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Die Einleitung ist mit dem Titel "Man/Machine/Interface" überschrieben. Dies stellt ein Hauptmotiv des Buches dar. Hauptinteresse des Autors ist die "Oberfläche als physikalisches Interface" (S. 013); das damit menschliche Individuen in Berührung kommen, ist offensichtlich nicht zu vermeiden. Schon in der Einleitung schränkt Wurster daher das Versprechen, das er im Titel des Buches gegeben hat, deutlich ein: Eigentlich interessiert ihn hauptsächlich das "Interface des Computers als Verbindungsglied zwischen Mensch und Maschine". Und "die Geschichte des Interface" könne eben "nur entlang der Geschichte des Computers" erzählt werden (S. 015). Dieser Verzicht auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und polititische Bezüge macht sich schon im ersten Kapitel ("Der Wissenschafts- und Militärrechner") schmerzlich bemerkbar. Wir treffen etwa auf Konrad Zuse, der mitten in der Hauptstadt Nazi-Deutschlands eine seltsame "Eingebung" hatte:
Während Konrad Zuse in Berlin seine Eingebungen in die Realität umsetzte, entwickelten jenseits des Atlantiks die Wissenschaftler der Harvard University den Computer "Harvard Mark I", von dem wir erfahren, dass er aus 750.000 Teilen bestand und ein 17m langes und fünf Tonnen schweres "Rechenungetüm" war. Wenn es nach Wursters Geschichte geht, haben auch sie vollkommen losgelöst von Wirtschaft, Politik und militärisch-industriellem Komplex gehandelt - und das mitten im Weltkrieg! Durchaus zum Vorteil des Werkes wird das Konzept, nur über die Oberfläche des Computers zu schreiben, nicht immer durchgehalten. Immer wieder drängt sich auch so etwas wie "Kontext" in das Buch. So erfahren wir beiläufig, für welchen Zweck die frühen Computer zum Einsatz kamen: etwa für die Berechung einer Wasserstoffbombe (S. 023), für die Koordination von Radar-Anlagen oder für die U.S.-Volkszählungsbehörde (S. 045) Manche reale Fragen werden lediglich als Bild-Unterschrift äußerst knapp angeschnitten. So findet sich aus S. 079 der lapidare Satz: "Wegen verschiedenster Technologie-Embargos des Westens ist der sozialistische Ostblock angehalten, seine eigene Computertechnik zu entwickeln". Sollte damit gar angedeutet werden, dass es eine Computer-Geschichte ausserhalb der USA gegeben haben könnte?
Der Unterbrechung seitenlanger Illustrations-Serien dienen auch Text-Einschübe von Gast-Autoren, wie etwa jener von Emil Zopfi über das IBM System/360 auf den S. 067-069. Dieser ist im Schriftbild eines 9-Nadel-Matrixdruckers (etwa bis Mitte der 80er Jahr üblich) auf grün-kariertes Rasterpapier gedruckt. Inhaltlich handelt es sich dabei um (streckenweise nicht uninteressante) Veteranenprosa:
In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Ausmaße und Preise von Computern zu schrumpfen, was deren Massenverbreitung gefördert haben dürfte. Obwohl wir es zweifellos mit einer Entwicklung zu tun haben, die zahlreiche Fragen an die Wirtchaftsgeschichte aufwirft, bleibt Wurster im Kapitel "Der Minicomputer" wieder konsequent bei der Beschreibung der Oberfläche der einzelnen Maschinen und lässt sich dabei wieder vom Zeitzeugen Emil Zopfi helfen. Rund zwei Drittel des
Buches widmen sich der Entwicklung von Micro-, Home- und Personal
Computer ab etwa 1970 (4. Kapitel) und dem "Desktop-Computer"
(5. Kapitel). Die Abgrenzug dieser beiden Kategorien scheint etwas
willkürlich. Weil aus dieser Ära noch relativ viele Augenzeugen
leben, ist deren Berichterstattung nun deutlich dichter. So gibt es
etwa einen Bericht Je mehr Computer in Netzwerken eingesetzt werden, desto unwichtiger wird die Oberfläche der einzelnen konkreten Maschine. Wenn aber das "Interface" als Hauptmotiv abhanden zu kommen droht, gleitet der Versuch der historischen Arbeit in ein seltsames medientheoretisches Phrasen-Dreschen ab:
Nicht unoriginell ist Wursters Konsequenz aus der Geschichte der Computer-Oberfläche, umschrieben mit der Kapitelüberschrift "Konvergenz und Verflüchtigung". Die Idee der Konvergenz zeigt sich etwa in der Vorstellung einer Kreuzung von Fernsehen und Computer (S.278). "Verflüchtigung" heisst nicht etwa, dass alle Computer verschwinden würden, sondern dass sie in Folge der weiteren Miniaturisierung aus dem unmittelbaren "Gesichtsfeld" des Menschen verschwinden und sich in z.B. in Laufschuhen, Uhren und Mobiltelephonen verstecken würden. Weil es dabei wieder um das "Interface" geht, scheint sich eine Fortsetzung des Buches geradezu aufzudrängen. Ein großer Teil des Materials, das der Autor zusammengetragen hat, findet sich im ersten von drei Anhängen unter dem Titel "Personen/Firmen/Rechner". Hier gibt es zwar Verweise auf den Hauptteil des Buches, nicht jedoch Zitate im herkömmlichen Sinn, wie es den elementaren Regeln wissenschaftlicher Arbeit entsprechen würde. Einzelne "historische" Aussagen sind also nicht ohne weiteres nachzuvollziehen. Ein kurzer bibliographischer Anhang listet etwa 50 Bücher und Zeitschriftenaufsätze auf und lässt den Verdacht aufkommen, dass das Rohmaterial für das Buch eben nicht systematisch mit der Absicht historischer Arbeit zusammengetragen worden ist. Wenn aber doch, dann nicht von einem Menschen, der das Handwerk des Historikers gelernt hat. Vollkommen schleierhaft scheint, wie das Wiener Nachrichtenmagazin "Profil" zum Urteil kommen konnte, das Buch wäre eine "wissenschaftlich fundierte Rundschau". Das Wort "Geschichte" im Buchtitel ist wohl eher in einem sehr allgemeinen alltagssprachlichen Sinn zu verstehen: hier wird eher "eine Geschichte erzählt" als "Geschichte geschrieben". Eingelöst wurde hingegen das Versprechen, dies illustriert zu tun. Der Quellenwert der reichlich vorhandenen Abbildungen scheint höher als der des begleitenden Texts. Dass dabei eine gewisse Redundanz herrscht, darf man dem Autor wohl zugestehen und es macht wenig Sinn, darüber nachzudenken, ob ein Atari-Joystick aus dem Jahr 1977 wirklich auf einer Doppelseite optimal abgebildet ist (S.182-183) Über ihre dokumentarische Funktion hinaus erzählen uns die Bilder auch von einer vergangenen Zeit: als im vorigen Jahrhundert die Menschen noch an die Maschine glaubten. Seltsamerweise scheint es so, als sei diese Zeit längst vorbei. Es ist zu hoffen, dass es in Zukunft zur Ergänzung dieser Illustrationen einmal eine Geschichte des Computers geben wird, die über die Betrachtung des "Interface" und damit der Oberfläche hinausgeht. Bei all dieser (aus historischer Sicht: notwendiger) Kritik am Text des Buches sei klar und deutlich festgehalten: wegen der Bilder ist das ist auch ein Buch, das Spaß gemacht hat. Es ist ein Erinnerungsbuch und erfüllt vielleicht sogar die Funktion eines Familien-Albums. Wir Computer-Veteranen können unseren Kindern die Bilder zeigen und Geschichten von damals erzählen: So war das damals im Rechenzentrum! So einen hab ich auch gehabt! Und deswegen meinte auch mein Sohn (damals 10 Jahre): "Ziemlich cooles Buch!"
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inhalt, form, ©: robert holzbauer