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Die
Deutsche Dogge!
Lassen Sie sich nicht
verwirren! Dänische Doggen, Ulmer Doggen, Deutsche Doggen,
Harlekin Doggen sind verschiedene Bezeichnungen für ein und
dieselbe Rasse.
Die richtige Bezeichnung
lautet: DEUTSCHE DOGGE.
Doggenartige Hunde
Die Kynologen rechnen zu
den Doggenformen ganz allgemein zunächst Rassen mit kräftigen
Gliederbau, breitstirnigen Kopf. Sehr stark entwickeltem
Schnauzenteil bei tief herabhängenden Lefzen und Neigung zur
Faltenbildung der Kopfhaut. Sie begegnen uns in den heutigen
Rassen der Tibetdogge, des Mastiffs, des Boxers, der
Bordeauxdogge, der deutschen Dogge, des Neufundländers, des
Berhardiners, Hoverwarts und des Leonbergers. Doch solche
Formen finden sich auch bei den kleineren Rassen, zum Beispiel
beim englischen Mops und bei der französischen Bulldogge, so
dass doggenartig nicht gleichbedeutend mit Größe sein.
Anekdoten: Bismarck und seine Doggen
Fürst Otto von Bismarck war bekannt für
seine Bewunderung dieser Rasse, und er besaß auch einige Hunde
(Deutsche Doggen). Einer von ihnen verursachte fast einen
internationalen Zwischenfall, als er einem russischen
Diplomaten seine Abneigung bekundete. Zwischen dem deutschen
Kanzler und dem russischen Premierminister Gortschakoff war
eine lebhafte Unterhaltung im Gange. Der letztere
gestikulierte viel heftiger als gewöhnlich, was die Dogge
Tyras, die auf ihrer Decke lag, dazu verleitete, einen Angriff
auf ihren Herrn zu vermuten. Sie sprang den stolzen Russen an
und warf ihn zu Boden. Viele Entschuldigungen wurden
vorgebracht und auch angenommen. Gortschakoff war nicht
gebissen, sondern nur erschreckt worden; so blieb der Frieden
in Europa ungestört.
Wenn eine andere deutsche Dogge des
Fürsten Bismarck, Sultan, irgend jemand nicht mochte, pflegte
der Kanzler diese Beurteilung in seiner Entscheidung zu
berücksichtigen.
…als Jura- Student und Beamter in Berlin,
während seiner Reise in vielen Länder, während seiner
diplomatischen Karriere in Frankfurt, St. Petersburg, Paris
und anderswo, auch in Varzin und Friedrichsruh, hat Bismarck
immer die Gesellschaft einer oder mehrerer seiner Doggen
gehabt. Wahrscheinlich war Sultan, der 1877 in Varzin starb
seine Lieblingsdogge.
Von allen Hunden, die einen Platz in der
Geschichte haben, ist Tyras- die berühmte Ulmer Dogge des
deutschen Kanzlers- der einzige, dessen Tod für so wichtig
gehalten wurde, dass er als Ereignis nicht nur von
europäischem, sondern von kosmopolitischem Interesse durch die
ganze Welt gekabelt wurde. Tatsächlich endete der Ruf von
Tyras nicht einmal mit seinem Leben; denn das Kabel hat der
Welt dann berichtet, dass der erste Besucher danach am
Geburtstag des Fürsten der jugendliche Kronprinz war, der als
Geschenk einen neuen Hund vom Typ des betrauerten Tyras
mitbrachte.
Fast 60 Jahre lang besaß Fürst Bismarck
Exemplare Deutscher Doggen, und darunter gewöhnlich eine oder
sogar mehrere von außergewöhnlicher Größe. Sein erster Hund,
den er bekam, als er mit seinen Eltern in Kniephof lebte, war
einer der größten, den man je sah, und galt als
furchteinflößend bei den Bauern der Umgebung. Dieser Hund
begleitet seinen jungen Herrn später auf die Universität nach
Göttingen, wo er sich schnell einen Namen machte. Als Bismarck
einmal vor den Rektor zitiert wurde, weil er eine leere
Flasche aus dem Fenster geworfen hatte, nahm er seinen
gewaltigen Hund mit zum großen Schrecken des ehrwürdigen
Herrn, der prompt seine Zuflucht hinter einem Lehnstuhl fand,
wo er auch blieb, bis der Hund aus dem Zimmer entfernt wurde.
Bismarck wurde zu einer Geldstrafe von
fünf Talern verurteilt, weil er dieses „furchtbare Biest“ in
das Heiligtum des Rektors gebracht hatte, zusätzlich zu der
Strafe, die ihm für das ursprüngliche Vergehen zugemessen
wurde
Jagd-
und Kampfhunde der Assyrer
Die älteste Abbildung eines doggenartigen
Hundes liefert uns eine Reliefplatte aus einenm im 12.
Jahrhundert v. Chr. erbauten babylonischen Tempel, welcher 380
v. Chr.durch Nebukadnezar erneuert wurde. Wir sehen hier einen
gewaltigen doggenartigen Hund, der von einem Assyrer an
geflochtenem Riemen geführt wird. Dieser assyrische Kampfhund
ist sehr ähnlich dem heutugen Tibethund und trotz seiner
scheinbar kurzen Behaarung mit diesem identisch. Überhaupt
scheint das Hochland von Tibet der Ausgangspunkt aller
doggenartigen Hunde gewesen zu sein. Denn immer wieder
erwähnen die Schriftsteller des Altertums die indischen Hunde,
welche zuerst von Assyrern und Persern, später von Griechen
und Römern gehalten wurden. Es ist anzunehmen, dass mit diesem
indischen Hund der Hund von Tibet gemeint ist, welcher am Fuße
des Himalaja in Indien vorkam.
Alexander der Große hatte von seinem Zug
nach Indien doggenartige Hunde als Geschenk mitgebracht, die
dann auf griechischem Boden die berühmt gewordene Zucht der
Molosser begründeten. Später wurden diese Hunde von
Griechenland aus in den römischen Kulturkreis abgegeben, und
zu Beginn der Zeitrechnung gelangten Molosser – Hunde über die
Alpen in die Länder Mittel- und Westeuropas.
Es liegt auf der Hand, dass die kulturell
so hochstehenden Römer auch bereits kynologisch Rassenzucht
betrieben und neben den schweren Kampfhunden leichtere,
doggenartige Formen zur Jagd heranzüchteten. Daneben
importierten sie bereits die vielfach gerühmten britannischen
Hunde, die in römischen Arenen als Kampfhunde gegen die
Molosser Nordgriechenlands eingesetzt wurden. Die Auswahl
dieser Hundegladiatoren traf ein eigenes von den Römern
eingesetzter „procurator cynogie“ mit Sitz in Winchester. Es
ist zu vermuten, dass diese später in ganz Europa so berühmt
gewordenen Hunde Nachkommen der von den Kelten mit nach
England und Irland eingeführten Hunde waren, die in ihrer
neuen Heimat mit dem Irischen Wolfshund gekreuzt wurden.
Aus Schädelfunden großer Hunde ist
erwiesen, dass es zur gleichen Zeit auch doggenartige Hunde in
Mittelrussland, Polen und Mitteldeutschland gab. Von den
Germanen wissen wir, dass große, doggenartige Hunde sie auf
ihren Kriegszügen begleiteten und sich besonders bei der
Verteidigung der Wagenburgen hervortaten. In den alemanischen
Gesetzen des 7. Jhdt. n. Chr. stoßen wir bereits auf eine
Anzahl von Hundetypen, die zur Jagd eingesetzt wurden. Das
Töten dieser Hunde war unter Strafe gestellt. „Wenn jemand
einen guten Saurüden, der Schweine fängt, einen Bärenfänger,
welcher Bären fasst, oder welcher die Kuh und den Stier
packet, tötet, so wird er mit drei Solidis gebüßt.“
19.
Jahrhundert – Ein Name wird zum Begriff
Es gibt wohl kaum eine andere Hunderasse,
deren Name so viel Verwirrung stiftete: Saupacker, Hatzrüden,
Fanghunde, Dänische Dogge, Ulmer Dogge, Tiger Dogge und
Bismarckdogge waren die Namen, unter denen die Dogge in der
Mitte des 19. Jhdt. bekannt war. Hier begegnen sich
altüberlieferte Namen mit denen örtlicher Zuchtgebiete.
Süddeutschland, hier vor allem Württemberg, wurde benannt
durch die Zucht der weiß- schwarz gefleckten Dogge, genannt
Ulmer Dogge. Die Züchter des norddeutschen Raumes
favorisierten die blauen und gelben Farben, von Laien auch
heute noch häufig als Dänische Doggen bezeichnet.
Wie es zu der Bezeichnung „Tigerdogge“
für unsere weiß- schwarz gefleckten kommt, ist nicht ganz
ersichtlich. Vielleicht leitet sich der Name ab von jenen
großen Doggen dieses Farbschlages, die, wie berichtet wird,
mit Tigern zusammen in zoologischen Gärten gehalten wurden
oder in Zirkusarenen auftraten. Möglich ist auch, dass sich
der Name ableitet von den Scheckenpferden, wie wir sie im
Apaloosa oder Indianerpferd finden (tiger horse).
Mitte des 19. Jahrhunderts wird
Deutschland von der von England ausgehenden Mode des
„Hundesports“ erfasst. Die erste deutsche Hundeausstellung
findet 1863 in Hamburg- Altona statt. Zu dieser Veranstaltung
erscheinen ebenfalls Doggen, und zwar sind acht von ihnen
gemeldet als Dänische Doggen und sieben als Ulmer Doggen.
Auch auf den folgenden Ausstellungen in
Hamburg (1869 und 1876) und Hannover (1879) wird in dieser
Unterscheidung gerichtet, obwohl 1876 bereits eine Gruppe von
Richtern erklärt, dass es unmöglich sei, diese Einteilung
beizubehalten, da es sich hier um ein und dieselbe Rasse
handele. Ihr Vorschlag: Alle Farben unter einer gemeinsamen
Bezeichnung „Deutsche Dogge“ zusammenzufassen. Die endgültige
Entscheidung hierzu fällt allerdings erst im Jahre 1880 in
Berlin, als unter dem Vorsitz von Dr. Bodenius in einer
Richterversammlung der Name „ Deutsche Dogge“ festgelegt wird.
Wir dürfen stolz darauf sein, dass dieser
Name zu einem kynologischen Markenzeichen geworden ist und
Deutschland von allen Mitgliedsländern der weltweiten
Federation Cynologique Internationale (FCI) als Ursprungsland
dieser Rasse anerkannt wird. Doch keine Rose ohne Dornen. In
Frankreich und in den angelsächsischen Ländern wird unsere
Dogge immer noch als „Grand Danois“ oder „Great Dane“
bezeichnet, also „große Dänen“. Warum gerade dieser Name, der
im übrigen zum ersten Male von dem französischen Naturalisten
Buffon literarisch verwendet wird, Eingang gefunden hat, wird
wohl immer ein Rätsel bleiben. Es gibt jedenfalls keinen
Hinweis dafür, dass Dänemark an der Schöpfung und Formung
dieser Rasse einen besonderen Anteil hat.
Im Jahre 1870/71
wurde der Deutsch- Französische Krieg von Preußen gewonnen und
König Wilhelm I. von Preußen im Schloss von Versailles zum
Deutschen Kaiser ausgerufen. Gründer dieses ersten Deutschen
Reiches war der Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, ein
Mann, dessen Liebe seit seiner frühesten Jugend der Dogge
galt. Was lag also näher, als bei der Namensgebung für eine
große majestätische Rasse den Namen „Deutsch“ zu wählen und
die „Deutsche Dogge“ zum Nationalhund zu erklären.
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