Karl Veitschegger

 

Katholische Karfreitagsliturgie: Erklärung vor der Johannespassion


Um historische Missverständnisse und Vorurteile abzubauen, kann es sinnvoll sein, vor dem Lesen der Passion eine Erklärung abzugeben, was der Evangelist mit dem Ausdruck "die Juden" meint. Hier ein Vorschlag:

 

Wir hören nun die Leidensgeschichte Christi aus dem Johannesevangelium.

Der Evangelist bezeichnet Personen der Jerusalemer Oberschicht und anderer Gruppierungen, die Jesus feindlich gegenüberstehen und an seiner Verurteilung interessiert sind, kurz als „die Juden“ (ähnlich wie man heute z. B. von "den Amerikanern" spricht, wenn man deren politische Führung  meint).

Es muss klargestellt werden, dass der Evangelist nicht das ganze jüdische Volk zur Zeit Jesu meint, schon gar nicht darf man den Jüdinnen und Juden späterer Zeiten die Verurteilung Jesu zur Last legen. Leider ist das im Lauf der Geschichte oft geschehen - mit unsagbar grauenhaften Folgen.

Die katholische Kirche weiß um das schuldhafte Versagen vieler ihrer Glieder im Umgang mit jüdischen Mitmenschen und hat dies durch Päpste und Bischöfe auch mehrmals öffentlich bekannt. Im Zweiten Vatikanischen Konzil hat sie Antisemitismus und Antijudaismus klar und deutlich verurteilt.

 

Karl Veitschegger (2007)

 

Das Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) erklärt:

"Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen. [...] Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche [...] alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus [...] sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden."
(Nostra aetate)

 

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