TIROLER FUSSBALLVERBAND
MITGLIED DES ÖSTERREICHISCHEN FUSSBALLBUNDES
 

I n t e r v i e w
Hansjörg KUHNERT


 

Die webmaster führten mit Hansjörg Kuhnert,
dem geschäftsführenden Vizepräsidenten
des TFV folgendes Interview:

webmaster der TFV-Schiedsrichter:

Hansjörg, du bist jetzt seit 1974 Vorstandsmitglied, seit 1982 Geschäftsführer und seit 1993 als geschäftsführender Vizepräsident des TFV im Amt. Wie bist du als Geschäftsführer eingesetzt worden?

Kuhnert Hansjörg:

Bereits während meiner aktiven Zeit als Fußballer war ich als Nachwuchsbetreuer bzw. Trainer tätig. Der damalige Vorstand beauftragte mich, für 2 Spiele die Auswahlmannschaft des TFV zu betreuen. Zu diesem Zwecke wurde ich 1974 in den Vorstand kooptiert. Im Jahre 1982 bat mich dann der damalige Präsident Dr. Herbert Salcher, nach dem Ableben des Landessekretärs Anton Nöhrer, das Amt des Geschäftsführers zu übernehmen.

 

Welche Erwartungen hast du in dieses Amt gesetzt und wie waren deine ersten Eindrücke?

Fußball hatte immer einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Bereits mit 8 Jahren hatte ich mit dieser Sportart Kontakt und bin ihr bis heute treu geblieben. Meine Tätigkeiten als Betreuer, Trainer, Spieler, Schiedsrichter haben mich stets herausgefordert, ich wollte immer das Beste daraus machen. Genauso sah ich meine Tätigkeit als "neuer" Geschäftsführer. Neu deshalb, weil ich mit meiner Amtsübernahme 2 hauptberufliche Sekretäre in der Geschäftsstelle installierte und der "alte" Begriff des Landessekretärs dem des Geschäftsführers wich.

 

Du warst maßgeblich am Zustandekommen der neuen Büroräumlichkeiten im Haus des Sportes und vor 2 Jahren an der Übersiedlung beteiligt. Welche Zielsetzungen wurden mit der Übersiedlung und funktionellen Gestaltung der Räumlichkeiten verbunden? Hat sich der neue Ort bewährt?

Der Konnex Fußballstadion und Fußballverband, ähnlich Wiener Stadion und ÖFB, war stets mein Ziel und ein Wunsch von mir. Dieser konnte schlussendlich im Jahre 2000 verwirklicht werden. Mein Wunsch war es auch immer, dass jeder Unterausschuss und Verantwortliche im TFV einen eigenen Arbeitsraum haben sollte, um nicht wie in der Pechestrasse auf beengtem Raum arbeiten zu müssen. Ein offen gestaltetes Sekretariat soll jeden Besucher freundlich empfangen. Der neue Standort hat sich auf alle Fälle nach kurzer Zeit bereits bewährt.

 

Welches Aufgabengebiet haben der Geschäftsführer und das Sekretariat abzudecken?

Neben dem laufenden Tagesgeschäft (ordnungsgemäße Durchführung des Meisterschaftsbetriebes, die damit zusammenhängende Administration, etc.) sehe ich auch die Koordination mit all unseren Unterausschüssen (Strafa, Schiri, Ausbildung, Jugendbereich, Beglaubigung, ...) als eine unserer wichtigsten Aufgabengebiete.

 

Immer wieder treten neue Vereine dem TFV bei. Welche Auflagen muss ein Verein erfüllen, um aufgenommen zu werden?

Die Auflagen sind in unserer Satzung definiert:

-          kommissioniertes Spielfeld,

-          Nassanlagen (Duschen, Toiletten),

-          mindestens 2 Nachwuchsmannschaften sowie

-          mind. 2 Schiedsrichter.

 

Thema "Wilde Ligen". Haben diese eine Existenzberechtigung bzw. warum werden diese vom TFV abgelehnt ?

Wir lehnen diese Ligen keineswegs ab, nur können die Vereine meistens eine der Auflagen für die Aufnahme nicht erfüllen. Sobald die Vereine die Voraussetzungen erfüllen können, treten die meisten soundso dem Verband bei. In jedem Falle sind alle Vereine aus diesen Ligen im TFV herzlich willkommen.

 

Der TFV "lebt" von mehreren Unterausschüssen (Jugendausschuss, Strafa, Schiedsrichter, Ausbildung, ...). Wie bist du mit der Zusammenarbeit mit diesen Gremien zufrieden, was könnte deiner Meinung nach verbessert werden?

Die Zusammenarbeit ist mit den meisten unserer Unterausschüsse hervorragend, nur einer mit einem sehr verantwortungsvollen Aufgabengebiet kann mit dem Niveau der anderen nicht ganz mithalten. Aber wir arbeiten daran und werden sicherlich ein für alle sinnvolle Lösung finden.

 

Du warst als Spieler und als Schiedsrichter erfolgreich und jeweils bis in die höchsten Ligen des Landesverbandes (damals u.a. Arlbergliga bzw. Regionalliga) im Einsatz. In welche Richtung hat sich der Fußballsport deiner Meinung nach in Tirol entwickelt?

Der Fußballsport ist im Vergleich zu damals schneller, athletischer und vor allem aggressiver geworden. Weiters wird die Akzeptanz bzw. das Auftreten von Autoritäten nicht nur in unserer Gesellschaft in Frage gestellt, sondern auch unsere Schiedsrichter sowie die Vertreter der Strafa werden u.a. in ihren korrekten Entscheidungen angezweifelt oder gar bei Spielersperren mit privaten Rechtsvertretern konfrontiert.

 

Der Schiedsrichterausschuss in Tirol hat seit Jahren den Weg des "Coachings" eingeschlagen, um dem Schiri-Schwund entgegenzuwirken. Du hältst jedoch nicht viel von dieser übermäßigen Betreuung der Schirianwärter. Warum?

Ich finde, dass der Schiedsrichterausschuss in der Nachwuchsbetreuung den richtigen Weg eingeschlagen hat. Nur sollte das Coaching nicht zu sehr übertrieben werden, der so genannte Betreuer darf dem jungen Schiedsrichter nicht zu viel abnehmen, dieser muss vor allem selbst lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich durchzusetzen, um sich frühzeitig zu profilieren und in der Folge als selbstständiger Spielleiter auftreten zu können.

 

Was sind für dich Kriterien für einen guten Schiedsrichter?

Regelsicherheit, Durchsetzungsvermögen, Berechenbarkeit in seinen Entscheidungen, energisches Auftreten, sein Charisma.

 

Gibt es im Schiriwesen allgemein etwas, was du ändern würdest, wenn du könntest?

Nein, es besteht kein Handlungsbedarf. Gerade in Tirol wird in diesem Bereich konstruktive und zielführende Arbeit geleistet.

 

Wenn du heute zurückblickst, welche Regeländerungen der letzten Jahre waren gut, welche weniger gut?

Positiv hat sich auf alle Fälle die Rückpassregelung auf das Spiel ausgewirkt. Weniger gut gefällt mir die extreme Handhabung des passiven Abseits, wobei vor allem im Strafraum etwas zu viel toleriert wird.

 

Wie siehst du die Problematik, dass Zuschauer aber auch Spieler in ihrem Verhalten immer aggressiver und teilweise tätlich gegenüber Schiedsrichter auftreten? Welche Maßnahmen setzt der TFV in diesem Zusammenhang?

Die Aggressionen können wir zwar nicht verhindern, wir können nur die Auswüchse und das überzogene Verhalten bestrafen. Dafür benötigen wir aber bei Verfehlungen fundierte und sachliche Anzeigen, damit unsere Strafa entsprechend und in diesen Fällen rigoros durchgreifen kann. Sollten sich die Vorfälle häufen, müssten wir uns überlegen, die Verbandsbeobachter wieder zu installieren.

 

In letzter Zeit wird nach strittigen Entscheidungen immer wieder die Frage aufgeworfen, inwiefern man das Schiedsrichterteam durch den Einsatz technischer Hilfsmittel entlasten könnte, so wie das beispielsweise im Eishockey der Fall ist. Was hältst du persönlich von dieser Idee, und vor allem glaubst du, dass sich ein solches System im Fußballsport einführen ließe?

Bis dato war ich gegen jegliches Hilfsmittel im Fußballsport. Aber die fehlerhaften Torentscheide in letzter Zeit und in allen möglichen internationalen Ligen haben mich zum Umdenken bewogen. Dabei könnte ich mir in den Profibewerben eigene Torrichter oder eine elektronische Lösung mittels Torkamera ohne weiteres vorstellen. Alle anderen Entscheidungen sollten aber nachwievor Tatsachenentscheidungen des amtierenden Schiedsrichter bleiben.

 

Glaubst du, dass diese technischen Möglichkeiten auch von den Landesverbänden in irgendeiner Form genutzt werden können?

Gleich wie, es wird immer eine Kostenfrage sein und bleiben.

 

Was könnte sich deiner Meinung nach im Fußballwesen ändern, und was sollte so bleiben, wie es derzeit ist?

Der Fußballsport lebt von seinen Emotionen im und außerhalb des Spieles, diese müssen aber im Rahmen bleiben und dürfen nicht ausarten. Auch sollte in dieser Sportart der Gedanke des Fair-Play wieder mehr verinnerlicht und nicht nur als Schlagwort missbraucht werden.

 

Der Fußball wird immer mehr von Geld, Fernsehen und Werbung dominiert. Wohin geht der Fußball? Kann Österreich hier noch mithalten?

Die Kommerzialisierung im Profifußball ist nicht zu verhindern. Besorgniserregend ist für mich nur die Entwicklung im Amateurbereich hinunter bis zu den untersten Klassen. Ein Umdenken der Vereinsfunktionäre wird in der Sache an sich und in der Höhe der Spielerentschädigungen stattfinden müssen.

 

Hansjörg, danke für dieses Gespräch!


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