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Zeitgeschichte

Übersicht:

Aus für ZARA?
Verstorben: Ivan Illich
Die Gestapo in Wien
Mailingliste Zwangsarbeit
Österreichs Nationalratsreden online
Das rechte Haus für Zeitgeschichte
Oder doch ein virtuelles Haus?

Tod durch Laufen im Kreis
' China: Historiker zu Haft verurteilt
Österreich: Der Revisionismus an der Macht
Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht"

 Alois Brunner - ein Nazi-Verbrecher in Freiheit?
Handbuch NS-Herrschaft in Österreich
Hitlers Österreich
Wannsee-Konferenz
Afghanische Frauen
Vera Frenkel: Body missing
Hitlers "Mein Kampf" - 75 Jahre
Mussolini in Afrika

"Die Presse" deckt auf: Historiker bereichern sich mittels "Verdrängungslüge"

Raubkunst im "Spiegel"
48. Österreichischer Historikertag
Italienische Nachkriegsjustiz
Bundesarchivgutverordnung
Österreichischer Zeitgeschichte-Tag
Beutekunst in deutschen Museen
"Der Schwimmer von Auschwitz"
Eine Historikerkommission auch für Liechtenstein
Rubens in Stuttgart und Karlsruhe
Berichte der Historikerkommission
Soll das Wiener Arbeiterkammer-Archiv der Sparwut zum Opfer fallen?
Verschwunden in Budapest - Raoul Wallenberg
"Irrtümer der Gedenkpolitik"

Slowakei - ein Staat von Hitlers Gnaden
Verstorben: Herbert Steiner
Raul Hilberg - 75. Geburtstag
Saul Friedländer
Politische Ökonomie des Holocaust
' Wiener Stadt- und Landesarchiv: Übersiedlung
Norman Finkelstein und die "Holocaust-Industrie"

Alltag in Österreich: "Kronenzeitung" feiert Hitler
Eine Quelle zur "Spitzelaffäre"?
Ottakringer Brauerei
Österreich beschliesst Entschädigungen für Opfer des Nationalsozialismus

Symposion "Hochschulen und Wissenschaft im Nationalsozialismus"
Sowjetische Besatzung: Ein österreichischer Historikerstreit?
Le Goff über Europa
Wehrmachtsausstellung

Lange Leitung bei der "Presse"
"ZIGEUNERPOLITIK" im Nationalsozialismus
Holokaust im ORF

Kunstraub in Österreich
Afrika
Kalter Krieg

Raubkunst in Deutschland
Marcuse über "Staat und Individuum im Nationalsozialismus"
Inventarisiert (Ausstellung)
Enquete des Grünen Parlamentsklubs zum NS-Raubzug

Der Vatikan und der Holocaust
Hannah Arendt - 25. Todestag

Verstorben: Sybil Halpern Milton

 

Aus für ZARA?

Anfang April 2003 wurde in einer Aussendung mitgeteilt, dass die österreichische Anti-Rassismus-Organisation ZARA “zugesperrt" wird, wenn nicht noch irgendwo Geld auftauchen sollte. Der 1999 gegründete Verein ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) betreibt eine Beratungsstelle veranstaltet Workshops und Seminare und gibt (oder gab?) jährlich einen umfassenden Rassismus-Report über Österreich heraus, den es zum download auf der Web-Seite des Vereins gibt.

Weil die bisherige jährliche Subvention von 40.000 € der Stadt Wien immer nur 6 Monate des Betriebes abdeckt, das Team seit 3 Jahren also großteils ehrenamtlich arbeitet und zudem das Geführ zu haben scheint, dass es "einfach nicht mehr kann", war zu befürchten, dass Österreichs einzige einschlägige Dokumentations- und Beratungsstelle im Juni 2003 den Betrieb einstellen muss. Mittlerweile hat sich der Wiener Gemeinderat zu einer Sonderförderung durchgerungen, die den Betrieb bis Ende 2003 ermöglichen sollte. Auskunft über weitere Unterstützungsmöglichkeiten erteilt ZARA per mail (office@zara.or.at) oder telephonisch (+43/1/ 929 13 99).

Verstorben: Ivan Illich

Am 3. Dezember 2002 ist in Bremen der Philosoph und Zivilisationskritiker Ivan Illich verstorben.

1926 in Wien geboren, studierte er später Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften, zum Teil an der Gregorianischen Universität in Rom. Einen Doktor-Titel in Geschichte erwarb er an der Universität Salzburg. 1951 kam er in die Vereinigten Staaten, wo er zunächst Kaplan in einer irisch und puerto-ricanischen geprägten Pfarre in New York war. 1956 bis 1960 war er Vize-Rektor der katholischen Universität in Puerto Rico. Illich war Mitbegründer des "Center for Intercultural Documentation (CIDOC) in Cuernavaca (Mexico), wo er auch die wichtigsten Ideen seiner Zivilisationskritik entwickelt hat. Seit den 80er Jahren lehrte er in Bremen (BRD).

Er war einer der radikalsten Gesellschaftsdenker im 20. Jahrhundert und wohl der wichtigste Vordenker dessen, was man später "alternativ" nennen sollte. Zum immer wieder-lesen: "Selbstbegrenzung" (tools for conviviality) oder "Die Nemesis der Medizin". Er fehlt uns jetzt schon!

Illich-Seiten sind im Netz nicht schwer zu finden: hier ist eine auf deutsch, und hier ist eine auf englisch.

Ivan Illich
 

 

Die Gestapo in Wien

Die Gestapo-Leitstelle Wien ist dem Wiener Nachrichtenmagazin "Profil" vom 23. Juli 2001 eine Titelgeschichte wert. Aktueller Anlassfall ist die Fertigstellung einer Dissertation von Thomas Franz Mang mit dem Titel "Gestapo, Gauleitung und Zentralstelle - falsche Mythen und echte Verantwortung" (geisteswiss. Diss. Universität Wien 2001). Dem Artikel folgt ein zweiter Teil in der Ausgabe vom 30. Juli. Über Mang ist übrigens auch weiter unten auf dieser Seite eine Notiz zu lesen: anlässlich der mehrmaligen Auffindung der Wiener Gestapo-Kartei sah sich ja die angesehene Hamburger "Zeit" veranlasst, die "Spektakelsucht" zu beklagen, mit der "die Medien die NS-Zeit inszenieren".

Profil 30/2001

Mang vertritt die These, dass in erster Linie der Wiener Gestapo-Leitstelle die lokale Verantwortung für die Deportation der jüdischen Bevölkerung zuzuordnen wäre und nicht Eichmanns "Zentralstelle für jüdische Auswanderung". In diesem Punkt widersprechen ihm etwa Gabriele Anderl und Hans Safrian. Wie dem auch sei: die Defizite der "Täterforschung" reichen sicher noch für mehrere Dissertationen. Kaum zur Kenntnis genommen wurde ja etwa jene von Franz Weisz (Die Geheime Staatspolizei, Staatspolizeistelle Wien, 15 Bde, 4.500 S. !!!) aus dem Jahr 1991.

Letzten Endes macht der Artikel auch deutlich, dass die journalistische Berichterstattung über Fragen der Zeitgeschichte in Österreich üblicherweise ein Schattendasein fristet. Marianne Enigl vom Profil sei daher an dieser Stelle eine virtuelle Mozartkugel überreicht.

Verwandte Themen auf www.holzbauer.net:

Mailingliste NS-Zwangsarbeit

Seit Anfang 2001 arbeitet eine Mailing List zum Thema NS-Zwangsarbeit. Bisher nehmen vor allem Archivare und Lokalforscher aus verschiedenen Teilen Deutschlands teil, aber auch einige ehemalige Zwangsarbeiter bzw. Betroffenenvertretungen. Die USA und die Ukraine sind durch einzelne Teilnehmer vertreten. Hier gibt es Informationen zur Liste und hier ist auch die Anmeldung möglich. Von den Interessenten wird erwartet, dass sie sich den anderen Teilnehmern kurz vorstellen (15 bis 40 Zeilen). [März 2003]

Österreichs Nationalratsreden online

Die offizielle web-adresse des österreichischen Parlaments wird wohl den meisten historischen Interessierten geläufig sein. Auf eine Privatinitiative ist hingegen ein neues Projekt zurückzuführen, dass sämtliche gedruckten Nationalratsreden der Republik Österreich für die Zeit ab 1945 in bester Qualität maschinenlesbar gemacht wurden. Hier ein Auszug aus einer neuen Meldung zu diesem Projekt:

 

Die Nationalratsreden sind ein Kulturgut.  Der zeitgemäße digitale Zugang ist zweifelsohne ein Anzeichen für Meinungsfreiheit und demokratischen Pluralismus. Die Plenarreden des Nationalrates sind der der Öffentlichkeit zugewandte Teil der parlamentarischen Geschäfte. Sie drücken den politischen Willen der gesetzgebenden Körperschaft und im einzelnen die Haltungen der parlamentarischen Fraktionen zu den politischen Themen medienwirksam aus. Die Digitalisierung der Sitzungsprotokolle erlaubt den raschen und systematischen Zugriff auf diese Manifestationen in mehr als 2000 Nationalratssitzungen mit bald 200.000 Textseiten. Damit sind der Erforschung des Nationalrates und seiner Reden neue Horizonte eröffnet. Jede auf diesem Gebiet ernsthaft tätige Wissenschaft - aber auch jeder mündige Bürger -  kann neue Impulse erhalten. [Q: Österreichisches Volkshochschularchiv]

Das rechte Haus für die Zeitgeschichte?

Seit Jahren geistern mindestens zwei Projekte durch Österreichs Printmedien: ein "Haus der Zeitgeschichte" oder aber ein "Haus der Toleranz" sollen Österreichs Geschichte des vorigen Jahrhunderts präsentieren. Der Diskurs bezog sich zunächst weniger auf Fragen der inhaltlichen Konzeption als auf die Wahl des Standortes: das Haus sollte tunlichst das Palais Epstein an der Wiener Ringstrasse sein. Das Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte und diente schon als Gebäude des Stadtschulrates sowie als sowjetische Stadtkommandatur. Erbaut wurde es von einer Bankiersfamilie, die heute (seltsamerweise auch von Schreibern, die sich für fortschrittlich halten) als eine "jüdische" bezeichnet wird. So, als ob das deren hervorstechendstes Merkmal gewesen wäre! Die Frage des Standorts scheint auf jeden Fall in einer Hinsicht entschieden zu sein: Auch in Zukunft wird das Palais als Verwaltungsgebäude dienen - das Parlament wird es nutzen.

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat nun geschafft, die Diskussion mit einer überraschenden Entscheidung wieder zu beleben: sie hat eine Kommission ernannt. Diese soll eine Ausstellung gestalten, auf der künftig ein "Haus der Zeitgeschichte" aufbauen soll: 50 Jahre Staatsvertrag. "Österreich ist frei!" wird wohl auf den Plakaten stehen und jedem Österreicher steht frei, sich dabei "frei von den Sowjets" zu denken.

Die Kommission repräsentiert kaum das ganze Spektrum der österreichischen Zeitgeschichte. Von den 4 Mitgliedern sind allenfalls 2 als Zeithistoriker zu bezeichnen, die anderen beiden sind "parteipolitische Feigenblätter " ( (c) "Der Standard"). Erstere sind der Grazer Historiker Stefan Karner und der Chef des "Heeresgeschichtlichen Museums" Manfried Rauchensteiner; beide sollen eher der kleineren Regierungspartei ÖVP nahestehen. Die beiden Feigenblätter sind der Jurist ("Rechts-Historiker"?) Willi Brauneder (FPÖ) sowie der Germanist und Wiener Restitutionsbeauftragte Kurt Scholz. Brauneder ist immerhin ehrenamtlicher Präsident der österreichischen Karl-May-Gesellschaft. Scholz hat im Zilk-Flügel der Wiener SPÖ gedient; als Sekretär des Unterrichtsministers hat er immerhin 1984 eine Gedenkbroschüre in der Form eines Minister-Erlasses (oder war es umgekehrt?) redigiert.

Die Nonchalance, mit der diese Expertenkommission der Öffentlichkeit auf den Tisch geknallt worden ist, hat den berechtigen Widerspruch der etablierten Zeithistoriker (Konrad, Weinzierl, Rathkolb, Stuhlpfarrer) hervorgerufen - "Der Standard" berichtete über einen "offenen Brief" dieser Historiker.

Sicher ist es schaurig, wie die Ministerin hier agiert hat; aber: mittlerweile empfindet man es noch als ein Glück, dass sich unter den Kommissionsmitgliedern nicht noch schlimmeres findet. Solches hat ja Hojac-Westenthaler gefordert: Hugo Portischs Fernsehserie "Österreich 2", begehbar und mit besonderer Berücksichtigung der sudetendeutschen Frage...

Oder doch ein "virtuelles Haus"?

Einen erfreulich originellen Vorschlag in Sachen "Haus der (Zeit)-Geschichte (der Republik)" hat der Linzer Universitätsprofessor Roman Sandgruber in einem Gastkommentar in der "Presse" gemacht: Was Österreich braucht, ist nicht ein neues Gebäude für seine Geschichte, sondern einen virtuellen Ort für deren Präsentation.

Angesichts der manifesten web-Schwäche der österreichischen Geschichtswissenschaft (die ich auf diesen Seiten oft zu beklagen hatte) möchte ich dem Vorschlag durchaus mit freundlicher Zustimmung begegnen.

Tod durch Laufen im Kreis

Die Göttinger Historikerin Anne Sudrow hat für ihre Magister-Arbeit über die Schuhteststrecke im Konzentrationslager Sachsenhausen eine Auszeichnung für Technik- und Industrieforschung erhalten, meldet die "Junge Welt". Auf dieser Strecke wurden im Interesse der Industrie Ersatz-Materialien für Sohlenleder auf Abriebfestigkeit hin überprüft:

Die Prüfstrecke im KZ war mit unterschiedlichen Materialien wie Sand, Beton, Kopfsteinpflaster oder Rollsplit belegt. Die ausgewählten Häftlinge mußten darauf täglich bis zu 40 Kilometer absolvieren, berichtet die Historikerin. Viele Betroffene hätten diese Anforderungen nicht überlebt und seien an Entkräftung oder an nicht behandelten Entzündungen der Füße gestorben.

China: Historiker zu Haft verurteilt

Die NZZ meldete am 4. Februar 2002, dass der chinesiche Historiker Xu Zerong zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt worden ist. Dem 46-jährigen wird die "illegale Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen vorgeworfen"; diese sollen den Koreakrieg betreffe

Österreich: Der Revisionismus an der Macht

Die nachrichtenarme Sommerzeit (2002) wird uns in Österreich heuer durch allerlei Kurzweil belebt, welche die hohen staatlichen Würdenträger in historischer Hinsicht absondern. Zum Sonnwend-Fest, welches die traditionell orientierten rechten Deutschnationalen durch das Abbrennen von Feuern feiern, hat bekanntlich der Volksanwalt Stadler (FPÖ) eine Brandrede gehalten, die man wohl getrost "revisionistisch" nennen kann. Übrigens in Anwesenheit der Landessekretärin der FPÖ-Niederösterreich, Barbara Rosenkranz, die immerhin einmal das Handwerk einer Historikerin gelernt haben sollte. Ich habe seinerzeit ein Seminar gemeinsam mit ihr absolviert. Bemerkenswert wieder einmal auch die lahme ("gelassene") Reaktion des Kanzlers. Aus der Vielzahl der Kommentare war hier einer vom ehemaligen ÖVP-Politiker Peter Marboe im "Standard".[18.8.2002] Stadler

Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht"

In Wien fand von 9. April bis 26. Mai 2002 die bekannte und beliebte Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges" in ihrer überarbeiteten Fassung statt. Semper-Depot, 6. Lehargasse.

Eine Notiz über die Überarbeitung gab es in der Frühzeit von www.holzbauer.net, zu finden ist sie mittlerweile hier im Archiv.

Aus Gründen, die für mich nicht nachzuvollziehen sind, scheint die Wiener Ausstellung über keine Präsenz im Internet zu verfügen. Hier ist dazu immerhin eine Pressemitteilung des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Überdies hat es ja mittlerweile einiges an öffentlicher Diskussion in Österreich gegeben, wenngleich diese doch in eine seltsame Richtung gelaufen ist.[26.5.2002]

Alois Brunner - ein Nazi-Verbrecher in Freiheit?

Der aus Österreich stammende Alois Brunner gilt als prominentester NS-Verbrecher auf freiem Fuß. Brunner hat nach Eichmann die "Zentralstelle für jüdische Auswanderung" geleitet und trägt die Verantwortung für die Deportation hunderttausender Juden. Er soll in Syrien leben; wenn das (noch) stimmt, ist er 88 Jahre alt. Diesem Mann ist ein neues Buch gewidmet:

Georg M. Hafner, Esther Schapira: Die Akte Alois Brunner Warum einer der größten Naziverbrecher noch immer auf freiem Fuß ist, 326 S., geb., S 291, Euro 21,15 (Campus Verlag, Frankfurt/Main)

Die Wiener Tageszeitung "Die Presse" veröffentliche in ihrer Ausgabe vom 5. Jänner 2001 eine lesenswerte Rezension von Erwin Riess mit dem Titel "Jede Nacht auf Menschenjagd".

Am 2. März 2001 ist Brunner in Frankreich in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden: Kurz vor der Befreiung von Paris (am 31 Juli 1944) hat Brunner noch die Verschickung von 345 jüdischen Waisenkinder (das jüngste davon 2 Wochen alt) in die Vernichtungslager verfügt; insgesamt soll er rund den Tod von 11.000 französischen Kindern zu verantworten haben. Weil mittlerweile fraglich ist, ob er überhaupt noch am Leben ist, hat das Urteil wohl eher symbolischen Charakter.

Brunner

Brunner, 1995

Handbuch NS-Herrschaft in Österreich

In Wien wurde am 21. November 2000 die Neuausgabe des 1988 erstmals erschienen Buches vorgestellt: Emmerich Talos, Ernst Hanisch, Wolfgang, Neugebauer, Reinhard Sieder (Hg.): NS-Herrschaft in Österreich. Ein Handbuch, 960 S. Wien 2000 (Preis ca. 25 €). Wir werden uns gewiss mit dem Buch noch näher zu beschäftigen haben.

Hitlers Österreich

Anfang 2001 ist ein Buch des amerikanischen Historikers Evan Burr Bukey mit dem Titel "Hitlers Österreich. Eine Bewegung und ein Volk" erschienen, welchem Hans Werner Scheidl in der Presse vom 17. Februar 2001 ein paar Bemerkungen widmete. Auf die Gefahr hin, den ohnehin kurzen Text durch weitere Kürzung zu entstellen: Scheidl meint, dass das Buch auf den ersten Blick zwar wie "eine Reader´s-Digest-Fassung für die University of Arkansas" über ein "fernes antisemitisches Land in den Jahren 1934 bis 1945" anmute; auf den zweiten Blick hingegen beinhalte es auch "faszinierende Facetten".

Der Journalist Hans Rauscher widmet dem Buch im Standard vom 19. März eine flüchtige, dafür aber wohlwollende Besprechung unter dem Titel "Starker antisemitischer Konsens"; eine ausführliche und kritische Rezension gibt es in der Zeitschrift "Junge Welt" vom 28. April 2001. Nicht ganz unkritisch ist auch eine Besprechung des Buches ausgefallen, welche Gabriele Anderl dem Buch in der NZZ zuteil werden ließ. Leider ist diese nicht mehr online.

Ausstellung "Wannsee-Konferenz"

Im Jänner 1942 verhandelten unter dem Vorsitz des SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrich 14 Spitzenbeamte der Ministerialbürokratie und der SS in einer Villa in Berlin über die organisatorische Durchführung der Entscheidung, die Juden Europas in den Osten zu deportieren und zu ermorden. Zum 60. Jahrestag zeigt die Volkshochschule Hietzing die Ausstellung der Gedenkstätte "Haus der Wannsee-Konferenz" aus Berlin.

Den Eröffnungsvortrag hält Historiker Peter Longerich (London), Autor des Buches "Der ungeschriebene Befehl" und Gutachter im Prozess gegen den Holocaust-Leugner David Irving.

Im Rahmen der Ausstellung wird auch eine Vortragsreihe stattfinden: Jonny Moser spricht am über Deportationen aus Österreich (26.2.). Wolfgang Neugebauer spricht über das "Altersgetto" Theresienstadt (5.3.). Die Historikerin Gabriele Anderl ist am 12. März dem Täter Eichmann auf der Spur. Sein Prozess in Jerusalem und seine Verurteilung markieren einen wichtigen Punkt in der Diskussion über Täter. Eichmann ist einer der prominentesten "Spediteure des Todes"; viele blieben
jedoch unbekannt.

Die Ausstellung ist von 18. Februar bis 8. März in der Volkshochschule Hietzing (13., Hof-wiesengasse 48) zwischen Montag und Freitag von 8.30 und 21 Uhr zu besichtigen. Nähere Auskünfte erteilt Robert Streibel (Tel.+43/1/ 804 55 24-12). (März 2002)

Afghanische Frauen

Schon die Neuigkeiten, die uns in den letzten Jahren aus Afghanistan erreicht haben, waren durchwegs keine Guten. Ob die neuen Entwicklungen eine Wende zum Guten bringen werden, ist noch nicht abzusehen. Wer seine Informationen über Afghanistan und die Schreckensherrschaft der Taliban (die wohl nicht zu Unricht mit den "Roten Khmer" verglichen werden) nicht nur aus westlichen Medien beziehen will, dem sei die Website der Revolutionary Association of the Women of Afghanistan (RAWA) empfohlen.

RAWA versteht sich als antifundamentalistische Widerstandsbewegung, die für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit eintritt. Wie einem Artikel in der "Zeit" vom 11. Oktober 2001 zu entnehmen war, geht es dabei etwa um das Recht, aus dem Fenster zu schauen, Lesen und Schreiben zu erlernen oder einen Beruf zu ergreifen.

Mit größtem Engagement und vielfach unter Einsatz Ihres Lebens leisten die Frauen von RAWA Flüchtlingshilfe und führen klandestine Alphabetisierungs-Aktionen durch. Ich finde: man sollte diese Schwestern unterstützen, und sei es auch nur durch Unterzeichnung ihrer online-Petition.

"Die eigene GESCHICHTE" - Provenienzforschung in Deutschland und international

Unter dem (gewiss nicht ganz eindeutigen Titel) "Die eigene Geschichte - Provenienzforschung an deutschen Kunstmuseen im internationalen Vergleich" findet von 20.-22. Februar 2002 eine Tagung in der Hamburger Kunsthalle (BRD) statt. Mit Dr. Ute Haug verfügt diese ja über eine sehr aktive Provenienzforscherin. Hochkarätige Experten werden sich mit dem Problem beschäftigen, dass zahlreiche Kunstwerke in die Bestände der Museen gelangten, welche ihren rechtmäßigen Besitzern im Zuge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entzogen worden sind.

Aber auch die Fußtruppen der Provenienzforschung (zu denen ich mich ja auch selber zähle) werden zu Wort kommen: In einem kurzen Beitrag wird unter anderem Monika Mayer (Archivarin der Österreichischen Galerie und Mitglied der Kommission für Provenienzforschung) die Situation in Österreich schildern. Die Tagung ist gewissermaßen die sachliche Fortsetzung des Kölner Kolloquiums "Museen im Zwielicht" - eine kurze Notiz dazu gibt es auf diesen Seiten.

Zielgruppe sind in erster Linie Museumsfachleute, welche sich schriftlich anmelden und 50 € berappen müssen. Auskünfte zur Tagung können Ute Haug oder Karen Buttler erteilen.

Vera Frenkel: Body missing

Die Wiener Galerie Kargl (4. Schleifmühlgasse) zeigte von 15.11.2001 bis 12.1.2002 die Installation Body missing der kanadischen Künstlerin Vera Frenkel, welche um das von Hitler geplante Linzer Führermuseum kreist. Die dazugehörige Website wird ja von mir (praktisch seit Bestehen meiner Seite) empfohlen. Frau Frenkel hat auch schon Notiz von meiner Seite genommen. Ganz ehrlich, nach dem e-mail mit dem subject "Excellent site" hatte ich zugebenermaßen etwas weiche Knie.

Hitlers "Mein Kampf" - 75 Jahre

Vor 75 Jahren erschien Adolf Hitlers programmatisches Werk "Mein Kampf" zum ersten Mal vollständig. Dieses seltsame Jubiläum kommentiert der Schweizer Historiker Roland Aegerter in einem lesenswerten Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung vom 5. Jänner 2001.

Heute habe das Buch nur noch Wert als historische Quelle; kaum könne mehr von einem "Verführungspotential" die Rede sein. Dafür habe es eher "Aufklärungspotential": Jedem an den Menschenrechten orientierten Leser wird deutlich vor Augen geführt, wie verbrecherisch Hitlers Gesinnung war.

Adolf H.

Mussolini in Afrika

Ein Buch von Gabriele Schneider richtet den Blick auf die rassistische Ideologie und Praxis des faschistischen Italiens, welche vor allem in den afrikanischen Kolonien Libyen und Äthiopien umgesetzt wurde. Unter anderem werden auch die Wechselwirkungen von kolonialistischer Ideologie und antisemtischer Rassengesetzgebung thematisiert. Eine Rezension in der NZZ kommt freilich zum Urteil, dass viele Fragen nur angeschnitten wurden.

Gabriele Schneider: Mussolini in Afrika. Die faschistische Rassenpolitik in den italienischen Kolonien 1936-1941. SH-Verlag, Köln 2000. 300 S

"Die Presse" deckt auf: Historiker bereichern sich mittels "Verdrängungslüge"

Unter dem nicht gerade bescheidenen Titel "Holocaust: Lüge und Wahrheit" nahm sich der Chefredakteur der Wiener "Presse", Andreas Unterberger, des Themas "Holocaust-Industrie" in einem Leitartikel am Faschingsamstag 2001(!) an. Nicht nur das Buch "Die Holocaust-Industrie" Finkelsteins, sondern insbesondere "dessen Deutung durch Rudolf Burger in der Presse" würde Österreich "erregen", meint Unterberger in offensichtlich realistischer Einschätzung der Wirkung seines Blattes. Beide Pole des historisch-politischen Diskurses, Stammtisch und Feuilleton wären von der Diskussion "beherrscht". Der weitaus größere Teil der Argumentation Unterbergers dürfte aber nicht dem Feuilleton entnommen sein. "Besonders spannend" findet er "die von Burger brillant heraugearbeitete Erkenntnis, wie sehr der Opferlüge - also der Behauptung daß (sic!) die Österreicher nur Opfer des Nationalsozialismus gewesen wären -auch die Verdrängungslüge an die Seite getreten ist". Und dann kommt er zum Kern der Verdrängungslüge: "Jene Verdrängung wird freilich von vielen Historikern und Politologen behauptet: Hängen diese ständigen Behauptungen vielleicht damit zusammen, daß (sic!) mit der Erforschung von angeblich Verdrängtem arbeitslosen Wissenschaftern dicke Forschungsauftäge winken?"

Dem sollte man wohl entgegenhalten: Würden stattdessen die Historiker an der Ent-Dummung von Feuilleton und Stammtisch arbeiten, wären sie wohl alles andere als arbeitslos!

Verdrängt!

Raubkunst im "Spiegel"

Das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ihat im Rahmen der Dauer-Serie "Hitlers Langer Schatten" auch das Thema Nazi-Kunstraub behandelt. Der Artikel von Erich Wiedemann macht deutlich, dass nicht nur die Nazis systematisch Museen, Galerien und Depots in ganz Europa plünderten, sondern auch Amerikaner und Sowjets nach Kriegsende jede Menge Kunst an sich rissen. Wer bisher nur die österreichische Berichterstattung verfolgt hat, muss ja (vielleicht doch nicht ganz zu recht) annehmen, dass der große Kunstraub nach 1945 in der Alpenrepublik stattgefunden hätte.

 48. Österreichischer Historikertag

Der Österreichische Historikertag, der vom Institut für Österreichkunde veranstaltet wurde und der von 28. April bis 1. Mai 2001 in St. Pölten stattfand, stand heuer unter dem Thema "Enteignungen und Restitutionen in der Geschichte Österreichs". Während am Sonntag, 29. April der Zeitraum von 1420 bis etwa 1918 im Mittelpunkt der Vorträge stand, hatten die folgenden beiden Tage die österreichische Zeitgeschichte zum Thema. Die einzelnen Vorträge und ihre Referenten: Beraubungen der Juden in Österreich während der Zeit des Nationalsozialismus und Umfang der Rückstellungen (Roman Sandgruber), Die Arisierungen in der "Ostmark" (Gerhard Botz), Die Enteignung von Versicherungswerten (Dieter Stiefel), Arisierung in Tirol (Wolfgang Meixner), Die Entschädigungsverhandlungen 2000/01 (Hans Winkler).

Am Dienstag, 1. Mai waren zwei zeitgeschichtliche Vorträge angesetzt. Zuerst Klaus-Dieter Mulley zum Thema "Sühnefolgen" ohne Folgen? Zu Theorie und Praxis des Vermögensverfalls in Entnazifizierungsverfahren. Den letzten Vortrag des Österreichischen Historikertages habe ich, Robert Holzbauer, selbst gehalten. Thema: NS-Kunstraub in Österreich. Von 1938 bis heute. Demnächst auf dieser Seite!

Italienische Nachkriegsjustiz

Der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 28. September 2001 war zu entnehmen, dass die letzte Ausgabe der italienische Vierteljahreszeitschrift Contemporanea einen Beitrag von Filippo Focardi und Lutz Klinkhammer enthält, in dem Dokumente aus dem Aussenministerium der Republik Italien veröffentlicht und kommentiert werden. Diese lassen auf einen höchst ambivalenten Umgang mit italienischen Kriegsverbrechern schliessen. Jugoslawien verlangte etwa die Auslieferung von 40 Personen, welche von Italien in einem "offiziellen und inoffiziellen
Zusammenspiel von Politik und Justiz
" hintertrieben wurde. Eine peinliche Angelegenheit eben.

Natürlich bilden die achtzehn in «Contemporanea» publizierten Schriftstücke nur einen kleinen Teil des gesamten Materials; die wichtigsten Bestände sind aber im italienischen Staatsarchiv wegen eines «rimbustamento erroneo» (ein Versehen bei einer Neuordnung) seit mehreren Jahren nicht mehr greifbar. Peinlich auch das.

Bundesarchivgutverordnung

Mitte Oktober 2001 war an dieser Stelle zu lesen, dass die österreichische Bundesregierung den Entwurf zu einer Bundesarchivgutverordnung zur Begutachtung (bis 25.10) ausgesandt hat. Dieser erste Entwurf wies mehrere Aspekte auf, die für die zeitgeschichtliche Forschung schwerwiegende Folgen gehabt hätten .

Zahlreichen Bestände zur Aufarbeitung der NS-Zeit (etwa Sammelstellen, Hilfsfonds, Abgeltungs-fonds etc.) wäre damit die Archivwürdigkeit abgespochen worden.

In Zukunft wäre es den Bundesdienststellen (und nicht dem Staatsarchiv) zugefallen, Archivgut als solches zu kennzeichnen. Das Staatsarchiv hätte es dann "ohne nähere Überprüfung" übernehmen müssen. Überdies sollte nur noch "Schriftgut über Bescheide mit dinglicher Wirkung" als Archivgut aufbewahrt werden - alles andere müsste aus Verwaltungsakten (verpflichtend und auch nachträglich) entfernt werden. Vgl. dazu auch den Artikel im "Standard" v. 20.10. 2001 "Nicht archivwürdig!"

Wie die Zeitung "Der Standard" am 3. November 2001 meldete, kann dieser erste Entwurf ad acta gelegt werden. "Mindestens 100" Stellungnahmen seien im Bundeskanzleramt eingelangt: in der Mehrzahl wurde der Entwurf abgelehnt. Zu einer dieser Stellungnahmen durfte ich in bescheidenem Ausmaß einen kleinen Beitrag leisten. Hoffen wir also, dass künftige historische Forschungarbeiten doch nicht vollkommen unmöglich gemacht werden.

was ich nicht weiss...

Österreichischer Zeitgeschichtetag 2001

Unter dem Thema "Demokratie - Zivilgesellschaft - Menschenrechte" stand der 5. Österreichische Zeitgeschichtetag, welcher von 4.bis 6. Oktober 2001 in Klagenfurt stattgefunden hat.Nähere Informationen zum Programmablauf bietet eine graphisch recht aufwendige Website, zu der seit relativ kurzem auch eine brauchbare Linksammlung gehört. Mein besonderes Interesse als Netzwerker galt natürlich dem Arbeitskreis ("panel" heisst das auf neudeutsch) "Zeitgeschichte und Öffentlichkeit". Ich selbst habe nicht am Zeitgeschichtetag teilgenommen, bin aber in den Genuss von Augen- und Ohrenzeuginnen-Berichten gekommen. [13.11.2001]

Beutekunst in deutschen Museen

Das deutsche Portal Kunstgeschichte widmete seine "Neuigkeiten" am 19. April 2001 dem Thema "Beutekunst in deutschen Museen". Zu finden waren wertvolle links, z.B. auf einen Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung über die Arbeit von Ilse von zur Mühlen in der Münchner Pinakothek. Auch auf die Seite www.holzbauer.net wurde in einem Ausmaß verwiesen, die ich ganz bescheiden für fast für zu viel des Guten halten muss.

"Der Schwimmer von Auschwitz"

In Frankreich arbeitet eine Kommission ein dunkles Kapitel auf: die "Säuberung des französischen Sports von Juden" während der deutschen Besatzung zwischen 1940 und 1944. Im Gefolge dieses Projekts ist auch ein Dokumentarfilm über den Schwimmer Alfred Nakache (1915-1983) entstanden: "Der Schwimmer von Auschwitz".

Eine Historikerkommission auch für Liechtenstein

Auch das Fürstentum Liechtenstein wird sich (wie zuvor schon seine Nachbarländer) der wissenschafltichen Aufarbeitung seiner Geschichte in den Jahren des Zweiten Welkrieges widmen. Liechtensteins Regierung hofft mit dem Einsetzen einer unabhängigen Kommission eine «glaubwürdige Aufarbeitung» der Vergangenheit zu ermöglichen, wie die Zeitung "Die Südostschweiz" berichtete.. «Dabei verwechselt die Regierung ihre Massnahmen zur medialen Schadens-begrenzung mit der liechtensteinischen Geschichtsschreibung schlechthin», kritisierte der in Wien lebende Liechtensteiner Historiker Jürgen Schremser das Vorgehen der Regierung. Kennern der österreichischen Verhältnisse wird der Mechanismus vielleicht bekannt vorkommen.

Nicht ganz ohne Kritik wurde dann allgemein die Vorstellung dieser Kommission aufgenommen, deren Vorsitzender sich nicht unbedingt als Zeithistoriker profiliert haben soll. Unter anderem gehört ihr die österreichische Historikerin Erika Weinzierl an, welche seinerzeit als meine "Doktor-Mutter" fungierte. Hier war ein Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung vom 23. Mai 2001.

Rubens in Stuttgart und Karlsruhe

Es scheint ganz offensichtlich, dass Journalisten, Historiker und Juristen (die noch in europäische und amerikanische zu scheiden wären) einen höchst unterschiedlichen Zugang zur Diskussion über die Restitution von Nazi-Raubkunst haben. In der "Frankfurter Rundschau" vom 13. Juli 2001 widmet sich der Jurist Erik Jayme (Spezialist für Kunstrecht und Lehrstuhlinhaber in Heidelberg) den rechtlichen Aspekten, darunter solchen, die durch die Schlagworte gutgläubiger Erwerb, Ersitzung und Verjährung gekennzeichnet sind.

Anlass-Fall dieses Kommentars sind zwei Rubensgemälde, welche aus dem Warenlager der Kunsthandlung van Diemen stammen. Diese stand im Eigentum der Familie Oppenheimer und wurde 1935 "arisiert", die Gemälde versteigert. Die beiden Gemälde befinden sich heute in Musen in Karlsruhe und Stuttgart. Wie die Provenienzforschung der Historikerin Anja Heuß jedoch ergab, müssen die Bilder zwar als "verfolgungsbedingt entzogen" gelten (so der exakte bundesdeutsche Sprachgebrauch); weil aber im Jahr 1953 ein Rückstellungsvergleich geschlossen wurde, fehlen die rechtlichen Voraussetzungen für eine Rückabe. Der Antrag auf Restitution wurde daraufhin zurückgezogen. Dagegen hat die Oberfinanzdirektion vor wenigen Wochen ein weiteres Gemälde aus dem Warenlager Van Diemen an die Erben zurückgegeben; es handelt sich um ein Gemälde von Adriaen van de Velde: Landschaft mit Hirten und Tieren. Es hing zuletzt in einem Museum in Siegen. (20.10.2001)

Berichte der Historikerkommission

Die österreichische Historikerkommission hat am 31. Oktober 2000 folgende zwei (lange erwartete) neue Berichte der Öffentlichkeit vorgestellt:

  • Georg Graf: Der Entzug von Mietrechten. Ein rechtshistorischer und rechtsdogmatischer Bericht unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklungen nach der Wiedererrichtung der Republik Österreich.
  • Brigitte Bailer-Galanda, Eva Blimlinger, Susanne Kowarc: "Arisierung" und Rückstellung von Wohnungen in Wien. Die Vertreibung der jüdischen Mieter und Mieterinnen aus ihren Wohnungen und das verhinderte Wohnungsrückstellungsgesetz.

Beide Texte stehen auf der Homepage der Historikerkommission zur Verfügung. Sollte das Bedürfnis danach bestehen, könnte auch www.holzbauer.net als "mirror" für solche Texte dienen. Hier ein Kommentar zu diesen Berichten aus der von mir sehr geschätzten online-Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung vom 1.11. unter dem Titel "Ungesühnte «Arisierungen» in Wien". Obwohl die meisten Leser wahrscheinlich die österreichische Berichterstattung kennen werden, ein weiterer Kommentar aus der Wiener Presse. Man beachte die in Österreichs Publizistik weithin gepflogene unkritische Verwendung des Nazi-Vokabels "arisieren". Einem "Antisemitismus ohne Juden" scheinen jetzt die "Arisierungen" ohne Arier zu folgen. Glaubt eigentlich jemand, dass man mit rassistischem Vokabular nicht-rassistische Inhalte transportieren kann?

Soll das Wiener Arbeiterkammer-Archiv der Sparwut zum Opfer fallen?

Die Wiener Arbeiterkammer soll die Schliessung ihres Archivs ab September 2001 beabsichtigen, meldet die Wiener "Presse". Betroffen wäre neben der "Sozialwissenschaftlichen Dokumentation" (SOWIDOK) auch das hilfreiche Tagblatt-Archiv, dessen Übernahme das Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien beabsichtigen soll. Der Mitarbeiterstand soll von 18 auf 3 Personen reduziert werden. Damit wird, wie "die Presse" dieses Mal treffend meint, kollektives Gedächtnis wegrationalisiert. Historiker/innen werden diese Meldung wohl - wie ich - fassunglos zur Kenntnis nehmen müssen.

Vielleicht alles nur eine sommerliche Zeitungsente? Meint jedenfalls mein lieber Freund Klaus Dieter Mulley, der ja nicht nur der Zunft der Zeitgeschichtler angehört, sondern auch mit einem regulären Arbeitsverhältnis als Angestellter der Präsidialabteilung der Arbeiterkammer privilegiert ist. Seine Stellungnahme war lange hier zugänglich und ich kann sie auf Anfrage gerne zur Verfügung stellen..

Mittlerweile gibt es auch eine Protest-Aktion gegen geplante Sparmaßnahmen. [4.9.2001]

Verschwunden in Budapest - Raoul Wallenberg

In Berlin wurde vom dortigen Collegium Hungaricum am 14. und 15. Mai 2001 eine internationale Forschungskonferenz zum Thema "Verschwunden in Budapest... Raoul Wallenberg - ein Schicksal, das sich niemals aufklären lässt?" veranstaltet. Die Veranstaltung war die erste internationale Konferenz in Deutschland, die sich mit dem ungeklärten Schicksal des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg beschäftigte, der in den Jahren 1944/45 in Budapest zahllosen verfolgten Juden das Leben rettete und danach spurlos in den Gefängnissen des KGB verschwand. Ein Bericht sollte auf der Website des Berliner Collegium Hungaricum vermutet werden können.[22.8.2001]

"Irrtümer der Gedenkpolitik"

Der Wiener Philosoph Rudolf Burger hat in der Zeitschrift "Europäische Rundschau" einen Text unter dem Titel Die Irrtümer der Gedenkpolitik. Wider die Rede von der "Verdrängung der Nazizeit" - Ein Plädoyer für das Vergessen veröffentlicht. Burger wendet sich gegen psychoanalytische Deutungsmuster im Diskurs über die Vergangenheit. Das national-therapeutische Ideologem "Vergangenheitsbewältigung" hat (...) seinen Ursrpung in genau jener völkischen Denkweise, die mit dem Nazismus zur Kritik steht...

Das archaische "niemals vergessen!", sei als Rückschritt zu betrachten, während es die zivilisatorische Leistung der griechischen Philosophie gewesen sei, das "mythische Erinnerungsgebot" zu duchbrechen und an dessen Stelle das "Nichterinnern" (griech. "Amnestie") zu setzen.

Aber genug mit der Verkürzung: Die "Europäische Rundschau" gibt es im Buchhandel. Im Web habe ich sie nicht gefunden. Stattdessen ersatzweise eine Kurzfassung von Burgers Text im "Standard" vom 9./10. Juni 2001. Erwartungsgemäß hat der Aufsatz Burgers den erhofften Widerspruch hervorgerufen, so von Huemer et al. im Standard (bitte selber in dessen Archiv suchen), von Hoffmann-Ostenhoff im Profil usw. Damit hat die interessierte Öffentlichkeit Österreichs ohnehin gerechnet. Hier gab es aber auch eine ausländische Stimme des Widerspruchs: Martin Meyer hat in der Neuen Zürcher Zeitung einen Kommentar unter dem Titel "Verächter des Erinnerns" geschrieben, welcher nicht mehr online ist.

Burger bekräftigte seine Argumentation in einem Interview mit der Wiener Zeitung vom 25.7.2001 unter dem Titel "Wider die nachgeholte Empörung".

Slowakei - ein Staat von Hitlers Gnaden

Wieder einmal ist es die Neue Zürcher Zeitung, welche zur Erweiterung des österreichischen Horizonts beizutragen vermag. Dies sei deswegen vermerkt, weil man (besonders an Föhn-Tagen) von vielen Punkten meines Lebenskreises nicht nur die kleinen Karpaten, sondern auch die Burg von Bratislava zu erblicken vermag. Obwohl sie in Sicht- und Hörweite liegt, ist die Slowakei im historisch-politischen Interesse der österreichischen Intelligenzia kaum präsenter als Pakistan oder Ecuador. Erste Abhilfe möge hier der Artikel "Ein Staat von Hitlers Gnaden" schaffen, welcher nicht nur den slowakischen Vasallen-Staat Hitlers, sondern auch die Probleme seiner Aufarbeitung zum Inhalt hat und eine nützliche Literaturliste angeschlossen hat. Leider ist der Artikel nicht mehr online, ich habe ihn aber in meiner virtuellen Werkzeugkiste und kann ihn weitergeben. .[17.7.2001]

Verstorben: Herbert Steiner

Der Gründer und langjährige wissenschaftliche Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Univ.-Doz. Dr. Herbert Steiner, ist am 26. Mai 2001, nach langer schwerer Krankheit im 79. Lebensjahr gestorben. Nachrufe auf Steiner gibt es in diversen Zeitungen und natürlich auch auf der Website des Dokumentationsarchivs.

Raul Hilberg - 75. Geburtstag

Weitgehend unbemerkt von der deutschsprachigen Öffentlichkeit hat Anfang Juni Raul Hilberg seinen 75. Geburtstag gefeiert. Hilberg wurde 1926 in Wien geboren und musste diese Stadt 1939 verlassen. Er gilt vollkommen zurecht als einer der Gründerväter der Holocaust-Forschung. Hier eine Würdigung von Hilberg anlässlich seines Geburtstages aus dem Berliner Tagesspiegel.

Saul Friedländer

Während das Buch von Finkelstein (wie auch zuvor jenes von Goldhagen) auf breiter Basis das Feuilleton beherrscht, konnten seriöse Arbeiten zur Holocaust-Forschung bei weitem nicht das gleiche Medien-Echo erzeugen. Das betrifft etwa die Arbeiten von Raoul Hillberg, aber auch die Bücher von Saul Friedländer, dessen Buch "Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Verfolgung 1933 - 1939" (München 1998) dem werten Besucher dieser Seite schon an anderer Stelle empfohlen wurde. In der Frankfurter Rundschau gab es einen Artikel unter dem Titel "Ermöglichungshorizont" über einen Vortrag Friedländers zum Thema "die Wehrmacht, die deutsche Gesellschaft und das Wissen über die Judenvernichtung".

RINGVORLESUNG "Die Politische Ökonomie des Holocaust"

Im Wintersemester 2000/2001 fand an der Universität Wien eine Ringvorlesung mit dem Titel "Die Politische Ökonomie des Holocaust" statt. Der folgende Bericht gründet sich teilweise auf eigene Beobachtung, teilweise abar auch auf Presseberichte und Augenzeug(inn)en. Unter dem Titel "Die Vorgansweise bei der Enteignung" beschäftigte sich der Wiener Zeithistoriker Gerhard Botz am 16.10. mit jenem organisierten Vermögenstransfer, den die Nazis als "Entjudung" oder "Arisierung" bezeichneten. Unter anderem kam Botz auf die gigantischen Dimensionen zu sprechen, welche dieser Transfer im "Lande Österreich" hatte: nach zeitgenössischen Berechnungen wäre ihr Wert bis 1.10.1939 rund 2,3 Milliarden Reichsmark. Nicht berücksichtigt dabei sind die sogenannten "wilden Arisierungen" im Zuges des "Anschluss-Pogroms" 1938 sowie Werte wie Wohnungseinrichtungen oder Mietrechte. In heutige Währung umgerechnet, wären das mindestens 1.000 Milliarden österreichischer Schilling (72,67 Milliarden Euro).

Am 23. Oktober sprach Brigitte Bailer-Galanda zum Thema "Der Problembereich der Rückstellungen". Inhalt waren hauptsächlich die 7 Rückstellungsgesetze und deren gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen. Am 4. Dezember referierte der Freiburger Historiker Ulrich Herbert über den gegewärtigen Stand der Forschung zu Thema "Fremdarbeiter im Dritten Reich". Einen Bericht darüber gab es in der Wiener "Presse" unter dem Titel "Ohne Zwangsarbeiter hätte Hitler den Krieg nicht fortführen können" Einen kurzen Bericht über den Kunstraub-Vortrag von Jonathan Petropoulos um 18. Dezember gibt es am weiter oben auf dieser dieser Seite. Turbulent scheint das Jahr 2001 begonnen zu haben (leider war ich am 8.1. nicht selbst dabei). Der Innsbrucker Zeithistoriker Thomas Albrich sollte über die "Forderungen der jüdischen Organisationen" referieren, verweigerte aber unter Hinweis auf die laufenden Verhandlungen. Als Ersatz wurde eine heftige Diskussion über die Rolle der Zeitgeschichte abgeführt; hier ein Artikel darüber aus der Wiener Tageszeitung "Die Presse".

Wiener Stadt- und Landesarchiv: Übersiedlung

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv übersiedelt am 1. März 2001 in den Simmeringer Gasometer D. Seite Monaten war diese Veränderung hier über ein Gerücht angekündigt. Nunmehr kann dieses durch eine offizielle Information ersetzt werden: von 9. April bis 31. Juli 2001 bleibt der Benutzerraum geschlossen, für dringende amtliche Angelegenheiten besteht aber ein Journaldienst (nicht von 7. bis 18. Mai). Ab 21. Mai 2001 soll das Archiv im Gasometer zur Verfügung stehen. Erfahrungsgemäß ist aber nach Archiv-Übersiedlungen eine gewisse Zeit lang genau der Aktenbestand nicht benützbar, den man dringend braucht. Offizielle Auskunft darüber wird wohl die die Website des Archivs geben können. [8.7.2001]

Norman Finkelstein und die "Holocaust-Industrie"

Heftige Kontroversen im Feuilleton hat das Erscheinen der deutschen Ausgabe von Finkelsteins Buch "Die Holocaust-Industrie" ausgelöst. Die unglaubliche Fülle des Presse-Echos hat den Nachrichtendienst für Historiker veranlasst, eine eigene Themen-Rubrik dafür einzurichten. Mittlerweile beschäftigen sich mehrere Bücher mit dem Buch Finkelsteins und dessen Rezeption Einen Artikel über vier Nachfolgepublikationen bietet die Neue Zürcher Zeitung am 10. Mai unter dem Titel "Die sogenannte «Holocaust-Industrie» Dokumentationen der Kontroverse um Norman Finkelstein".[11.6.01]

Alltag in Österreich: "Kronenzeitung" feiert Hitler

Wie die Leser dieser Seite wissen, wird der 20. April von allerlei Rechtsextremen als Adolf Hitlers Geburtstag gefeiert. Ausgerechnet an diesem Tag hat der Hausdichter der Kronen-Zeitung, der sich Wolf Martin nennt, eine Art Huldigungsgedicht veröffentlicht. Freilich soll sich das auf etwas ganz anderes beziehen. Eva Menasse widmet dieser Huldigung einen lesenswerten Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Bald lesen, der link wird nicht lang frisch bleiben!

Eine Quelle zur "Spitzelaffäre"?

Möglicherweise betrifft die nun folgende Notiz einen Grenzbereich der Zeitgeschichtsforschung: Einer meiner mailing-listen ist von von einem anonymen "Freund" ein link mitgeteilt worden, welcher angeblich den Akt der Wirtschaftspolizei (ursprünglich war irrtümlich von dem der Staatsanwaltschaft die Rede) zum Missbrauch des österreichischen Polizei-Informations-Systems durch FPÖ-Politiker enthält. Ob digitales Material dieser Art wohl eines Tages als "Quellenmaterial" für Historiker gelten wird? Auf jeden Fall ist es für politisch Interessierte sicher eine Herausforderung, solches auf seine Plausibilität hin zu überprüfen.

Ottakringer Brauerei

Unter dem Titel "Das Geheimnis der 'Ottakringer' gibt es im Nachrichtenmagazin "Profil", H. 2/2001 einen Artikel der Publizistin Marianne Enigl. Die Ottakringer Brauerei war das erste "arisierte" Großunternehmen Österreichs. Nach 1945 wurde die vertriebene Braudynastie Kuffner relativ fair entschädigt. [10.6.2001]

 Österreich: Entschädigung für NS-Opfer

Das Parlament in Wien hat am 31. Jänner 2001 einen Entschädigungsfonds sowie soziale Verbesserungen für die Opfer des Nationasozialismus beschlossen. Über die Details wird in naher Zukunft zu berichten sein. Über einige Besonderheiten der Sprache der Berichterstattung, konkret über die häufige Verwendung des Nazi-Wortes "Arier" sowie über den Unterschied zwischen Restitution und Naturalrestitution, habe ich einen kleinen Text geschrieben: Arisierungstäter und Restitutionsopfer.[18.05.01]

Symposion "Hochschulen und Wissenschaft im Nationalsozialismus"

An der Universität Wien fand am 23. und 24.3.2001 das Symposion "Hochschulen und Wissenschaften im Nationalsozialismus und danach - "Konstruierte Kontinuitäten"? " statt. Ich selbst hatte keine Chance, mich berichterstattend (oder sonst irgendwie) einzubringen. Das Programm der Veranstaltung ist auf der Website des Wiener Instituts für Zeitgeschichte nachzulesen. Wenn jemand am Symposion teilgenommen hat und hier darüber berichten mag, steht ihr/ihm diese Seite dafür offen.

Beachtenswert wieder einmal die wenig kompetente Berichterstattung der österreichischen Medien. Wenn eine Zeitung etwas für berichtenswert hält, dann muss es das allererste Mal stattfinden. So findet sich dann auch im Standard vom 21. März der unbegründete wie unnötige Einleitungssatz "Spät, aber doch", welcher belegt, dass der Schreiber die bisherigen Forschungsergebnisse nicht zur Kenntnis genommen hat. Grund genug, daran zu erinnern, dass schon in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Beschäftigung mit NS-Wissenschaft (wie auch mit der Vertreibung von Künstlern und Wissenschaftlern) fast so eine Art Mode in Wien war. Eines deren Resultate ist das noch immer lesenswerte Buch

Willfährige Wissenschaft. Die Universität Wien 1938-1945, Hrsg. v. G. Heiß, S. Mattl, S. Meisel, E. Saurer, K. Stuhlpfarrer, Wien 1989.

Wie pflegte damals der alte Kreisky so schön zu sagen: Lernen Sie Geschichte, Herr Redakteur!

Sowjetische Besatzung: Ein österreichischer Historikerstreit?

Der Grazer Historiker Stefan Karner hat sich der Öffentlichkeit als Initiator eines internationalen Forschungsprojekts zur sowjetischen Besatzung in Österreich (1945-1955) präsentiert. Dies hat ungewöhnlich heftige Kritik hervorgerufen. Gerhard Jagschitz, Vorstand des Wiener Instituts für Zeitgeschichte (den ich - als dessen Schüler - als beherrschten Menschen kennengelernt habe): "Ich bin verstört über die Unverfrorenheit, mit der Kollege Karner agiert und auch verstört darüber, wie er mit gestohlenen Ideen hausieren geht." Karner würde nur auf einen "fahrenden Zug" aufspringen, die einschlägige Forschung laufe längst. Karners Absicht wäre, die österreichisch-russische Zeitgeschichte zu monopolisieren und ein Geschäft daraus zu machen, meinte Jagschitz. Ähnlich äußerte sich Andreas Kappeler, Professor am Institut für osteuropäische Geschichte der Universität Wien. Nachzulesen ist die Kontroverse in einem Artikel der Presse.

Wenn wir also in Österreich schon keinen "Historikerstreit" gehabt haben, so streiten also doch hin und wieder die Historiker. Hinter der aktuellen Debatte werden freilich Fragen sichtbar, denen man sich widmen sollte: Neben dem Ideenklau und der Monopolisierung von Forschungsfeldern durch ohnehin beamtete Historiker ist dies meiner Anschicht nach auch die fehlende Vernetzung der Information. Man wird die Diskussion im Auge behalten müssen.[25.4.2001]

Le Goff über Europa

Der französische Historiker Jacques Le Goff gab der "Zeit" ein Interview, welches vor allem Europa zum Inhalt hat.

WEHRMACHSTSAUSSTELLUNG

Wie wahrscheinlich der interessierten Öffentlichkeit nicht verborgen geblieben ist, wurde zur Kritik an der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-44" ein Gutachten veröffentlicht, welches zum salomonischen Urteil kam, dass sie zwar korrekt sei, in Details aber Schwächen gehabt hätte. Ein prägnante Zusammenfassung dessen bringt Die Zeit unter dem Titel: "Sie waren Mörder. Die Wehrmachtsausstellung ist rehabilitiert". Einen ausführlichen Beitrag über die neue Konzeption der Ausstellung gibt es im Feuilleton der NZZ. Anlässlich der Vorstellung der neukonzipierten Ausstellung veröffentlichte Die Welt ein Interview mit dem englischen Historiker Ian Kershaw (der vor kurzem den zweiten Band seiner umfangreichen Hitler-Biographie publiziert hat) zum Thema Vernichtungskrieg.

Lange Leitung bei der "Presse"

Ich stelle mir in Hinblick auf Österreichs Zeitungen eigentlich öfter die Frage, welche das kleinere Übel ist als die, welche besser ist. Dass die Berichterstattung über zeitgeschichtliche Themen fest in der Hand von mehr oder minder engagierten Nicht-Historikern liegt, ist leider bei allen sogenannten "Qualitätszeitungen" zu konstatieren. Um so positiver, wenn hin und wieder doch historische Themen aufgegriffen werden. So etwa am 21. Oktober 2000 von der "Presse" (vormals "Neue Freie Presse", gegründet 1848). Der Journalist Rainer Nowak interviewte den Rechtsanwalt Heinz Barazon, welcher nach 1945 als Anwalt in Restitutionsverfahren tätig war. Dieses Interview finde ich durchaus interessant. Nowak sagt darin (in Hinblick auf Rückstellungsvergleiche) den Satz: "Historiker weisen immer wieder darauf hin, daß viele der damals geschlossenen Vergleiche schäbig waren."

Diese Aussage halte ich für derart bedenkenswert, dass ich sie gerne im Original nachgelesen hätte. Eventuell hätte ich die Historikerin oder den Historiker, der das gesagt hat, gerne auf dieser Seite um eine Stellungnahme gebeten. Ich habe daher der Chefredaktion der "Presse" am 19. November ein e-mail mit einer entsprechenden höflichen Anfrage übermittelt. Nach rund einer Woche habe ich angenommen, dass dieses im virtuellen Nirwana verschwunden sein muss und die Nachricht noch einmal gesandt. Seitdem warte ich auf eine Antwort. Schon seltsam, dass die Chefredaktion derart kommunikationsschwach ist, wo doch ständig die Wirtschaftsredakteure von e-business, marketing und customer relations schwärmen und sich auch das Feuilleton mit einer "high-tech"-Rubrik schmückt. [16.01.2001]

"ZIGEUNERPOLITIK" im Nationalsozialismus

Der emeritierte Professor für Politische Wissenschaften an der Amherst-University von Massachusetts Guenter Lewy, der selbst während der NS-Zeit in die USA emigiert ist, legte soeben eine Buch über die "Zigeunerpolitik" der Nationalsozialisten vor. Lewy (der es im übrigen nicht für notwendig hält, "politisch korrekt" von "Sinti und Roma" zu sprechen) hat dafür in zahlreichen Archiven in Deutschland und Österreich geforscht. Resultat dieser Forschungen ist das Buch:

Guenter Lewy: The Nazi Persecution of the Gypsies, Oxford University Press, 2000.

Eine Rezension dazu gab es in der NZZ am 2. Dezember 2000. Leider ist diese nicht mehr online. [13.01.2001]

HOLOKAUST im ORF

Das österreichische Fernsehen wurde in den letzten Tagen eine dreiteilige Fernseh-Serie mit dem Titel "Holokaust" gesendet. Diese wurde vom Leiter der ZDF-Redaktion "Zeitgeschichte" Guido Knopp gestaltet und in Deutschland vom ZDF und zuvor vom Sender "Phönix" in sechs Folgen ausgestrahlt. Der Bochumer Historiker Norbert Frei meint, dass die Serie "zweifellos zum Besten zählt, was je über die Ermordung der europäischen Juden im deutschen Fernsehen zu sehen war". Enttäuschend war freilich die "Quote". Nur 2,37 Mio Deutsche sahen die Serie. Frei führt dies unter anderem darauf zurück, dass das Publikum auf die historischen Debattenstürme der letzten Jahre (Goldhagen, Finkelstein, Wehrmachtsausstellung, Zwangsarbeit) nun einfach mit Überdruss reagiere (N. Frei: Vom Hinsehen und vom Wegsehen. Mäßige Zuschauerzahlen, enttäuschende Resonanz: Warum die ZDF-Reihe "Holokaust" gut war, aber kein Erfolg, in: Süddeutsche Zeitung 21.11.2000)

Inhaltliche Kritik an der Serie kam etwa vom Berliner Zeitgeschichtler Götz Aly. Er warf Knopp in einer Kritik in der Berliner Zeitung zur Folge 2 vor, er agiere hitlerfixiert. Er und sein Berater Erhard Jäckel würden in der Serie nur ihren Hitler-Fimmel pflegen.

Meine Prognose für Österreich, dass es zum Start ein paar höfliche Zeitungsartikel geben werde, dann aber keine Diskussion unter Historikern, war noch weit übertrieben, denn es ist praktisch kein öffentliches Echo auszumachen.[8.12.2000]

KUNSTRAUB in Österreich

war der Titel eines Symposions, das am 17. und 18. November im Rahmen der Ausstellung "inventarisiert", die bis 19. November im Kaiserlichen Hofmobiliendepot stattgefunden hat. Ein Bericht darüber kann angesichts der Relevanz der Veranstaltung wohl kurz gehalten werden. Weil ich nicht während der ganzen Veranstaltung anwesend war, kann ich zwar noch nicht mit ganzer Sicherheit ausschliessen, dass es (über die Impulsreferate hinaus) ein berichtenswertes wissenschafltiches Ergebnis gegeben hätte. Es scheint aber bisher nicht so. Wer allerdings hitzige Diskussionen mag, könnte auf seine Rechung gekommen sein.[13.12.2000]

AFRIKA

Geschichte und Gesellschaft Afrikas sind nicht gerade sehr präsent im historischen Diskurs. Aus diesem Grunde gab es ein Hinweis die Rezension des Buches: Inge Grau, Christian Mährdel, Walter Schicho (Hrsg.): Afrika. Geschichte und Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert. Promedia, Wien 2000. 310 S. in der NZZ.[8.12.2000]

KALTER KRIEG

Auch ein ausführlicher Essay über den Kalten Krieg von Thomas Maissen kann dem werten Leser empfohlen werden.[8.12.2000]

RAUBKUNST in Deutschland

Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 7.11.2000 unter dem Titel Geiseln auf Dauer. Raubkunst oder nicht? Die deutschen Museen auf der Suche nach ihrer Vergangenheit thematisiert das Problem der Nazi-Raubkunst in deutschen Museen. Die Provenienzforschung ist von der Initiative der einzelnen Sammlungen getragen, was insbesonders kleinere Museen in den neuen Bundesländern vor Probleme stellt. Im Artikel wird eine "Provenienzkommission" gefordert. Als flankierende Maßnahmen sollten ein Forschungsfonds sowie ein Rückkauffonds gebildet werden. [8.12.2000]

Herbert Marcuse über "Staat und Individuum im Nationalsozialismus"

Die deutschsprachige Ausgabe von "Le monde diplomatique" (welche demnächst Gegenstand einer gesonderten Empfehlung sein wird) bringt in ihrer aktuellen Ausgabe die Erstveröffentlichung eines Textes von Herbert Marcuse aus dem Jahr 1942 unter dem Titel "Staat und Individuum im Nationalsozialismus" sowie einen Kommentar des französischen Politikwissenschaftlers Laudani.[29.11.2000]

INVENTARISIERT

Bis 19. November 2000 gab es im Kaiserlichen Hofmobiliendepot in Wien die Ausstellung "inventarisiert" zu sehen. . Einen Artikel zu dieser Ausstellung unter dem Titel "Eine Episode, die Wien gern vergessen würde" in der "Welt" vom 11. Oktober.2000 gibt es hier.[23.11.2000]

ENQUETE des Grünen Parlamentsklubs

Der Parlamentsklub der Grünen hat am 17. Juni 1997 eine Enquete zur "Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Schäden der NS-Opfer in Österreich" veranstaltet. Erst jetzt bin ich über die Ergegbnisse dieser Enquete gestolpert - dabei sind darunter auch solche, die ich seit einiger Zeit als "unveröffentlichte Dokumente" selbst verwendet habe. Die durchwegs gewichtigen wissenschaftlichen Beiträge können als *.doc-Dateien von der Web-Site der Grünen heruntergeladen werden.[18.11.2000]

VATIKAN und der Holocaust

Eine Historikerkommission, welche die "Akten und Dokumente des Heiligen Stuhls bezüglich des Zweiten Weltkrieges" untersucht, kommt in einem Zwischenbericht zum Ergebnis, "dass der Vatikan Mitte 1942 bereits bestens informiert war über den Massenmord an den Juden". "Pius XII. hat vor den Verbrechen der Nazis versagt", bringt es die Theologin Eva Fleischner (welche dieser Kommission angehört) auf den Punkt, wie die die Schweizer Aargauerzeitung berichtete.[17.11.2000]


HANNAH ARENDT - 25. Todestag

Am 14. Oktober 1975 verstarb die politische Theoretikerin und Analytikerin der Zeitgeschichte Hannah Arendt, deren Denken sich nach wie vor durch eine unglaubliche Aktualität auszeichnet. Die schweizer Zeitschrift "DU" widmet ihr aus diesem Anlass ein soeben erschienes Schwerpunkt-Heft. Hier war eine Rezension dazu aus der NZZ vom 17.10. unter dem Titel "Auf Hannah Arendts Denkwegen". [2.11.2000]

VERSTORBEN: Sybil Halpern Milton

Am 16. Oktober 2000 ist die Historikerin Sybil Halpern Milton, deren Forschungsschwerpunkt seit 1975 die NS- und die Holocaust-Forschung war, im Alter von 59 Jahren verstorben. Einen Nachruf aus der Berliner Zeitung "Die Welt" gibt es hier. [2.11.2000]

 

 

Sozialstaat Österreich

717.314 Österreicherinnen und Österreicher (darunter auch ich) haben im April 2002 das Volksbegehren Sozialstaat Österreich unterzeichnet. Natürlich ist es wichtig, gegen die Ent-Solidarisierung der Gesellschaft aufzutreten.Darüber hinaus ist die website der Initiative höchst vorbildlich: klar, funktionell, schön. Ansehen! Unterstützen!!! [03/2003]

Sozialstaat

Internet - (noch lange) kein Massenmedium

Immer wieder wollen uns verschiedene Medien weismachen, dass einerseits das Internet schon eine fantastische Marktdurchdringung hat, anderseits der Unterschied zwischen Amerika und Europa ein beträchtlicher sei. Eine Vergleichende Studie zwischen den USA und der BRD des Freizeitforschungsinstituts der British American Tobacco scheint mit diesen Mythen aufzuräumen."Viel Wind und wenig Surfer", so Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, der Leiter des Instituts. "Die meisten Deutschen, aber auch die Mehrheit der Amerikaner sind Computer-Muffel". 83 Prozent der Deutschen und 70 Prozent der Amerikaner machen zu Hause vom PC keinen regelmäßigen Gebrauch. Kaum zu glauben, dass sich in dieser Hinsicht die Österreicher sehr stark von den Deutschen unterscheiden. Der vielgerühmte "E-commerce" in der Form von B2C (Business to Consumer) scheint noch in weiter Ferne: nur 3 % der Amerikaner und 5% der Deutschen praktizieren elektronisches homebanking. Deutlich wird hingegen, dass der Netzgebrauch direkt proportional zur Bildung ist: jeweils rund 50 % der Universitäts-, aber nur 3% (USA) bzw. 5% (BRD) der Pflichtschulabsolventen sind einmal wöchentlich oder öfter online. Die "digitale Spaltung der Gesellschaft" scheint also Realität zu sein. Hier gab es eine lesenswerte Zusammenfassung der Studie , deren Auffindung ich der Rubrik "Netzstoff" der Neuen Zürcher Zeitung zu danken habe. [8.6.2002]

Gianna Nannini

Jahrelang habe ich irrtümlich geglaubt, dass die italienische Rocksängerin Gianna Nannini am gleichen Tag wie ich geboren worden wäre. Dem ist nicht so, sie ist rund 5 Wochen jünger. Aber eigentlich sieht sie nicht wie Mitte vierzig aus. Weil mir hin und wieder (beim Waldlauf oder beim Telephonieren) eine Zeile ihres Werkes, und zwar "voglio il tuo profumo..." derart hartnäckig in den Hirnwindungen sitzt, sei hier ihre Seite www.giannanannini.com empfohlen: mittlerweile wirkt das design auch schon ein wenig nostalgisch. Da könnt Ihr wenigstens ausprobieren, ob ihr auch schön brav alle Flash-plugins installiert habt... [24.05.2002]

Die Schweiz und der Holocaust

Der Schweizer Journalist Bruno Giussani editiert seit 1997 die Website "Switzerland and the Holocaust Assets", welche sich als "one-stop independent resource monitoring the controversy" versteht. Als Österreicher ist man geneigt, sich zu wundern, mit welcher Sachkenntnis ein Journalist an die historische Materie herangeht. Besonders hervorzuheben ist der profunde Umgang mit dem Medium WWW. Auch optisch wunderschön. Die Seite wird seit Juli 2001 nicht mehr aktualisiert. [2.9.2001]

Petition gegen die Todesstrafe in den USA

In Frankreich wurde eine europaweite Initiative gegen die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten gestartet. Die Möglichkeit, diese Petition online zu unterzeichnen, gibt es hier! [25.2.2001]

Neu:

Ab 21.November ist die Österreich-Version des weltweit größten Suchdienstes online. Altavista.at ist die erste der insgesamt 35 länderspezifischen Seiten, die AltaVista in den nächsten zehn Monaten einführen will. Das Unternehmen will mit der Einführung neuer Dienste in erster Linie seine finanzellen Verluste in den Griff bekommen. Laut Angaben des Wirtschaftsblattes hat Alta Vista seit seiner Gründung knapp sechs Milliarden Schilling Verlust eingefahren. Vermehrt konzentrieren will man sich in Zukunft auch auf die Suchtechnik und nicht mehr auf das Portalgeschäft. [Qu: OeJC-Newsletter] [25.2.2001]

Neue Viren: noch einmal mit Gefühl

Offensichtlich aus dem spanisch-sprechendem Teil der Welt kommt eine neue Welle von Computerviren. Nach "navidad" ist nun eine neukonzipierte Mischung von Wurm und Makrovirus namens "afeto" ("Gefühl") im Umlauf. Anders als "Melissa" oder "I-love-you", welche sich an alle Adressen versendet haben, tarnt sich dieser Virus als ein mail+attachement, die tatsächlich schon an diese Adresse versandt worden sind. Eine einfache Vorsichts-Massnahme, die Weiterverbreitung einzudämmen: keine Microsoft-Programme für e-mails verwenden, sondern exotische mail-clients, die eigene Adressbücher haben. Mein Favorit ist das in Hacker-Kreisen hochgelobte und gerne "gecrackte" "TheBat!", das zudem schöner, besser und leistungsfähiger ist. Aber auch Eudora oder ähnliches sollte genügen, wenn man nur ein mail-account hat. Und natürlich: ein aktuelles Virenschutzprogramm installieren! Nie atttachements unbekannter Herkunft ohne Prüfung öffnen! Keine unbekannten Programme in mail-attachements starten!

Nachtrag, 13.2.2001: Schon wieder ein neuer Virus im Umlauf, der nach oben skizziertem Muster arbeitet. Er ist nach einer Sportlerin namens Anna Kournikova benannt. Wiederum sind die Benutzer von MS-Outlook die bevorzugten Opfer und wieder wird in den Medien allerlei Unfug verbreitet. Also: keine attachements öffnen, die mit .vbs enden, aber dass brauch ich ja intelligenten Menschen wie Euch nicht mehr zu erklären! [25.2.2001]

Dummheit

Computerviren mögen die Pest sein, die Warnung vor solchen, die es gar nicht gibt, ist sicher nicht besser als die Cholera. Die unkritische Weiterverbreitung von Virenwarnungen ist wohl eine Erscheinungsform der angewandten Dummheit am Computer. Dazu hat Frank Ziemann von der TU Berlin eine sehr empfehlenswerte Seite. Sie beschäftigt sich mit sog."hoaxes", also dummen Scherzen wie fingierten Viruswarnungen, Kettenbriefen und herzzerreissenden Geschichten über krebskranke Kinder, die sich nichts anderes wünschen als die Versendung von e-mails. Ich empfehle sehr, auch gleich seinen newsletter zu abonnieren. Von der gleichen seriösen Quelle gibt es auch eine Seite über echte aktuelle Viren. [25.2.2001]

Schulen in Baden bei Wien

Nach soviel Lob nun auch etwas Jammer. Anlässlich des Schulbeginns ist mir (als Erziehungsberechtiger eines schulpflichtigen Kindes) drastisch bewusst geworden, dass die Schulen meiner Stadt das Internet nicht als Informationsmedium nutzen. Wer z.B. wissen will, wann die Versammlung des Elternvereins ist, tut gut daran, dessen Obfrau anzurufen. Auffallend ist, dass das Niveau durchgängig ein bescheidenes ist. Auf einer Seite findet sich Ende Oktober noch immer die Einladung zum Schulschlussfest im Juni. Die (großteils) lustlos gestalteten Seite leiden seit langem unter ausgesprochener Aktualitäts-Schwäche. Es dauert Wochen, bis man sich irgendeine halbwegs aktuelle Information abquält. Alles in allem: Potemkinsche Seiten, denen man deutlich anmerkt, dass sie keineswegs "Chef-Sache" sind. Da wird ein übler Teufelskreis entstehen: langweilige Seiten - wenige Besucher. Wenige Besucher - wenig Engagement bei der Gestaltung. Wenig Gestaltung - langweilige Seiten.... Wer sich selbst ein Bild vom traurigen Zustand machen will, findet die Schulseiten jetzt wenigstens gesammelt auf der Stadt-Seite www.baden-bei-wien.at. Abzuraten! [3.11.2000]


Kommentar (3.11.2000):
Nach zwei Monaten haben sich manche Schulen halbwegs aktuelle Meldungen abgekämpft. Das Gymnasium Biondekgasse ist noch immer auf Stand von Anfang Juli und wünscht "schöne Ferien". INFORMATIONEN (z.B. schulfreie Tage) sucht man auf diesen Seiten noch immer vergeblich...

Lebenserwartung

Sogenannte "Gesundheitsportale" gibt es mittlerweile wie Sand am Meer (relativ neu z.B. www.sufmed.at), sie interessieren mich als praktizierenden Nicht-Hypochonder eigentlich nicht besonders. Die Seite www.gesundheit.ch bietet allerdings einen recht interessanten Fragebogen, der es ermöglicht, die Lebenserwartung (mit 50%iger Wahrscheinlichkeit) zu berechnen. Demnach wird mein nächster Geburtstag etwa die Hälfte des Weges sein. [15.11.2000]

 

Bärlauch

Zu den erfreulichsten kulinarischen Frühlungsboten zähle ich den Bärlauch (allium ursinum), welcher im österreichischen Volksmund auch als "Hundsknofel" bezeichnet wird und dessen weltbeste Qualität wohl in unmittelbarer Nähe meines Wohnsitzes im Helenental (nahe Baden bei Wien) gedeiht. Der Bärlauch wächst vorzugsweise in Auwäldern und erfreut sich auch in Ostasien einiger Beliebtheit. Zu den köstlichsten Gerichten, welche ich mit einem Gemüse als Hauptzutat zubereitet habe, gehört ein Bärlauch-Risotto (mit Tokajer) sowie Bärlauch-Quiche. Früher, als ich noch nicht so kritisch gegenüber Fett war, habe ich daraus vorzugsweise Creme-Suppen zubereitet. Bei aller Vielseitigkeit gilt jedoch: frisch gibt es ihn nur jetzt! Allen Freunden des Bärlauchs sei auch das deutschsprachige Bärlauch-Web-Portal empfohlen!

Sommer-Weine 2001

Natürlich kann man auch im Sommer jeden Wein trinken, der schmeckt und der zu Essen passt. Im Garten empfehlen sich aber frische Weissweine, denen eine gewisse Affinität zum Blütenduft wohl ansteht. Wenn auch Damen mittrinken, darf sich die Wein-Charakteristik mehr an Blumen (also Rosen) als an Gewürzen (wie schwarzer Pfeffer) orientieren. Dazu drei Verteter, von österreichischen Weinbaubetrieben, welche ich hin und wieder aufsuche:

Gelber Muskateller vom Weingut Söll in Gamlitz (Südsteiermark),
Gelber Muskateller vom Weingut Sailer in Rust (Burgenland),
Muskat 2000 vom Weingut Stadlmann in Traiskirchen.

Sind hingegen nur Herren am Gartentisch, könnte man etwa von Söll und Sailer stattdessen einen Welschriesling wählen und von Stadlmann etwa eine trockene Zierfandler-Spätlese. Wie gesagt, dass sind aber nur relativ spontane Ratschläge. Der Sommer sollte ja noch länger dauern.

Wein der Woche: Copertino Eloquenzia 1997, Masseria di Monaci

Immer wieder ist es ein besonderes Erfolgserlebnis für den Weinfreund, einen Wein aus einer Gegend zu finden, die noch nicht unter dem Diktat von Geschmacks-Globalisierern wie Parker oder Wine-Spectator zu leiden hat. Oft findet man dort ein erstaunliches Preis-Leistungs-verhältnis. Seit Jahren habe ich eine gewisse Vorliebe für unseren Wein der Woche (bzw. dessen Vorläuferjahrgänge). Das Herkunftsgebiet ist der Absatz der italienischen Stiefels. Der Wein wird aus einer lokalen Traube namens "negroamaro" reinsortig erzeugt. Der Importeur, die hier bereits gerühmte St.-Urban-Kellerei mit ihrer vorzüglichen Filiale Am Hof in Wien, beschreibt ihn mit den Vokabeln: vollmundig, reich, voller Finesse, samtig, großzügig und harmonisch. Dem sei hinzugefügt: das ist nicht falsch, aber der Copertino ist kein Wein, der jedem schmeckt. Mir aber schon! Der derzeitige Aktionspreis (77.- öS / 5,5 €) muss als höchst angemessen betrachtet werden.[21.4.2001]

Wein der Woche: Rèmole. Chianti DOCG Anno 1997. Marchesi de´ Frescobaldi

In die Toskana habe ich im Jahr 1974 meine erste Reise in ein europäisches Land unternommen (zuvor war ich nur in Asien gewesen). In besonderer Erinnerung wird mir stets eine Reise zu Ostern 1981 bleiben, weil sie den lustvollen Abschluss eines traurigen Kapitels meiner Biographie darstellt. Wir haben im 2CV übernachtet und Chianti zum Frühstück getrunken Natürlich auch zum Mittag- und zum Abendessen. Solches prägt.

Wenn mir nun ein gütiges Schicksal (konkret: die Sortimentsbereinigung eines Supermarktes) mehrere Rèmoles zum halben Preis zugeführt hat, dann möge er hier als Wein der Woche stehen und gleichzeitig alle Chiantis vertreten, die mir die letzten beiden Jahrzehnte verschönert haben, seien sie nun von Uzzano, von Vignamaggio, von Vigna Vecchia, von Cacchiano oder dessen Nachbarn Brolio, von Querciabella, Antinori, Riecine, Fonterutoli und wie sie alle heissen mögen und was auch immer noch kommen mag....[21.2.2001]

Wein der Woche: Camplazens l´Hermitage. Vin du pays d´oc 1998

Die Zeiten waren besser oder schlechter, aber zum Weihnachtsmenü haben wir eigentlich immer einen recht respektablen Roten getrunken. In Erinnerung kommen mir dabei spontan ein 78er Tignanello von Antinori, eine 75er Chianti-Classico-Riserva von Vigna Vecchia in Radda, eine 78er Riserva von Uzzano, ein 85er von Riecine, eine 83er Rioja-Reserva von Murrieta und ein 85er Chateau Maucaillou. Neben "Super-Tuscans" waren auch ganz gute Piemont-Weine der späten 70er dabei. Weil diese meist vom Erzeuger erworben wurden, überschritt die Qualität bei weitem den finanziellen Einsatz.

Gleiches gilt für unseren 2000er Weihnachtswein. "Vin du pays d´oc" ist meistens die Aufschrift auf ziemlich minderwertiger Supermarkt-Ware. Unser aktueller Wein wird jedoch von einem qualitätsorientierten Betrieb hergestellt, der in Österreich von einer meiner Lieblings-Vinotheken vertrieben wird: der St. Urban-Kellerei der Familie Gottardi, die ihr Stammhaus in Innsbruck hat und neuerdings auch eine Website betreibt. Die Wiener Filliale befindet sich Am Hof und wird von Frau Claudia Gottardi mit grosser Sachkenntnis geleitet und von mir nicht selten frequentiert. Der Camplazens ist ein dichter. substanzieller und muskulöser Roter, der viel Luft braucht (dekantieren!) und wahrscheinlich in drei Jahren noch besser ist als jetzt. Er kostet ca. 140 öS (rund 10 €); drei- bis viermal so teure Bordeaux haben gelegentlich weniger Eindruck hinterlassen als der Camplazens.[19.1.2001]

Wein der Woche: De Bortoli Willowglen Cabernet Shiraz 1998

Was Wein betrifft bin ich kein ausgeprägter Lokalpatriot, aber doch ein eurozentristischer Mensch. Auch als solcher muss ich anerkennen, dass die sogenannte "neue Welt" mittlerweile Weine hervorbringt, welche man (überwindet man sein schlechtes ökologisches Gewissen wegen der langen Transportwege) mit Genuss trinken kann. Die besseren Australier haben zudem den Vorteil, dass sie allen zu schmecken scheinen. Ein solcher Wein ist unser gegenwärtiger Wein der Woche. Duftet nach Beeren und leicht nach Eukalyptus, weiches Tannin, fruchtiger langer Abgang und ein typisch australischer Vanilleton. Wann, wenn nicht jetzt im Winter ist so eine kleine Fruchtbombe angenehm? In Österreich bei Wein&Co. um 129 öS (ca. 9,4 €). [24.12.2000]

WEIN der Woche: Marqués der Murrieta, Reserva 1995 [Woche 44/2000]

Der Herbst bietet uns den Vorteil, dass man wieder etwas substantiellere Rote zu sich nehmen kann. Ein ausgesprochenes Sonderangebot ist im Moment der Rioja-Klassiker Murrieta, der seinen legendären Ruf darauf gründet, dass er in den 70er Jahren in einer Blindverkostung in Paris höher bewertet wurde als Lafite-Rothschild, der ja doch etwa das zehnfache kostet. Das war zu einer Zeit, als die Gurus vom "Wine Spectator" noch Milch mit Haferflockenkeks zu sich genommen haben. Weil im Oktober bei Wein&Co. alle Spanier um 20% reduziert sind, kostet er im Moment nur 159.- öS. Das ist er locker wert, glaubt mir das!

WEIN der WOCHE: Couleurs du Sud. Syrah Primeur 2000. Vin de Pays d´Oc

Jedes Jahr im November beginnt das Rennen um die ersten Jungweine. In Frankreich wird seit langem um den Beaujolais Primeur ein Kult betrieben, der mir stets unverständlich war. Seit einigen Jahren gibt es auch aus anderen Regionen vergleichbare Weine, mögen sie nun Primeur, Novello oder sonstwie heissen. Auch Österreichs Winzer sind natürlich bei jeder Modetorheit dabei und verballhornen dann die Bezeichnungen: unvergesslich bleibt mir etwa der "Premeur", den ein Tattendorfer Weinbauer vor Jahren erfunden hat (er betreibt heut übrigens ein eher kalifornisches Weingut mit Mensa-Küche im Steinfeld).

Der Syrah-Primeur fiel mir in der Supermarktkette Billa in die Hände. Das Etikett verspricht: Würzig, samtig und fruchtig mit Aromen von beerigen Früchten". Das stimmt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich Syrah sowieso besser zu solchen Weinen eignet als Gamay. Also: wenn schon junger Wein, warum nicht der. Ach ja, noch ein Argument: der Preis! 29,90 öS (das sind 2,17 Euro). Ich habe in Vinotheken schon Beaujolais höflich gelobt, die mehr als das doppelte gekostet haben, aber auch nicht besser waren. [24.11.2000]

WEIN DER WOCHE: Frühroter Veltliner Kabinett 1999, Weingut Gisperg, Teesdorf.

Die Rebsorte Frühroter Veltliner heisst im Friaul und in Istrien Malvasia. Als Malvasier begegnet uns der Wein schon in einem Lied des Minnesängers Oswald von Wolkenstein. Auch in Österreich sind die Voraussetzungen für diesen Wein gut. Die Gemeinde Teesdorf in der Nähe von Baden bei Wien ist (abgesehen von den Menschen der näheren Umgebung) höchstens den Germanisten als Wirkungsort von Hermann Broch ein Begriff. Das kleine Weingut Gisperg hat sich bis dato noch einen gewissen ländlichen Charme bewahren können, der sich erfreulicherweise auch in den Preisen auswirkt. Dies durchaus im Gegensatz zu manch anderen Winzern der Region, die sich wie Popstars benehmen und die Umgestaltung ihrer Lokale im Stile des späten Autobahnrustikalismus zu finanzieren haben. Unter Kennern in Österreich ist der Betrieb vor allem für seine Rotweine bekannt: der Zweigelt, der St. Laurent und die Cuvee werden sicher eines Tages an dieser Stelle stehen.

Der nun empfohlene Frührote Veltliner ist ein trockener, fruchtiger, unkomplizierter Weisswein, dessen etwas kräftigere Säurestruktur meiner Meinung nach besser zur Sorte passt als der manchmal etwa säurearme mediterrane Stil. Einer der besten Fischweine, die im Umkreis von 20 km meines Wohnortes wachsen. Der Preis von öS 41 (etwa 3 Euro) ab Hof muss als ausgesprochen günstig angesehen werden.[19.12.2000]

NEUES GEMÜSE: Aschtschoscha

Die vielgeschmähte "Globalisierung" hat in kulinarischer Hinsicht zweifellos ihre Vorteile. Als Abonnent eines wöchentlichen Gemüsekistels aus einer Bio-Gärnterei bin ich etwa mit einem mittelamerikanischen Gemüse namens "Aschtschoscha" konfrontiert worden. Dieses gehört zur Familie der Gurkengewächse; auf deutsch heisst es auch nur "Scheibengurke". Sieht aus wie kurze, runde, dicke Pfefferoni und schmeckt wie eine Mischung von Zucchini und grünem Paprika. Verkocht habe ich sie zu einem Gericht mit dem Arbeitstitel "der Häuptling fiel in Ohnmacht" - war gut! Bezugsquelle: Die Gärtner (in Sooß bei Baden), Tel. 02252/45 1 84.

SHOPPING

Das deutsche Versandhaus Manufactum hat sich auf "gute Dinge" spezialisiert, deren Vorkommen im Handel durch die industrielle Massenproduktion gefährdet ist. Seit rund zwei Jahren hat die Firma auch eine Österreich-Filiale. Der Katalog gehört zweifellos zu den schönsten, die im deutschen Sprachraum verlegt werden. Das Sortiment umfasst Werkzeuge für Küche und Keller (neu und schon auf meiner Weihnachtswunschliste: die ultimative Zitruspresse), Möbel, Textilien, Kosmetika, Spielzeug, Werkzeug etc. Einen Eindruck davon vermittelt die wunderschöne Homepage, die freilich mit dem sinnlichen Vergnügen des Katalog-Gebrauches nicht Schritt halten kann. Die ausführlichen Produktinformationen sind von großer Präzision und von einem teutonischen Ernst, der oft an Besserwisserei grenzt und dadurch unfreiwillig komisch wirkt. Aber seht selbst! Die Anforderung des Manufactum-Kataloges muss qualitätsbewusssten Ästheten dringend angeraten werden! Diese kann auch mittels e-mail
erfolgen.[26.11.2000]


FRISCHE LUFT und WILDSCHWEINE

Der südliche Wienerwald ist nicht gerade arm an attraktiven Möglichkeiten, ein paar Kilometer lustvoll zu Fuß zurückzulegen. Unbedingt empfohlen muss dies, zumindestens ein Mal jährlich, vourzugsweise im Herbst, im Sparbacher Tiergarten des Fürsten Liechtenstein werden. Der Park liegt wenige Kilometer westlich von Mödling und ist von dort auch mit dem Postautobus (zur Not) erreichbar. Neben einem Spielplatz und einer wunderschönen Burgruine gehören freilaufende Wildschweine zu den Attraktionen. Wer das Gelände noch nicht kennt, möge den rund einstündigen Rundgang auf dem "Schacherweg" versuchen.[26.11.2000]

Päpstliches zur Fastenzeit

Dem webmaster der Badener Pfarre Sankt Stephan, Norbert Ruttner habe ich einen Hinweis auf eine Information in der Nr. 9 der "Wiener Kirchenzeitung" v. 4. März 2001 zu danken, welche ich sonst wohl nicht zur Kenntnis genommen hätte:

"Äußerst interessant, vielleicht besonders für die Jüngeren, ist die päpstliche Legitimation der Schokolade als Fastenspeise. Diesem denkwürdigen Prozeß ist der deutsche Theologe Dr. Manfred Becker-Huberti auf der Spur: '1569 hatten die Bischöfe von Mexiko Fra Girolamo di San Vincenzo in den Vatikan zu Papst Pius V. gesandt, damit dieser entscheide, ob das Getränk mit dem Namen Xocoatl von der Frucht des Cacahatl und dem Baum Cacahaquahuitl in der Fastenzeit getrunken werden dürfe. Das Konzil von Trient hatte gerade die Kirchendisziplin zu verschärfen gesucht, natürlich auch das Fastengebot. Als der Papst widerwillig von der heißen Schokolade gekostet hatte, soll er gesagt haben: 'Potus iste non frangit ieiunium' - Dieser Trank (Schokolade) bricht das Fasten nicht.' Später, als man imstande war, die Schokolade in Form von Tafeln zu konservieren und sie dadurch leichter zu verbreiten, entbrannte ein erbitterter Streit zwischen den Jesuiten und den Dominikanern. Die einen waren für die Schokolade, die anderen dagegen. Erst 1662 wurde die Auseinandersetzung durch Kardinalsentscheid zugunsten der Schokolade beendet." [21.4.2001]

 



DOPING

Die beiden französichen Radprofis Richard Virenque und Luc Leblanc habe anlässlich des sogenannten "Festina-Prozesses" am 24. Oktober in Lille zugegeben, dass sie jahrelang verbotene Substanzen zu sich genommen haben. Weil Österreichs Medien derlei nicht zu interessieren scheint, hier ein Bericht aus der bekannt seriösen Neuen Zürcher Zeitung (NZZ).
[24.11.2000]

MARATHON des sables

Jetzt ist die richtige Jahreszeit für die Sportlerin und den Sportler, um Pläne zu schmieden. Zum Beispiel für 2002. Wirklich extreme Extremsportler könntet da etwa den "Marathon des sables" ins Auge fassen, "the toughest footrace on earth". 210 km durch die Wüste von Marokko. Das nächste Mal von 1.-7. April 2001. Leider schon alle Startplätze vergeben. Aber 2002....? [8.5.2001]



 

 

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