Karl Veitschegger

 

Das Fest Maria Empfängnis (8. Dezember)


 

Neun Monate vorher

Neun Monate vor dem Geburtsfest der Mutter Jesu (8.September) denkt die katholische Kirche daran, dass Maria von ihren Eltern gezeugt und empfangen worden ist. Die Namen ihrer Eltern, Joachim und Anna, stehen zwar nicht in der Bibel, werden aber schon in frühchristlichen Schriften (ab 150 n. Chr.) genannt. Erstmals ist ein solches Fest der „Lebensentstehung" Marias in der Ostkirche im 9. Jahrhundert nachweisbar.

 

Schon im Mutterleib heilig

Im Evangelium des Festtages wird zu Maria gesagt: „Sei gegrüßt, du Begnadete1, der Herr ist mit dir! " (Lukas 1,28). Katholischer Glaube erkannte im Lauf der Jahrhunderte immer klarer: Maria, die Mutter des Herrn, war bereits vom ersten Augenblick ihres Daseins (=von ihrer Empfängnis an) eine „Begnadete"1 und durfte von Anfang an in ungetrübter (= „unbefleckter") Freundschaft mit Gott leben. Deshalb nennt man ihren Lebensbeginn – leider sehr missverständlich – auch „unbefleckte Empfängnis". (Sexualfeindliche Assoziationen sind hier völlig fehl am Platz, denn Maria wurde auf ganz natürliche Weise von ihren Eltern gezeugt und empfangen.)

 

Dogma

1854 bekräftigte Papst Pius IX. diese Lehre von der Erwählung Marias. Nachdem er zuvor alle katholischen Bischöfe befragt hatte, verkündete er, die theologische Sprache seiner Zeit verwendend, folgendes Dogma:

„Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben."

Deshalb wird der 8. Dezember offiziell als "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria" bezeichnet.

 

Erbsünde?

Mit den Ausdrücken „Erbsünde" oder „Erbschuld" wird seit altchristlicher Zeit darauf hingewiesen, dass jedes Menschenkind, obwohl persönlich daran unschuldig, in eine Menschheit hineingeboren wird, die nicht nur schön und gut ist, sondern die auch radikal von Gottesfinsternis, Sünde und Brutalität geprägt ist. Ein belastendes Erbe! Ohne besondere Hilfe Gottes (Gnade, Erlösung) ist es daher keinem Menschen möglich, das wahre Glück zu finden, d. h. die Liebe Gottes zu erkennen, sie anzunehmen, ihr zu vertrauen und aus ihr zu leben.

Die „Erbschuld" (schicksalhafte Verstrickung in das Böse) ist von persönlicher Schuld (eigenes, absichtliches Nein zu Gott) zu unterscheiden. Maria wurde - so lehrt die katholische Kirche - sowohl vor jeder Schädigung durch die „Erbschuld" als auch vor jedem persönlichen Nein zu Gott bewahrt. Auf diese Weise gerettet und erwählt, wird sie auch als Immaculata (Makellose, Unbefleckte) bezeichnet.

 

Karl Veitschegger (2008)

 

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1 Im Griechischen Urtext steht „Kecharitomene", ein Wort, das ein starkes Begnadet-Sein ausdrückt: Hochbegnadete, Hochbegünstigte, Gnadenvolle.

 

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