Karl Veitschegger

Abrahams Segen

"Gott sprach zu Abraham: Ein Segen sollst du sein... Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen!"
(Bibel, Genesis 12, 2 -3)

"Siehe, ich mache dich zu einem Imam (Leiter) für die Menschen." (Koran, Sure 2,124)

 

Übersicht über die drei abrahamitischen Religionen

 

Judentum

Christentum

Islam

Gottesvorstellung

Es gibt nur einen Gott, den Schöpfer, Erhalter, und Vollender des Universums.

"JHWH ist einzig!"

Es gibt nur einen Gott, den Schöpfer, Erhalter und Vollender des Universums.

"Gott ist die Liebe" (1 Joh 4,8)

Es gibt nur einen Gott, den Schöpfer, Erhalter und Vollender des Universums.

"Es ist kein Gott außer Allah!"

Woher kennen wir Gott?

Gott offenbart sich den Menschen durch Menschen.

Mit Abraham beginnt besondere Segensgeschichte.

Gott offenbart sich den Menschen durch Menschen.

Mit Abraham beginnt besondere Segensgeschichte.

Gott offenbart sich den Menschen durch Menschen. 

Mit Abraham beginnt besondere Segensgeschichte.

Höhepunkt der Offenbarung

Mose (um 1250 v. Chr.) übergibt dem Volk Israel (Nachkommen Abrahams, Isaaks, Jakobs) den Willen Gottes: die Tora. Gott schließt mit Israel einen Bund.

Jesus selbst ist das Wort Gottes in Person. In Jesu Leben, Sterben, Auferstehen offenbart Gott sein Wesen.  Durch ihn, den Messias, kommt der dem Abraham versprochene Segen zu allen Menschen.

Muhammad (570 - 632 n. Chr.) ist das "Siegel der Propheten". Gott diktiert Muhammad (durch Gabriel) sein letztes und endgültiges Wort an die Menschheit: den Koran

 

Das Wort Gottes liegt endgültig in der Tora vor.

Das Wort Gottes ist Mensch geworden.

Das Wort Gottes liegt als perfektes Buch vor.

Heilige Schrift

Hebräische Bibel

Bibel: Altes (Erstes) und Neues Testament

Koran: wörtliches Diktat Gottes

Andere Glaubensquellen

Talmud
(Präzisierung der Tora )

Lebendige Glaubenstradition
(katholische u. orthodoxe Kirche)

Sunna
(Lebensvorbild Muhammads)

Was ist der Mensch?

"Ebenbild Gottes", aber zum Bösen fähig. Muss für sein Tun vor Gott Rechenschaft ablegen.

"Ebenbild Gottes", aber auch vom Bösen geprägt ("Erbsünde"), kann sich nicht selbst erlösen. Muss für sein Tun vor Gott Rechenschaft ablegen, 

"Kalif (Stellvertreter) Gottes", aber zum Bösen fähig. Muss für sein Tun vor Gott Rechenschaft ablegen.

Wie erlangt der Mensch sein Heil?

Er muss den Willen Gottes (Tora und Talmud) erfüllen.

Die Erlösung Israels wird erst der Messias bringen.

Geschenk: Gott erlöst ihn durch Jesus, vergibt ihm die Schuld, macht ihn zum Sohn/zur Tochter Gottes, befähigt ihn durch den Heiligen Geist zum Guten. Mensch braucht "Glauben, der in der Liebe wirksam ist" (Gal 5,6)

Unterwerfung unter den weisen Willen Allahs, vor allem Erfüllung der fünf Grundpflichten (aber Allah ist verzeihend).

Ethische Ideale

Gehorsam und Liebe gegenüber Gott, Heiligung des Alltags, Freude an der Tora, Liebe zu Israel, Güte zu allen Menschen, Gerechtigkeit...
Zehn Gebote

Gottesliebe und Nächstenliebe im Sinne Jesu, Liebe zu den Armen und Ausgestoßenen: "Was ihr dem geringsten ...", "Liebet eure Feinde!"
Zehn Gebote

Gott, dem Einzigen, dienen, Zusammenhalt unter Muslimen, Bescheidenheit, Liebe zu den Armen, Gastfreundschaft, Dschihad (Kampf für Islam, vor allem geistig)

Nach dem Tod

Rechenschaft über das Leben, Läuterung möglich.
Auferstehung der Toten
Ziel: Ewige Glückseligkeit

Rechenschaft über das Leben, Läuterung möglich (kath.)
Auferstehung der Toten
Ziel: Ewige Glückseligkeit in Gott

Rechenschaft über das Leben, Läuterung möglich
Auferstehung der Toten
Ziel: Ewige Glückseligkeit

Besondere Lebensregeln

Strenge Sabbatgesetze, viele Gebote zur rituellen Reinheit, genaue Speisevorschriften (kein Schweinefleisch etc.), Waschungen, bestimmte Gebetszeiten,  Kleidungsvorschriften etc.

Keine Speise-, Waschungs- und Kleidungsvorschriften. "Für den Reinen ist alles rein." (Titus 1,15) Kein Gebot bestimmter  Gebetszeiten.
Sonntag mit Gottesdienst,
Einehe, eheliche Treue bis zum Tod des Partners

Die "Fünf Säulen" (Glaubensbezeugung, Pflichtgebet, Fastenmonat, Almosen, Haddsch), Gebote zur rituellen Reinheit, Waschungen, Speisevorschriften (kein Alkohol, kein Schweinefleisch etc.), Polygamie für Mann möglich, Kleidungsvorschriften

Stellung der Frau

Es gelten andere Rechte als für den Mann: z. B. Eherecht (Scheidung), Gottesdienst; keine Rabbinerinnen (in orthodoxen Gemeinden)

Gleichberechtigt im Eherecht. Zugang zu öffentlichen kirchlichen Diensten und liturgischen Aufgaben (Lehre, Predigt, Kommunionspendung), aber nicht zum Priesterdienst (kath., orth.). Christinnen dürfen alle zivilen Berufe ausüben.

Es gelten andere Rechte als für den Mann in Familie (Scheidung, Polygamie, Kinder-Erziehung, Erbe), vor Gericht (Zeugenschaft)  etc., Kopftuch-Pflicht;

Wöchentlicher Feiertag

Sabbat (Samstag): streng geregelter Ruhe- und Gebetstag

Sonntag (Auferstehungstag Jesu): Eucharistiefeier, möglichst arbeitsfrei

Freitag: Gemeinschaftsgebet mit Predigt in Freitagsmoschee (Dschami), nicht arbeitsfrei

Feste im Jahreslauf

Neujahr, Versöhnungstag, Laubhütten, Chanukka, Purim, Pessach, Schawuot 

Weihnachten, Ostern, Pfingsten etc.

Id al-Fitr (Fastenbrechenfest nach dem Ramadan), Id al-Adhan (Opferfest)

Feste im Lebenslauf

Beschneidung, Bar Mizwa, Hochzeit, Begräbnis

Verschiedene Sakramente, Begräbnis

Beschneidung, Hochzeit, Begräbnis

Kulträume

Synagoge (Bet Knesset); den Tempel in Jerusalem wird der Messias wieder aufbauen.

Kirche

Moschee (Masdschid, Dschami), Kaaba in Mekka (von Abraham gebaut)

Hauptsymbole

Menora, Davidsstern

Kreuz

Mondsichel

Hauptrichtungen

Orthodoxe, Konservative, Reformjudentum

Katholiken, Orthodoxe, Protestanten

Sunniten (4 Rechtsschulen), Schiiten.

Gemeinschaft der Gläubigen

"Volk Israel"
15 Millionen Menschen

Kirche(n)
2,1 Milliarden Menschen

Umma
1,3 Milliarde Menschen

Religiöse Ämter

Rabbiner (Gesetzeslehrer),
Chasan (Vorbeter/Kantor beim Gottesdienst)

Bischof (kath. Apostel-Nachfolger), Priester (Pastor), Diakon ...
Viele neue Dienste für Männer und Frauen.

Imam (Vorbeter) Muezzin (Gebetsrufer), Alim (Gelehrter, Mz.: Ulama), Kadi (Richter), Mufti (staatlich anerkannter Rechtsgelehrter)

Glaube und Politik

Loyalität zum jeweiligen Staat (Diaspora-Situation)
Seit 1948 Staat "Israel"
(Problem "Zionismus")

"Freie Kirche im freien Staat" (kath.), Einbringen christlicher Werte in die zivile Gesellschaft

Ziel ist der islamische Staat mit islamischem Recht (Scharia), Einheit von Religion und Politik

Können die "Anderen" gerettet werden

Ja, wenn sie gerecht leben. Nichtjuden sind nicht an die Tora gebunden.

(Katholisch:) Ja - Jeder Mensch, der ehrlich seinem Gewissen folgt, kann das ewige Heil finden.

? Solche, die an mehrere Götter glauben, und Ungläubige  sind für ewig verdammt (Juden? Christen?).

Wer ist Jesus?

Jesus wird meist ignoriert. Für manche ist er ein abtrünniger, für andere ein frommer Jude. Er wird nicht als Messias gesehen!

Er ist der Christus (=Messias), der Sohn Gottes, ganz Mensch und zugleich ganz eins mit Gott-Vater und dem Heiligen Geist. Durch Jesus können alle Menschen am ewigen Leben Gottes teilhaben.

Prophet, Diener Allahs, Sohn der Jungfrau Maria, sündenlos, predigte schon in der Wiege,  Wundertäter, wurde nicht gekreuzigt, sondern zu Gott entrückt. Er ist nicht Sohn Gottes!

 

Dieser sehr grobe Überblick eines Christen über die drei monotheistischen Weltreligionen (Monotheismus = Glaube an den einen Gott) hat vor allem das orthodoxe Judentum, das katholische Christentum und den sunnitischen Islam im Blick.

 

Abrahamitische Ökumene: Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen, gemeinsames Bezeugen des einen Gottes, Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen zum Wohle der Menschen

 

Karl Veitschegger © Oktober 2000/ Tischri 5761/ Rajab 1421

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Aktualisiert: 19. Dezember 2010