Karl Veitschegger (2006/2007)

 

Aschermittwoch: Gedanken über die Asche


Der erste Tag der Fastenzeit verdankt seinen Namen dem katholischen Ritus der Aschensegnung und des Aschenkreuzes. Die Asche ist uraltes Symbol für Vergänglichkeit, Reinigung und neue Fruchtbarkeit.

 

Vergänglichkeit

"Was ist Asche? Wie entsteht sie?" Heute bringen solche Fragen Volksschulkinder nicht selten in Verlegenheit. Im Unterschied zu ihren Großmüttern und Großvätern und vielen Generationen davor, die noch täglich mit echtem Herdfeuer zu tun hatten, ist Asche für sie nichts Vertrautes. Als anorganischer Rest, der nach der Verbrennung von Holz und anderen organischen Stoffen übrig bleibt, war Asche früher ein leicht verstehbares Zeichen der Vergänglichkeit und der Hinfälligkeit des Lebens. Nicht nur im alten Israel, auch bei den alten Ägyptern, Arabern und Griechen gab es die ausdrucksstarke Geste, sich zum Zeichen großer Klage Asche auf das Haupt zu streuen. Katholische Gläubige lassen sich im Aschermittwoch-Gottesdienst mit Asche bezeichnen und werden dabei mit sehr ernsten Worten an die Vergänglichkeit ihres Lebens, an ihr Sterben-Müssen, erinnert: „Bedenk, o Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“

 

Reinigung

Ein Mensch, der die Gewissheit seines Todes bedenkt, stellt sich auch die Frage, wofür und wie sinnvoll er sein Leben bisher gelebt hat. Und wer ehrlich darauf antwortet, weiß auch um seine Grenzen, um seine Schwächen und sein Versagen. Asche ist von Alters her Zeichen der Reue, der Umkehr, der läuternden Buße und der Reinigung. So erzählt ein Mythos in den altindischen Veden, der Feuergott Agni habe seinen Körper mit Asche gereinigt, um die Spuren seiner vergangenen Verfehlungen zu entfernen. Die alten Römer badeten an ihrem Neujahrstag, der im März begangen wurde, in Asche, um geläutert das neue Jahr zu beginnen. In vielen Haushalten unserer Ururgrossmütter war Asche ein beliebtes Reinigungsmittel. Mit Aschenlauge wurde Geschirr gespült, Wäsche gewaschen und der Fußboden gesäubert. 

 

Kreuz und Asche

Wenn katholische Christen sich am Beginn der Fastenzeit ein Kreuz aus Asche auf das Haupt zeichnen lassen, bitten sie auch um Reinigung, um die Reinigung des Herzens. Sie wenden sich Jesus Christus zu. Er ist die Mensch gewordene Liebe Gottes, die das Kreuz, einst Zeichen der Schande, des Fluches und des Hasses, zum Zeichen der Versöhnung und des Segens verwandelt hat. Unter dieses Zeichen stellen Christen daher ihr ganzes Leben. In den Kreuzwegandachten der Fastenzeit und vor allem am Karfreitag wird in vielen Kirchen unseres Landes gesungen:

Heiliges Kreuz sei hoch verehret,

Baum, an dem der Heiland hing,

wo sich seine Lieb’ bewähret,

Lieb’, die bis zum Tode ging.

Neue Fruchtbarkeit

Diese Liebe lädt alle ein: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15) In Jesus Christus, so bezeugt christlicher Glaube, zeigt Gott den Menschen seine ganze Barmherzigkeit, nimmt ihre Reue und ihren guten Willen an und schenkt ihnen die Kraft, ihr Leben neu auszurichten. Asche ist nicht nur Zeichen der Hinfälligkeit des Lebens, nicht nur Zeichen der Reue und Reinigung, sie ist auch Zeichen des Neubeginns und neuer Fruchtbarkeit. In früheren Zeiten fügten Bauern dem Dünger Asche bei, weil sie wussten, dass sich dadurch die Fruchtbarkeit des Bodens steigern ließ. Mineralstoffreiche Asche im Boden förderte das Wachstum des Getreides und ermöglichte so vielen Menschen Brot und Leben.

 

Unzerstörbares Leben

Wer das Aschenkreuz empfängt, bittet Gott, dass die Tage der österlichen Bußzeit für ihn eine Zeit der Umkehr, der Läuterung und der geistlicher Fruchtbarkeit werden mögen. Er bedenkt den Tod, aber noch vielmehr das Leben, ein Leben, das reiche Frucht bringen soll und das von Jesus Christus zur Auferstehung gerufen wird: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Johannes 11,25)  - „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ (Johannes 15,5)

Der Aschermittwoch und die ganze Fastenzeit erinnern daran: Wir gehen Ostern entgegen, nicht nur in einer bestimmten Zeit des Kirchenjahres, sondern immer - mit unserem ganzen Leben.

 

Karl Veitschegger

 

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