Andorra

Autor: Max Frisch
Verlag: suhrkamp
Gattung: Drama in 12 Bildern
Ort, Zeit der Handlung: Andorra, Uraufführung: 1961

Kurzinhalt:

Das Stück handelt von einem Dorf in Andorra. Die Bedrohung durch die „Schwarzen“, die Spanier, wächst zunehmend. Die Lage ist gespannt. Der Lehrer, ein Säufer, hat mit einer Spanierin ein Kind, was allerdings als das schändlichste in diesem Dorf angesehen wird. Aus Feigheit vor den Anderen, überlegt er sich eine Lüge und er gibt seinen Sohn Andri für einen Juden aus, den er an der Grenze zu Spanien vor den antisemitischen Spaniern gerettet hat. Er sagt niemandem die Wahrheit, auch nicht seinem Sohn.
Dieser wird von allen Dorfbewohnern ausgeschlossen. Es gibt für diese Handlungen zwar keinen Grund, aber das Leben wird ihm erschwert. Ständig machen sie ihn auf seine „jüdischen“ Eigenschaften aufmerksam, und Andri glaubt schon selbst, dass er ein Jude sei, und er nimmt das ihm geschilderte jüdische Verhalten an. Trotz der Probleme gelingt es Andri, das Leben zu bewältigen. Doch als er sich in die Tochter des Lehrers, also seine Ziehschwester verliebt und die beiden heiraten wollen, erlaubt es der Lehrer nicht, da er ja weiß, dass die beiden Halbgeschwister sind. Andri glaubt, dass der Lehrer ihm seine Tochter wegen seiner jüdischen Abstammung nicht zur Frau geben wolle. Daher schleicht er vor das Zimmer der Barblin, wie seine Verlobte heißt, und schildert ihr seine Fluchtpläne. Doch bald merkt er, dass der Soldat, der schon lange ein Auge auf Barblin geworfen hat, in ihrem Zimmer ist. Andri glaubt, dass Barblin ihn betrogen hat, doch sie wurde nur vergewaltigt. Nach diesen Ereignissen verliert Andri sein Vertrauen in seine ganze Ziehfamilie. Da kommt Andri’s Mutter, die Spanierin in das Dorf. Sie und Andris Vater wollen ihm die Wahrheit sagen, und sie hoffen, dass sich dadurch auch die Situation Andris verbessert und dass er nicht mehr ausgeschlossen wird. Andri glaubt den beiden die Geschichte nicht, und auch der Pater scheitert bei seinen Vermittlungsbesuchen. Andri greift aus Eifersucht den Soldaten an, wird dann aber brutal niedergeschlagen. Währenddessen wird die leibliche Mutter Andris ermordet und Andri wird für die Tat beschuldigt. Doch bevor diese Angelegenheit geklärt werden kann, fallen die Spanier in Andorra ein. Sie treiben alle Bewohner auf den Dorfplatz zusammen, um eine Judenschau durchzuführen. Jeder muss ein schwarzes Tuch über sein Gesicht ziehen. Da behauptet der Judenschauer, dass Andri ein Jude ist, und bevor er sich wehren kann, wird er ermordet.

Die Personen:

Andri: Er ist ein sehr intelligenter Junge, der sich aber von der Meinung der Leute beeinflussen läßt und sich immer mehr wie eine Jude verhält. Er liebt seine eigene Halbschwester, doch er weiß nicht, dass sie es ist. Mit der Zeit beginnt er an seinen Fähigkeiten zu zweifeln und er wird von Hass gegen de Andorraner erfüllt.
Barblin: Ein schönes junges Mädchen, welches am Anfang auch nicht weiß, dass Andri ihr Bruder ist. Doch sie glaubt die Geschichte, die der Vater und die spanische Frau erzählen. Sie wird auch von einem Soldaten geliebt, der sie einmal vergewaltigt. Nach Andris Tod durch die Spanier hat das Leben für sie keinen Sinn mehr.
Die Mutter: (gemeint ist die Ziehmutter) Sie greift eigentlich nie wirklich in das Geschehen eine und ist ein verständnisvolles Mitglied der Familie.
Die Senora: Sie ist eine sehr liebenswerte Frau. Ihr Auftritt im Stück ist aber wegen ihrer Ermordung eher kurz.
Der Pater: Er gibt sich viel Mühe, Andri bei seinen Problemen zu helfen. Sonst hat auch er eine eher kleine Rolle.
Der Soldat: Er ist ein Konkurrent Andris, da auch er Barblin liebt. Er sorgt immer für Spannungen zwischen den Personen. Er ist aber gewillt, für sein Vaterland zu sterben. Sein Leitspruch: „Besser tot als untertan“.
Der Wirt: Er weiß immer alle Neuigkeiten, da er ja an der Quelle sitzt. Er sorgt für Aufsehen, als er die Senora, eine Spanierin, in seinem Gasthaus aufnimmt und ihr ein Zimmer gibt.
Der Tischler: Er ist Andris Lehrherr. Er läßt ihn zwar nicht Tischler werden, doch er setzt ihn im Verkauf ein, weil er meint, dass Juden die besten Kaufleute sind.
Der Doktor: Er gibt die eine oder andere antisemitische Bemerkung von sich. Er wird von allen anerkannt und seine Meinung hat Gewicht.
Der Geselle und der „Jemand“: Sie sind beide Randfiguren. Der Geselle versucht Andri zu helfen, indem er ihn im Fussballklub aufnimmt. Der Jemand ist wegen seiner kritischen Bemerkungen sehr wichtig. Er ist ein sehr fröhlicher Mensch.
Es gibt noch weitere Personen, die zwar für die Handlung wichtig sind, aber die nie etwas von sich geben. (der Judenschauer, der Idiot, die schwarzen Soldaten)

Was will der Autor mit der Geschichte sagen:

Der Autor versucht aufzuzeigen, wie sich das Gewissen und das Verhalten eines Menschen verändern kann, wenn man ihm etwas einredet. Ausserdem will er mitteilen, wie man jemandem etwas einreden kann und ihn nur wegen eines Vorurteils (das sich später ja als falsch herausstellt) schlecht behandeln kann.

Sprachliche Mittel:

Der Autor nimmt sehr stark auf die Sprache der einzelnen Leute Rücksicht. Er läßt zum Beispiel den Doktor sehr gewählt sprechen, der Tischler hingegen spricht eher primitiv. Der Autor setzt so die ihm zur Verfügung stehenden sprachlichen Mittel sehr stark ein.

Meine Meinung:

Am Anfang ist das Stück eher verwirrend, doch mit der Zeit erhöht sich die Spannung. Das Drama regt auch zum Nachdenken an. Insgesamt ist es meiner Meinung nach ein gutes Stück, dass ich auch gerne mal auf einer Bühne sehen würde.

Der Autor:

Max Frisch war ein Schweizer Schriftsteller, er wurde in Zürich am 15.5. 1911, geboren und er starb am 4.4. 1991. Ursprünglich war er Architekt. Seine Dramen zeigen anfangs Einflüsse von Bernhard Brecht; Er schreibt oft gleichnishaft über Gegenwartsprobleme, z.B. in »Nun singen sie wieder« (1946), »Herr Biedermann und die Brandstifter« (1958, als Hörspiel 1956) »Andorra« (1961). Stücke, die vor allem Identitätsprobleme bearbeiten: (»Stiller«, R., 1954; »Homo faber«, R., 1957; »Mein Name sei Gantenbein«, R., 1964; »Biographie. Ein Spiel«, Dr., 1967). Ausserdem schrieb er Tagebücher. Er  erhielt 1958 den Georg-Büchner-Preis und 1976 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.