Was ist ein Kurzohr-Rüsselspringer?
Kurzohr-Rüsselspringer
sind kleine spitzmausähnliche Tiere, die zu einer eigenen Ordnung
der Säugetiere (Macroscelidea) zählen.
Die wissenschaftliche Bezeichnung
der Tiere lautet Macroscelides proboscideus ("macroscelides" griech.
mit großem Schenkel, "proboscis" lat. Rüssel), auch die Bezeichnungen
"Kurzohrige Elefantenspitzmaus" und, wenn auch selten, "Rohrrüssler"
werden verwendet. In letzter Zeit beginnt sich vor allem im englischen
Sprachraum die Bezeichnung "Sengi" durchzusetzen, vor allem um die Rüsselspringer
sprachlich gegenüber den Spitzmäusen (Soricidae) abzugrenzen
und zu unterscheiden.
Aussehen
und Körperbau
Erwachsene Kurzohr-Rüsselspringer
sind ca. 23 cm lang, davon macht der Schwanz etwa 12 cm aus. Mit diesen
Maßen sind die Tiere die kleinsten Vertreter der Rüsselspringer.
Adulte Kurzohr-Rüsselspringer können im Schnitt ein Gewicht von
ca. 40 g erreichen.
Das
Fell der Tiere ist dicht und sehr
weich. An der Körperoberseite
ist es braun, an der Bauchseite weiß, wobei nur die Haarspitzen gefärbt
sind. An der Basis sind die Haare dunkel. Für Kurzohr-Rüsselspringer
in freier Wildbahn wurden zahlreiche Farbvarianten beschrieben, die je
nach Autor auch als eigene Unterarten geführt werden (G. C. SHORTRIDGE
[1934]: The Mammals of South West Africa. Vol. 1. Heinemann, London).
Der lange Schwanz, der beim Laufen stets horizontal gehalten wird, trägt schwarze, steife Haare. An der Basis ist die Haut des Schwanzes rosa, sonst ist sie dunkel pigmentiert.
Der
Name "Kurzohr-Rüsselspringer" gibt einige Hinweise zum kuriosen Aussehen
dieser Tierchen. Am auffälligsten sind zunächst die langen, dünnen
Hinterbeine, wobei Unterschenkel und Mittelfuß stark verlängert
sind. Die Tiere bewegen sich jedoch nicht, wie ihr Name vielleicht schließen
läßt, hüpfend (wie Känguruhs oder Wüstenspringmäuse)
fort, sondern sie laufen auf allen Vieren.
Die Beine sind mit kurzen weißen Haaren behaart, sowohl Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula) als auch Speiche (Radius) und Elle (Ulna) sind miteinander verwachsen. Die Tiere besitzen jeweils fünf Zehen, wobei an den Hinterbeinen die Großzehe hinaufgerückt ist. Die Zehen tragen dunkle kleine Krallen und weisen an der Unterseite stark entwickelte Zehen- und Zwischenzehenballen auf.
Ein
weiteres auffälliges Merkmal der Kurzohr-Rüsselspringer ist ihre
lange, dünne Nase (der "Rüssel"), die ständig in Bewegung
ist. Sie ist mit kurzen weißen Haare behaart und trägt an der
Spitze, umgeben von einem schwarzen und feuchten Hautareal (Rhinarium),
die Nasenlöcher. An der Basis der verlängerten Nase stehen lange
Vibrissen, die den Tieren taktile Orientierung ermöglichen.
Im Leben der Kurzohr-Rüsselspringer spielt die olfaktorische Kommunikation eine wichtige Rolle. Die Tiere besitzen ventral der Schwanzwurzel eine spezielle Duftdrüse. Weitere Drüsen am Körper der Tiere, wie Schweißdrüsen an den Füßen, Talgdrüsen am Schwanz, hinter den Ohren, in den Mundwinkeln und in der Genitalregion können ebenfalls als Duftdrüsen fungieren.
Das dritte Merkmal schließlich, auf das der Name der Tiere schließen läßt, sind die Ohren, die im Vergleich zu anderen Rüsselspringern runder sind und damit kürzer wirken. Am Schädelskelett läßt sich an Hand der großen knöchernen Gehörkapseln die Bedeutung des akustische Sinns für die Rüsselspringer erkennen. Optische Orientierung spielt meiner Erfahrung nach, trotz großer runder Knopfaugen, keine so wichtige Rolle.
Und schließlich noch
das Gebiß der Kurzohr-Rüsselspringer: es entspricht einem Allesfresser-Gebiß.
Insgesamt besitzen die Tiere 40 Zähne, wobei in jeder Kieferhälfte
drei Schneidezähne (Incisivi), ein Eckzahn (Caninus), vier Vormahlzähne
(Praemolaren) und zwei Mahlzähne (Molaren) stehen. Die Backenzähne
sind hochkronig (hypsodont).
Rüsselspringer leben
ausschließlich in Afrika, wobei der Großteil der Arten auf
Afrika südlich der Sahara beschränkt ist. Nur eine Art, Elephantulus
rozeti, lebt in Nordafrika (Marokko und Algerien). Rüsselspringer
bewohnen die verschiedensten Lebensräume: Elephantulus lebt
in Baum- und Grassteppen, Rhynchocyon im Unterwuchs von Berg- und
Flachlandregenwälder und Pedrodomus in immergrünen Wäldern
und Küstenwäldern Afrikas. Kurzohr-Rüsselspringer sind auf
die Wüsten- und Halbwüstenregionen mit vereinzelten Büschen
und spärlicher Grasvegetation in der Kapprovinz Südafrikas, in
Namibia und Süd-West-Botswana beschränkt (Verbreitungskarte).
Zur Lebensdauer der Tiere
findet man in der Literatur verschiedenste Angaben. So sollen Kurzohr-Rüsselspringer
in freier Wildbahn ein Alter von 1 - 1 ½ Jahre erreichen, in Gefangenschaft
sind 3 ¼ Jahre nachgewiesen. Auch Altersangaben von 5 ¾ Jahre
und 6 Jahren finden sich in der Literatur.
Nach der "Red List of Threatened
Animals" der IUCN (International Union for the Conservation of Nature)
von 1996 gelten folgende Rüsselspringer-Arten als gefährdet:
M.
proboscideus,
E. revoili, E. edwardii, E. rupestris
und R. cirnei werden als "vulnerable" eingestuft, R. chrysopygus
und R. petersi gelten als "endangered" (http://www.animalinfo.org/index.htm).
Die Ursachen für einen Rückgang der Populationen sind Habitatverlust
und -fragmentierung durch das Abholzen der Wälder. Aber auch die Jagd
nach Rüsselspringern, vor allem an der Küste Kenias, kann für
kleine isolierte Populationen problematisch werden. Die Gattungen Elephantulus,
Macroscelides
und die restlichen Unterarten von Pedrodomus sind nicht oder nur
wenig gefährdet (G. B. RATHBUN [1995]: Conservation issues and strategies
for elephant-shrews. Mammal Rev. 25 [1/2]. S. 79-86).