Kurzohr-Rüsselspringer
sind Einzelgänger. Sie bewohnen unverteidigte
Wohnareale
("home ranges"), die aus mehreren Jagdgebieten und Unterschlupfen bestehen
und bis zu 1 km² groß sein können. Die Verstecke befinden
sich meist unter Steinen, Wurzeln oder Büschen und können gegebenenfalls
geringfügig durch Graben erweitert werden.
Rüsselspringer benützen aber auch verlassene Erdbauten von Surikaten (Viverridae) oder Wüstenrennmäusen (Gerbillidae) als Unterschlupf. Ihr Versteck reinigen die "Rüssis" mit Hilfe der Vorderpfoten von Sand, Steinchen etc., so daß sie auf dem blanken Untergrund liegen. Sie verwenden keinerlei Nistmaterial.
Jagdgebiete und Unterschlupfe
der Tiere sind durch Laufwege (Wechsel) miteinander
verbunden. Diese "Highways" der Kurzohr-Rüsselspringer entstehen zum
einen passiv, indem die Tiere immer wieder bestimmte Wege entlanglaufen.
Die Wechsel werden aber auch aktiv errichtet und in Stand gehalten, indem
mit seitlich gerichteten, schleudernden Bewegungen der linken oder rechten
Vorderpfote Sand, kleine Steinchen, Pflanzenteile oder andere störende
Objekte weggekickt werden. Man kann dieses Verhalten auch in Gefangenschaft
auslösen, wenn man dem Tier ein kleines Objekt, z. B. eine Papierkugel
auf den Wechsel legt. Die Funktion dieses Verhaltens liegt auf der Hand:
Es ermöglicht den Tiere, rasch von einem Ort zum anderen zu gelangen,
und somit wird die Wahrscheinlichkeit, einem Räuber zum Opfer zu fallen,
verringert. Noch dazu sollen die Tiere mit Geschwindigkeiten bis zu 20
km/h laufen können.
Neben Laufwegen und kryptischer Färbung spielt auch die Nachtaktivität der Tiere eine Rolle bei der Feindvermeidung, sie stellt aber auch eine Anpassung an hohe Temperaturen und den Aktivitätsrhythmus der Futtertiere dar. Leider wurden die Tiere früher immer wieder als tagaktiv beschrieben, manchmal geistert diese Eigenschaft auch heute noch durch die Literatur. Ich selbst konnte mich aber im Rahmen meiner Diplomarbeit davon überzeugen, daß die Tiere nacht- und dämmerungsaktiv sind, da 69,8 % der Aktivität in den Nachtstunden (18-06 h) und nur 30,2 % der Aktivität während der Tagstunden (06-18 h) festzustellen war.
Während
der Abenddämmerung, wenn die Tiere aktiv werden, begeben sie sich
auf Nahrungssuche, wobei sie mit ihrer beweglichen
Nase zwischen Gesteinsritzen, unter Wurzeln etc. nach Futter suchen. Gehör
und Geruch spielen dabei eine bedeutende Rolle. In der älteren Literatur
werden Kurzohr-Rüsselspringer als reine Insektenfresser beschrieben.
Jüngere Beobachtungen zeigen aber, daß neben Insekten und anderen
Wirbellosen auch Grünfutter und Samen verzehrt werden - je nachdem,
was der Lebensraum gerade anbietet (G. I. H. KERLEY [1995]: The Round-eared
Elephant Shrew Macroscelides proboscideus [Macroscelidea] as an
omnivore. Mammal Rev. 25 [1/2]. S. 39-44).
Am Ende der Nacht ziehen
sich die Tiere in ihren Unterschlupf zurück. Tagsüber liegen
sie auch gerne in der Sonne und dösen vor sich hin. Während Ruhephasen
sind die Tiere aber nach wie vor sehr wachsam und flüchten bei Störungen
in ein Versteck.
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Die Ruhe des Tages wird gelegentlich zum Sandbaden unterbrochen. Dieses Verhalten, daß sich auch bei vielen Nagetieren findet, dient einerseits der Markierung, da dabei der Geruch des Tieres bzw. spezielle Duftsekrete auf das Substrat übertragen werden. Andererseits dienen die Sandbäder auch der Fellpflege, da die Tiere auf diese Weise ihr Fell reinigen und entfetten, und somit dessen isolierende Funktion erhalten bleibt.
Das feine Fell der Tiere
wird mit Zunge, Zähnen und Vorderpfoten, die nach Hamstermanier eingesetzt
werden, gereinigt. Eine besonders wichtige Bedeutung besitzt das Kratzen
mit den Hinterbeinen, wodurch die Tiere ihr Fell an fast jeder Körperstelle
reinigen können.
Fortpflanzung und Jugendentwicklung
Zur Fortpflanzung machen sich die an sich solitären Männchen auf die Suche nach paarungsbereiten Weibchen, wobei sie sich dabei nach deren Duftspuren orientieren. Haben sich zwei gefunden, so vergesellschaften sie sich für einige Tage, nach erfolgreicher Paarung geht dann aber wieder jeder seiner Wege. Das Paarungssystem verwandter Rüsselspringer wird als Monogamie beschrieben. Für Kurzohr-Rüsselspringer gibt es keine eindeutigen Belege in diese Richtung, E. G. FRANZ SAUER sprach aber 1973 von einem "System latenter Partnerschaft". Dieses entsteht, wenn sich benachbarte Tiere bevorzugt miteinander verpaaren.
Nach 56 Tagen Tragzeit bringt
das Weibchen 1 - 2 Jungtiere zur Welt, und
zwar in einem unbenützten Versteck, das abseits seines eigenen Unterschlupfes
liegt. Dies ist ebenfalls eine Anpassung zur Feindvermeidung. Die Jungen
kommen als Nestflüchter zur Welt, d. h. sie sind vollständig
behaart, die Augen sind geöffnet und bereits wenige Minuten nach der
Geburt beginnen sie, herumzukriechen. Sie bleiben jedoch die erste Zeit
ihres Lebens im Versteck und sind meist sich selbst überlassen. Nur
zum Säugen werden sie mehrmals in der Nacht von ihrer Mutter besucht.
Nach 5 Tagen erhalten die Jungtiere zusätzlich zur Milch feste Nahrung
in Form von zerkauten und eingespeichelten Insekten, die von der Mutter
in den Backentaschen gesammelt und transportiert werden. Nach und nach
beginnen die Jungen mit einer spielerischen Jagd nach Insekten und der
Erkundung ihrer Umgebung. Ab dem 15. Lebenstag setzt schließlich
eine Wanderphase ein, in deren Folge die Jungen ihre sozialen Bindungen
zu Mutter und Geschwister lösen. Sie suchen sich ein eigenes Wohngebiet,
bis sie mit 41-46 Tagen selbst geschlechtsreif werden.