Karl Veitschegger


Leben nach dem Tod?
Versuch einer christlichen Antwort im Kontext heutigen Denkens. Skizze für Impulsreferate


Sicherheit

Im Blick auf die Zukunft ist nur eines sicher: der Tod. Die Natur beantwortet unsere Fragen über das Danach nicht. Und die Wissenschaft?

 

Sterbeforschung

Die so genannten "Todeserlebnisse" (vgl. Moody etc.) sind eigentlich "Todes-Nähe-Erlebnisse und daher keine Beweise für das Danach. Sie können tröstliche Erfahrungen sein, bleiben aber mehrdeutig. Das gilt auch für spiritistische Phänomene und angebliche "Erinnerungen" an frühere Leben.

 

Das Jenseits - nur ein Wunschprodukt?

Feuerbach, Marx und Freud meinten, den Jenseitsglauben als infantile Selbsttäuschung ("Was ich mir wünsche, muss es auch geben") entlarven zu können. Wichtig dazu die korrigierende Einsicht des Philosophen Eduard Hartmann (um 1900): Der Wunsch ist zwar kein Beweis für die Existenz des Gewünschten, aber genauso wenig ein Beweis für dessen Nichtexistenz! Dem Wunsch muss nicht, aber kann durchaus eine Wirklichkeit entsprechen.
Dem Durst entspricht Wasser, dem Hunger Nahrung. Und der Sehnsucht nach ewigem Leben? Entspricht ihr nichts?

 

Die Antwort der Religionen

Bisher wurde kein Volk ohne Religion gefunden. Der Glauben an ein Leben nach dem Tod ist schon sehr früh nachweisbar (Neandertaler-Gräber, 70.000 v. Chr.). Es hat wohl immer und überall Religion und "Unsterblichkeitsglauben" gegeben. Ist dieser Glaube eine unausrottbare Sehnsucht, die wesentlich zum Menschen gehört?

 

Konsens aller Religionen
Alle Religion stimmen darin überein: Der Mensch erfährt im irdischen Leben Leid und Tod, will aber ewig glücklich sein. Er ist also "erlösungsbedürftig". Die Erlösung, die Überwindung allen Unglücks ist möglich durch Vereinigung mit dem Absoluten.

 

Der große Unterschied:

Bibel/Koran: Das Glücksstreben des Menschen findet seine Erfüllung in Gott, der die Menschen liebt. Jeder Mensch lebt nur ein irdisches Leben. Danach entscheidet sich sein ewiges Schicksal. Der Mensch lebt auch nach dem Tod als "Person".

 

Hinduismus/Buddhismus: Das Unglück des Menschen besteht darin, dass er immer wieder zu einem irdischen Leben (das heißt zu Sorge, Leid, Tod) geboren wird. Erlösung besteht darin, diesem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten zu entkommen. Die Religion zeigt den Weg dazu. Der Buddhismus nennt das wünschenswerte Ziel des Menschen Nirwana (= "Verlöschen"). Dieses Verlöschen muss aber nicht negativ als "Nichts", sondern kann auch positiv als unbegrenzte Freiheit verstanden werden.

Reinkarnation - Wiedergeburt?

Karma-Lehre: Das Schicksal im jetzigen Leben ist die Konsequenz aus dem (richtigen und falschen) Verhalten in früheren Leben. Wiedergeburten sind eine Last, dienen aber der Läuterung. Die Karma-Lehre ist ein Erklärungsversuch für die unterschiedlichen Schicksale der Menschen ("Warum müssen manche so viel leiden?" "Warum werden manche schon behindert geboren?")
Kritische Fragen an die Vertreter/innen der Karma-Lehre:
Ist z.B. ein behindertes Baby wirklich selber schuld an seinem Schicksal? Wenn jeder Notleidende sein Leid zur eigenen Läuterung braucht, warum soll ich ihm dann helfen? Verlängert meine Hilfe nicht seinen Läuterungsweg? Wo bleibt meine Identität, wenn ich mein Vorleben vergessen habe? War das überhaupt "ich" oder nicht doch ein anderer, für den ich jetzt "büße"? Muss alles abgebüßt werden? Gibt es keine Vergebung?

 

Auferstehung

Auch wo es keine Beweise gibt, kann Vertrauen vernünftig und sinnvoll sein. Der Glaube an ein ewiges Leben ist eine Frage des Vertrauens. Der biblische Auferstehungsglaube erwächst (im Volk Israel) aus dem Glauben an den guten Schöpfer: Gott hat uns nicht erschaffen, damit wir im Nichts enden. Gott ist treu, er betrügt uns nicht. Wenn er uns die Sehnsucht nach ewigem und voll-personalem Leben ins Herz gesenkt hat, dann wird er sie auch erfüllen. Gott hat nichts umsonst erschaffen. Nicht nur das Geistige, sondern auch alles Leibhafte wird sein Ziel in Gott erreichen (bildhaft ausgedrückt: "Auferstehung des Leibes").

 

Jesus von Nazaret - Hoffnung in Person
Jesus verkündet: Gott ist gut ("Abba") und wird das ganze Weltgeschehen zu einem guten Ende bringen ("Reich Gottes"). Jesus predigt diese Hoffnungs-Botschaft nicht nur (das tun auch andere Rabbiner seiner Zeit und 600 Jahre später Muhammad), sondern er lebt sie auch selbst ganz und gar - vor allem als Freund der "Sünder", Zöllner und Desperados. Ja, er ist diese Botschaft. Menschlichkeit ist ihm wichtiger als Sabbat und Tempel. Dafür bezahlt er mit seinem Leben am Kreuz - vermutlich am 7. April 30. Seine Gegner können triumphieren: "Verflucht ist, wer am Holze hängt!" (Dt 21,23). Jesus scheint als falscher Prophet, als Wecker falscher Hoffnungen, entlarvt. Doch bald passiert Unglaubliches: Seine Jünger und Jüngerinnen verkünden öffentlich: "Gott hat Jesus, den Gekreuzigten, auferweckt! Er lebt!"
Welche Erfahrungen haben diese Menschen gemacht, dass sie etwas so Verrücktes behaupten können, ja für diese Botschaft sogar Verfolgung in Kauf nehmen? - Sie selbst sagen: "Wir haben den Auferweckten gesehen!" (Visionen, Auditionen, Berufungserlebnisse?) Ohne diese einschneidenden Erfahrungen der ersten Jüngerinnen und Jünger gäbe es kein Christentum!

Christlicher Glaube sagt: Die Hoffnung auf ewiges voll-menschliches Leben ist nicht nur ein schöner Wunschtraum (Feuerbach, Marx, Freud), auch nicht nur ein Postulat philosophischen Nachdenkens (Aristoteles, Kant) oder spiritueller "Experimente" (Esoterik, Spiritismus), sondern hat einen ganz konkreten Anhaltspunkt im Schicksal des Jesus von Nazaret. "Er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit." (Kol 1,27) Die Person Jesu selbst ist die konkrete Gestalt unserer Hoffnung. "Das neue, ewige Leben des Einen ist Herausforderung und reale Hoffnung für alle!" (Hans Küng)

 

Glaube als Entscheidung

Besonders im Johannesevangelium tritt uns Jesus Christus als Hoffnung in Person entgegen, die auch zur Entscheidung ruft: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?" (Joh 11,25 u.26)

 

Karl Veitschegger (14.03.1995/31.03.2002)

 

Kurzerklärung traditioneller Begriffe

·         Persönliches Gericht: Im Tod begegnet der Mensch in Jesus Christus dem liebenden Gott und erkennt die Wahrheit seines Lebens. Verstellung ist unmöglich. Gott versteht jeden und jede. Es ist gut, dass Er unser Richter ist.

·         Fegefeuer (eigentlich: purgatorium = Reinigung): Gottes Liebe reinigt alle Verstorbenen, die grundsätzlich für ihn offen sind, von dem, was nicht gut und echt an ihnen ist. "Schmerzhaft" erfahren sie ihr Verhaftet-Sein im Unechten. Das Fegefeuer ist keine Mini-Hölle oder Folterkammer, sondern Prozess der Läuterung und Heilung (Nachreifung?).

·         Himmel: Gott selbst ist der Himmel. Er allein ist das volle Glück des Menschen - ewiges "Jetzt"

·         Hölle: Endgültiges Nein zu Gott, endgültiger Verlust Gottes (eine Möglichkeit, vor der die Bibel warnt, die aber hoffentlich niemand ergreift!)

·         Jüngster Tag/Letzter Tag: Die ganze Schöpfung erreicht ihr Ziel (das Wie ist nicht vorstellbar; die Bibel bietet Bilder, aber keine Beschreibungen).

·         Jüngstes Gericht: Wenn der letzte Tag der Menschheit gekommen ist, zeigt sich der endgültige Wert und Sinn aller Taten, Worte und Gedanken der Menschen. Jesus Christus offenbart vor allen das Urteil Gottes.

·         Auferstehung des "Fleisches": Nicht nur die Seelen sind für die Ewigkeit bestimmt, sondern auch alles Leibliche und Materielle wird in Gott sein Ziel finden. Alles, was existiert, ist zur Vollendung in Gott berufen.

 

Zum Nachdenken:

Wenn wir zerfallen, wenn unser Leib zerfällt, wenn unser Geist sich verwirrt, dann ist es Gottes Gedächtnis, sein Gedenken an uns, das uns zusammenhält, das das, was unsere Person ausmacht, bewahrt und – so die christliche Hoffnung – in neuer Form realisieren wird, in der es keinen Tod, kein Leid und keine Tränen mehr geben wird.“

(Dirk Evers, evangelischer Theologe)

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Karl Veitschegger © 1995/2000
Aktualisiert: 01. November 2011