Karl Veitschegger (2001/2009)

 

Allerseelen - Gedanken und Kurzpredigten für den Gottesdienst auf dem Friedhof


1. "Wenn es einen Gott gäbe..."

Ein lieber Freund ist gestorben.

Er ist nicht mehr, sagen manche.
Sein Gesicht werden wir nicht mehr sehen, seine Stimme nicht mehr hören.
Er ist nicht mehr.

Doch, sagt der eine, ich habe Fotos von ihm. Da kann ich ihn weiterhin sehen.
Und ich, sagt ein anderer, ich habe ein Video, wo man ihn sprechen hört. Ich werde über seine typischen Bewegungen weiterhin schmunzeln und seine Stimme weiterhin hören können. Und ich habe Briefe von ihm, sagt ein Dritter, wo er seine Gedanken niedergeschrieben hat. So bleibt er mit seinen Gedanken bei mir.

Aber er selbst ist doch weg, für immer tot, sagt ein Vierter. Wir können nur ein paar Bilder, die Stimme und einige seiner Gedanken bewahren. Ihn selbst aber nicht.

Außer, sagt der Fünfte, es gäbe einen Gott.
Einen Gott, der nicht nur Aussehen, Stimme und Gedanken unseres Freundes über den Tod hinaus festhalten könnte. Einen Gott, der unendlich besser wäre als jede Kamera und jeder Computer. Einen Gott, der unseren ganzen Freund aufnehmen und bewahren könnte, auch sein Ich und sein Person-Sein, sein Leben und Lieben.

Ja, wenn es einen Gott gäbe, wäre das möglich, murmelten die Freunde.

Das wäre schön, flüstert die Hoffnung.

Es gibt diesen Gott, sagt der Glaube.

 

 

2. "Nur wer vergessen ist, ist tot."

Wir stehen vor den Gräbern bekannter und verwandter Menschen und wollen ihrer in Liebe gedenken. Auf Todesanzeigen findet sich manchmal der Spruch: "Nur wer vergessen ist, ist tot."

Aber wie lange bleiben Verstorbene im Gedächtnis der Nachwelt? Kennen Enkel und Urenkel noch die Namen ihre Großeltern und Urgroßeltern?

Von manchen Berühmtheiten stehen zwar auch noch Jahrhunderte später Namen und einige Daten in Geschichtsbüchern und auf Ehrentafeln, aber wer weiß noch, was ihre Herzen bewegte, wer sie wirklich waren?

Um unser Leben nach dem Tod wäre es schlecht bestellt, wenn wir auf das Gedächtnis der Menschen angewiesen wären.

Die Botschaft, die Jesus Christus uns gebracht hat, übersteigt die Grenzen der menschlichen Erinnerung. Sein Evangelium sagt uns: Es gibt jemanden, der dich besser kennt als deine liebsten Angehörigen. Er hat deinen Namen in seine Hand geschrieben. "Nur wer vergessen ist, ist tot" - aber du bist nicht vergessen, nie! Denn Gott nimmt seine Liebe zu dir auf ewig nicht zurück. Er denkt an dich und kann dir wirklich ewiges Leben schenken.

In diesem Glauben vertrauen wir jetzt unsere Verstorbenen der Liebe Gottes an. Wir bitten um sein liebendes und Leben schenkendes Gedenken, wie wir es immer wieder bei der heiligen Messe tun mit den Worten: "Gedenke aller unserer Brüder und Schwestern, die entschlafen sind in der Hoffnung, dass sie auferstehen. Nimm sie ... in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht. (Hochgebet II)

 

 

3. "Das Beste liegt immer vor uns..."

Im Festsaal einer Schule hängt der Spruch: "Das Beste liegt nie hinter uns, sondern immer vor uns."

Diesen Spruch hat wohl jemand angebracht, um den Kindern Mut zu machen, fleißig zu lernen und in die Zukunft zu schauen. Das Leben liegt ja noch vor ihnen, wie man so zu sagen pflegt.

"Das Beste liegt nie hinter uns, sondern immer vor uns."

Gilt dieser Spruch nur für Kinder oder auch für Sechzig-, Siebzig-, Achtzigjährige?

Gilt er auch noch in der Todesstunde?

Christlicher Glaube sagt: Ja! Das Beste liegt auch dann noch vor dir!

Gott will dein Leben von allen Wunden heilen und von allen Schlacken befreien. Er weiß, wer du eigentlich bist; er weiß, was dir fehlt, und will dein Leben vollenden. Er selbst will dein ewiges Glück sein.

Das Leben liegt noch vor dir - auch im Tod.

Der Herr Jesus spricht jeden und jede von uns - wie einst Martha von Bethanien - ganz persönlich an:

"Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt ... Glaubst du das?" (Joh 11,25-26)


 

 

Karl Veitschegger (2001/2009)

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