Mythos - Faszination - Wirklichkeit

Worin liegt der Mythos des Achal Tekkiners? Die Züchter sagen, es sei die älteste Pferderasse der Welt. Russische Experten zählen sie zu den Ahnen des Arabers. Dass es das ausdauerndste Pferd der Welt ist, sollte 1935 ein Rennen von Aschchabad nach Moskau (4128 km, davon 960 km durch Wüstengebiete, in 84 Tagen) beweisen. Mit "Absent" hat die Rasse sogar einmal einen Olympiasieger in der Dressur (Rom 1960) hervorgebracht. Bewiesene Höchstleistungen und viele Spekulationen würzen die Geschichte des Achal Tekkiners.

Die zweifellos alte Rasse des turkmenischen Stammes der Tekke, der die Achal-Oase bewohnte, wird jedoch immer bekannter und gewinnt immer mehr Freunde, die von diesem Pferd einfach fasziniert sind. Dabei ist es kaum 100 Jahre her, dass turkmenische und russische Experten auf den wenigen damals noch vorhandenen Gestüten alle verfügbaren Informationen über diese Rasse sammelten und ein Stutbuch anlegten. Nur so konnte die Zucht auf eine reelle und zuverlässige Basis gestellt werden.

Heute muss ein Tekkiner bestimmten Zuchtzielen entsprechen, die vom internationalen Achal Tekkiner Verband MAAK festgelegt sind.
Obwohl er starke Ähnlichkeit mit dem englischen Vollblut hat - einige behaupten, dass Byerly Turk, einer der Gründer dieser Rasse, ein Tekkiner war - ist für viele Europäer der Tekkiner kein perfektes Pferd. Kritisiert wird der zu lange Rücken, eine nicht ausreichend entwickelte Brust, zu dünne Fesseln und die manchmal kuhhässige Stellung der Hinterbeine. Seine Rippen sind flach, die Muskeln jedoch gut entwickelt. Er hat einen langen, eleganten Hals, den er auch gerne hoch trägt. Sein Fell ist dünn und seidig, oft golden schimmernd oder mit einem metallischen Glanz. Er erreicht ein durchschnittliches Stockmaß von 1,57 m aber es gibt auch Bestrebungen, ihn größer zu züchten. Es bleibt abzuwarten, inwiefern dies die augenblickliche Charakteristik des Pferdes beeinflussen wird.

Was die einstige Bedeutung des Tekke für den Reichtum und das Überleben seines Stammes angeht, so ist er mit dem Araber vergleichbar. Die Pferde der Tekke haben die Jurten ihrer Besitzer wie Hunde bewacht. Und nur mit ihrer Hilfe konnte dieser Stamm bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Raubüberfälle auf benachbarte iranische Siedlungen reiten. Die Pferde wurden dort mit allen Kostbarkeiten - auch geraubten Frauen - schwer beladen und schafften dennoch den Rückweg durch die Wüste. Dafür wurden sie von ihren Besitzern auch mit der größten Hochachtung behandelt. Es heißt, einen Tekkiner muss man sich zum Freund machen, um wirklich mit ihm zurecht zu kommen. Sie gewöhnen sich danach aber nur mehr sehr schwer an eine andere Person. Sie sind relativ intelligent und Zwang ist absolut kein Mittel im Umgang mit ihnen. Diese Eigenschaft ist natürlich ein großes Hindernis für den Normalreiter, für Leute mit wenig Zeit, wenig Geduld und zuviel Ehrgeiz.

Nachdem aber auch bei uns inzwischen ein Umdenken in Bezug auf den Umgang mit Pferden eingesetzt hat, die Tiere nicht mehr nur als Sport- und Leistungsmaschinen betrachtet werden, "Pferdeflüsterer" bewiesen haben, dass das Verstehen mehr Tore öffnet als die alten Zwangsmittel, werden auch mehr und mehr Menschen verstehen, welches Potential der Verständigung in einem Tekkiner steckt. Charakter und Kopf stellen dann keine negativen Eigenschaften mehr dar, sondern eine Herausforderung, den Tieren auf einer neuen Ebene zu begegnen.

Durch Jahrhunderte ist der Tekke in Richtung Ausdauer und Schnelligkeit gezüchtet worden. In Russland und Turkmenistan erfolgt die Zuchtselektion immer noch über die Rennbahn, in jüngster Zeit auch wieder über längere Distanzen. Aber auch im Dressur- und Sprungsport wird der Tekkiner eingesetzt, wenngleich ihn seine physischen und psychischen Voraussetzungen aus den genannten Gründen nicht von vorneherein dafür prädestinieren. Dass das Potential auch für diese Verwendung vorhanden ist, hat "Absent" bewiesen. Dennoch würden ihn seine Veranlagungen - was den Spitzensport betrifft - eher für Distanz- und Militaryeinsätze empfehlen.

Solche Überlegungen sind für die große Zahl der reinen Freizeitreiter wahrscheinlich weniger bedeutend.
Für sie steht wohl die außergewöhnliche Schönheit und Persönlichkeit dieser Pferde im Vordergrund.
Präsenz, Charme, Menschenverbundenheit und überwältigende Gänge, das sind Kriterien für Menschen, die sich daran freuen wollen, in ihren Tekkinern langsam Freunde fürs Leben zu gewinnen.

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