AUSZUG aus der GESCHICHTE des RITTERORDENS


GRÜNER HUMPEN


Nach den napoleonischen Kriegen zu Anfang des 19. Jahrhunderts, dem Ausbruch der Revolution im Jahre 1848 und dem verlorenen Krieg gegen Preußen in der Schlacht bei Königgrätz 1866, erwachte in vielen Menschen ein Hang zur Romantik, eine Liebe zur Vergangenheit zu den kraftvollen und stolzen Bauwerken, den Burgen und Ruinen. Ab dem Jahre 1855 entstanden viele Ritterbünde in Österreich und auch in Deutschland.


Als Urmutter unserer heutigen Ritterschaften wird die "WILDENSTEINER RITTERSCHAFT zur blauen Erde" auf Burg Seebenstein im Pittentale, in der Nähe von Wiener Neustadt, bezeichnet. Sie wurde im Jahre 1790 von Anton David Steiger, einem Ökonomieverwalter der Theresianischen Militärakademie, gegründet. Was zuerst nur fröhlicher Geselligkeit dienen sollte, erhielt bald einen feineren Sinn durch das Nachempfinden der Ritterbräuche und Umgangsformen. Satzungen bildeten sich heraus, Grade der Reife und Würde wurden festgelegt, die "Ritter und Knappen" erhielten neben ihrem bürgerlichen Namen einen weiteren, altertümlich und romantisch klingenden. Titel und Ämter wurden übertragen, kurz ein Ordensgeist wurde lebendig, der den Charakter und die Lebensauffassung der Beteiligten weitgehend beeinflußte. Wenn sie den Ritterschlag empfangen hatten, waren sie zu Geduld und Gehorsam, zu Standhaftigkeit und Verschwiegenheit verpflichtet. Den volkstümlichsten Glanz aber brachte der Seebensteiner Ritterschaft ihr späterer Groß- und Hochmeyster - Erzherzog Johann, der sich HANNS von ÖSTERREICH, der THERNBERGER nannte. In der Zeit von 1790 bis 1823 wurden auf Seebenstein, das im Besitz des Grafen Pergen war, der die Burg bloß zur Verfügung gestellt hatte, viele Feste gefeiert. Unter dem Druck des Fürsten Metternich mußte die Ritterschaft jedoch anno 1823 aufgelöst werden.


Zwischen 1825 und 1855 erblickten nur wenige Ritterschaften das Licht der Welt, und zwar die Erstgründung des Ritterbundes "Schelle" in Wien im Jahre 1843 und die "Grüne Insel" ebenfalls in Wien, im Jahre 1855.


Wohl war die Idee von Österreich ausgegangen, dem Hort der Romantik an der schönen blauen Donau, aber das benachbarte Bayern und auch Franken hatte daran nicht minderen Anteil, entweder durch versprengte Ritter schon bestehender Ritterschaften oder durch vollkommen unabhängige Gründungen. Ab dem Jahre 1855 setzten Gründungen neuer Ritterbünde voll ein, obwohl darunter natürlich auch viele Eintagsfliegen waren. Die uns heute noch bekanntesten waren: 1856 der "Schwemmritterbund zue Landshut", 1857 die "Katzensteiner zue Landshut", 1859 die "Tafelrunde zue Graz", 1861 die "Wendelsteiner zue Bad Aibling", 1864 der "Güldene Humpen zue Wien", 1865 die "Puchberger zue Hengersberg", 1866 die "Drachensteyner zue Pfaffenberg" und 1869 die "Ritterschaft vom Heiligen Grabe zue Innsbruck".


 

Thury

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