Für die Haltung von Kurzohr-Rüsselspringern kommen Terrarien oder Kleinsäugerkäfige in Frage. Grundsätzlich gilt, je größer, desto besser, vor allem wenn die Tiere nicht einzeln, sondern paarweise gehalten werden. Ich habe mein Weibchen "Mrs. Frisby" in einem Terrarium mit einer Fläche von 50 x 90 cm und das Männchen "Biffy" in einem Käfig mit 50 x 80 cm gehalten.
Als Einstreu für die Gehege habe ich Sand (genauer: Kinderspielsand mit einer Korngröße von 1 mm, der auf Keimfreiheit geprüft ist) verwendet. Man kann durchaus auch gröberes Substrat, wie Bausand, Kies, Holzspäne oder Rindenmulch verwenden, man sollte den Tieren dann aber auf jeden Fall eine Schale mit feinem Sand (Chinchillasand) zum Sandbaden anbieten. Der Badesand muß sauber und trocken sein und sollte regelmäßig gewechselt werden. Schmutziger Sand oder die mangelnde Gelegenheit zum Sandbaden kann eine Ursache für fettiges und struppiges Fell sein.
Für die Einrichtung
des Geheges bieten sich Wurzeln, Zweige, Steine und Rindenstücke an,
einige Leute verwenden auch Holz- oder Kartonhäuschen, Blumentöpfe
oder hohle Bambusstücke. Heu braucht man den Tieren nicht anzubieten,
da sie keine Nester bauen. Was in einem Gehege für Kurzohr-Rüsselspringer
aber auf keinen Fall fehlen sollte, ist eine Wärmelampe. Die Tiere
lieben
es, tagsüber unter der Wärmelampe oder auf einem aufgeheizten
Stein zu liegen und zu dösen. Ich habe auch die Erfahrung gemacht,
daß die "Rüssis", wenn sie die Wahl haben, direkte Sonneneinstrahlung
der Wärmelampe vorziehen.
Möchte man Kurzohr-Rüsselspringer
nicht züchten, so sollte man sie auf jeden Fall einzeln halten, da
die Tiere Einzelgänger sind. Wünscht man Nachwuchs, so kann eine
permanente Gemeinschaftshaltung von Männchen und Weibchen problematisch
werden, wenn das Gehege zu klein ist. So konnte ich an meinem Pärchen
beobachten, daß das Weibchen, sobald es trächtig war, das Männchen
vehement attackierte und verfolgte. Ernsthafte Verletzungen kamen zwar
nie vor, das Männchen verlor aber aufgrund des Stresses an Gewicht.
In meinem Fall habe ich daher Männchen und Weibchen immer nur für
zwei bis drei Wochen zwecks Paarung gemeinsam gehalten und beim ersten
Anzeichen von Aggressionen seitens des Weibchens wieder getrennt. Kann
man ein großes Gehege anbieten, in dem sich die Tiere auch ohne Sichtkontakt
bewegen können, so ist es sicherlich möglich, Männchen und
Weibchen permanent, auch während Geburt und Aufzucht von Jungen, vergesellschaftet
zu halten. Trotzdem kann die Gefahr, daß Junge z. B. durch das Männchen
verletzt werden, nie vollständig ausgeschlossen werden.
Zur Ernährung der Tiere läßt sich sagen, daß Kurzohr-Rüsselspringer nicht nur im Freiland, sondern auch in Menschenobhut Mischkost bevorzugen (R. UNGER & D. SCHRATTER [2000]: Nahrungspräferenzen von Kurzohr-Rüsselspringern, Macroscelides proboscideus [Shaw, 1800] im Tiergarten Schönbrunn. Zool. Garten N. F. 70/1. S. 60-69). Das Futter, das ich meinen Rüsselnasen anbiete, besteht aus vier Anteilen, wobei die einzelnen Futtersorten nicht alle gleich beliebt sind. Unter Umständen lohnt es sich, selbst ein wenig mit dem Futterangebot zu experimentieren:
1. Das Hauptfutter: Es enthält tierisches Eiweiß (Katzenfeuchtfutter, Topfen, Herztopfen, hart gekochtes Ei), Gemüse (Salat, Paprika, Karotte, Gurke) und Obst (Kiwi, Apfel, Birne, Weintrauben, Melone, Banane) und wird jeden Abend frisch zubereitet, da die Tiere meiner Erfahrung nach überwiegend nachts fressen. Das Futter wird fein gerieben oder geschnitten, vermischt und vor der Fütterung mit "Clovit" oder "Bionektar" (an sich Futter für nektarfressende Vögel, versorgt aber auch die Kurzohr-Rüsselspringer mit nötigen Vitaminen und Mineralstoffen) bestreut.
2.
Eine Mischung verschiedener, feiner Samen (Unkrautsamen)
3. Wasser
4. Als Leckerbissen sind
vor allem Heimchen und Mehlwürmer sehr beliebt. Von Zeit zu Zeit kann
man den Tieren auch einen Tonuntersetzer, in dem man Kressesamen keimen
ließ, ins Gehege stellen, das sorgt für ein wenig Abwechslung.
Auch von Kolbenhirse oder frischer Hirse naschen die "Rüssis" gelegentlich
ein wenig.
Grundsätzlich stellt sich bei diesen Tieren die Frage, ob die Unterbringung in einem Nachttierhaus angebracht ist. In einigen Zoos wird dies getan (z. B. Berlin, London), meines Erachtens nach bringt das aber für den Besucher keine Vorteile. In Nachttierhäusern kann man nämlich auf Grund der spärlichen Beleuchtung die Tiere oft nur schwer erkennen, vor allem wenn sie sich nicht bewegen. Da Kurzohr-Rüsselspringer aber oft sehr exponiert ruhen, sind sie auch unter natürlichen Lichtbedingungen für den Besucher gut zu beobachten.
Was man jedoch bei einer Ausstellung dieser Tiere vielleicht berücksichtigen sollte, ist ihre Geräuschempfindlichkeit. Durch eine möglichst gute akustische Abschirmung und geschicktes Anordnen von Wärmelampen und Steinen kann man aber selbst diese Tiere dem Besucher gut präsentieren. Die Attraktivität einer solchen Kleinsäugervitrine kann durch Bepflanzung erhöht werden, klarerweise sollten die eingesetzten Pflanzen ungiftig und pflegeleicht sein: z. B. Aloen (Aloa sp.), Geldbaum (Crassula ovata), Rosettendickblatt (Aeonium arboreum) oder Bogenhanf (Sansevieria trifasciata). Von Euphorbien muß wegen des giftigen Milchsafts abgeraten werden. Weniger anspruchsvoll als lebende Pflanzen sind getrocknete Grasbüschel oder Zweige mit getrocknetem Laub.
Über die Haltung und
Ausstellung von Kurzohr-Rüsselspringer haben KIM TRAUTMANN und CHRISTINA
CARBONE, Tierpfleger im Philadelphia Zoo, einen Artikel verfaßt,
in dem man vielleicht interessante Anregungen findet: K. TRAUTMANN &
C. CARBONE (1991): The Exhibition and Management of the Short-eared Elephant
Shrew (Macroscelides proboscideus) at the Philadelphia Zoo. AAZPA
Regional Conference Proceedings. S. 663-670.