Karl Veitschegger (2004)

 

Bibel: Gottes- oder Menschenwort?


Nicht vom Himmel gefallen

Die Heilige Schrift ist nach katholischer Überzeugung nicht vom Himmel gefallen. Sie ist auch nicht die Niederschrift eines direkten Diktates Gottes, wie das z. B. die Muslime vom Koran annehmen. Sie ist vielmehr im Lauf vieler Jahrhunderte gewachsen. Die Schriftsteller der einzelnen biblischen Schriften waren Menschen ihrer jeweiligen Zeit und bedienten sich des Weltbildes, der Naturerkenntnis, der Sprachen und der literarischen Ausdrucksmittel ihrer Zeit. Dennoch hat Gott durch sie geredet und redet auch heute noch zu uns durch sie. Er hat diesen menschlichen Weg zugelassen, ja gewählt, um sich im Lauf der Geschichte immer deutlicher zu offenbaren.

 

Wort Gottes in Person

Am deutlichsten - so glauben wir Christen - hat Gott sich schließlich in Jesus von Nazaret ausgedrückt. Er ist das Mensch gewordene Wort Gottes (vgl. Joh 1). "Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; zuletzt aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn." (Hebr 1,1f) Durch seine Botschaft, sein ganzes Leben, seinen Tod und seine Auferstehung zeigt Gott uns endgültig und unüberholbar, wer er ist und was er mit uns Menschen vorhat. Das ist für uns Christen auch der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Bibel.

 

Gotteswort in Menschenwort

Um es kurz zu sagen: Die Bibel ist Gotteswort in Menschenwort. Ein Einzelner, der darin liest und eigenmächtig interpretiert, kann freilich leicht in die Irre gehen. Denken wir nur an die vielen miteinander rivalisierenden Sekten, die sich alle auf die Bibel berufen. Als katholische Christen lesen und deuten wir die Heilige Schrift daher immer im Licht des Glaubens, wie er in der Gemeinschaft der Kirche seit fast 2000 Jahren verkündet, entfaltet, gelebt und gefeiert wird. Wir sind fest davon überzeugt: Derselbe Geist, der die Schriftsteller der Bibel inspiriert hat, begleitet auch die Kirche durch die Jahrhunderte und lässt sie Gottes Wort immer besser verstehen (vgl. Joh 16, 12).

 

Karl Veitschegger (2004)

 

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