Oldies but Goldies

 


CHRISTIAN MAURER IM INTERVIEW


 

Die T-shirts stehen in Zusammenhang mit einem deiner Kunstprojekte, nämlich "OLDIES BUT GOLDIES". Was genau ist das? Eine Ausstellung? Ein "Spiele-Event"?
OBG ist zwar eine Spielesammlung, aber nicht im archivarischen Sinn. Es soll ausdrücklich gespielt werden! Insofern ist es natürlich ein "event", welches vom Publikum erst zum Leben erweckt wird.

"OBG" ist eine Hommage an Größen der Bildenden Kunst wie Andy Warhol, Jasper Johns, Christo & Jeanne Claude oder Joseph Beuys. Inwiefern haben diese Personen dein Schaffen beeinflusst und wie möchtest du dich in deiner eigenen Kunst mit diesen "Vorbildern" auseinandersetzen?
Das Werk dieser Leute hat mich von der späten Schulzeit an begleitet und selbstverständlich die ersten Versuche eigener künstlerischer Arbeit geprägt. Die Zeit der Revolutionen ist vorbei, die der Autoritäten aber auch und ein "Fan" wollte ich nicht bleiben. Von der Ursprungsidee, nämlich Christo zu verpacken, bin ich abgekommen und habe das Medium Spiel entdeckt, weil es mir erlaubt, eine ernsthafte Botschaft (Generationswechsel) sehr unernst zu proklamieren und deshalb nicht respektlos sein zu müssen. Das halte ich für einen zeitgemäßen und dennoch nicht modischen Umgang mit Vorbildern.

Wie sollte sich das Publikum mit Kunst und Kunstwerken auseinandersetzen?
Viele halten das schon für Auseinandersetzung mit Kunst, wenn sie nur ein Jasper-Johns-Plakat in die Wohnung hängen. Nichts gegen das Andy Warhol- oder Jasper-Johns-Plakat. Nur sollte man dabei nicht dem Irrtum aufsitzen, das wäre ein Sich-Auseinandersetzen mit "moderner" Kunst. Jede Zeit hat ihre Akteure und die wollen zu Recht wahrgenommen werden. Speziell in der Bildenden Kunst lassen sich Klassiker einfach besser "vermarkten". Das heißt, Aufmerksamkeit und Geld bleiben gebunden und es wird zunehmend völlig normal, dass wir erst graue Haare kriegen müssen, um von der Öffentlichkeit registriert zu werden.

Warum hast du erstmals in Zusammenhang mit einer Ausstellung auch T-Shirts entworfen?
Weil es aus der Projektidee schlüssig folgt! Spiele und "event" sollten nicht ernsthaft daherkommen. Daher gibt es für jedes Spiel ein Logo, das ich auch auf T-Shirts und Buttons gedruckt habe. "Oldies but Goldies" ist ein durchkomponiertes Statement, in dem jedes Element, in diesem Fall die T-shirts, seinen Platz hat.

T-Shirts gibt es ja viele? Warum sollte ich mir gerade "Betty" oder "Bob" kaufen?
Weil sie erstens gut aussehen, zweitens nicht so wie andere sind, es sie drittens nur in beschränkter Auflage geben wird ( Exklusivität ohne Luxuspreise) und viertens, um ein Zeichen zu setzen.

Was auf den ersten Blick nicht zu sehen ist: Die T-Shirts sind reine "Handarbeit"? Gibst du uns einen kleinen Einblick in den Produktionsprozess?
Der Druck ist Handarbeit. Ich habe mir eine Druckerpresse gebaut und über die letzten Jahre technisch ständig verbessert, sodass ich gute Druckergebnisse erziele, ohne die Verschiedenheit und Einzigartigkeit jedes Stückes vermissen zu lassen.

Wie sollen die TrägerInnen der T-Shirts damit umgehen? Was wünscht du dir von ihnen?
Sie anziehen und es genießen, sich nicht, wie die Mehrzahl der anderen, irgendwelchen T-Shirt-Ramsch überstreifen zu müssen.

Wie lange wird es die T-Shirts geben? Handelt es sich dabei um eine "Limited Edition"?
Es handelt sich nur insofern um eine "Limited Edition", als ich nicht unendlich viele T-Shirts herstellen kann. Allerdings ist keine Stückzahl als Beschränkung festgelegt.

Wo kann man die T-Shirts erwerben?
Vorerst im Büchershop der Kunsthalle im Museumsquartier in Wien oder über die Webseite www.diemuse.at bzw. direkt über meine e-mail-Adresse chrimaurer@web.de.

Womit beschäftigst du dich zur Zeit? Was ist dein nächstes Projekt?
Mein nächstes Projekt mit dem Arbeitstitel “Digital Mirrors“ will das Phänomen Digitalität, dass uns mit Handy und PC täglich nicht nur umgibt, sondern gelegentlich auch fertigmacht, neu beleuchten. Vor allem macht es mit dem weitverbreiteten Glauben Schluß, Digitalität sei mit dem Computer in die Welt gekommen. Ihre lange Geschichte und die Winkel, in denen sie sich überall verkriecht, soll “Digital Mirrors“ im wahrsten Sinn spürbar, sinnlich erfahrbar machen. Damit, dass uns jedes Objekt des Konsums, von der Chipspackung bis zur Sonnenbrille, einen “digitalen Spiegel“ vorhält, müssen wir uns anfreunden !

@diemuse.at 2003