Sonnenuhren

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Spanien, Mallorca, Lluc, Kloster


Mallorca, Lluc, Kloster (36 KB)
 
j (Geogr. Breite) = + 39° 50’ N
l (Geogr. Länge) = - 2° 53’ O
Type : Vertikale Sonnenuhr mit 5 Zifferblätter, 3,20 x 1,80 m
Deklination der Wand : -13° 48' (Südost)
Stil : künstlerisch
Künstlerische und handwerkliche Ausführung : Vertikale Platte, Kunstsandstein
Zeitliche Zuordnung : 1991
Konstrukteur : Rafael Soler Gayá, Palma de Mallorca, Doctor Ingeniero de Caminos, Canales y Puertos, Titular - Professor (siehe Bild unten)
Hersteller : Die Tafeln wurden in einer Werkstatt in Santanyi (Süd - Mallorca) graviert.
Literatur : Rafael Soler Gayá : "DISEÑO CONSTRUCCIÓN DE RELOJES DE SOL y de luna", 2. Ausgabe 1997
Anmerkung : Die gesamte Beschriftung ist in der malorcinischen Sprache verfasst.

Die Sonnenuhr enthält 5 Zifferblätter. Sie gibt einen Überblick über die Entwicklung der Zeitmasse vom Mittelalter bis zu unserer Zeit. Die Zifferblätter sind wie folgt eingeteilt :

LINKE SEITE : HORES HISTORIQUES (Historische Stundenzählung)

Hores historiques (15 KB) Oberes Zifferblatt : CANONIQUES (Gebetsuhr)

 Es zeigt eine Sonnenuhr auf welcher die Gebetszeiten der Mönche angebracht sind. Fällt der Schatten des waagrechten Schattenstabes (Gnomon) auf eine der schwarz dargestellten Striche, dann ist die entsprechende Gebetszeit eingetreten. Natürlich ist es nicht möglich, dass der Stabschatten auf die mit LAUDES, MATUTINUM und COMPLETAE angeschriebenen Striche fällt. Diese Gebetszeiten fallen in die Nachtstunden. Sie sind nur zur Vollständigkeit eingezeichnet.

Die einzelnen Gebetszeiten sind :

PRIMA : 1. Messe bei Sonnenaufgang.
TERTIA : Mitte Vormittag
SEXTA : Mittagsmesse (Wahrer Mittag)
NONA : Mitte Nachmittag
VESPERAE : 1 Stunde vor Sonnenuntergang
COMPLETAE : Bei Sonnenuntergang
MATUTINUM : Frühmette vor Sonnenaufgang
LAUDES : Zwischen der Frühmette und Sonnenaufgang

 

 

Unteres Zifferblatt : BABILONIQUES   MALLORQUINES (Zifferblatt mit babylonischen Stunden)

Bei den babylonischen - in diesem Fall auch malorkinischen Stunden genannte - wird der Tag von Sonnenaufgang beginnend in 24 Stunden geteilt. Auf dem Zifferblatt sind die I. bis IX. Stunde zu sehen. Die XXIV. Stunde ist gleichzeitig die 0. Stunde (Sonnenaufgang).

Temps vertader (19 KB) Wie mir der Konstrukteur Rafael Soler mitteilte, sind die BABILONIQUES MALLORQUINES theoretisch ein wenig fasch, weil sie auf der einfachen Teilung der Tageszeit in 15 Stunden zur Sommersonnenwende und in 9 Stunden in der Wintersonnenwende resultieren, was praktisch für die geographische Breite von 39° 30' eine Vereinfachung bedeutet.

Außerdem enthält das Zifferblatt die Datumslinien des Tierkreises. Sie werden mit dem Ende des Gnomons (waagrechter Stab) abgelesen.

MITTE : TEMPS VERTADER (Wahre Sonnenzeit)

 Dieses Zifferblatt zeigt die Wahre Ort- oder Sonnenzeit von VI - XII - V sowie die Halbstundenstriche (rot). Die XII-Uhr-Linie verläuft senkrecht und entspricht dem Wahren Mittag.
Auf diesem Zifferblatt sind auch die Datumslinien des Tierkreises eingezeichnet. Rechts sind die Daten des Überganges von einem Tierkreisbild zum anderen und die Tierkreisbilder von der Winter - bis zur Sommersonnenwende (Winter und Frühling). Links sieht Daten des Überganges von einem Tierkreisbild zum anderen und die Tierkreisbilder von der Sommer - bis zur Wintersonnenwende (Sommer und Herbst).
Als Schattenwerfer verwendet man eine Metalldreieck mit einer erdachsparallelen Kante als Zeiger.
Oberhalb des Zifferblattes sind die geographischen Koordinaten (Länge und Breite) angegeben :
l = 2° 53' E     j = 39° 50' N
Hores mitjanes (21 KB) Darunter der Zeitunterschied zu Greenwich : - 11' 32" (G)
d = 13° 48' E bedeutet die Wanddeklination nach Südost.

Auf dem Zifferblatt befindet sich der Spruch : MULIER AMICTA SOLE (aus der Johannes Apokalypse)

RECHTE SEITE : HORES MITJANES (Mittlere Zonenzeit - MEZ)

 Oberes Zifferblatt : ESTIU I TARDOR (MEZ für Sommer und Herbst)
Rafael Soler (14 KB) Unteres Zifferblatt : HIVERN I PRIMAVERA (MEZ für Winter und Frühling)

Auf jedem der beiden Zifferblätter erkennt man eine halbe Achterschleife für die Wahre Sonnenzeit. Damit ist die bei einer Achterschleife gegebene Ableseschwierigkeit behoben. Im Sommer und Herbst wird am oberen Zifferblatt und im Winter und Frühling am unteren Zifferblatt abgelesen.
Die Stundenbezifferung erfolgt mit arabischen Ziffern. Die obere Reihen bei beiden Zifferblättern gibt die MEZ an und die unteren Reihen die Mitteleuropäische Sommerzeit (MEZ + 1 Stunde).
Bei diesen Zifferblättern sind ebenfalls die Datumslinien des Tierkreises mit den Tierkreisbildern dargestellt. Die Endpunkte der Gnomone sind zur Zeit- und Datumsablesung zu verwenden.

Letzte Änderung : 26. Dezember 2001