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Vivere si recte nescis decede peritis.
(Q. Horatius Flaccus, Epistulae Liber II, 213)

 

Päpstliches zur Fastenzeit

Gute Nachrichten für die linientreuen Katholiken: Fasten ist gar nicht so schwer! Dem webmaster der Badener Pfarre Sankt Stephan, Norbert Ruttner habe ich einen Hinweis auf eine Information in der Nr. 9 der "Wiener Kirchenzeitung" v. 4. März 2001 zu danken, welche ich sonst wohl nicht zur Kenntnis genommen hätte:

"Äußerst interessant, vielleicht besonders für die Jüngeren, ist die päpstliche Legitimation der Schokolade als Fastenspeise. Diesem denkwürdigen Prozeß ist der deutsche Theologe Dr. Manfred Becker-Huberti auf der Spur: '1569 hatten die Bischöfe von Mexiko Fra Girolamo di San Vincenzo in den Vatikan zu Papst Pius V. gesandt, damit dieser entscheide, ob das Getränk mit dem Namen Xocoatl von der Frucht des Cacahatl und dem Baum Cacahaquahuitl in der Fastenzeit getrunken werden dürfe. Das Konzil von Trient hatte gerade die Kirchendisziplin zu verschärfen gesucht, natürlich auch das Fastengebot. Als der Papst widerwillig von der heißen Schokolade gekostet hatte, soll er gesagt haben: 'Potus iste non frangit ieiunium' - Dieser Trank (Schokolade) bricht das Fasten nicht.' Später, als man imstande war, die Schokolade in Form von Tafeln zu konservieren und sie dadurch leichter zu verbreiten, entbrannte ein erbitterter Streit zwischen den Jesuiten und den Dominikanern. Die einen waren für die Schokolade, die anderen dagegen. Erst 1662 wurde die Auseinandersetzung durch Kardinalsentscheid zugunsten der Schokolade beendet."

 

Wein-Notizen

Ich habe mich entschlossen, die bisherige Rubrik "Wein der Woche" in "Wein-Notizen" umzuwandeln. Nach den bisherigen Erfahrungen ist das wohl der erste Schritt zu einer eigenen Weinseite. Die bisherigen "Weine der Woche" es vorläufig hier im Archiv. Aufmerksamen Leser ist ja bestimmt aufgefallen, dass ich nicht in der Lage bin, wöchentlich einen erwähnenswerten Wein zu rühmen (zu trinken vielleicht schon). Ich werde in Zukunft also in etwas freierer Form über meine Entdeckungen berichten, ohne allzusehr der "Degustationsprosa" zu vefallen.

Staubiger

Im Herbst wenn die ersten "Primeurs" aus Beujolais oder sonst woher in die Supermarkt-Regale geräumt werden, gibt es bei den qualitätsorientierten Weinbauern Österreichs eine Spezialität, die nur wenige Wochen lang zu genießen ist: den "Staubigen". In Deutschland soll es dafür den Ausdruck "Federweisser" geben. Das ist junger Wein, der seine Gärung zwar abgeschlossen hat, die Hefe jedoch noch enthält. Dabei sind sicher viele Vitamine und Mineralien, was den Genuß präventivmedizinisch ausreichend rechtfertigen dürfte. Wer Staubigen vom Besten kosten wollte, hatte im Weingut Stadlmann (etwa 20 km südlich von Wien in Traiskirchen, Wienerstr. 41) dazu die Gelegenheit. Der Selbstversuch hat ergeben, dass er zwar leicht zu trinken war, sich aber dennoch bald eine gewisse psychedelische Wirkung eingestellt hat.

Schaf-Schwanz

Einen mir - bis dahin - vollkommen unbekannten Wein mit dem Namen "Juhfark" (zu deutsch: Schaf-Schwanz) habe ich in Ungarn konsumiert. Ein sauberer, schlanker Weisswein, der auch in namhafter Menge genossen nicht geschadet hat. Biologische Details zu diesem Wein habe ich noch nicht herausgefunden. Aber: es gibt ja doch immer wieder etwas neues und unbekanntes abseits des Wahrnehmungshorizonts der Vinotheken und Wein-Supermärkte.

Österreich gegen den Rest der Welt

Die Hamburger Zeitschrift "Die Zeit" führte eine Blindverkostung von 12 hoch bewerteten österreichischen Rotweine, welche gegen 38 internationale anzutreten hatten. Die Ergebnisse dieser Degustation sind in der Print-Ausgabe vom 11. Oktober 2001 oder aber auch in der Online-Ausgabe nachzulesen. Wichtigstes Ergebnis: Die Österreicher können im Konzert der Weltklasse mitspielen. 7 Österreicher landeten unter den ersten 20, darunter 3 unter den ersten 10. Der am höchsten bewertete ist der 98er Ried Marienthal von Ernst Triebaumer in Rust (bei dem es - neben durchaus erschwinglichen Weinen - auch sehr gute Hühnereier zu kaufen gibt). Insbesondere wird das durchwegs gute Preis-Leistungsverhältnis der österreichischen Rotweine gewürdigt.

Maria Faber-Köchl

Meistens entdecke ich bemerkenswerte Weine durch Zufall.Wie das Wort so schön audrückt, sie "fallen mir zu". So war es bei den Weinen der Weinbau- und Kellermeisterin Maria Faber-Köchl aus Eibesthal (bei Mistelbach). Als alter Feminist lasse ich mich durchaus von meinen Vorurteilen leiten und habe daher ein scharfes Auge auf alle weiblichen Winzerinnen. Angesprochen hat mich neben der Website vor allem das Künstler-Etikett: das Motiv heisst "Wilde Weiber".

Wilde Weiber Es hat dann leider ein Jahr gedauert, bis ich den Vorsatz einer Expediton nach Eibesthal in die Tat umsetzen konnte. Der erste Besuch hat jedoch meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Die Meisterin und ihr Gemahl sind äusserst sympathische Menschen, denen es darum geht, ihre "Philosophie" zu verwirklichen: die "Liebe zum Wein", die "etwas Lebendiges - ein Wachsen und in Bewegung sein - ähnlich der Beziehung zu Menschen" sei. Soviel zur Theorie.

Der Betrieb bewirtschaftet 3.5 ha und produziert etwa 10.000 Flaschen pro Jahr (übrigens: keine Doppler). Die Weine, die ich bisher gekostet habe, gehören wahrscheinlich zu den Besten im Umkreis der Brünnerstrasse. Und die kenne ich einigermassen, habe ich doch vor 20 Jahren bei einem Weinfest in Poysdorf den Preis für den am weitesten angereisten Gast eingeheimst. Die bisher gekosteten Weine (Grüner Veltliner, Frühroter Veltliner und Welschriesling) sind knochentrocken, dicht und von einer (für das nördliche Niederösterreich) ungewöhnlichen Fruchtbrillanz. Den beachtlichen Alkoholgehalt (13 % und mehr) haben sie wunderschön in die lebendige Säure integriert. Woanders denkt man sich für solche Weine Namen wie "Smaragd" aus. Eine Entdeckung - abseits der Trampelpfade. Empfohlen!

Frühroter Veltliner Kabinett, Weingut Gisperg, Teesdorf.

Die Rebsorte Frühroter Veltliner heisst im Friaul und in Istrien Malvasia. Als Malvasier begegnet uns der Wein schon in einem Lied des Minnesängers Oswald von Wolkenstein. Auch in Österreich sind die Voraussetzungen für diesen Wein gut. Die Gemeinde Teesdorf in der Nähe von Baden bei Wien ist (abgesehen von den Menschen der näheren Umgebung) höchstens den Germanisten als Wirkungsort von Hermann Broch ein Begriff; allenfalls werden die Historiker der Arbeiterbewegung wissen, dass dort die erste Konsum-Genossenschaft entstand - das Gebäude enthält heuten einen Billa-Supermarkt.

Das kleine Weingut Gisperg hat sich bis dato noch einen gewissen ländlichen Charme bewahren können, der sich erfreulicherweise auch in den Preisen auswirkt. Dies durchaus im Gegensatz zu manch anderen Winzern der Region, die sich wie Popstars benehmen und die Umgestaltung ihrer Lokale im Stile des späten Autobahnrustikalismus zu finanzieren haben. Unter Kennern in Österreich ist der Betrieb vor allem für seine Rotweine bekannt: der Zweigelt, der St. Laurent und die Cuvee werden sicher eines Tages an dieser Stelle stehen.

Der nun empfohlene Frührote Veltliner ist ein trockener, fruchtiger, unkomplizierter Weisswein, dessen etwas kräftigere Säurestruktur meiner Meinung nach besser zur Sorte passt als der manchmal etwa säurearme mediterrane Stil. Einer der besten Fischweine, die im Umkreis von 20 km meines Wohnortes wachsen. Der Preis von etwa 3 € ab Hof muss als ausgesprochen günstig angesehen werden.

 

Der tägliche Apfel

Kaum ein anderes Obst zeigt uns den Verlust der Vielfalt und die Ausbreitung der Einfalt so drastisch wie der Apfel. Zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts soll es im deutschen Sprachraum hunderte Apfelsorten gegeben haben - in den Supermärkten gibt es heute keine zehn mehr. Umso erfreulicher die folgende Entdeckung: eine Neuzüchtung (angeblich aus alten Sorten) namens Topas. Innovative Bio-Apfelbauern sind natürlich im Web, dort erfährt man auch dort keine Details. Leider beantwortet der Apfelbauer auch keine e-mails und ruft nicht zurück. Dort, wo ich den Topas gekostet habe, kostet er fast soviel wie Spargel. Er war so gut, dass ich ihn auch in grossen Mengen im Keller lagern würde, soferne ich ihn irgenwo. ab Hof kaufen könnte. Nicht zuletzt auf den täglichen Apfel führe ich übrigens auch zurück, dass ich seit 20 Jahren nicht einen einzigen Tag Krankenstands-Kosten verursacht habe.

Kaffee am Kohlmarkt

Seit das legendäre Espresso Arabia einem Chanel-Flagship-Store zum Opfer fiel herrscht in diesem noblen Teil Wiens in Hinblick auf Kaffee eine gewisse Leere, es sei denn, man wäre ein Tourist (und würde daher den Demel betreten) oder man hielte Meinl-Kaffee für akzeptabel. Diese Leere wird nur durch die Übersiedlung der Tee- und Kaffehandlung Heissenberger auf den Kohlmarkt (vielleicht nicht architektonisch, jedoch in Hinblick auf Kaffee) mehr als gefüllt. Diese war schon am Stephansplatz meine bevorzugten Bezugsquelle für Kaffee, der stets optimal frisch geröstet von kompetentem und freundlichem Personal verkauft wird. Bekanntlich habe ich ja den Ehrgeiz, den besten Büro-Espresso Wiens zu bereiten. Dazu braucht man (neulich Herr Illy im Radio meinte), erstens Liebe, zweitens eine Espressomaschine und drittens den entsprechenden Kaffee. Illy nimmt dazu natürlich seinen eigenen, gegen den ja gar nichts zu sagen ist. Aber immer nur Illy? Heissenberger bietet eine erstaunliche Vielfalt an Plantagenkaffees (positiv aufgefallen: Indian maduraj, Burundi orofino) sowie diverse Mischungen Bestens geeignet für meine Bestrebungen ist der "El greco" und auch der preiswerte "Orofino strong". Sämtlich bestehen nur aus Arabica-Bohnen. Sehr italienisch mit hohem Fernweh-Faktor: Espresso di Venezia, italian roast. Und mit dem "crand cru royal" gibt es auch so etwas wie einen "Super-Illy". Empfohlen!

Der Bürgermeister: Illy, tostatura scura!

Obwohl ich ein großer Freund der Stadt Triest (wie auch der sie umgebenden Landstriche) bin, habe ich zum Kaffee, der allen Geschmacks-Globalisierern immer als der erste beste einfällt, ein freundlich-kritisches Verhältnis: Illy. Ohne Zweifel ein guter Kaffee! Sozusagen die Golf-Klasse der Luxus-Kaffees mit dem unbestreitbaren Vorteil der halbwegs flächendeckenden Verbreitung. Aber eben auch "everybody´s darling". Kurz vor Weihnachten habe ich in einem österreichischen Supermarkt einen "neuen" Illy entdeckt: "tostatura scura/dark roasted". Erkenntlich an einem schwarzen (statt roten) Ring auf der Dose. Aus meiner Sicht werden damit die meisten Schwächen des bisherigen Illy ("tostatura media") deutlich gebessert und Illy kommt damit fast in Rufweite des (doch noch besseren) Jolly aus Florenz. Also: wenn schon Illy, dann den dunklen ("tostatura scura")! Um ca. 6 € fast überall.

Kaffee im Alltag

Empfehlenswerte Kaffees für den Alltag des Espresso-Trinkers gibt es diesseits der Preisklasse von Illy nicht allzuviele: ein absolut korrektes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet der Lavazza Arabica (250 g/ca. 3 €), der allerdings zunehmend aus den Supermarktregalen verschwindet. Daneben fallen mir noch 2 Aussenseiter in der gleichen Preisklasse ein: Chico d´oro aus der (italienischen) Schweiz (Bezug in Österreich: Franz Holzbauer, Tel. 02647/43040) und ein politisch korrekter Fair-Trade-Kaffe namens Jambo aus den Welt-Läden. Wenn Segafredo hier nicht vorkommt, dann deswegen, weil ich den nicht mag.

Kaffee auf Reisen

Zwar gilt Triest (vor allem wegen Illy) als Kaffee-Hauptstadt-Italiens, aber auch Venedig hat einen Wallfahrtsort für den reisenden Espresso-Freund zu bieten. Der Besuch der wohltuend altmodischen Rösterei Caffeè Costarica dal 1930 von Camillo Marchi muss dringend angeraten werden. Jeden Morgen werden Arabica-Bohnen höchster Qualität frisch geröstet. Der arabica dolce ist etwa ein Kaffee, der den Vergleich mit den Besten nicht zu scheuen braucht, auch wenn kein Computer, kein Röntgen und kein Ultraschall vorhanden sind, sondern nur Erfahrung und Amore. Cannaregio 1337, Tel. 716371. Ca. 5 Minuten zu Fuss vom Bahnhof Santa Lucia. Mittagspause von 13 bis 15.30 Uhr.

Dr. STRUNZ´ GUMMI-ADLER

Schon lange wollte ich eigentlich über die hierzulande grassierende "Strunzomania" berichten. Der deutsche Internist und Orthomolekularmediziner Dr. Ulrich Strunz gehört mit seinen Sachbüchern (forever young sowie ein paar Bücher ähnlichen Inhalts) zu den Stammgästen der Bestsellerlisten. Ich pflege selber einen eher aktiven Lebensstil. An Tagen, an denen ich nicht mit dem Rad die Arbeit fahren kann, mache ich einen kleinen Waldlauf. Im Wald treffe ich meist gleichaltrige Frauen, die etwa 10 Jahr jünger aussehen als sie (und ich) sind. Daher bin ich geneigt, den Lehren des Dr. Strunz durchaus etwas abzugewinnen. Strunz´ Botschaft: täglich laufen, wenig Fett, viel Eiweiß ohne Fett, ausreichend Vitamine und Minerale, rohes Obst und Gemüse sowie positiv denken und das Leben genießen. Vielleicht war ich immer schon ein Strunzianer?

Jetzt hat Strunz mit dem deutschen Fruchtgummiriesen Haribo einen gleichwertigen Partner gefunden. Seit geraumer Zeit auf dem österreichischen Markt: Haribo forever fun vitamin+mineral Fruchtgummi. Ein unabhängiges Degustationspanel (bestehend aus Dr. Robert und Tim Holzbauer) unterzog diese gleich am Tage der Markteinführung einer organoleptischen Prüfung und kam zur Beurteilung: "Mmh, die sind super!" Glaubt mir: im 21. Jahrhundert werden wir alle "functional food" dieser Art essen. Im Lebensmittel-Handel, 200 g um ca. 1,20 €.

SCHOKOLADE, dunkel

Unter den zahlreichen Attraktionen, welche der renovierte "Meinl am Graben" in Wien bietet ist auch ein kleines Kühlregal im Parterre, welches eine beachtliche Auswahl verschiedener (notabene: dunkler) Schokoladen der französischen Kultmarke Valrhona aus Tain l´hermitage bietet. Darunter eine Jahrgangs- und Plantagen-Schokolade namens "Grand Couva" (oder auch eine "noir gastronomique"-Tafel von 250 g). Hervorragend ist meiner Meinung nach die "Manjari" mit Orangeschalen (75 g um 29,90). Natürlich leistet sich ein Geisteswissenschaflter solchen Luxus nicht jeden Tag. Glücklicherweise gibt es auch akzeptable preiswerte Alternativen zu "Valrhona", etwa eine dunkle Meinl-de Luxe oder halt die "Lindt 70%".

Früher sind hier auch Preise gestanden. Leider führte meine Kaufempfehlung zu drastischen Preisanstiegen. Nach wie vor überlege ernsthaft, einen online-diskont-shop für Edel-Schokoladen zu gründen. Sollte sich eine Partnerin oder ein Partner dafür finden. dann bitte um ein mail!

SCHOKOKADE, weiss

Ohne jetzt näher auf die Frage einzugehen, ob auch weisse Schokolade als solche bezeichnet werden können, sei berichtet, dass die die Wiener Tageszeitung "Der Standard" in ihrer Ausgabe vom 23.12.2000 einen Vergleichstest von weissen Schokoladen brachte. Klarer Testsieger wurde dabei die weisse Lindt, welche im ganzen Lande zum Preis von ca. 1.40 € in den Supermärkten erhältlich ist.

SCHÖNER SCHREIBEN (mit der Hand)

Ich finde, dass der Umgang eines Menschen mit seiner Schrift ein wesentliches Persönlichkeitsmerkmal ist. Im Bereich web watch habe ich derzeit einen Hinweis auf eine Quelle für Computerschriften für jeden Anlass. Doch auch bei den nicht-virtuellen Schreibwerkzeugen hat man die Wahl. Wie ich bereits an anderer Stelle ausgeführt habe, sind meine Lieblings-Werkzeuge alte Füllfedern (Mod. Pelikan 100N). Für Sammler und Anwender solcher Geräte hat Wien eine Ressource von gesamteuropäischer (wenn nicht gar weltweiter) Bedeutung: Leo Grahofers "Wiener Füllfedern Werkstatt" in der Köllnerhofgasse (mitten im Zentrum).

Ein anderes Fundstück zur Schreibkultur habe ich bei einem Papierdiskonter entdeckt und sofort in Form mehrer Blocks erwerben müssen: Algenpapier aus der Lagune von Venedig. Dieses wird von der Cartotecnica Favini aus Venetien hergestellt. Sie hat auch Maispapier und wunderschöne Schulhefte im Programm. Das Algenpapier ist im Vergleich zu gewohnten Recyclingpapieren eher glatt und daher ganz gut für Federschreiber geeignet. Sehr schön! Über mein geradezu erotisches Verhältnis zu Papier werde ich wohl sowieso einmal eine Geschichte schreiben müssen. Als autobiographische Bemerkung einstweilen nur soviel: meinen ersten richtigen Job (als "Ferialarbeiter") habe ich anno ´73 in einer Papierfabrik gehabt. Zu meinen zahlreichen Identitäten gehört daher auch die das "alten Papiermachers".

HERRENMODE: schwarze Krawatte in London

Vergangenen September wurde dem erfolgreichen österreichischen Jungunternehmer Heinz L. in London ein "product-of-the-year-award" der Hi-Fi-Branche überreicht. Weil die Einladung für die Gala die Wendung "black tie" enthielt, erwarb L. eigens eine schwarze Seidenkrawatte, welche auch bestens mit seinem silbergrauen Hugo-Boss-Outfit zu harmonieren schien. Im Gala-Saal fühlte er sich dann wie eine Möwe unter Pinguinen. "Black tie" bedingt jenen Anzug, der in Europa "smoking" genannt wird. Solches und noch viel mehr hätte er dem Buch von Berhard Rötzel "Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode" (Könemann Verlag) entnehmen könne, welches mit 12 € zudem nur den Bruchteil einer Krawatte kostet. Das Buch ist gut, auch wenn es von der "Style"-Beraterin eines entbehrlichen Wiener "Herrenmagazins" als Abschreibvorlage benutzt wird. Man muss nicht jede Ansicht des Autors teilen. Als lebenspraktische Einführung ist aber das Werk höchst brauchbar. Besonders empfohlen kann es für alle werden, die auch auf Flohmärkten und bei Anbietern gebrauchter Textilien nach qualiativ hochwertiger und stilistisch passender - eben nach klassischer - Bekleidung suchen..

Gute Schuhe

Den Namen meines Mass-Schusters werdet ihr auf dieser Seite nicht erfahren, nur soviel: er lebt in einer ungarischen Stadt und es ist nicht die Hauptstadt. Würde er bekannt werden, müsste ich nicht drei Monate, sondern noch länger auf meine Budapester warten. Wer überhaupt nicht warten will, findet durchaus hochwertige Fertigware. Lob zu spenden habe ich der tradtionsreichen Wiener Firma Ludwig Reiter. Erstens passen deren Schuhe leidlich auf meine mitteleuropäischen Füße, zweitens sehen sie nach understatement aus. Ich besitze rund 12 Paar Freizeit-Schuhe aus diesem Hause (Pelz- und Wanderstiefel sowie Bowling-, Cycling- und andere Sportschuhe). Qualität sollte in dieser Preisklasse ja sowieso selbstverständlich sein, aber die klaglose Abwicklung der Reklamations-Reparaturen veranlasst mich doch zu einer lobenden Erwähnung!