Zeitverein
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"Du kannst noch so oft an der Olive zupfen,
sie wird deshalb nicht frueher reif."
(Toskanisches Sprichwort)

 

Zum Verein zur Verzögerung der Zeit

Ja, es gibt ihn tatsächlich, diesen Verein. Im Jahr 1990 wurde er gegründet und hat es inzwischen auf ca. 1000 Mitglieder gebracht, hauptsächlich in Österreich und in Deutschland, aber auch in der Schweiz, in Italien und in Schweden. Trotz des Vereinsnamens und dem Humor seiner Mitglieder, den man vor allem für sehr ernste Dinge braucht, handelt es sich nicht um einen Jux. Es wird Forschung zum Thema betrieben, es werden Symposien veranstaltet, viel veröffentlicht und das dauernde Interesse der Medien sorgt für Bewußtseinserweiterung und Verbreitung unserer Anliegen. Dort und da haben wir uns auch schon "aktionistisch" betätigt, um auf unnötige Hektik und Beschleunigung aufmerksam zu machen.

Warum gibt es uns:

Theoretische und praktische Einsichten liegen vor: immer mehr Menschen haben trotz "Arbeitszeitverkürzung" immer weniger Zeit für das, was sie wollen. Auch im Großen gewinnt man den Eindruck, dass sich das Rad der Geschichte immer schneller zu drehen beginnt, dass es immer weniger die Möglichkeit für ein betrachtendes Innehalten gibt. Kopfüber stürzen wir uns aktivistisch in den Lauf der Zeit. Pausen sind Ablenkung, unproduktiv und kosten überdies Geld. Wir leben in einer Epoche einer sich immer schneller "beschleunigenden Zeit".

"Zeit ist Geld" lautet die nicht unplausible Erkenntnis unserer Neuzeit. Sie gilt auch zweifellos für ein wirtschaftliches Produktionssystem, in dem der "gewinnt", der in immer kürzeren Zeiträumen immer mehr und besser produziert.

Was für die industrielle Produktion und ihrer Eigenlogik gilt, hat sich aber auf alle Lebensbereiche übertragen und nicht nur auf unsere Arbeit. Freizeit wird mit allem möglichen immer mehr vollgestopft, Politiker brauchen ihre Erfolge innerhalb einer Wahlperiode und veranlassen Gesetze, die flüchtig gepfuscht sofort das Novellierungskarussell in Gang setzen und selbst Seelsorger hetzen von einer Seele zur anderen.

Die Beschleunigung wird zum Maß aller Tätigkeiten und vergewaltigt "Eigenzeit".
Damit ein Schwein "sich rechnet", muß es nach einem halben Jahr für den Schlächter "reif " sein. Agrartechnologie hilft, Natur und Lebendiges unter das ökonomische Zeitmaß zu zwingen. Naturprodukte geraten unter das Zeitmaß industrieller Produktion.

Jährlich wird uns angeblich aus Rationalitätsgründen eine Sommerzeit verschrieben: den Vorteil genießen Tennisspieler mit längerem Licht am Abend. Den Bauern ist dies nicht so recht: Tiere schauen nicht auf die Uhr. Kinder verstehen auch nicht, wieso sie bei strahlender Sonne schon ins Bett gehen müssen.

Medizinische, psychologische Hilfe und Beratung darf ein gewisses Zeitmaß nicht überschreiten, sonst wird sie unrentabel.

Im Verkehr wird "Gleichzeitigkeit" geübt- die Geschwindigkeiten und Kräfte unserer Verkehrsmittel werden ständig erhöht. Es ist wichtig, schnell überall sein zu können.

Arn Arbeitsplatz wachsen Spannungen und Konflikte proportional zur fehlenden Zeit, sie "behandeln", analysieren und lösen zu können. Diskussion ist "Quatschbude".

Im demokratischen Leben hetzen Berufsfunktionäre und -politiker von einer Veranstaltung zur anderen und kommen eingestandenermaßen weder zum Lesen noch zum Denken: wer denkt für sie? Nachdenkpausen in der Politik gelten als Eingeständnis von Schwäche, auch wenn es wahrlich viel zum Nachdenken gäbe.

Langsamkeit, Bedächtigkeit, innehaltendes Prüfen werden fast als körperliche Behinderung angesehen. Auf Jemanden oder Etwas warten zu müssen, wird als persönliche Beleidigung verstanden.

Produkte haben in einer "Wegwerfgesellschaft" immer kürzere Lebenszeiten, man produziert bestenfalls fürs Recycling. Produkte, deren Herstellung lange dauert, sind unerschwinglich.

Man kann nur über diese Befunde diskutieren - übrigens wann? - Wir wollen aber diese "Schieflage" nicht länger hinnehmen.

Deshalb das Ziel der Mitglieder:

Jedes Vereinsmitglied sollte am Ort seiner Tätigkeit überall dort, wo es ihm sinnvoll erscheint, Zeit verzögern und sich der Solidarität des gesamten Vereins sicher sein.
Die Mitglieder sollten zum Innehalten, Nachdenken auffordern, wo blinder Aktivismus und parktikulares Interesse Scheinlösungen produziert. Sie sollten in ihrer Umgebung recht viele Mitglieder werben, damit sie den nötigen Rückhalt in ihrer Umgebung haben.

Prof. Peter Heintel, Gründer und Ehrenvorsitzender des Vereins zur Verzögerung der Zeit

Kontaktmöglichkeiten:

Adresse: Verein zur Verzögerung der Zeit, Sterneckstr. 15, A-9020 Klagenfurt, Österreich

Telefon: +43 (0)463/2700-8730 ,  Fax: -6199

Website: http://www.zeitverein.com

mailto:info@zeitverein.com

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