vor-Urteile" der Interpreten an den Texten sieht (denen ihm zufolge keine Bedeutung innewohnt: Bedeutungszuweisungen erfolgen ausschließlich durch den Leser und Interpreten.)
[Höchst problematische Position, die nahe an die Austreibung des Dichters aus seinen Texten führt (die also wohl auch ein Computer verfasst haben könnte ...).]

Hiebel, Hans H.: Franz Kafka: Form und Bedeutung. Würzburg 1999.
Poststrukturalistische bzw. dekonstruktivistische Studie, die Kafka als frühen "postmodernen", entkonkretisierenden Autor sieht. Für Hiebel spielt Kafka mit psychoanalytischen Phänomenen, steht aber darüber und ist seelisch "Herr der Lage". Schuld ist in den Texten nicht konkret, sondern abstrakt abgehandelt. Die innere, geistige Welt ist die eigentliche Welt im Vergleich zur äußeren, materiellen.

Hochreiter, Susanne: Franz Kafka: Raum und Geschlecht. Würzburg 2006.
Aus gendertheoretischer Sicht und mit Bezügen zu Foucaults "Heterotopie" und Derridas "Dissemination" untersucht Hochreiter die schwebenden, nicht festgelegten und doch präsenten Bedeutungen von Räumen und Geschlechtern in Kafkas Texten.

Jang, Byong-Heui: Mythos und Wahrheit. Dekonstruktivistische Lektüre des Mythos Kafkas. Berlin 2007.

Politzer, Heinz: Franz Kafka. Der Künstler. Frankfurt a.M. 1965.
Für den Autor ist Kafkas Ziel nicht ein konsequentes Bild der Welt, sondern ein geglücktes Sprachbild (also Form vor Inhalt); er lehnt eine Übersetzung der Symbolsprache ab und tritt für einen Pluralismus der Deutungsmethoden und einen permanenten Perspektivenwechsel ein, sieht Künstler und Kunst als Einheit und im Werk ein offenes Ende zu einem sinnentleerten Universum. Dass Kafkas Leben mit vielen Bezügen in die Texte hineinspielt, hält er für einen "künstlerischen Defekt". Inhalt und Intention der Erzählungen entzögen sich eindeutiger Interpretation, Kafkas Parabeln wären "Rorschachtests der Literatur".
[Politzer ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie man mit einem Maximum an Perspektivenwechsel und Methodenvielfalt ein Minimum an Erkenntnissen gewinnt. Sein Umgang mit konkreten Textstellen grenzt außerdem manchmal ans Leichtfertige.]


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Interpretationen mit Schwerpunkt Biographie / Psychologie / Psychoanalyse   [Auswahl]


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Siehe auch: Biographien, Erinnerungen

Anz, Thomas: Franz Kafka. Leben und Werk. Aktualisierte und überarbeitete Neuausgabe. München 2009.

Benedukt-Teubl, Brigitte: Suche nach dem verlorenen Selbst. Eine tiefenpsychologische Betrachtung des Schloßromans von Franz Kafka. Stuttgart 1998.
Tiefenpsychologische, an C.G.Jungs Schule orientierte Deutung des Romans als Suche des Landvermessers K. nach seinem Selbst im Kampf mit den eigenen, teils angepassten, teils widerstrebenden Persönlichkeitsanteilen. Die Autorin konzentriert sich auf die Werk-Leser-Beziehungsebene und klammert die Persönlichkeitsgeschichte Kafkas aus.

Bermejo-Rubio, Fernando: Truth and Lies about Gregor Samsa. The Logic Underlying the Two Conflicting Versions in Kafka´s Die Verwandlung. In: Deutsche Vierteljahrsschrift 3/2012, S.419-479.
Der Autor arbeitet heraus, dass sich in Kafkas Erzählung zwei einander entgegengesetzte Versionen des narrativen Inhalts finden (vor allem: Gregor als ungeheures Ungeziefer versus Gregor als Mensch), und dass diese beiden Versionen einer Logik des Opfermechanismus unterliegen, aus der heraus sie erklärbar werden. Die "Verwandlung" stellt demnach die literarische Nachbildung einer Situation der "verzerrten Objektivität" dar, wie sie oft in Täter-Opfer-Prozessen vorkommt.
[Bermejo-Rubio zählt zu den ganz wenigen Autoren, welche das vorherrschende Paradigma, wonach Kafkas Texte prinzipiell unergründbar sind, scharf kritisieren. Seine in englischer Sprache vorliegende Arbeit deckt die Versäumnisse bisheriger Interpretationen auf und legt eine stimmige Neudeutung vor.]

Binder, Hartmut: Kafka in neuer Sicht. Mimik, Gestik und Personengefüge als Darstellungsformen des Autobiographischen. Stuttgart 1976.
Detaillierte Textanalysen mit Betonung auf Gestik, Mimik und sprachliche Äußerungen als bevorzugte Komponenten der Figurenbeschreibung und Menschenbeobachtung; Herstellung konkreter Bezüge und Entsprechungen zwischen Orten, Handlungen und Figuren in den Texten und im Dichterleben. Für Binder sind Lebenssphäre und Werkgestalt aufeinander bezogen.
[Hartmut Binder ist der vielleicht profundeste Kenner der Texte und ihrer Bezüge; seine Darstellung ist von großer Detailtreue, "positivistisch" und mit starkem autobiographischem Schwerpunkt.]

Binder, Hartmut: Kafkas "Verwandlung". Entstehung, Deutung, Wirkung. Frankfurt a.M. [u.a] 2004.
Detailgenaue Sammlung von Informationen zur Entstehung, Veröffentlichung, Deutung und Wirkung von Kafkas Erzählung "Die Verwandlung", mit methodischer Konzentration auf die Biographie des Dichters und in kritischer Distanz zum Großteil der Kafka-Forschung.

Binder, Hartmut: Kafka-Kommentar zu den Romanen, Rezensionen, Aphorismen und zum Brief an den Vater. 2., ergänzte Auflage. München 1982.
Kommentare zu einzelnen Textelementen, in der Abfolge der Texte.
[Es gilt das schon weiter oben Gesagte: Hartmut Binder kann als der detailkenntnisreichste unter den Kafka-Experten gelten und verliert sich nie in metaphysischen Spekulationen.]

Binder, Hartmut: Kafka-Kommentar zu sämtlichen Erzählungen. München 1975.

Binder, Hartmut: Motiv und Gestaltung bei Franz Kafka. Bonn 1966.

Bridgwater, Patrick: Kafka, gothic and fairytale. Amsterdam [u.a.] 2003.
Hermeneutische Interpretation von Kafkas Texten, orientiert an der Biographie und an der Psychoanalyse. Sie zeigt Querverbindungen innerhalb des Werkes sowie zu anderen Autoren auf sowie zwischen Traum und schaurigem Text. (Siehe auch Bridgwater: Kafka´s novels)

Bridgwater, Patrick: Kafka´s novels. An interpretation. Amsterdam [u.a.] 2003.

Canetti, Elias: Der andere Prozeß. Kafkas Briefe an Felice. München 1984. (Frühere Ausgabe: 1977)

Firtina, Özlem: Familie in Kafkas Schreiben. Biographische Situation und literarische Verarbeitung. Frankfurt a.M. [u.a.] 2005.

Fischer, Dagmar: Franz Kafka - der tyrannische Sohn. Andro-Sphinx - Ödipus- und Kastrationskomplex. Schlüssel zum Verständnis seiner Prosa. Frankfurt a.M. 2010.
Die Autorin sieht den Schlüssel zur hinter Kafkas Prosa liegenden Zweitschrift und deren eigentliche Bedeutung in der im Freud´schen Sinne gestörten Beziehung des Dichters zu seinen Eltern und in der Folge zu den Mitmenschen.

Fischer, Peter: "An welchem Teater spielen Sie.". Kafkas Erzählung In der Strafkolonie. In: Psyche LVII/2003, S. 1158-1202.
Psychoanalytische Studie, derzufolge Kafkas Vater für den Dichter keine Möglichkeit der konstruktiven Konfliktbewältigung geboten hat, weshalb eine Regression in Richtung anal-sadistisches Mutterbild erfolgt ist, wofür die grauenvolle Erzählung "In der Strafkolonie" steht.

Groß, Johannes: Kafkas Krankheiten. Marburg 2012.

Halfmann, Roman: Kafka kann einen Schriftsteller lähmen. Dargestellt an Albert Camus, Philip Roth, Peter Handke und Thomas Bernhard. Berlin 2008.

Kaiser, Hellmuth: Franz Kafkas Inferno. In: Imago 17, S. 41ff. Wien 1931.
Auf einigen wenigen Erzählungen aufbauende, sehr frühe psychoanalytische Deutung, die bereits auf bestimmte interessante Wiederholungen im Werk hinweist.

Kaus, Rainer Jeremy: Kafka und Freud. Schuld in den Augen des Dichters und des Analytikers. Heidelberg 2000.
Der Autor unterscheidet Schuld im psychoanalytischen und im existentiellen Sinn und relativiert (obwohl selbst Psychoanalytiker) die Reichweite psychoanalytischer Literaturinterpretation.
[Aus eben diesem Grund wird Kaus jetzt gerne von Literaturwissenschaftlern zitiert, um deren Bemühungen zur Marginalisierung psychoanalytischer Deutungen zu rechtfertigen.]

Kaus, Rainer Jeremy: Literaturpsychologie und Literarische Hermeneutik. Sigmund Freud und Franz Kafka. Mit einem Vorwort von Walter Schönau. Frankfurt a.M. [u.a.] 2004.
Der Autor entwickelt eine psychologisch-semiotisch fundierte Hermeneutik mit Bezug auf Freuds "Traumdeutung" und wendet sie auf mehrere Kafka-Texte an.

Kraiczi, Florian: Der Einfluss der Frauen auf Kafkas Werk. Eine Einführung. Bamberg 2008.

Matt, Peter von: Verkommene Söhne, mißratene Töchter. Familiendesaster in der Literatur. München/Wien 1995.
Dieses Buch ist auch als Taschenbuchausgabe erschienen (München 1999).
Spiel und Ernst sind im Werk nicht trennbar. Das Spiel besteht im Sich-Ausbreiten Kafkas in den Texten zur Rettung vor der Inferiorität angesichts des als übermächtig empfundenen und zum Goliath stilisierten Vaters. Dieses Spiel der "artifiziellen Adoleszenz" verselbständigt sich und darf/kann nie enden ("der mißratene Sohn am Familienrand, endlos", "Schwellenexistenz", "Verharren im Torbogen"). Gegenüber Kafka ist laut von Matt jede Empathie lächerlich und die Einfachheit der Lebenssituation ergibt die magische Einfachheit der Texte.
[Scharfsinnige Deutung der Gesamtkonstellation in Leben und Werk Kafkas, die allerdings die weiter führenden Erkenntnismöglichkeiten konkreter Textanalysen vernachlässigt.]

Mitscherlich-Nielsen, Margarete: Psychoanalytische Bemerkungen zu Franz Kafka. In: Psyche XXXI/1977, 1.Heft, S. 60-83.
In dieser Studie der bekannten Psychoanalytikerin werden typische Traumen als auf das Werk Kafkas einflussnehmend erklärt: der frühe Tod der Brüder, die Depressivität der Mutter, die Sehnsucht des Sohnes nach der Mutter. Mitscherlich-Nielsen konstatiert Narzissmus und sadomasochistische Strebungen.
[Die Deutungen der Autorin wirken zwar einleuchtend, aber auch etwas summarisch und sind nicht immer wirklich durch konkrete Textstellen belegt.]

Priskil, Peter: Franz Kafkas "Schloß". In: System ubw 18(2000) Heft1, S.50-88.
Psychoanalytische Studie zum Roman "Das Schloß".
[Eine der ganz wenigen wirklich psychoanalytischen Studien und daher auch entsprechend erhellend!]

Rattner, Josef: "Ich winselte einmal in der Nacht ...". Kafka und das Vater-Problem. Königsförde 2000.
Tiefenpsychologische Studie mit Schwerpunkt auf dem problematischen Verhältnis zwischen Kafka und seinem Vater (und dessen Widerspiegelung im Werk).
[Eine Arbeit aus den jüngeren Jahren Rattners; in der Zwischenzeit hat sich dieser Autor sehr verändert und vertritt heute dieselben geheimnisverliebten Positionen, die er früher zu Recht scharf kritisierte.]

Rieck, Gerhard: Kafka konkret - das Trauma ein Leben. Wiederholungsmotive im Werk als Grundlage einer psychologischen Deutung. Würzburg 1999.
Kafka-Studie des Autors dieser Web-Site. Isolierung und Untersuchung wichtiger Wiederholungsmotive und -strukturen im Werk und Einordnung derselben in einen Gesamtzusammenhang, der mit vorwiegend psychoanalytischen Mitteln hergestellt wird. Inhaltsverzeichnis und Kurzbeschreibung des Buches sowie Zusammenfassungen ausgewählter Kapitel siehe unter "Kafka konkret - das Trauma ein Leben".

Rieck, Gerhard: Franz Kafka und die Literaturwissenschaft. Aufsätze zu einem kafkaesken Verhältnis. Anhang: Ordnung fiktionaler Texte Kafkas nach Texttiteln, Werkausgaben und Datierungen. Würzburg 2002.
In diesen gesammelten Aufsätzen des Autors dieser Web-Site wird zuerst nochmals auf die zahlreichen Hinweise auf das Motiv der "fatalen Dienstmädchenliebe" in Kafkas Leben und Werk eingegangen und anschließend die entscheidende Frage gestellt, warum die meisten Interpreten in der Kafka-Deutung wie die "Katze um den heißen Brei" schleichen und so viele wichtige Textelemente und -strukturen so ausdauernd ignorieren bzw. geringschätzen. Frühe Fassungen von Aufsätzen aus diesem Buch können aus dieser Web-Site heruntergeladen werden (unter Download).

Rieck, Gerhard: Kafkas Rätsel. Fragen und Antworten zu Leben, Werk und Interpretation. Würzburg 2014.
Das Vorurteil: Kafka ist einer der unergründbarsten Autoren der Literaturgeschichte. Sein Werk ist unendlich vielschichtig und von unauflösbarer Rätselhaftigkeit. Das Gegenargument: Kafka ist ein Dichter der Wiederholungen. Die sein gesamtes Werk prägenden, in ihrer Häufigkeit und Auffälligkeit unerwartbaren Wiederholungsmotive und -strukturen erlauben, sorgfältig analysiert, Antworten auf viele wichtige und bisher für unlösbar gehaltene Fragen.

Robertson, Ritchie: Franz Kafka. Leben und Schreiben. Darmstadt 2009.

Schmidhäuser, Elsbeth: Kafka über Kafka. "Der Proceß" gelesen und gesehen. Münster [u.a.] 2000.
Die Autorin behauptet, dass sich Kafka im "Proceß" ebenso versteckt wie bewusst mit der Psychoanalyse auseinandergesetzt und seine profunden Kenntnisse dieser Theorie vor aller Welt geheimgehalten sowie generell sich selbst für homosexuell gehalten hat.

Schweiggert, Alfons: Kafka in München. Zwischen Leuchten und Finsternis. München 2008.

Sterling, Marianne: Die literarische Arbeit Kafkas als spezifischer Ausdruck seines Charakters. Versuch einer Deutung aus dem Blickwinkel der Anti-Psychiatrie. Berlin 2006.
Bereits 1978 als wissenschaftliche Hausarbeit erschienen; wendet sich an interessierte Laien.

Sokel, Walter Herbert: Franz Kafka. Tragik und Ironie. Zur Struktur seiner Kunst. München/Wien 1964.
Dieses Buch ist auch als Taschenbuchausgabe erschienen (Frankfurt a.M. 1983).
Gesamtdarstellung mit stark tiefenpsychologischem Schwerpunkt. Auch Sokel sieht keinen wesentlichen Unterschied zwischen Leben und dichterischem Werk, hält dieses für eine "verkleidete Autobiographie" und unterscheidet die Tragik der frühen und mittleren Schaffensperiode von der Ironie im Spätwerk. In den Figuren des "reinen Ich" in den Texten sieht Sokel Narzissmus und Größenwahn beschrieben. Thema im Werk ist immer der Kampf zwischen Ich und Autorität. Eine seriöse Deutung müsse immer am Gesamttext ansetzen, weil erst dann die vielen sich wiederholenden Teilmotive verständlich werden.
[Umfangreiche, beispielhafte Gesamtdeutung mit leicht metapsychologischem Einschlag.]

Storch, Michael: Franz Kafkas "Ein Landarzt". Die Inversion der Parabel. München 2012.
Die Psychoanalyse Freuds wird für die Interpretation fruchtbar gemacht durch den Nachweis der Traumstruktur von Kafkas Erzählung und durch ihre thematische Anbindung an Freuds Theoriengebäude.

Vietinghoff-Scheel, Alfrun von: Es gibt für Schnee keine Bleibe. Trauma-analoge Literaturdeutungstheorie als Beziehungsanalyse von Text und Leser am Beispiel von Franz Kafkas "Schloß". Dissertation. Frankfurt a.M. 1991.
Psychologische Deutung des Romans "Das Schloß" als Verarbeitung von Traumata des Dichters; mit einem Schwerpunkt auf die Betrachtung der Beziehung zwischen Text und Leser.

White, John S.: Psyche und Tuberkulose: die Libido-Organisation Franz Kafkas. In: Psyche, Jahrgang XL 1986, Heft 6, Seite 473ff.
Klassische psychoanalytische Studie. Für White trägt Kafka narzisstische Züge, hat seine Mutter internalisiert und richtet die von der Außenwelt erzeugte Frustration gegen dieses einverleibte Objekt, was zur Selbstzerstörung führt. Kafka hat den Tod libidinös besetzt (als Rückkehr in den Mutterleib) und stellt den Eros in den Dienst von Thanatos (dem Todestrieb).
[Whites Arbeit enthält unzweifelhaft stichhaltige Erkenntnisse, daneben aber auch nicht nur viele oberflächliche Deutungen ohne konkrete Detailnachweise in den Texten, sondern auch zahlreiche objektive Falschinformationen - z.B. falsche Daten und Fakten aus dem Lebenslauf Kafkas - , was auf Lieblosigkeit schließen lässt und die Studie deutlich entwertet.]

Winter, Christian: Angst und Autorschaft. Umrisse einer Physiognomie des zerquälten Schriftstellers am Beispiel Franz Kafka. Marburg 2009.

Szigeti, Imre Jenö: Angst und Ausgeliefertheit bei Franz Kafka. Saarbrücken 2013.
Der Autor ist in seiner Analyse bestrebt, Zusammenhänge zwischen den einzelnen Werken und Figuren aufzudecken und seine Feststellung zu beweisen, dass die Gefühle Angst und Ausgeliefertheit in Franz Kafkas Leben und Werk eine zentrale Rolle spielen.


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Interpretationen mit sonstigen Schwerpunkten (z.B.: Ästhetik, Vergleiche, Detailuntersuchungen, Sammelinterpretationen etc.)   [Auswahl]


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Andringa, Els: Wandel der Interpretation. Kafkas "Vor dem Gesetz" im Spiegel der Literaturwissenschaft. Opladen 1994.

Battegay, Caspar [u.a.] (Hrsg,): Schrift und Zeit in Franz Kafkas Oktavheften. Göttingen 2010.
Der Sammelband behandelt den handschriftlichen Zusammenhang der in den Oktavheften vereinten Tagebuchfragmente, Briefentwürfe und Erzählkomplexe und zieht Schlüsse zu Kafkas Poetik sowie zu seinen Überlegungen zur Zeit und zum Zionismus.

Beißner, Friedrich: Der Erzähler Franz Kafka. Stuttgart 1952.

Bogdal, Klaus (Hrsg.): Neue Literaturtheorien in der Praxis. Textanalysen von Kafkas "Vor dem Gesetz". Göttingen 2005.

Brück, Martin: Der Process. Interpretationshilfe Deutsch (Lernmaterialien). Freising 2005.
Speziell für die Schule geeignet!

Chmura, Nadine (Hrsg.): Kafka in der zeitgenössischen Kunst. Katalog zur Ausstellung. Deutsche Kafka-Gesellschaft e.V. Bonn 2007.

Chmura, Nadine (Hrsg.): Kafka. Schriftenreihe der Deutschen Kafka-Gesellschaft e.V. [1]. Bonn 2007.

Dentan, Michel: Der Humor im Werk Franz Kafkas. Wien [u.a.] 2012.

Engel, Manfred / Lamping, Dieter: Franz Kafka und die Weltliteratur. Göttingen 2006.
Untersuchung der spezifischen Stellung Kafkas innerhalb der Weltliteratur.

Fellner, Friederike: Kafkas Zeichnungen. Paderborn 2014.

Höcker, Arne / Simons, Oliver (Hrsg.): Kafkas Institutionen. Bielefeld 2007.

Höhne, Steffen / Udolph, Ludger (Hrsg.): Franz Kafka. Wirkung und Wirkungsverhinderung. Wien [u.a.] 2014.

Jahraus, Oliver / Neuhaus, Stefan: Kafkas "Urteil" und die Literaturtheorie. Zehn Modellanalysen. Stuttgart 2002.
Zehn Interpretationsmethoden, angewandt auf die Erzählung "Das Urteil": Hermeneutik, Strukturalismus, Rezeptionsästhetik, Sozialgeschichte der Literatur, Psychoanalytische Literaturinterpretation, Gender Studies, Diskursanalyse, Systemtheorie, Intertextualität und Dekonstruktion.
Speziell für die Schule geeignet!

Kleinwort, Malte: Der späte Kafka. Spätstil als Stilsuspension. Paderborn 2013.
Analyse der Verschiebungen und Differenzen zwischen dem Spätwerk Kafkas und den früheren Texten des Dichters.

Lack, Elisabeth: Kafkas bewegte Körper. Die Tagebücher und Briefe als Laboratorien von Bewegung. München 2009.

Liebrand, Claudia: Franz Kafka. Neue Wege der Forschung. Darmstadt 2006.
Vorstellung wichtiger Strömungen der Kafka-Forschung der letzten Jahrzehnte, mit Schwerpunkt auf Dekonstruktivismus und klassisch-kulturwissenschaftliche Ansätze.

Michel, Fritz [u.a.] (Hrsg.): Franz Kafka. Kleine Formen. Bern 2010.
Gattung, Text, Autorschaft, Rezeption, Edition, Ikonographie.

Müller, Dorit / Weber, Julia: Die Räume der Literatur. Exemplarische Zugänge zu Kafkas Erzählung "Der Bau". Berlin [u.a.] 2013.
Der Grundlagenband stellt theoretische Raumkonzeptionen aus Philosophie, Literatur-, Sozial- und Kulturwissenschaften vor und wendet sie auf Kafkas Erzählung "Der Bau" an.

Müller, Michael (Hrsg.): Interpretationen. Franz Kafka. Romane und Erzählungen. Stuttgart 1994.
Aus der Reclam-Serie "Interpretationen": Auslegungen der drei Romane und zwölf wichtiger Erzählungen durch verschiedene Autoren (u.a. von Karlheinz Fingerhut, Ritchie Robertson, Hans-Gerd Koch, Roger Hermes, Sabine Schindler und Michael Müller); bibliographische Hinweise.
Speziell für die Schule geeignet!

Nekula, Marek [u.a.]: Franz Kafka im sprachnationalen Kontext seiner Zeit. Köln [u.a.] 2007.

Neumann, Gerhard: Verfehlte Anfänge und offenes Ende. Franz Kafkas poetische Anthropologie. München 2011.

Rajec, Elizabeth M.: Namen und ihre Bedeutung im Werke Franz Kafkas. Ein interpretatorischer Versuch. Bern 1977.

Scherpe, Klaus R. / Wagner, Elisabeth (Hrsg.): Kontinent Kafka. Mosse-Lectures an der Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin 2006.
Bilanz der bewährten Forschungen, in mehreren Aufsätzen bekannter Kafka-Forscher (Berliner Kafka-Vorlesungen).

Schlingmann, Carsten: Literaturwissen für Schule und Studium. Franz Kafka. Stuttgart 1995.
Aus der Reclam-Serie "Literaturwissen für Schule und Studium": Zeittafel; Autor und Werk; Interpretationen (alle drei Romane, vierzehn wichtige Erzählungen, "Brief an den Vater"); Literaturhinweise.
Speziell für die Schule geeignet!

Schmidt, Friedrich: Text und Interpretation. Zur Deutungsproblematik bei Franz Kafka - dargestellt in einer kritischen Analyse der Türhüterlegende. Würzburg 2007.
Der Autor grenzt sich sowohl gegen seiner Meinung nach apodiktische und dogmatische, außerästhetische Interpretationen ab als auch gegen die vorschnelle These von der Unausdeutbarkeit der Texte Kafkas und bietet einen repräsentativen Überblick über Rezeption und Deutungsansätze der "Türhüterlegende", vor allem auch zu Raum, Gestalt und Inhalt des Gesetzes.

Schmidt-Dengler, Wendelin und Winkler, Norbert (Hrsg.): Die Vielfalt in Kafkas Leben und Werk. Furth im Wald 2005.

Schweizer, Frank: Die Bedeutungsindustrie. Eine kritische Einführung in die Unarten der Germanistik. Berlin 2009.

Spiegel, Hubert (Hrsg.): Kafkas Sätze. Frankfurt 2009.

Uyttersprot, Herman: Eine neue Ordnung der Werke Franz Kafkas? Zur Struktur von "Der Prozeß" und "Amerika". Antwerpen 1957.
Problematisiert die Reihenfolge von Romankapiteln und betont die Absicht des Dichters, seine Texte auf den Tod des Protagonisten hin auszurichten (auch im "Verschollenen"!).

Wagenbach, Klaus: Franz Kafka. Monographie. Überarbeitete Neuausgabe. Reinbek 2002.
Speziell für die Schule geeignet!

Wirtz, Irmgard M. (Hrsg.): Kafka verschrieben. Göttingen 2010.
Beiträge verschiedener Autoren zur Frage, ob und wie Kafkas Texte zu Rezepturen für die Literatur und die Literaturwissenschaft der Gegenwart geworden sind. Mit Collagen des Künstlers Pavel Schmidt.


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Gerhard Rieck 2000 - 2017 (E-Mail: gerhard.rieck@gmx.at)