Kurzohr-Rüsselspringer
                                                Macroscelides proboscideus

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Gehege
Einzel- oder Paarhaltung?
Ernährung
Haltung im Tiergarten
 

Was für ein Leben!Gehege

Für die Haltung von Kurzohr-Rüsselspringern kommen Terrarien oder Kleinsäugerkäfige in Frage. Grundsätzlich gilt, je größer, desto besser, vor allem wenn die Tiere nicht einzeln, sondern paarweise gehalten werden. Ich habe mein Weibchen "Mrs. Frisby" in einem Terrarium mit einer Fläche von 50 x 90 cm und das Männchen "Biffy" in einem Käfig mit 50 x 80 cm gehalten.

Als Einstreu für die Gehege habe ich Sand (genauer: Kinderspielsand mit einer Korngröße von 1 mm, der auf Keimfreiheit geprüft ist) verwendet. Man kann durchaus auch gröberes Substrat, wie Bausand, Kies, Holzspäne oder Rindenmulch verwenden, man sollte den Tieren dann aber auf jeden Fall eine Schale mit feinem Sand (Chinchillasand) zum Sandbaden anbieten. Der Badesand muß sauber und trocken sein und sollte regelmäßig gewechselt werden. Schmutziger Sand oder die mangelnde Gelegenheit zum Sandbaden kann eine Ursache für fettiges und struppiges Fell sein.

Für die Einrichtung des Geheges bieten sich Wurzeln, Zweige, Steine und Rindenstücke an, einige Leute verwenden auch Holz- oder Kartonhäuschen, Blumentöpfe oder hohle Bambusstücke. Heu braucht man den Tieren nicht anzubieten, da sie keine Nester bauen. Was in einem Gehege für Kurzohr-Rüsselspringer aber auf keinen Fall fehlen sollte, ist eine Wärmelampe. Die Tiere lieben es, tagsüber unter der Wärmelampe oder auf einem aufgeheizten Stein zu liegen und zu dösen. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß die "Rüssis", wenn sie die Wahl haben, direkte Sonneneinstrahlung der Wärmelampe vorziehen.

Einzel- oder Paarhaltung ?

Möchte man Kurzohr-Rüsselspringer nicht züchten, so sollte man sie auf jeden Fall einzeln halten, da die Tiere Einzelgänger sind. Wünscht man Nachwuchs, so kann eine permanente Gemeinschaftshaltung von Männchen und Weibchen problematisch werden, wenn das Gehege zu klein ist. So konnte ich an meinem Pärchen beobachten, daß das Weibchen, sobald es trächtig war, das Männchen vehement attackierte und verfolgte. Ernsthafte Verletzungen kamen zwar nie vor, das Männchen verlor aber aufgrund des Stresses an Gewicht. In meinem Fall habe ich daher Männchen und Weibchen immer nur für zwei bis drei Wochen zwecks Paarung gemeinsam gehalten und beim ersten Anzeichen von Aggressionen seitens des Weibchens wieder getrennt. Kann man ein großes Gehege anbieten, in dem sich die Tiere auch ohne Sichtkontakt bewegen können, so ist es sicherlich möglich, Männchen und Weibchen permanent, auch während Geburt und Aufzucht von Jungen, vergesellschaftet zu halten. Trotzdem kann die Gefahr, daß Junge z. B. durch das Männchen verletzt werden, nie vollständig ausgeschlossen werden. 

Schmatz!Ernährung

Zur Ernährung der Tiere läßt sich sagen, daß Kurzohr-Rüsselspringer nicht nur im Freiland, sondern auch in Menschenobhut Mischkost bevorzugen (R. UNGER & D. SCHRATTER [2000]: Nahrungspräferenzen von Kurzohr-Rüsselspringern, Macroscelides proboscideus [Shaw, 1800] im Tiergarten Schönbrunn. Zool. Garten N. F. 70/1. S. 60-69). Das Futter, das ich meinen Rüsselnasen anbiete, besteht aus vier Anteilen, wobei die einzelnen Futtersorten nicht alle gleich beliebt sind. Unter Umständen lohnt es sich, selbst ein wenig mit dem Futterangebot zu experimentieren:

1. Das Hauptfutter: Es enthält tierisches Eiweiß (Katzenfeuchtfutter, Topfen, Herztopfen, hart gekochtes Ei), Gemüse (Salat, Paprika, Karotte, Gurke) und Obst (Kiwi, Apfel, Birne, Weintrauben, Melone, Banane) und wird jeden Abend frisch zubereitet, da die Tiere meiner Erfahrung nach überwiegend nachts fressen. Das Futter wird fein gerieben oder geschnitten, vermischt und vor der Fütterung mit "Clovit" oder "Bionektar" (an sich Futter für nektarfressende Vögel, versorgt aber auch die Kurzohr-Rüsselspringer mit nötigen Vitaminen und Mineralstoffen) bestreut.

Wir lieben Mehlwürmer!2. Eine Mischung verschiedener, feiner Samen (Unkrautsamen)

3. Wasser

4. Als Leckerbissen sind vor allem Heimchen und Mehlwürmer sehr beliebt. Von Zeit zu Zeit kann man den Tieren auch einen Tonuntersetzer, in dem man Kressesamen keimen ließ, ins Gehege stellen, das sorgt für ein wenig Abwechslung. Auch von Kolbenhirse oder frischer Hirse naschen die "Rüssis" gelegentlich ein wenig. 
 
 
 

Haltung im Tiergarten

Grundsätzlich stellt sich bei diesen Tieren die Frage, ob die Unterbringung in einem Nachttierhaus angebracht ist. In einigen Zoos wird dies getan (z. B. Berlin, London), meines Erachtens nach bringt das aber für den Besucher keine Vorteile. In Nachttierhäusern kann man nämlich auf Grund der spärlichen Beleuchtung die Tiere oft nur schwer erkennen, vor allem wenn sie sich nicht bewegen. Da Kurzohr-Rüsselspringer aber oft sehr exponiert ruhen, sind sie auch unter natürlichen Lichtbedingungen für den Besucher gut zu beobachten.

Was man jedoch bei einer Ausstellung dieser Tiere vielleicht berücksichtigen sollte, ist ihre Geräuschempfindlichkeit. Durch eine möglichst gute akustische Abschirmung und geschicktes Anordnen von Wärmelampen und Steinen kann man aber selbst diese Tiere dem Besucher gut präsentieren. Die Attraktivität einer solchen Kleinsäugervitrine kann durch Bepflanzung erhöht werden, klarerweise sollten die eingesetzten Pflanzen ungiftig und pflegeleicht sein: z. B. Aloen (Aloa sp.), Geldbaum (Crassula ovata), Rosettendickblatt (Aeonium arboreum) oder Bogenhanf (Sansevieria trifasciata). Von Euphorbien muß wegen des giftigen Milchsafts abgeraten werden. Weniger anspruchsvoll als lebende Pflanzen sind getrocknete Grasbüschel oder Zweige mit getrocknetem Laub.

Über die Haltung und Ausstellung von Kurzohr-Rüsselspringer haben KIM TRAUTMANN und CHRISTINA CARBONE, Tierpfleger im Philadelphia Zoo, einen Artikel verfaßt, in dem man vielleicht interessante Anregungen findet: K. TRAUTMANN & C. CARBONE (1991): The Exhibition and Management of the Short-eared Elephant Shrew (Macroscelides proboscideus) at the Philadelphia Zoo. AAZPA Regional Conference Proceedings. S. 663-670. 


regina.unger@gmx.at